Zwei Hände kleben rosa TÜV-Plakette auf Kfz-Kennzeichen
Unterwegs mit Mängeln am Pkw

Zahlt die Kfz-Versicherung bei abge­lau­fe­nem TÜV?

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Wer die vorgeschriebene Haupt­untersuchung (HU) nicht vornimmt und mit abgelaufenem TÜV unterwegs ist, riskiert unter anderem defekte Bremsen, abgefahrene Reifen oder einen Fehler im Fahrwerk – und erhöht damit die Unfallgefahr.
  • Kommt es durch einen technischen Fehler, der bei einer TÜV-Unter­suchung hätte behoben werden können, zu einem Unfall, kommt die Kfz-Haftpflicht zwar für Schäden Dritter auf. Die Auto­­ver­sicherung kann den Ver­si­che­rungs­­nehmer in diesem Fall aber an den Kosten beteiligen.
  • Bei einer Regressnahme des Versicherten muss die Unfall­ursache durch ein Gutachten nachgewiesen werden.
  • Ist die TÜV-Plakette seit mehr als zwei Monaten abgelaufen, droht ein Bußgeld in Höhe von 15 Euro bis 60 Euro. Ab einer TÜV-Über­ziehung von acht Monaten gibt es zusätzlich einen Punkt in Flensburg.
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Statistik
Im Jahr 2019 kamen bundesweit mehr als sieben Millionen Personenkraftwagen aufgrund von Mängeln nicht durch die Hauptuntersuchung. Sachverständige staatlich anerkannter Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA hatten alle Hände voll zu tun, Probleme aufzuspüren. Insgesamt nahmen sie 20,7 Millionen Pkw unter die Lupe. Wie es im Bericht des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) von August 2020 heißt, beanstandeten Experten am häufigsten lichttechnische Einrichtungen und andere Teile der elektronischen Anlage der geprüften Fahrzeuge. 26,6 Prozent der Automobile erhielten aus diesem Grund keine TÜV-Plakette.
 
Am zweithäufigsten bemängelten Prüfer bei 18,8 Prozent der Pkw Defekte an der Bremsanlage. Mit 18,4 Prozent folgen dicht dahinter von den Fahrzeugen verursachte Umweltbelastungen, beispielsweise durch Lärmentwicklung oder Motorabgase. Durchschnittlich wies jedes Fahrzeug 2,67 Mängel auf. Das nachfolgende Diagramm zeigt die häufigsten Mängelarten bei Pkw im Jahr 2019:
Infografik: Balkendiagramm zeigt die fünf häufigsten Mängel bei Pkw im Jahr 2019
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Versicherungsschutz
Für Ihr Fahrzeug besteht Versicherungsschutz auch bei abgelaufenem TÜV. Allerdings kann Ihr Autoversicherer Sie als Versicherungsnehmer bei einem Unfall in Regress nehmen und am Schadenersatz beteiligen. Dafür muss ein Gutachter nachweisen, dass Mängel an Ihrem Wagen bei einer termingerechten TÜV-Untersuchung festgestellt worden wären und der Unfall dadurch hätte vermieden werden können.
Roter Pkw steht nach Autounfall mit Blechschaden auf Fahrbahn

Bei Fahren ohne TÜV kann Versicherungs­schutz entfallen

Bewegen Sie einen Pkw mit abgelaufenem TÜV im öffentlichen Straßenverkehr, werten Kfz-Versicherer dies meist als leichte Fahr­lässigkeit. Grob fahrlässig wäre es, wenn Sie mit abgelaufenem TÜV unterwegs sind und wissen, dass an Ihrem Auto etwas defekt ist. Einige Versicherungen schließen die Schutzleistung in diesem Fall von vornherein aus. Im Falle eines Unfalls blieben Sie auf Ihren Kosten sitzen.

Die Allianz hingegen versichert auch grobe Fahr­lässigkeit in der Kfz-Haftpflicht und Vollkasko oder Teilkasko.

