- Ob und in welchem Umfang eine Psychotherapie von der privaten Krankenversicherung übernommen wird, unterscheidet sich von Versicherer zu Versicherer – und hängt vom Tarif ab.
- Je nach abgeschlossenem Tarif und dessen Leistungsumfang übernimmt die private Krankenversicherung (PKV) meist eine bestimmte Anzahl an Therapiesitzungen pro Jahr. Die Allianz zahlt bis zu 100 Prozent für Psychotherapie, abhängig von dem versicherten Tarif.
- Relativ neu sind Online-Therapieangebote, für die private Krankenversicherungen die Kosten übernehmen. Die Allianz Private Krankenversicherung bietet viele innovative Online-Services für Ihre seelische Gesundheit wie z. B. Schlaf Coaching, Stress Coaching oder Burnout Coaching.
- Fangen Sie als versicherte Person in einer privaten Krankenversicherung eine Psychotherapie neu an, hat dies keinen Einfluss auf Ihren Beitragssatz. Möchten Sie in eine PKV wechseln, kann eine zurückliegende, bereits abgeschlossene oder laufende Psychotherapie den Eintritt in die PKV unter Umständen erschweren.
Psychotherapie in der privaten Krankenversicherung
Private Krankenversicherung und Psychotherapie kurz erklärt
Welche Psychotherapie-Behandlungen gibt es – und welche übernimmt die PKV üblicherweise?
Spektrum der psychotherapeutischen Behandlungen
Krankheitsbilder, die typischerweise mit Psychotherapie behandelt werden, sind z. B.:
- Depressive Störungen (Depressionen)
- Angsterkrankungen
- Zwangsstörungen
- Psychosomatische Störungen
- Suchterkrankungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Psychische Beeinträchtigungen oder Behinderungen aufgrund schwerer körperlicher Erkrankungen, traumatischer Erlebnisse oder Psychosen
Übernimmt die PKV meine Psychotherapie-Kosten?
Der gewählte Krankenversicherungstarif ist bestimmend für den Erstattungsumfang von psychotherapeutischen Leistungen. In der Regel sind Therapiekosten nur bis zu einer gewissen Obergrenze erstattungsfähig. Die meisten privaten Krankenversicherungen deckeln die Kostenübernahme, indem Sie die Therapiesitzungen auf eine bestimmte Anzahl pro Jahr beschränken.
Hinweis: Bei Beamten und Beamtinnen übernimmt der Dienstherr durch die Beihilfe einen Teil der Psychotherapie-Kosten. In der Regel sind es bis zu 50 Prozent je nach Bundesland und je nach privat versichertem prozentualen Anteil (z. B. 30 oder 50 Prozent). Den Antrag müssen Beamtinnen und Beamte im Voraus stellen. Die meisten Beihilfetarife sehen zudem eine Begrenzung der Sitzungsanzahl vor.
Psychotherapien 100 Prozent der Kosten.
Erstattungsfähig sind Kosten von Psychotherapien durch Ärzte, Ärztinnen, nicht-ärztliche Psychotherapeuten, nicht-ärztliche Psychotherapeutinnen nach dem Psychotherapeutengesetz und Heilpraktiker.
Wenn ein Heilpraktiker:in behandelt, fallen diese Behandlungen und verordneten Arzneimittel unter den Höchstbetrag.
In den Tarifen ÄrztePlus und ÄrzteBest werden bis zur 30. Sitzung 100 Prozent der Kosten übernommen. Ab der 31. Sitzung werden 70 Prozent übernommen. Die Leistung im Tarif ÄrztePlus ist auf maximal 50 Sitzungen pro versicherte Person und Versicherungsjahr begrenzt.Wie erfolgt die Abrechnung der Psychotherapie in der Privatversicherung?
Wie die Psychotherapie-Kosten innerhalb der PKV abgerechnet werden, hängt von Art und Qualifikation des behandelnden Psychotherapeuten oder der behandelnden Psychotherapeutin ab. Man unterscheidet zwischen ärztlichen und psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten:
- Ärztliche Psychotherapierende (= approbierte Ärztinnen und Ärzte mit psychotherapeutischer Weiterbildung) stellen ihren Patient:innen eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) aus.
