Wie Sie sich bei Blechschäden und Lackkratzern verhalten

Bagatellschaden: Achtung bei kleinen Kratzern

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Kleine Unfallschäden gelten als Bagatelle
  • Nicht bei jedem Autounfall werden hohe Sachschäden verursacht oder Menschen verletzt. Häufig entstehen an einem Fahrzeug nur Bagatellschäden.
  • Zu Bagatellschäden zählen kleinere Unfallschäden wie Kratzer im Lack oder Dellen im Blech, die eine gewisse Schadenshöhe nicht überschreiten. Als grober Richtwert gilt: bis 700 Euro Reparaturkosten.
  • Um einen Bagatellschaden beziffern und der Versicherung melden zu können, reicht in der Regel ein Kostenvoranschlag Ihrer Kfz-Werkstatt aus.
  • Ist der Unfallgegner nicht anwesend, haben Sie bei einem Bagatellschaden die selben Pflichten, wie bei einem größeren Schaden. Durch unerlaubtes Entfernen vom Unfallort droht der Vorwurf der Fahrerflucht.
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Definition

Ein Bagatellschaden ist ein einfach gelagerter Schaden an einem Fahrzeug, für dessen Unfallaufnahme Sie die Polizei nicht notwendigerweise rufen müssen: In der Regel fallen darunter oberflächliche Lackschäden wie Kratzer, Dellen oder Schrammen an der Karosserie, die beispielsweise beim Rangieren verursacht wurden.

Eine feste Bagatellgrenze, also eine gewisse Höhe der notwendigen Reparaturkosten, ist gesetzlich nicht festgelegt. In einem Urteil von 2004 definierte der Bundesgerichtshof (BGH) einen Betrag von 714 Euro als Bagatellgrenze. Bis zu welchem Betrag ein Unfall- bzw. Blechschaden schließlich als Bagatelle gilt, hängt letztlich nämlich auch davon ab, wie schwerwiegend der Schaden bei näherer Begutachtung tatsächlich ist.

Der Großteil aller Verkehrsunfälle im deutschen Straßenverkehr zieht tatsächlich kleinere Blechschäden ohne verletzte Personen nach sich. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Danach wurden im Jahr 2016 von rund 2.585.000 Unfällen etwa 2.277.000 mit reinem Sachschaden gemeldet, lediglich 308.000 davon waren mit verletzten Personen.

 Allianz - Bagatellschaden: Grafik Unfallstatistik

 

Woran Sie einen Bagatellschaden erkennen

Nicht immer ist sofort erkennbar, ob es sich lediglich um einen Bagatellschaden handelt. Denn manch eine vermeintlich harmlose Beschädigung entpuppt sich erst später als schwerer Schaden.

Sichtbare Schäden:

Kleinere Schäden an der Karosserie des Fahrzeugs sind zumeist problemlos mit bloßem Auge feststellen. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Kleine Dellen im Autoblech
  • Kleinere Lackkratzer am Auto
  • Kleinere Schrammen am Stoßfänger

Unsichtbare Schäden:

Unter einer sichtbaren kleinen Delle an der Stoßstange kann sich manchmal ein größerer Schaden verbergen, der Reparaturkosten von weit über 1.000 Euro nach sich ziehen kann. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn für die Behebung des Unfallschadens ein Sonderlack angefertigt werden muss.

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Versicherungsfragen

Sind Sie in einen Verkehrsunfall verwickelt, ist zunächst die Schuldfrage zu klären: Sind Sie selbst nicht der Unfallverursacher, werden die Schäden an Ihrem Fahrzeug von der Kfz-Versicherung des Unfallgegners übernommen.

Sollten Sie allerdings eindeutig schuldig sein, wie zum Beispiel bei einem klassischen Auffahrunfall, übernimmt Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung die verursachten Schäden. Sofern Sie eine Vollkaskoversicherung  abgeschlossen haben, kommt Ihre Versicherung für Schäden an Ihrem eigenen Auto auf.

Rufen Sie im Zweifel die Polizei

Ist die Schuldfrage eindeutig geklärt, brauchen Sie die Polizei im Falle eines einfachen Blechschadens nicht zu rufen. Lässt sich die Schuldfrage nicht exakt klären, sollten Sie die Polizei hinzuziehen. Wollen Sie einen Bagatellschaden bei der gegnerischen Versicherung geltend machen, reicht in den meisten Fällen ein einfacher Kostenvoranschlag Ihrer Kfz-Werkstatt.

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Gut zu wissen
Allianz - Info: Illustration Gut zu wissen

Wenn Sie eine Vollkaskoversicherung  für Ihr Fahrzeug abgeschlossen haben, sind die Reparaturkosten Ihres Fahrzeugs abgedeckt - eine neu lackierte Stoßstange oder das Beseitigen einer Delle. Welche Schäden von Ihrer Versicherung konkret reguliert werden, können Sie entweder den Unterlagen Ihrer Police entnehmen oder direkt mit Ihrer Kfz-Versicherung klären.

