Fahrerflucht und ihre versicherungsrechtlichen Folgen

Zahlt die Kfz-Versicherung bei Unfallflucht?

1 von 6
Kurz erklärt in 30 Sekunden
Zweithäufigste Straftat im Straßenverkehr
  • Wer einen Unfall verursacht und mit seinem Fahrzeug nicht sofort anhält, begeht Unfallflucht. Darunter fällt selbst die Fahrt zum nächstgelegenen Parkplatz.
  • Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers reguliert in der Regel den Schaden, der Dritten entstanden ist.
  • Kann der Verursacher nicht ausfindig gemacht werden, springt die Vollkasko des geschädigten Unfallbeteiligten für die Schadensregulierung ein.
  • Fahrerflucht gilt als zweithäufigste Straftat im Straßenverkehr und wird unter bestimmten Umständen mit Freiheitsentzug bestraft.
Allianz - Illustration Info: Gut zu wissen
Gut zu wissen
Allianz - Illustration Info: Gut zu wissen

Entfernt sich ein beteiligter Straßenverkehrsteilnehmer vom Unfallort, bevor seine Personalien und die Art seiner Unfallbeteiligung festgestellt werden kann, ist dies eine Unfallflucht oder auch Fahrerflucht. Dies ist nach §142 des Strafgesetzbuches (StGB) eine Straftat.

Nach Angaben der Bayerischen Polizei aus dem Jahr 2018 entfernt sich im Schnitt etwa jeder vierte Unfallbeteiligte unerlaubt vom Unfallort und macht sich damit strafbar.

2 von 6
Schadensregulierung
Allianz - Kfz-Versicherung Regress Fahrerflucht: Linke Fahrzeughälfte eines silbernen Pkw mit Beschädigungen nach Autounfall

Wird der Unfallflüchtige ermittelt, kommt dessen Kfz-Haftpflichtversicherung für die Schadensregulierung auf. Sie übernimmt die Schäden des Geschädigten. Der unfallflüchtige Schadensverursacher muss allerdings damit rechnen, von seiner Versicherung in Regress genommen zu werden: Die Forderungen können bis zu 5.000 Euro betragen.

Kann der flüchtige Verursacher nicht ermittelt werden, bleibt das Unfallopfer auf seinen Schäden sitzen. Abgesichert ist, wer eine Vollkasko gewählt hat: Sie deckt auch Schäden durch unbekannte Dritte ab.

Sind Sie der Geschädigte, informieren Sie sich in diesem Fall vorab bei Ihrer Versicherung, ob und inwieweit Sie durch die Schadensregulierung in Ihrer Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft werden. Da sich Ihr Versicherungsbeitrag dadurch erhöhen könnte, ist es gegebenenfalls günstiger, die Reparaturkosten selbst zu tragen.

Ziehen Sie auch Ihre Selbstbeteiligung in Betracht. Sie überschreitet in manchen Fällen die Schadenshöhe. In dem Fall ist es ebenfalls günstiger, den Schaden selbst zu bezahlen.

Verurteilte Unfallflüchtige verlieren ihren Versicherungsschutz

Wer wegen Fahrerflucht vor Gericht schuldig gesprochen wurde, den darf der Versicherer nach der Schadensregulierung in Regress nehmen. Er hat auch das Recht, den Vertrag zu kündigen. Der Verurteilte muss sich anschließend eine neue Versicherung suchen. Gerichtskosten oder die Gebühren für einen Rechtsanwalt übernimmt in der Regel die Rechtsschutzversicherung. In einem Fall von Fahrerflucht muss auch sie allerdings gar nicht zahlen.

Wann die Verkehrsopferhilfe zum Einsatz kommt

Wird bei einem Unfall ein Mensch verletzt, ohne dass der Täter im Nachhinein ermittelt werden kann, springt die Verkehrsopferhilfe ein: Dieser Garantiefonds der deutschen Autohaftpflichtversicherer übernimmt dann die Entschädigung für das verletzte Opfer. Sachschäden erstattet die Verkehrsopferhilfe allerdings nur, wenn das Unfallopfer schwer verletzt wurde.

Allianz - Kfz-Versicherung Regress Fahrerflucht: Linke Fahrzeughälfte eines silbernen Pkw mit Beschädigungen nach Autounfall
Allianz - Kfz-Versicherung Tarif jetzt berechnen
Was kostet eine Kfz-Versicherung?
Allianz - Kfz-Versicherung Tarif jetzt berechnen
Berechnen Sie Ihren individuellen Tarif - ab 79 Euro im Jahr
Jetzt berechnen
3 von 6
Fahrerflucht im Detail

Schon das leichte Streifen eines Fahrzeugs und das anschließende Entfernen des Verursachers vom Ort des Geschehens wird laut StGB als Fahrerflucht gewertet. Besonders schwerwiegend sind Unfallfluchten nach einem Personenschaden.