- Psychologische Psychotherapierende (= Psychologen und Psychologinnen mit Psychotherapeuten-Ausbildung) sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapierende rechnen nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) ab.
Grundvoraussetzung für die Kostenübernahme ist zudem die medizinische Notwendigkeit der Therapie.
Verändern sich die Beitragskosten meiner PKV durch eine Psychotherapie?
Auch die vertraglich vereinbarten Leistungen bleiben für die gesamte Vertragslaufzeit erhalten.
Egal, ob für PKV-versicherte Arbeitnehmer:innen, Selbstständige, Ärzte und Ärztinnen, Studierende oder Beamte und Beamtinnen: Eine Beitragsanpassung kommt in der PKV nur dann vor, wenn die tatsächlichen Gesundheitskosten einer Versichertengruppe zu stark von den veranschlagten Kosten abweichen. Das passiert in der Regel als Folge von Inflation und steigenden Kosten durch medizinischen Fortschritt.
Werden auch die Kosten für Online-Therapien erstattet?
Austausch zwischen Therapeut:in und Patient:in muss in der Regel persönlich stattfinden
Welche Behandlungsart diese Kriterien erfüllt, lässt sich pauschal nicht beantworten. Fest steht: Bei vielen psychischen Erkrankungen ist eine Therapie von „Angesicht zu Angesicht“ notwendig, beispielsweise bei Patienten und Patientinnen mit soziopathischen oder suizidalen Tendenzen, Angststörungen oder Depressionen. In diesen Fällen wäre eine Online-Therapie medizinisch nicht ausreichend, sodass die PKV den Antrag ablehnen kann.
Zudem ist in ärztlichen und psychotherapeutischen Berufsordnungen vorgeschrieben, dass der Kontakt zwischen Patient:in und Therapeut:in persönlich stattfinden muss. Daher genehmigt die private Krankenversicherung Fernbehandlungen als Leistung nur in begründeten Ausnahmefällen und unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten. Der Therapeut oder die Therapeutin muss die Online-Therapie genauso durchführen können, als wäre der Patient bzw. die Patientin bei ihm oder ihr in der Praxis.
Online-Gesundheitsservices werden oft zusätzlich geboten
Online-Services für eine Verbesserung der seelischen Gesundheit zählen heute vielfach zu den Serviceangeboten, die im Rahmen eines PKV-Tarifs geboten werden. Sie sollen die seelische Gesundheit stärken und verbessern. Dazu gehören beispielsweise digitale Angebote für besseren Schlaf, Burnout Coaching oder Stress Coaching.
Im Ratgeber finden Sie alle Details zu den weiteren Vorteilen einer privaten Krankenversicherung.
Welche Unterlagen sind für den Psychotherapie-Antrag an die PKV notwendig?
Liegt Ihnen bereits ein Kostenvoranschlag für die geplante Therapie vor, können Sie diesen Ihrem Antrag beifügen.
Im Anschluss wird die private Krankenversicherung entweder mit einer Bewilligung reagieren oder Ihnen zusätzliche Formulare zusenden. Dabei handelt es sich um Patienten- und Behandlerfragebögen, die Sie und Ihre Psychotherapeutin oder Ihr Psychotherapeut ausfüllen und zurückschicken müssen.
Oftmals Prüfung durch Gutachter:in oder Vertragsarzt bzw. Vertragsärztin
Da private Krankenversicherungsunternehmen in der Regel nur für tatsächliche psychische Störungen aufkommen, lassen sie Anträge oftmals von einem Gutachter bzw. einer Gutachterin oder einem Vertragsarzt bzw. einer Vertragsärztin prüfen. Dieser oder diese hinterfragt insbesondere die psychotherapeutische Begründung, warum die Behandlung in Ihrem Fall notwendig ist.
Stimmt der Gutachter oder die Gutachterin zu, bewilligt die PKV Ihren Antrag auf Psychotherapie und übernimmt eine bestimmte Anzahl an Sitzungen. Abhängig vom Therapieverfahren und Ihren individuellen Tarifbedingungen gewährt der Versicherer sehr unterschiedliche Stundenkontingente.
Gut zu wissen: Hat die private Krankenversicherung Ihren Antrag auf Psychotherapie genehmigt, übernimmt sie die Kosten – und zwar vollständig. Sie müssen nichts hinzuzahlen.
