Schließsystem sicher nutzen

Keyless Go: So gehen Diebe leer aus

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Komfortable Technik - aber auch für Diebe
  • Keyless Go ist ein Komfort-Schließsystem für Autos und Motorräder. Die Technik öffnet Tür- bzw. Lenkradschlösser, sobald sich der Fahrer seinem Gefährt nähert.
  • Entriegelt werden die Fahrzeuge über Funksignale eines Transponders, eine Art Autoschlüssel. Den Befehl zum Entsperren gibt ein Empfänger im Auto. Für Diebe übrigens - und hier liegt der Nachteil - ein leichtes Spiel: Mit einem speziellen Gerät können sie die Reichweite des Transponder-Signals verlängern und so die Technik überlisten.
  • Mit Tricks können Sie sich vor Autodiebstahl schützen. Beispielsweise, wenn Sie den Keyless-Go-Schlüssel mit Alufolie abschirmen.
  • Sind Sie Opfer eines Autodiebstahls geworden, melden Sie den Verlust Ihres Wagens Ihrer Kfz-Versicherung. Für den entstandenen Schaden kommt die Teilkaskoversicherung auf.
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Funkwellen-Technik
Allianz - Keyless Go: Junger Mann mit Funkschlüssel in der Hand

Keyless Go ist komfortabel. Statt mit einem Autoschlüssel entriegelt ein Funkschlüssel das Auto. Das Funktionsprinzip ist einfach: In den Türöffner ist ein Chip integriert, der codierte Signale aussendet. Diese Funkwellen sind für einen Empfänger bestimmt, der im Pkw verbaut ist. Ist der Autofahrer zu weit von seinem Gefährt entfernt, ist das Signal zum Öffnen zu schwach. Der Wagen bleibt verschlossen.

Sobald sich der Fahrer aber in der Nähe des Wagens befindet, erkennt die Empfangseinheit das Signal und öffnet den fahrbaren Untersatz. Das geschieht ganz automatisch, ohne dass der Autobesitzer vorher einen Knopf am Schlüssel drücken muss. Das Ziehen am Türgriff bleibt allerdings nicht erspart: Die Tür geht weiterhin nicht von allein auf.  

Entwickelt haben das Keyless-Go-System Mercedes Benz und Siemens VDO, im April 1999 kam es erstmals in der S-Klasse zum Einsatz. Weil jeder Autohersteller die Technik anders nennt, reichen die Bezeichnungen von Keyless Entry, Keyless Access und Keyless Drive bis zu Smart Key, Smart Entry und Komfortzugang.

Allianz - Illustration Keyless Go: Gut zu wissen
Gut zu wissen
Allianz - Illustration Keyless Go: Gut zu wissen

Wenn Sie ein Auto mit Zentralverriegelung besitzen, können Sie dieses auf das schlüssellose Verriegelungssystem umrüsten. Voraussetzung ist, dass der Schlüssel während des Einbaus im Zündschloss steckt und die Zündung eingeschaltet ist. Der Vorgang entriegelt das Lenkradschloss.

Laut Einbauanleitung soll darüber hinaus der sichtbare Teil des Schlüssels abgeschnitten werden. Der Rest vom Bart bleibt im Zündschloss stecken. Um die Wegfahrsperre kümmert sich künftig das Keyless-Go-System.

Wir empfehlen: Lassen Sie besser einen Fachmann ran, der Einbau ist kompliziert.

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Leichtes Spiel für Diebe

Da der Öffner ununterbrochen Signale abgibt, liegt eine Sicherheitslücke vor, die Kriminelle rigoros ausnutzen. Sie greifen die Funksignale mit Hilfe moderner Technik ab und erlangen so problemlos Zutritt zum Auto. 

Wie gehen Diebe vor?

