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Vegane Ernährung

Welche Vorteile und Nachteile die Ernährungsweise hat

Kurz erklärt in 30 Sekunden

Vegane Ernährung: Für Sie zusammengefasst

Allianz - Stoppuhr mit Allianz Logo im Hintergrund
  • Kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte. Für Veganer sind alle Lebensmittel tabu, die von Tieren stammen. Bei der Fragen ob das gesund und sinnvoll ist, scheiden sich die Geister. Was sind die besten Gründe für und gegen die vegane Ernährung?
  • Pro (Nicole Just): Vegane Ernährung ist günstig, gesund und hilft den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern
  • Contra (Klaus Alfs): Durch vegane Ernährung kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Ohne Tierhaltung kann man – universal praktiziert – keine Landwirtschaft betreiben.
  • Keiner der beiden Beiträge steht stellvertretend für die Meinung der Allianz.

Die Vorteile der veganen Ernährung

Pro

Nicole Just (32), Bloggerin und Buchautorin, lebt seit sieben Jahren vegan und das, obwohl sie sich früher als „absolute Fleischfanatikerin“ bezeichnet hatte. Sie erzählt uns, wie es zu dieser Kehrtwende kam und wie sie seit der Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung achtet:

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe Tierhaltung live miterlebt. Mein Opa war Metzgermeister und hat auch Hausschlachtungen durchgeführt. Das heißt, ich habe immer in dieser „schönen heilen Welt“ der Fleischkonsumenten gelebt und dachte, dass alles schon seine Ordnung haben wird.


Als ich Mitte 20 war, wurden Fleischskandale in den Medien zum Thema und ich habe zum ersten Mal eine Veganerin kennen gelernt. Ich hab sie zunächst ziemlich bemitleidet und mich gefragt, was die Arme überhaupt zu Essen bekommt. Dann habe ich gesehen, wie reichhaltig ihre Mahlzeiten waren – da war ich ziemlich verblüfft! Ab da habe ich mich mehr mit Massentierhaltung beschäftigt und einen extremen Schritt gewagt: von der absoluten Fleischfanatikerin zur Veganerin.

Allianz - Porträt Foto von Nicole Just

Nachhaltig leben

Für mich war klar, dass Fleischverzicht allein keine Lösung ist. Denn auch bei der Milch- oder Eierproduktion werden Tiere wie Abfallprodukte behandelt – beispielsweise männliche Küken, die geschreddert oder vergast werden, weil man sie nicht „gebrauchen“ kann. Ein weiterer guter Grund vegan zu leben, ist, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern: Wir gehen zur Zeit einen riesigen Umweg in unserer Ernährung, indem wir mehrere Tonnen Soja und Mais anpflanzen, mit denen wir die Tiere füttern, die wir dann essen. Genauso verhält es sich mit dem Wasserverbrauch: Man sagt, dass man für ein Kilo Rindfleisch 16.000 Liter Wasser benötigt – damit kann man ein Jahr lang duschen!

Gar nicht so teuer

Worauf man natürlich achten muss, wenn man sich vegan ernährt, ist, seinen Nährstoffhaushalt auszugleichen. Einen guten Überblick bietet ein Bluttest, den man beim Arzt machen kann. Der ist übrigens auch für Nicht-Veganer sehr sinnvoll, da auch ihnen oft bestimmte Vitamine oder Spurenelemente fehlen. Wenn man seinen Nährstoffhaushalt im Blick hat, kann man mit der veganen Ernährung sehr gesund leben. Ich gleiche den Mangel an Vitamin B12, das vor allem in tierischen Produkten vorkommt, beispielsweise durch eine spezielle Zahnpasta aus. Ich glaube übrigens nicht, dass ein veganes Leben allzu teuer ist. Wenn man gerade saisonales, regionales Gemüse kauft, bekommt man dieses auch sehr günstig im Biomarkt. Im Vergleich zu Bio-Fleisch vom Metzger ist meine Ernährung sicherlich günstiger – wenn man sonst alles beim Discounter kauft, ist es natürlich teurer. Bunt und lecker ist es auf jeden Fall.