Worauf sollte ich beim Abschluss einer PKV mit Kostenübernahme für psychische Behandlungen achten?
Ob eine PKV im Bereich Psychotherapie gut aufgestellt ist, lässt sich anhand folgender Kriterien feststellen:
- Anzahl der Therapiestunden (Sitzungen): Die PKV sollte mindestens 30 Sitzungen pro Jahr übernehmen. Denn eine Kurzzeittherapie umfasst bereits bis zu 24 Therapieeinheiten. Mit Probesitzungen sind 30 Einheiten also schnell „aufgebraucht“.
- Höhe der erstatteten Kosten pro Sitzung (in Prozent): Es gibt private Krankenversicherungen, welche die ersten 30 Einheiten zu 100 Prozent erstatten, alle weiteren Therapiesitzungen aber nicht mehr übernehmen. Andere Anbieter zahlen wiederum ab der ersten Sitzung nur 75 Prozent der Kosten, übernehmen dafür aber bis zu 50 Sitzungen im Jahr.
- Qualifikation der therapierenden Person: Während die Kostenübernahme der PKV bei ärztlichen Psychotherapierenden (Medizinstudium + psychotherapeutische Weiterbildung) meist kein Problem darstellt, kann eine Übernahme der Kosten bei psychologischen Psychotherapeut:innen oder Heilpraktiker:innen mit Einschränkungen verbunden sein.
- Stationäre Behandlung: Gute private Krankenversicherungstarife leisten bei Psychotherapie sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Das heißt: Sie übernehmen auch die Kosten für längere Klinikaufenthalte – ohne Beschränkung auf einen maximalen Zeitraum oder eine bestimmte Anzahl von Behandlungstagen.
Fazit: Nicht jede private Krankenversicherung mit Kostenübernahme für psychische Behandlungen deckt in jedem Tarif die gleichen Leistungen ab. Ein Blick in die jeweiligen Versicherungsbedingungen und ein Vergleich des Leistungsumfangs ist daher unerlässlich.
Beitrag in der GKV zum Vergleich
- Gesamtbeitrag als 40-jährige Person ohne Kinder mit Standard-Versicherungsschutz: 1.261,31 Euro / Monat
- Davon Arbeitgeberzuschuss bei Angestellten: 613,22 Euro / Monat
- Ihr Eigenanteil als Angestellter oder Angestellte: 648,09 Euro / Monat
Der Beitrag setzt sich wie folgt zusammen:
- Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (Beitragssatz 17,5 % der Beitragsbemessungsgrenze in Höhe von 5.812,50 €): 1.107,18 €
- Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung (Beitragssatz 4,2 % von 5.812,50 €): 244,13 €
Alle Werte mit Stand 2026. Alle Beiträge sind Monatsbeiträge. Steuerliche Auswirkungen sind nicht berücksichtigt.
Der maximale Arbeitgeberzuschuss setzt sich zusammen aus 508,59 € für die Krankenversicherung und 104,63 € für die Pflegeversicherung Der Eigenanteil berechnet sich aus dem Gesamtbeitrag abzüglich des Arbeitgeberzuschusses.
Ist der Eintritt in die private Krankenversicherung trotz Psychotherapie möglich?
Ja, die Aufnahme in die PKV ist trotz erfolgter (abgeschlossener) Psychotherapie in der Regel möglich. Im Rahmen der Gesundheitsprüfung ermittelt der Versicherer, wie lange Ihre Psychotherapie zurückliegt. Der abgefragte Zeitraum variiert je nach Anbieter und liegt meist zwischen fünf und zehn Jahren. Fand Ihre Psychotherapie vor diesem Zeitraum statt, steht Ihnen einer Aufnahme in die PKV nichts entgegen.
Bei laufender Psychotherapie ist der Eintritt in die private Krankenversicherung hingegen nicht möglich. Auch wenn Ihre psychische Vorerkrankung sehr schwerwiegend war, wird die PKV Ihren Antrag in der Regel ablehnen.
Wichtig: Eine Psychotherapie sollten Sie Ihrer privaten Krankenversicherung trotzdem nie verschweigen. Ansonsten riskieren Sie Leistungskürzungen oder einen späteren Ausschluss aus der PKV.