Welche Kosten über­nimmt die Kfz-Haft­pflicht?

Angenommen Sie verursachen einen Auffahr­unfall, weil technische Mängel an Ihrer Brems­anlage vorliegen, die eine Prüfstelle bei fristgerechter HU entdeckt hätte. Zwar kommt Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung zunächst für Sach- und Personen­schäden auf, die Dritten durch den Autounfall entstehen. Da Sie den TÜV überzogen haben, kann die Versicherung Sie im Anschluss in Regress nehmen und bis zu 5.000 Euro der entstandenen Kosten von Ihnen zurück­fordern. Denn: Die Unfallschäden sind auf Ihre Obliegen­heits­verletzung als Versicherungs­nehmer (= mit oder ohne Vorsatz versäumte TÜV-Abnahme) zurückzuführen.

Welche Schäden deckt die Teilkasko ab?

Den Glasbruch als Folge eines Autounfalls zahlt Ihre Teilkasko in der Regel auch dann, wenn der Unfall mit bestandenem TÜV hätte vermieden werden können. Bezweifelt der Ver­sicherer allerdings den fahrtüchtigen Zustand Ihres Wagens zum Unfall­zeit­punkt, kann er wie bei der Kfz-Haftpflicht Regressansprüche erheben und Sie dazu auffordern, einen Teil der Schaden­summe selbst zu begleichen. Entsprechendes gilt bei einem Wildunfall.

In welchen Fällen springt die Vollkasko ein?

Die Vollkasko deckt alle Schäden an Ihrem eigenen Pkw ab. Auch hier gilt: Der Versicherer kann Sie am Schadenersatz beteiligen. Dazu muss er durch ein Gut­achten belegen, dass ein frist­gerechter TÜV den Schaden verhindert hätte – etwa wenn Sie mit intakten Bremsen keinen Auffahrunfall verursacht hätten. Schäden durch Vandalismus am Auto reguliert die Vollkasko unabhängig davon, ob der TÜV des Fahrzeugs abgelaufen ist.

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Kosten

Haben Sie die Hauptuntersuchung zwei Monate oder länger überzogen, riskieren Sie ein Bußgeld, wenn Sie mit dem Kfz beispielsweise in eine Verkehrs­kontrolle geraten. Davor können Polizeibeamte oder Ordnungs­amt Sie zwar auf die Überschreitung des HU-Vorführtermins hinweisen, aber keine Verwarngelder verhängen.

Auch wenn die nächsten HU-Termine erst in Monaten verfügbar sind oder Sie andere nachvoll­ziehbare Gründe für das Aufschieben der TÜV-Abnahme vor­weisen: Führen Sie die Haupt­unter­suchung nicht innerhalb des Monats durch, der auf der Prüfplakette ange­geben ist, begehen Sie eine Ordnungs­widrigkeit.

Laut Bußgeldkatalog ist mit folgenden Strafen zu rechnen:

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TÜV abgelaufen
Strafe
mehr als 2 bis 4 Monate 15 Euro Bußgeld
mehr als 4 bis 8 Monate 25 Euro Bußgeld
mehr als 8 Monate 60 Euro Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg
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Gelbe TÜV-Plakette, die auf fällige HU im März 2021 hinweist
Hauptuntersuchung im Überblick
Gelbe TÜV-Plakette, die auf fällige HU im März 2021 hinweist

Bei der Hauptuntersuchung werden unter anderem Lenkung, Motor und Bremsen auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft. Ziel ist, die Verkehrssicherheit des Fahrzeuges zu bestätigen und Autounfälle zu vermeiden. Die HU ist seit 1. Dezember 1951 in Deutschland für Kraftfahrzeuge vorgeschrieben und umgangssprachlich als TÜV bekannt. TÜV ist die Abkürzung für "Technischer Überwachungsverein".