Fahrerflucht mit Sachschaden

Schnell ist es passiert: Beim Einparken sind Sie ein kleines Stück zu weit nach hinten gefahren und haben das dahinterstehende Fahrzeug leicht angerempelt. Doch selbst wenn Sie am anderen Kfz nur einen kleinen Kratzer oder eine minimale Beule sehen, dürfen Sie sich nicht vom Ort des Geschehens entfernen. Denn auch nach einem solchen Bagatellschaden würden Sie dann Fahrerflucht begehen.

Die Strafen für Fahrerflucht nach Bagatellschäden fallen meist geringer aus als bei einer Fahrerflucht nach erheblichem Sachschaden.

Fahrerflucht mit Personenschaden

Wer bei einem Verkehrsunfall jemanden verletzt und sich anschließend vom Unfallort entfernt, begeht Fahrerflucht mit Personenschaden. Dem Unfallflüchtigen drohen in diesem Fall besonders hohe Strafen, da er sich zusätzlich der fahrlässigen Körperverletzung und unterlassenen Hilfeleistung schuldig macht.

Unbemerkte Fahrerflucht

Wer einen selbst verschuldeten Unfall nicht bemerkt und anschließend weiterfährt – beispielsweise weil der Aufprall so schwach war oder die Umgebungsgeräusche zu laut – begeht keine Unfallflucht. Hält ein Kfz-Sachverständiger das "Nichtbemerken" für plausibel, liegt keine Fahrerflucht vor. Je größer die Beschädigung ist, desto eher ist davon auszugehen, dass der Verursacher sie auch bemerkt hat.

 Allianz - Kfz-Versicherung Schaden Fahrerflucht: Frau wird nach einem Autounfall von Sanitäterin versorgt
4 von 6
Rechtliche Konsequenzen

Bei einer Verurteilung droht nach dem Gesetz (§142 StGB) eine Geldstrafe, ein Fahrverbot oder Entzug der Fahrerlaubnis bis hin zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Für Ausmaß und Höhe der Strafe bewertet das Gericht verschiedene Faktoren. Wer beim Unfall zum Beispiel betrunken oder viel zu schnell unterwegs war, wird in der Regel höher bestraft als ein Fahrer, der nüchtern war oder mit angemessenem Tempo fuhr. Auch die Höhe des Sachschadens und die Schwere der Verletzungen der Unfallbeteiligten haben Einfluss auf das Urteil. Betrachtet wird auch das Vermögen des Täters: Besserverdiener werden in der Regel mit höheren Geldstrafen belangt als Geringverdiener.

Wischen um mehr anzuzeigen

Verstoß
Geldstrafe
Punkte in Flensburg
Fahrverbot/Entzug der Fahrerlaubnis
Freiheitsstrafe

Sachschaden unter 600 Euro

Geldauflage (Zahlung an eine gemeinnützige Einrichtung)

0 Punkte

kein Fahrverbot, kein Entzug der Fahrerlaubnis

keine Freiheitsstrafe

Sachschaden unter 1.300 Euro

Strafe richtet sich nach der Höhe eines Monatsgehalts

2 Punkte

maximal drei Monate Fahrverbot

keine Freiheitsstrafe

Sachschaden über 1.300 Euro

Geldstrafe, die höher als ein Monatsgehalt ausfallen kann

3 Punkte

Entzug der Fahrerlaubnis

keine Freiheitsstrafe

Personenschaden durch fahrlässige Körperverletzung

Geldstrafe oder Freiheitsstrafe

3 Punkte

maximal drei Monate Fahrverbot oder Entzug der Fahrerlaubnis

Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren

Personenschaden durch fahrlässige Tötung

Geldstrafe oder Freiheitsstrafe

3 Punkte

Entzug der Fahrerlaubnis

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

5 von 6
Verhalten nach Fahrerflucht

Ob Sie selbst Opfer von Unfallflucht geworden sind, einen Verkehrsunfall mit flüchtigem Fahrer beobachtet oder selbst Fahrerflucht begangen haben: Bestimmte Vorgehensweisen vereinfachen und beschleunigen die Schadensregulierung.