Kann eine erfolgte Psychotherapie die Aufnahme in eine private Krankenversicherung erschweren (PKV Gesundheitsfragen bei Psychotherapie)?
Ja, eine zurückliegende Psychotherapie kann den Eintritt in eine PKV erschweren – oder sogar verhindern. Das hängt von Art und Schwere Ihrer Erkrankung, der Behandlungsdauer und Ihrem aktuellen Gesundheitszustand (laut Gesundheitsfragen) ab. Denn bei Antragsstellenden mit psychischen Vorerkrankungen wägt die private Krankenversicherung genau ab, ob ein Vertrag zustande kommen kann und ob ein Risikozuschlag sinnvoll ist.
Liegt Ihre Psychotherapie bereits länger zurück und schätzt der Versicherer Ihr Rückfallrisiko gering ein, wird er Ihren Antrag in der Regel annehmen. Aufgrund Ihrer Krankheitsgeschichte ist es wahrscheinlich, dass die Krankenversicherung einen Risikozuschlag auf Ihren monatlichen Beitrag berechnet. Damit gleicht sie das höhere Kostenrisiko aus.
Rechnet die PKV allerdings damit, dass Sie künftig wieder eine Therapie benötigen, wird sie Ihren Versicherungsantrag unter Umständen entweder komplett ablehnen oder zumindest auf einen Leistungsausschluss für psychische Erkrankungen bestehen.
Ist ein Vorab-Antrag Voraussetzung für die Psychotherapie?
Wieviel kostet eine privat bezahlte Psychotherapie?
Haben Sie keine nachgewiesene psychische Störung, ist eine Kostenübernahme der Psychotherapie durch die private Krankenversicherung nicht begründet. Selbstverständlich können Sie Therapiestunden als Selbstzahler:in in Anspruch nehmen. Für folgende Therapiearten gelten folgende Kosten pro Sitzung:
- Verhaltenstherapie: 100,50 Euro
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: 92,50 Euro
- Analytische Psychotherapie: 92,50 Euro.
Der Arzt oder die Ärztin rechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab, der psychologische Psychotherapeut oder die psychologische Psychotherapeutin nach der Gebührenordnung für psychologische Psychotherapeut:innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (GOP).
Gibt es Besonderheiten in Bezug auf stationäre Psychotherapie bei der PKV?
Ja, die Kosten für eine stationäre Psychotherapie erstattet die private Krankenversicherung nicht einfach so. Die Kostenzusage ist in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft:
- In manchen Fällen ist eine vorherige schriftliche Zusage vor Antritt des stationären Aufenthalts zwingend erforderlich. Daher empfiehlt es sich vor Beginn der Krankenhausbehandlung, Kontakt mit dem Versicherer aufzunehmen.
- Die Ärztin oder der Arzt muss zudem die Notwendigkeit einer stationären Behandlung eindeutig begründen. Einige Versicherer verlangen vor Therapiebeginn einen ausführlichen Bericht dazu.
- Die Therapie selbst muss durch einen Facharzt bzw. einer Fachärztin für Psychotherapie oder einen psychologischen Psychotherapeuten bzw. einer psychologischen Psychotherapeutin erfolgen.
Warum lohnt sich der Abschluss einer privaten Zusatzversicherung für GKV-Versicherte bei einer Psychotherapie?
Erfüllen Sie die Voraussetzungen, gehört die Kostenübernahme von Psychotherapien zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Doch nicht immer sind diese Voraussetzungen erfüllt, zum Beispiel, wenn Sie sich von einem Heilpraktiker bzw. einer Heilpraktikerin statt von einem Psychotherapeuten bzw. einer Psychotherapeutin behandeln lassen möchten. Oder weil das Behandlungsverfahren von der GKV nicht anerkannt wird.
Dann kann eine Private Krankenzusatzversicherung für eine Psychotherapie sinnvoll sein. Der Tarif muss die Heilpraktikerbehandlung umfassen, ansonsten besteht kein Versicherungsschutz für Heilpraktikerbehandlungen.
Weitere Vorteile einer Privaten Krankenzusatzversicherung:
- Die Psychotherapie wird bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse nicht aktenkundig.
- Der Bürokratie- und Zeitaufwand ist geringer