Kommt Ihr Fahrzeug aufgrund tech­ni­scher Mängel nicht durch den TÜV, verhilft Ihnen eventuell eine Nach­unter­suchung zur Prüfplakette. Zu dieser können Sie sich anmelden, sobald die festgestellten Defekte nicht mehr vorliegen. Weist Ihr Fahrzeug bei der Nach­unter­suchung keine Probleme mehr auf, erhalten Sie die TÜV-Bestätigung für die nächsten zwei Jahre.

Woran erkenne ich, wann der nächste TÜV fällig ist?

Bei privat genutzten Neufahrzeugen ist die HU erstmalig 36 Monate nach Zulassung fällig. Danach müssen Pkw, Motorräder und Wohnmobile alle zwei Jahre zur TÜV-Abnahme. Den nächsten Fälligkeitstermin können Sie an der HU-Plakette ablesen, die am hinteren Kfz-Kennzeichen angebracht ist. Auch der letzte HU-Prüfbericht oder Ihre Fahrzeugpapiere geben Aufschluss über den nächsten Prüftermin. Das Datum ist in der Zulassungsbescheinigung Teil I (ehemals: Fahrzeugschein) vermerkt.

Wie lese ich die TÜV-Plakette richtig?

Die TÜV-Plakette hat jedes Jahr eine andere Farbe, insgesamt gibt es sechs. 2020 fällige Hauptuntersuchungen erkannten Sie an einer blauen Plakette, 2021 ist sie gelb. Neben der Farb­kenn­zeichnung geben auch die auf der Plakette vermerkten Zahlen Aufschluss darüber, wann genau die nächste Hauptuntersuchung fällig ist.

Die Jahreszahl finden Sie in der Mitte der TÜV-Plakette, den jeweiligen Monat der Prüfung vertikal darüber – also auf zwölf Uhr, wenn Sie sich den Aufkleber wie das Zifferblatt einer Uhr vorstellen. Auf dem Beispielbild wäre die nächste HU im März 2021 fällig.

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Gut zu wissen: COVID-19
Illustration Info: Gut zu wissen

Trotz der Corona-Krise sind Sie dazu ver­pflichtet, Ihr Auto zur HU zu bringen, wenn die Prüffrist abläuft. Unter Ein­hal­tung von Abstands- und Hygiene­vorschriften führen TÜV, DEKRA und andere Prüfstellen weiterhin Fahr­zeug­unter­suchungen durch. Um Wartezeiten und Kundenandrang zu vermeiden, buchen Sie Ihren Termin am besten vorab online oder telefonisch.

Fahrzeughalter, die sich in häuslicher Quarantäne befinden oder zur Risikogruppe gehören, können beispielsweise Freunde oder Familie darum bitten, ihr Gefährt zur Sicherheits­prüfung zu bringen.

Das Bundes­verkehrs­ministerium hat den Bundesländern, die für die Fahrzeug­über­wachung zuständig sind, darüber hinaus empfohlen, während der Corona-Pan­de­mie TÜV-Frist­überschreitungen von bis zu vier Monaten nicht zu ahnden. Das heißt: Ist die HU Ihres Pkw während des Lockdowns beispielsweise seit drei Monaten abgelaufen und Sie geraten in eine Polizeikontrolle, sind die Beamten dazu angehalten, kein Bußgeld zu verhängen.

Illustration Info: Gut zu wissen
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Häufige Fragen
  • TÜV überziehen: Was muss ich bei Saisonkennzeichen beachten?

    Wenn Sie ein Fahrzeug mit Saisonkennzeichen nutzen, dürfen Sie es außerhalb der Geltungs­dauer nicht auf öffentlichen Straßen bewegen. Die einzige Ausnahme ist die direkte Fahrt zur Hauptuntersuchung, falls diese außerhalb des Saisonzeitraums liegt. 