Gauner tricksen das schlüssellose Verriegelungssystem über eine Schwachstelle aus. Das tun sie in der Regel zu zweit: Dieb 1 sucht sich beispielsweise am Wohnhaus eine geeignete Position, um das Signal vom Funkschlüssel zu empfangen. Dafür benutzt er einen  Aktenkoffer oder eine Laptoptasche, in denen eine Antenne verbaut ist. Moderne Autoknacker arbeiten mit einem Tablet- oder Router-ähnlichen Gerät. Sobald Dieb 1 dem Sender nah genug ist, leitet er die abgegriffenen Daten per Funkstreckenverlängerer an Dieb 2 weiter. Die Technik überbrückt Distanzen von bis zu 400 Metern.

Auch Langfinger Nummer 2 ist mit dem entsprechenden High-Tech-Gerät ausgerüstet. Damit positioniert er sich in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs. Das aufgefangene Datensignal gaukelt dem Keyless-Access-System vor, Schlüssel bzw. Transponder wäre in der Nähe. Das schlüssellose Zugangssystem entriegelt das Auto, Dieb 2 muss nur noch einsteigen und das Weite suchen.

"Das Gefährliche ist: Der Schlüssel muss nicht einmal mehr geklaut werden. Er kann auch ganz unscheinbar auf dem Schlüsselbrett liegen bleiben, und mein Auto ist trotzdem weg", beschreibt Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrum für Technik, die Arbeitserleichterung von Dieben. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Wie reagieren Autohersteller?

Die Schwachstelle haben Forscher der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Zürich bereits 2010 erkannt. Mittlerweile reagieren Autohersteller auf das Risiko.

Bei neueren Schlüsseln von Mercedes-Benz beispielsweise lässt sich Keyless Go deaktivieren. Zum Abschalten reicht ein doppelter Knopfdruck auf die Verriegelungstaste. Wahlweise lässt sich der Start-Stop-Knopf abnehmen. In der neuen E-Klasse übernimmt sogar das Smartphone die Rolle eines digitalen Türöffners.

Auch Hersteller wie Toyota oder BMW lassen Käufer ihrer Karossen nicht im Regen stehen. Die Japaner bieten ein ähnliches Abschaltverfahren an wie Mercedes. Der Unterschied: Unsichere Autofahrer müssen die Schließtaste gedrückt halten und gleichzeitig zweimal die Taste zum Öffnen betätigen.

Keyless Go abschalten: eine andere Lösung

Bei Automobilen von BMW schalten Autobesitzer das komfortable Schließsystem übers Infotainment-Menü ab. Beim bayrischen Karossenbauer ist dieser Umcodierungsservice umsonst.

Die Traditionsfirma Jaguar Land Rover geht andere Wege. Die Briten gönnen ihren Kunden weiterhin Keyless-Go-Komfort. Sie installieren in ihre Keyless-Entry-Schlitten ein elektronisches System, das sich nicht so leicht knacken lässt. Die Keyless-Technik misst die Zeit, die das Signal vom Schlüssel zum Auto benötigt. Bei kurzer Dauer entriegelt sich das Auto, vergeht zu viel Zeit, bleibt das Fahrzeug verschlossen. Letzteres ist der Fall, wenn der Schlüssel zu weit vom Auto entfernt ist. An Jaguar E-Pace, Land Rover Discovery, Range Rover und Range Rover Sport beißen sich Signalabgreifer die Zähne aus.

Komfort mit Tücken
  • Hoher Komfort.
  • Auto entriegelt automatisch.
  • Kein Knopfdruck am Schlüssel nötig.
  • Aussperren nicht möglich, weil das Keyless-Go-System erkennt, ob Schlüssel im Fahrzeug liegt.
  • Signal lässt sich leicht abfangen.
  • Autodiebstahl geht in rund 30 Sekunden über die Bühne.
  • Kriminelle hinterlassen keine Spuren am Tatort.
  • Funkschlüssel muss extra geschützt werden, um  System sicher vor Dieben zu machen.
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Vorbeugende Maßnahmen