Jeder von Ihnen gemeldete Unfallschaden kann allerdings zu einer Verschlechterung der Schadenfreiheitsklasse  und damit zu einer Erhöhung Ihrer jährlich zu zahlenden Prämie führen (außer Sie haben einen Rabattschutz  vereinbart). Daher empfiehlt es sich zu prüfen, ob es nicht günstiger für Sie wäre, den Unfallschaden selbst zu tragen. Die 300 Euro zur Behebung einer kleineren Delle aus eigener Tasche zu zahlen, kann zum Beispiel günstiger sein, als einen schlechteren Schadenfreiheitsrabatt in Kauf zu nehmen.

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Tipps: So verhalten Sie sich richtig
Allianz - Frau stellt nach einem Bagtellschaden Warndreieck auf

Ob Sie einem anderen Verkehrsteilnehmer im Stau aufgefahren sind, beim Ausparken die Stoßstange des Vordermanns touchiert oder beim Öffnen der Autotür versehentlich den Lack eines neben Ihnen abgestellten Fahrzeugs zerkratzt haben: Wenn Sie einen Blechschaden im laufenden Verkehr verursacht haben, sollten Sie zunächst den Unfallort sichern.

Anschließend gilt es, den Unfallhergang sowie die an beiden Fahrzeugen verursachten Schäden umfassend zu dokumentieren und sämtliche Daten der beteiligten Personen festzuhalten.

Schritt 1: Dokumentieren Sie die Schäden

Fotografieren Sie mit einem Handy oder einer Digitalkamera die am Fahrzeug sichtbaren Schäden. Achten Sie beim Dokumentieren darauf, dass die Schäden klar zu erkennen sind und der Unfallhergang auch im Nachhinein mithilfe der Bilder rekapituliert werden kann. Erstellen Sie idealerweise auch ein Protokoll bzw. einen Unfallbericht. Beide Dokumente sollten dabei jeweils von allen beteiligten Personen unterschrieben werden.

Schritt 2: Tauschen Sie Kontaktdaten aus

Notieren Sie sich das Kfz-Kennzeichen der beteiligten Fahrzeuge. Sofern der Unfallgegner vor Ort ist, halten Sie vor allem die persönlichen Daten des Fahrers bzw. Fahrzeughalters fest. Idealerweise fotografieren Sie auch dessen Personalausweis oder den Führerschein. Denken Sie ebenfalls daran, die Kontaktdaten möglicher Unfallzeugen aufzunehmen.

  • Namen aller Beteiligten oder Zeugen
  • Anschrift der Beteiligten
  • Kfz-Kennzeichen
  • Policennummern (falls vorhanden)

Schritt 3: Melden Sie den Schaden Ihrer Kfz-Versicherung

Wenn Sie einen Schaden an einem anderen Fahrzeug verursacht haben, dann müssen Sie Ihrer Versicherung selbst kleinste Bagatellschäden melden. Nur so kann Ihr Versicherer die durch Sie entstandenen Schäden regulieren.

Schritt 4: Schalten Sie bei Unsicherheiten einen Gutachter ein

Wenn nicht sicher festgestellt werden kann, dass es sich tatsächlich nur um einen Bagatellschaden handelt, können Sie gegebenenfalls einen Kfz-Gutachter einschalten. Bei den meisten Bagatellschäden reicht in der Regel ein einfaches Kurzgutachten oder ein Kostenvoranschlag einer Kfz-Werkstatt, damit Sie die anfallenden Reparaturkosten geltend machen können. In der Vollkaskoversicherung kümmert sich Ihr Versicherer um die Feststellung der Schadenhöhe.

Was Sie tun müssen, wenn der Unfallgegner nicht vor Ort ist

Wenn der Halter des von Ihnen beschädigten Fahrzeugs nicht anwesend ist, gilt es, einige Regeln zu beachten:

  • Als Verursacher müssen Sie in der Regel mindestens 30 bis 60 Minuten auf den Fahrer oder Eigentümer des beschädigten Fahrzeugs warten. Die genaue Wartezeit hängt vom Einzelfall ab, auch die Tageszeit, zum Beispiel ob sich der Vorfall nachts ereignet hat, ist entscheidend.
  • Taucht der Fahrzeughalter nach der vorgegebenen Wartezeit nicht auf, müssen Sie den Schaden der Polizei und gegebenenfalls Ihrer Kfz-Versicherung melden. Nur ein Zettel mit Ihren Kontaktdaten oder eine Visitenkarte unter dem Scheibenwischer reicht nicht aus.
  • Notieren Sie sich die Kontaktdaten möglicher Zeugen, die Ihr Warten bestätigen können.
Gut zu wissen
Allianz - Info: Illustration Gut zu wissen
Wenn Sie mit einem Mietwagen in einen Verkehrsunfall verwickelt werden, gilt das im Mietvertrag festgehaltene Verfahren: Viele Anbieter verpflichten Sie als Mieter, sogar bei einem Bagatellschaden die Polizei zu rufen. So bleiben keinerlei Fragen offen. Darüber hinaus müssen Sie die Autovermietung umgehend über den Schaden in Kenntnis setzen. Diese setzt sich daraufhin mit der Kfz-Versicherung des Unfallgegners in Verbindung bzw. leitet die Schadensregulierung am Mietfahrzeug in die Wege.
Allianz - Info: Illustration Gut zu wissen
Gesetzliche Regelungen

Entfernen Sie sich unerlaubter Weise vom Unfallort, begehen Sie rein rechtlich Unfallflucht – selbst wenn es sich dabei nur um einen einfachen Blechschaden handelt. Und das kann ziemlich teuer werden.

Im schlimmsten Fall müssen Sie mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen, sofern Ihnen als Unfallverursacher im Sinne von § 142 des Strafgesetzbuchs (StGB) eine Fahrerflucht nachgewiesen werden kann. Und das unabhängig davon, ob Sie an dem beschädigten Fahrzeug einen Zettel mit Ihren Kontaktdaten oder eine Visitenkarte hinterlassen haben oder nicht.

Diese sogenannten Autounfälle mit anschließender Fahrerflucht kommen laut Schätzungen des Auto Club Europa (ACE) jährlich mehr als 500.000 Mal vor.

Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

  • Blechschäden bis zu einer Höhe von 1300 Euro:
    Neben einer Geldstrafe von bis zu einem Monatsgehalt drohen Ihnen laut Bußgeldkatalog auch drei Punkte in Flensburg und ein maximales Fahrverbot von bis zu drei Monaten.  
  • Alle Sachschäden ab einer Höhe von 1300 Euro:
    Entfernen Sie sich unerlaubt vom Unfallort, müssen Sie in diesem Fall sogar bis zu sechs Monate Ihren Führerschein abgeben und kassieren drei Punkte in Flensburg. Das von Ihnen zu berappende Bußgeld wird je nach Fall per richterlichem Beschluss festgelegt.
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Kfz-Sachverständigen einbeziehen
Allianz - Gutachter notiert Bagatellschaden

Bei einem kleinen Blechschaden braucht es in der Regel keinen Kfz-Gutachter. Wenn Sie jedoch sichergehen wollen, dass bei einem Unfall nicht doch ein größerer Schaden entstanden ist, können Sie - am besten nach Rücksprache mit Ihrer Versicherung - für 50 bis 100 Euro auch ein Kurzgutachten eines Kfz-Sachverständigen einholen. Dieses wird Ihnen von den meisten Versicherungen problemlos zurückerstattet.

In diesen Fällen ist ein Gutachten ratsam

Handelt es sich um einen Haftpflichtschaden und liegt die Schadensumme voraussichtlich deutlich über dem Bereich eines Bagatellschadens, können Sie ein Gutachten erstellen lassen. Sie können auch Kontakt mit der Versicherung des Unfallgegners aufnehmen und mit ihr das Vorgehen klären. Bei einem Kaskoschaden sollten Sie sich grundsätzlich mit Ihrer eigenen Versicherung in Verbindung setzen.

Sollten Sie bei einem Haftpflichtschaden mit dem Kfz-Gutachter der Versicherung nicht einverstanden sein, können Sie selbst einen neutralen Sachverständigen beauftragen. Berücksichtigen Sie dabei, dass die Kosten für ein umfassendes Gutachten hoch ausfallen und bei rund 400 Euro starten können.

Sofern Sie eine Mitschuld trifft, ersetzt die gegnerische Haftpflichtversicherung die Kosten nur entsprechend der Haftungsquote.

Wann zahlt die Versicherung ein Kfz-Gutachten?

Die Kosten für das Schadengutachten eines Kfz-Sachverständigen werden in der Regel nur dann von der gegnerischen Versicherung übernommen, wenn diese über der sogenannten Bagatellschädengrenze von circa 750 Euro liegen. Bei kleineren Blechschäden oder Lackkratzern verzichten die meisten Versicherer auf die aufwändige Beurteilung eines Kfz-Gutachters, da dessen Expertise zum Teil teurer ist als der eigentliche zu regulierende Schaden.

Bedenken Sie also: Handelt es sich nachweislich nur um einen einfachen Blechschaden, sprich einen Bagatellschaden, benötigen Sie in der Regel kein Gutachten. Um aber sicher zu gehen, sollten Sie grundsätzlich vorab mit der Versicherung Kontakt aufnehmen.

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