Zum Nachkochen

Leckere vegane Rezepte

­© Nicole Just 

Allianz - Vegane Ernährung: Zucchini-Zwiebel-Tarte

"Eines meiner Lieblingsrezepte ist eine farbenfrohe Zucchini-Zwiebel-Tarte mit Dinkel-Boden – die steht übrigens auch in meinem veganen Kochbuch.“ - Nicole Just

Die Nachteile der veganen Ernährung

Contra

Klaus Alfs (47) ist ausgebildeter Landwirt, studierte Soziologie, Wirtschaft und Politik und hat einen Abschluss als Diplom-Sozialwissenschaftler. Er schreibt unter anderem auf seinem Blog (blog.klausalfs.de) und in seinem Buch „Don’t Go Veggie“ über Gründe gegen und Nachteile von Veganismus – und teilt seine Kritik jetzt auch bei uns im Allianz Ratgeber.

Nutztiere sind notwendig, um die Ernährung der Menschheit zu sichern und um Dünger für die Landwirtschaft bereitzustellen. Man sollte dabei beachten, dass die Tiere so gehalten werden, dass sie nicht ständigen Qualen ausgesetzt sind. Dies ist Aufgabe des Tierschutzes.
Fleisch hat das hochwertigste Eiweiß. Es ist für den Menschen viel leichter verwertbar als pflanzliches Eiweiß. Soja hat zwar rein rechnerisch einen ähnlich hohen Eiweißgehalt wie Fleisch. Leider schützen sich Sojapflanzen mit Phytoöstrogenen, also hormonell wirksamen Pflanzenstoffen, vor ihren Fressfeinden (in diesem Falle vor dem Menschen). Regelmäßiger Konsum von Sojaprodukten ist daher gesundheitsschädlich und für Ältere, Stillende, Schwangere, Jugendliche, Kinder besonders gefährlich. Unter anderem deshalb raten die meisten Ernährungsexperten diesen Gruppen grundsätzlich von der veganen Ernährung ab.

Allianz - Contra für Vegane Ernährung: Porträt Foto von Klaus Alfs

Gefahr der Mangelernährung

Vegane Ernährung ist Mangelernährung. Der Mensch ist ein Allesfresser, der tierisches Eiweiß zwingend benötigt. Veganer müssen vor allem das Vitamin B12 künstlich ersetzen, weil es nur in tierischen Produkten ausreichend vorhanden ist. Dieses Vitamin wird für die Blutbildung, Zellteilung und Versorgung der Nervenzellen benötigt. Ferner drohen bei veganer Ernährung unter anderem Zink-, Eisen- und Jodmangel. Mit Trickserei und Tabletten kann man sicherlich vieles ausgleichen. Dies widerspricht aber der Behauptung, ausgerechnet der Veganismus sei besonders gesund.
Ich halte auch das Argument des Umweltschutzes, das viele Veganer anführen, für nicht stichhaltig. Es ist ökologisch höchst sinnvoll, Nutztiere von den Produkten zu ernähren, die der Mensch nicht verdauen kann oder will. Es stimmt nicht, dass Veganer dasselbe essen können wie Nutztiere, also z.B. Gras, Futtergerste, Orangenschalen, Rapsschrot usw. Da handelt es sich um ein fundamentales Missverständnis der landwirtschaftlichen Produktion!

Auf den Körper achten

Ebenfalls irreführend ist die Behauptung, durch Fleischproduktion werde zu viel Wasser „verbraucht“. Wasser ist unbegrenzt recycelbar. 93 Prozent des Wassers, das Tiere angeblich „verbrauchen“, ist einfach nur Regenwasser, 3 Prozent angeblich „Abwasser“. Doch Gülle ist z.B. kein Abwasser, sondern wertvoller, nährstoffreicher Dünger, der einen Pflanzenanbau überhaupt erst möglich macht – und zwar auch für die Veganer! Ohne Tierhaltung kann man – universal praktiziert – keine Landwirtschaft betreiben.
„Gesunde Ernährung“ ist das, was individuell gut bekommt. Jeder Mensch unterscheidet sich bezüglich seines Verdauungssystems von den anderen. Man sollte auf seinen Körper achten, dann findet man schnell heraus, was einem gut tut und was nicht. Oft – nicht immer – ist das Schmackhafte auch das Bekömmliche.

Lesen Sie mehr zum Thema Fleischkonsum im Essay: "Das Ende der Nahrungskette".

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