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Allianz - Rückrufaktion

Rückrufrekord

Wie sicher sind unsere Autos?

Noch nie gab es so viele Rückrufe. Werden unsere Fahrzeuge immer nachlässiger produziert? Wird Autofahren gefährlich? Carsten Reinkemeyer, Leiter der Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik, klärt auf. Erfahren Sie zudem, welche Rechte Sie bei einem Rückruf haben.

Rückrufaktionen auf Rekordniveau

Rückrufaktionen haben weltweit ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Auch bei uns haben Rückrufe - wie zuletzt beispielsweise bei Toyota, Mercedes, BMW, VW oder Audi – stark zugenommen. Alarmierende Zahlen kommen vom US-Markt. Hier wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 37,2 Millionen Pkw zurückgerufen, mehr als 2012 und 2013 zusammen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 455 Prozent! Gemeint ist das Verhältnis der Zahl der zurückgerufenen Autos zur Zahl der Neuanmeldungen.

Laut der Studie des Forschungsinstituts Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach war General Motors (GM) mit 37 Rückrufaktionen für 25 Millionen Fahrzeuge unangefochtener Spitzenreiter (1.668 Prozent). Auf Platz 2 der Negativliste liegt Toyota (Rückrufquote 379 Prozent), auf Platz 3 der Elektrofahrzeughersteller Tesla (321 Prozent). Deutsche Konzerne waren auch betroffen, schnitten aber deutlich besser ab: Daimler (151 Prozent), BMW (89 Prozent) und VW (61 Prozent).


Die häufigsten Gründe für einen Rückruf
Knapp die Hälfte der sicherheitsrelevanten Mängel betraf elektronische Komponenten, gefolgt von Problemen mit den Innenschutzeinrichtungen sowie Mängel an den Bremsanlagen.

Allianz - Tortendiagramm zu Rückrufgründen

Sechs Fragen an unseren Sicherheitsexperten


Der Negativrekord an Rückrufaktionen beunruhigt Fahrer aller Automarken. Wir wollten deshalb von Carsten Reinkemeyer, dem Leiter der Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT) wissen, wie sicher unsere Autos noch sind.