Die Achillesferse „Funk“ lässt sich beheben. Laut Experten genügen Alufolie, Blechdose oder eine spezielle Box, um Keyless Entry vor Kriminellen zu schützen. Die besonderen Beschichtungen schirmen den Funkschlüssel ab. Diebe können den Code nicht mehr abfangen. Entscheiden Sie sich für eine dieser Varianten, sollten Sie überprüfen, ob die Maßnahme das Signal komplett unterdrückt. So lange Sie den Schlüssel abgeschirmt aufbewahren, bleiben Ihre Autotüren natürlich auch für Sie verschlossen.

Weitere wirksame Tipps:

  • Auch Keysafe oder Schlüsseletui mit Cryptalloy-Folie sollen Schlüssel am Funken hindern.
  • Ebenfalls ratsam ist es, den Funkschlüssel möglichst weit entfernt von Eingangsbereich und Fenstern zu deponieren.
  • Das Fahrzeug in der abschließbaren Garage zu parken, ist ein weiteres wirksames Mittel.
  • Auch effektiv: das Entfernen der Batterie aus dem Schlüssel. Das ewige Rein und Raus der Energiequelle ist eine lästige Angelegenheit. 

Generell gilt:

Seien Sie wachsam, wenn sich Männer in unmittelbarer Nähe Ihres Autos verdächtig aufhalten. Vor allem, wenn Sie gerade dabei sind, mit der Fernbedienung Ihr Auto abzuschließen.

Gut zu wissen
Allianz - Illustration Keyless Go: Gut zu wissen
Was Diebe am wenigsten haben, ist Zeit. Je länger Langfinger für ihre "Arbeit" einplanen müssen, desto eher lassen sie von ihrem Vorhaben ab – das gilt beim Wohnungseinbruch genauso wie beim Autoklau. Bereits ab 100 Euro können Sie Ihr Auto mit Diebstahlsicherungen nachrüsten, die beispielsweise für eine Unterbrechung des Stromkreislaufes oder der Benzinzufuhr sorgen. Auch Lenker-bzw. Lenkradschlösser oder Parkkrallen eignen sich. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Autowerkstatt beraten. 
Allianz - Illustration Keyless Go: Gut zu wissen
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Richtiges Verhalten bei Keyless-Go-Diebstahl

Wird das Auto gestohlen, ersetzt die Teilkaskoversicherung den Schaden. Manchmal taucht das Auto innerhalb eines Monats nach der Schadensmeldung beim Versicherer wieder auf. Dann erhält der Versicherungskunde sein Auto zurück.

Übersteigen die geschätzten Reparaturkosten den Wert des Fahrzeugs (Wiederbeschaffungswert) oder lohnt sich eine Reparatur nicht mehr, erhält der Bestohlene von seiner Kfz-Kaskoversicherung eine Entschädigung in Höhe der Wiederbeschaffungskosten für ein gleichwertiges Ersatzfahrzeug, abzüglich eines vorhandenen Restwerts.

Gleiches gilt, wenn das Fahrzeug nach Ablauf der Monatsfrist nicht mehr auftaucht. Sollte es später doch wieder auf der Bildfläche erscheinen, geht es, rechtlich gesehen, in den Besitz der Versicherung über. 

Das tun bei Diebstahl Ihres Fahrzeugs

Wenn Sie Opfer eines Autodiebstahls  werden, heißt es schnell zu handeln. Nur so besteht der Hauch einer Chance, den Dieben das Handwerk zu legen und Ihren Wagen in einem Stück zurückzubekommen. Darum: 

  1. Erstatten Sie sofort Anzeige bei der Polizei, damit unverzüglich gefahndet werden kann.
  2. Informieren Sie umgehend Ihre Kfz-Kaskoversicherung.