  • Wer Opfer von Fahrerflucht wird…
    … sollte den Unfallort sowie das eigene Fahrzeug fotografieren und die Polizei verständigen. Lassen Sie als Betroffener den Schaden anschließend von einem unabhängigen Gutachter prüfen. Diese Vorgehensweise wird auch empfohlen, falls Sie den Schaden erst später bemerken.
  • Wer Zeuge wird…
    … kann dazu beitragen, eine Fahrerflucht aufzuklären. Haben Sie eine Unfallflucht beobachtet, melden Sie den Vorfall stets der Polizei. Geben Sie Ihre Personalien sowie Details zum Unfallhergang an.
  • Wer selbst Unfallflucht begangen hat…
    … kann auf mildernde Umstände hoffen, wenn er sich innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei meldet. Oft fällt die Strafe dann weniger hoch aus, als wenn die Polizei den Täter ermittelt. Diese Ausnahmeregelung gilt aber nur bei geringen Sachschäden wie leichten Lackkratzern und Unfällen außerhalb des fließenden Verkehrs. Dazu zählt zum Beispiel ein Vorfall auf einem Parkplatz. Bei schwerwiegenderen Verstößen sollte sich der Täter dennoch stellen – selbst wenn es verspätet ist. Die Wahrscheinlichkeit für mildernde Umstände ist dann aber geringer.
Häufige Fragen
  • Reicht es, wenn ich nach einem Unfall meine Kontaktdaten am beschädigten Fahrzeug hinterlasse?

    Nein. Wer nach einem Unfall wegfährt, begeht Fahrerflucht – selbst dann, wenn er seine Kontaktdaten und Personalien am Fahrzeug oder bei Anwohnern und Zeugen hinterlassen hat.
  • Wie lange sollte ich nach einem Unfall auf den Geschädigten warten?

    Als Faustregel gilt: Warten Sie mindestens 30 Minuten auf den Geschädigten, bevor Sie zur nächstgelegenen Polizeidienststelle fahren, um den Unfall zu melden. Wer dafür keine Zeit hat, kann den Schaden telefonisch auch sofort der Polizei melden. Bleiben Sie währenddessen jedoch vor Ort.
  • Gibt es Gründe, die eine Weiterfahrt nach einem selbst verschuldeten Unfall rechtfertigen?

    Ja, die gibt es. Wenn der Betroffene Hilfe für die Versorgung seiner eigenen Verletzungen oder für andere Schwerverletzte holen muss, liegt keine Fahrerflucht vor. Danach muss der Unfall aber umgehend der Polizei gemeldet werden.
  • Was passiert, wenn ich während der Probezeit Unfallflucht begehe?

    Eine Fahrerflucht in der Probezeit gehört nach §142 StGB zu den schwerwiegenden Verstößen. Zusätzlich zur Geld- oder Freiheitsstrafe wird nach solch einem „A-Verstoß“ die Probezeit um zwei Jahre verlängert.
  • Was genau ist ein Bagatellschaden?

    Als Bagatellschaden bezeichnet man einen Blechschaden nach einem Verkehrsunfall, der so gering ist, dass die Polizei nicht zwingend verständigt werden muss. Dazu zählt etwa ein kleiner, kaum erkennbarer Kratzer im Autolack. Doch auch nach Bagatellschäden – und selbst dann, wenn Sie den Unfall bemerkt haben, aber keine Schäden sehen – müssen Sie eine angemessene Wartezeit einhalten. Kommt der Halter des betroffenen Fahrzeugs in dieser Zeit nicht zurück, dürfen Sie Ihre Personalien hinterlassen, müssen dann aber direkt zur nächsten Polizeidienststelle fahren, um den Bagatellschaden zu melden. Ansonsten wäre es eine Verkehrsunfallflucht.
  • Begehe ich Fahrerflucht, wenn ich bei einem Wildunfall nicht anhalte?

    Wer sich nach einem Zusammenstoß mit einem Reh, Hirsch, Fuchs oder anderen Wildtier von der Unfallstelle entfernt, ohne anzuhalten und den Wildunfall der Polizei zu melden, begeht keine Fahrerflucht. Unter Umständen verstößt er aber gegen das Tierschutzgesetz – und zwar dann, wenn das Tier unnötig und stark leidet, der Autofahrer aber nichts unternimmt. Dafür kann er mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe belangt werden.
6 von 6
Service und Kontakt
Die Allianz Agentur in Ihrer Nähe
Kontaktieren Sie die Allianz
Allianz Service
Jetzt kontaktieren
Schreiben Sie Ihr Anliegen in unser Kontaktformular - wir kümmern uns darum.
Berechnen Sie Ihren Tarif zur Allianz Versicherung
Finden Sie den
passenden Tarif
Jetzt berechnen
Berechnen Sie Ihren individuellen Tarif zur Kfz-Versicherung.