  • Herr Reinkemeyer, der Rückruf von Autos hat weltweit ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen. Werden Autos immer schlampiger produziert?
    So einfach lässt sich das nicht beantworten. Der Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie ist enorm. Die Konzerne reagieren mit immer kürzeren Entwicklungszyklen, schnelleren Produktionszeiten und globaler Produktion mit immer mehr Zulieferern. Gleichzeitig nimmt die technische Komplexität zu, und die Fehleranfälligkeit steigt. Fast jeder zweite Rückruf betrifft heute elektronische Komponenten. Ein weiterer Grund ist, dass die gleichen Bauteile parallel in verschiedenen Fahrzeugtypen verbaut werden. Wir beobachten, dass die Zahl der vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) registrierten Rückrufaktionen nach zunächst starkem Anstieg seit einigen Jahren etwa gleich bleibt, die Zahl der betroffenen Fahrzeuge jedoch tendenziell steigt.
  • In den USA werden für ein verkauftes Auto vier zurückgerufen. Die Rückrufquote lag im ersten Halbjahr 2014 bei sage und schreibe 455 Prozent. Wie sieht es bei uns aus?
    Eine Rückrufquote wie in den USA wird hier nicht ermittelt, aber die Zahl der betroffenen Autos hat auch bei uns kontinuierlich zugenommen. Sie lag im wenig spektakulären Jahr 2013 bei 770.000 Fahrzeugen. Aber auch da gab es Ausreißer, als 2011 1,2 Millionen Fahrzeuge betroffen waren. Selbst 2003 waren es schon mal eine Million Fahrzeuge, die zurückgerufen wurden. So gut wie jeder Autohersteller ist betroffen, egal ob aus Amerika, Asien oder Europa. Auf 2,95 Millionen Neuzulassungen bezogen, haben wir damit in Deutschland eine Quote von 26 Prozent im Jahr 2013. Bezogen auf den Bestand von 52 Millionen Kfz in Deutschland sind das sogar nur 1,5 Prozent. Die Zahlen sind also bei weitem nicht so spektakulär wie in den USA. General Motors (GM) ist dort allein für drei Viertel der Rückrufaktionen verantwortlich. Wir haben es hier aber auch mit einem Einmaleffekt zu tun, weil GM Rückrufe nicht durchgeführt hat, die jetzt nachgeholt werden mussten.
  • Und was ist mit unseren deutschen Qualitätsfahrzeugen?
    Deutsche Autokonzerne stehen im Vergleich zu den US-Herstellern und asiatischen Marken besser da. Doch auch sie sind nicht vor Rückrufaktionen gefeit. Anderseits sind die Rückrufaktionen auch ein Zeichen für Verantwortung, welche die Autohersteller hier übernehmen. Ein Indikator dafür ist, dass das KBA sehr wenige Rückrufe veranlassen muss, weil die Hersteller Fehlerbehebungsaktionen in Eigenverantwortung auslösen. Darüber hinaus werden auch ständig laufende Produktverbesserungen im Rahmen von Werkstattaufenthalten, z. B. beim Kundendienst, umgesetzt.
  • Lediglich 75 Prozent aller betroffenen Fahrzeuge in den USA werden tatsächlich repariert. Wie ernst sollten Autofahrer eine Aufforderung zur Fahrzeugüberprüfung nehmen?
    Jede Rückrufaktion muss ernst genommen werden. Sicherlich werden in den USA auch Rückrufe durchgeführt, die bei uns nicht stattfinden würden. Die Produkthaftung ist dort strenger geregelt. In Deutschland wird ein offizieller Rückruf dann ausgelöst, wenn Sach- oder Personenschaden droht. Wer diesen Rückruf ignoriert, übernimmt damit im Schadenfall die Verantwortung. Wer ihn trotz mehrfacher Aufforderung nicht beachtet, dessen Fahrzeug kann sogar vom KBA zwangsweise stillgelegt werden. Das ist 2013 immerhin rund 9.000 Mal geschehen.
  • Autos werden mit immer mehr Sicherheitsfeatures ausgestattet. Aber ist das nur Augenwischerei, wenn gleichzeitig die Rückrufquote auf Rekordniveau steigt?
    Nein. Auch die Rückrufe sind ein Zeichen für zunehmende Sicherheit: Die Hersteller trauen sich heute eher, Fehler offen zu beheben statt sie zu verstecken. Ein solches Verstecken hat man ja GM vorgeworfen und stark kritisiert. Dazu kommt natürlich, dass gesetzliche Forderungen an die Verantwortung der Hersteller verschärft worden sind. Und man darf nicht vergessen, dass unsere Autos sehr viel komplexer geworden sind, denn im vergangenen Jahrzehnt hat sich wirklich viel getan. Unzählige aktive und passive Sicherheitssysteme wurden entwickelt und serienmäßig eingebaut. Man denke an Airbags, ABS, ESP, Fahrassistenzsysteme, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
    Bei uns im Allianz Zentrum für Technik (AZT) steht das Thema Sicherheit im Straßenverkehr seit über 40 Jahren im Mittelpunkt. Unsere Studien und Crashtests zeigen – ebenso wie die amtliche Unfallstatistik - dass moderne Fahrzeuge so sicher sind wie noch nie, auch wenn die Rückrufzahlen subjektiv einen anderen Eindruck vermitteln mögen.
  • Was fordern Sie als Sicherheitsexperte?
    Dass in unseren Autos immer wieder sicherheitsrelevante Fehler erkannt werden, ist wohl kaum vollständig zu vermeiden. An die Industrie ist daher die Forderung zu richten, hier keine Kompromisse zu Lasten der Sicherheit einzugehen. Davon hängt letztlich auch das Vertrauen der Kunden ab.
    Aber auch dem Autofahrer obliegt ein bewusster Umgang mit Rückrufen. Mein persönlicher Rat ist: Wenn das eigene Fahrzeug von einem Rückruf betroffen ist, nehmen Sie die Informationen im Interesse Ihrer Sicherheit ernst, und folgen Sie möglichst bald dem Aufruf des Herstellers.
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Unfall wegen Rückrufmangel
Verursacht das Fahrzeug, das per Rückrufaktion aufgrund eines herstellerseitig zu vertretenden Mangels zurückgerufen wird, noch vor der Beseitigung des Mangels einen Unfall und der Mangel ist ursächlich für den Unfall, so leistet der Versicherer bei Kasko und Haftpflicht in vollem Umfang. Er nimmt aber beim Hersteller Regress.