    In finanzieller Hinsicht kann es sinnvoll sein, den Termin zur HU verstreichen zu lassen und diese gleich zu Beginn der nächsten Saison nachzuholen. Nehmen Sie mit dem Auto nicht am Straßen­verkehr teil, droht auch keine Strafe. Die erste Fahrt in der neuen Saison muss allerdings direkt und ohne Umwege zum TÜV führen – so verlangt es auch Ihr Versicherer. Ansonsten kann es im Schadenfall teuer werden.

  • Worauf muss ich achten, wenn ich im Ausland den TÜV überziehe?

    Sind Sie mit Ihrem Fahrzeug, beispielsweise einem Wohnmobil, für einen längeren Zeitraum im Ausland unterwegs und zur fälligen Hauptuntersuchung nicht zurück in Deutschland, muss die erste Fahrt in der Heimat sofort zur offiziellen HU führen. Innerhalb der EU ist es bislang nicht möglich, eine für Deutschland gültige HU machen zu lassen. Sie können sich den mängelfreien Zustand Ihres Kfz aber bei einer ausländischen Prüfbehörde dokumentieren lassen.
  • TÜV bei Anhänger überziehen – wie lange ist das möglich?

    Ist Ihr Anhänger- oder Wohnwagen-TÜV fällig, haben Sie bis zu zwei Monate Zeit, um das Gefährt bei einer technischen Prüfstelle vorzuführen. Innerhalb dieses Zeitraums können Polizei und Ordnungsamt Sie zwar auf die fällige HU hinweisen, Bußgelder drohen aber nicht.

    Erst wenn Sie die Sicherheits­prüfung Ihres Hängers länger als zwei Monate überziehen, ist laut Bußgeld­rechner eine Geldstrafe zwischen 15 und 60 Euro fällig. Wer die Hauptunter­suchung bei seinem Anhänger mehr als acht Monate aufschiebt, riskiert zusätzlich einen Punkt in Flensburg.

  • Ist ein Motorrad ohne TÜV noch versichert?

    Genauso wie bei Pkw und anderen Kraftfahrzeugen gilt bei Motor­rädern: Auch wenn Sie den TÜV überziehen gilt der Versicherungs­schutz. Verschulden Sie allerdings einen Unfall, weil technische Mängel an Ihrem Bike vorliegen, kann Ihre Motorradversicherung Sie in Regress nehmen. Denn: Da Sie die HU überzogen haben, liegt ein Verstoß gegen Ihre Obliegen­heits­pflicht als Versicherungs­nehmer vor. Der Motorrad­ver­sicherer kann Sie im Schadenfall daher an den Kosten für die Entschädigungs­leistung beteiligen.
  • Wird die Plakette zurückdatiert, wenn der TÜV abgelaufen ist?

    Nein, die neue TÜV-Plakette gilt zwei Jahre – unabhängig davon, wann die Prüfstelle sie ausstellt. Die Rückdatierung wurde 2012 abgeschafft. Bis dahin waren Fahrzeughalter bei über zwei Monate überzogenem TÜV dazu verpflichtet, ihr Kfz bei der nächsten Hauptuntersuchung entsprechend früher vorzuführen. Wer seinen Pkw beispielsweise erst nach drei Monaten zur HU brachte, erhielt eine rückdatierte Prüf­plakette, die statt 24 Monate nur 21 Monate gültig war.
  • Drohen Strafen bei Nicht-TÜV-Fahrten mit Kurzzeitkennzeichen?

    Ja, denn ohne gültige Haupt- und Abgasuntersuchung sind mit dem Fahrzeug ausschließlich Fahrten zu technischen Prüfstellen im eigenen oder angrenzenden Zulassungs­bezirk gestattet. Das gilt auch, wenn das Kfz mit einem Kurzzeitkennzeichen zugelassen ist. Dieses Sonderkennzeichen ist maximal fünf Tage gültig und ermöglicht Probe- und Über­führungs­fahrten innerhalb Deutschlands und Europas.
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