Ignoriert der Halter den Rückruf und verursacht einen Schaden, so handelt er grob fahrlässig. Einige Versicherer verzichten auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit und leisten in voller Höhe, andere verzichten nicht und nehmen anteilig Regress beim Versicherungsnehmer. Bei der Bemessung der Regresshöhe ist dann ausschlaggebend, in welchem Umfang/zu welchem Anteil der Mangel ursächlich für den Schaden war. Erfährt der Halter nichts von der Rückrufaktion und kann glaubhaft machen, dass die Information ihn nicht erreicht hat und er diese nicht bewusst ignoriert hat, so leistet der Versicherer in vollem Umfang und nimmt wiederum Regress beim Hersteller.

Mit dem Allianz Rechtsschutz sind Sie juristisch und finanziell auf der sicheren Seite.


Ihr Recht bei Rückruf

Die Rechtsexperten vom Automobilclub von Deutschland e.V. (AvD) geben Ihnen wertvolle Tipps, was Sie beachten sollten, wenn Ihr Auto von einem Rückruf betroffen ist.


Wie erfahre ich von einem Rückruf?
In der Regel schreiben die Hersteller die Besitzer an. Dazu greifen sie auf Daten des Kraftfahrtbundesamtes zurück, trotzdem werden nicht immer alle erreicht. Wer beispielsweise auf Grund eines Medienberichts vermutet, dass sein Fahrzeug betroffen ist, ohne dass er angeschrieben wurde, sollte umgehend Kontakt zum Hersteller bzw. seinem Händler aufnehmen.

Datenbank Kraftfahrt-Bundesamt
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erfasst alle Rückrufaktionen in einer Datenbank. Die Onlinerecherche ist kostenlos. Mehr unter www.kba.de.


Wer trägt die Kosten?

Normalerweise übernimmt der Hersteller die Kosten für die Nachbesserung. In den ersten beiden Jahren fällt die Reparatur im Rahmen des Rückrufs unter die übliche Gewährleistungspflicht bzw. die Herstellergarantie. Bei älteren Fahrzeugen besteht auf Grund des Produkthaftungsgesetzes (ProdHaftG) kein Anspruch auf Kostenerstattung. Die meisten Hersteller bzw. Werkstätten zahlen aber dennoch.


Habe ich das Recht auf einen Leihwagen?

Ein Anspruch auf ein kostenloses Ersatzfahrzeug besteht nicht. Manche Händler stellen kulanterweise ein Leihfahrzeug zur Verfügung.


Wie kann ich bei einem Gebrauchten feststellen, ob die Rückrufaktion durchgeführt wurde?

Autohersteller speichern jahrelang die Informationen über Rückrufaktionen. Gebrauchtwagenkäufer können so herausfinden, welche Rückrufe es gab und ob ihr Fahrzeug betroffen war. Zudem werden die jeweiligen Fahrzeugteile bei der Reparatur meist speziell gekennzeichnet.

Bin ich verpflichtet, im Rahmen einer Rückrufaktion eine Reparatur durchführen zu lassen?
Grundsätzlich ja, denn der Fahrzeugbesitzer ist für den verkehrssicheren Zustand seines Autos verantwortlich. Rückrufaktionen werden nur ausgerufen, wenn ein Mangel vorliegt, der die Verkehrssicherheit beeinträchtigt oder die Umwelt gefährdet.


Wie schnell muss ich reagieren?

Das hängt vom Einzelfall ab. Steht keine Aussage dazu im Anschreiben, sollten Sie unbedingt vor der nächsten Benutzung ihres Autos mit dem Fahrzeughersteller bzw. Ihrer Werkstatt Kontakt aufnehmen.


Was passiert, wenn ich eine Rückrufaktion ignoriere?

Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet die nicht reparierten Fahrzeuge am Ende einer Rückrufaktion an die jeweilige Zulassungsbehörde. Diese hat das Recht, eine sogenannte Betriebsuntersagung auszusprechen, bis das Fahrzeug repariert ist.

Allianz - Sicherheitsexperte Carsten Reinkemeyer

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