Folgende Unterlagen benötigt Ihr Kfz-Versicherer:

  • Ihre schriftliche Schadenanzeige
  • Nachweis über Ihre Anzeige bei der Polizei
  • Angaben zum Wert Ihres Autos
  • Fahrzeug-Papiere
  • alle Fahrzeug-Schlüssel
  • Abmeldebescheinigung der Zulassungsstelle
Die passende Versicherung
Optimal abgesichert mit der Allianz Kfz-Versicherung
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Keyless Rider

Nach den Automobilhersstellern setzen seit ein paar Jahren auch Motorradproduzenten wie BMW, Harley-Davidson oder Ducati auf Keyless Go für Ihre Kunden. Die Funktionsweise ist identisch zur Automobilversion: Sobald sich Biker mit ihrem Funkschlüssel ihrem heißen Ofen nähern, entriegelt sich automatisch der Sperrmechanismus vom Lenkradschloss. Entsprechend leicht lässt sich die Sperre auch von Kriminellen mittels Funkstreckenverlängerer aushebeln.

Tipp: Wenn Sie lange ungetrübte Freude an Ihrer Maschine haben möchten, dann machen Sie es Motorraddieben schwer. Bremsscheibenschlösser dienen als hervorragende Schutzmaßnahme. Ebenso sinnvoll ist es, das Motorrad  in einer Garage abzustellen und den Transponder entsprechend abzuschirmen - beispielsweise in einem speziellen Schlüssel-Safe - bzw. abzuschalten.

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Interview
Schließsysteme wie der "virtuelle Autoschlüssel" machen Autos diebstahlsicherer. Wie der virtuelle Fahrzeugschlüssel funktioniert und wie Sie Keyless-Go-Fahrzeuge vor Dieben schützen, erklärt Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrum für Technik, in einem Allianz Interview.

Autos werden immer sicherer, aber werden sie auch immer diebstahlsicherer?

Ja, das kann man ganz klar sagen. Obwohl immer mehr Autos in Deutschland fahren, werden immer weniger Autos gestohlen. Seit 2006 liegt die Zahl recht stabil bei etwa 20.000 Pkw im Jahr. Wir haben also ein Diebstahlschutzsystem, das tatsächlich funktioniert: nämlich die elektronische Wegfahrsperre, deren Einführung das Allianz Zentrum für Technik Mitte der 1990er-Jahre angestoßen hat. Seitdem sind nur noch professionelle Diebe in der Lage, ein Auto zu stehlen – für Amateure ist der technische Aufwand einfach zu hoch.

Klauen Diebe dann heute eher den Schlüssel, um damit das Auto zu stehlen?

Das Gefährliche ist: Der Schlüssel muss nicht einmal mehr geklaut werden. Er kann auch ganz unscheinbar auf dem Schlüsselbrett liegen bleiben, und mein Auto ist trotzdem weg.

Auf meinem Schlüsselbrett zu Hause ist der Autoschlüssel nicht mehr sicher?

Keyless-go-Lösungen öffnen und starten das Auto über eine drahtlose Kommunikation. Die Gefahr: Jemand steht vor der Haustür und verlängert das Funksignal, um so das Auto zu öffnen und zu starten. Dagegen kann helfen, den Autoschlüssel möglichst außer Reichweite von Angreifern zu bringen, ihn zum Beispiel nicht neben die Haustür zu legen.

Durch neue Technologien verändert sich also auch der Autodiebstahl?

Genau. Früher wurde das Auto mit Gewalt geknackt, heute wird die Bordelektronik angegriffen. Inzwischen sind Autos immer vernetzter, und die Entwicklung geht weiter. Letztlich kann auch das Auto mit denselben Methoden angegriffen werden wie ein Bankkonto.

Der nächste Schritt in der Entwicklung ist der Virtuelle Autoschlüssel, der auf ein Smartphone geladen wird. Wie genau funktioniert diese neue Technologie?

Der Fahrzeugbesitzer kann den Virtuellen Schlüssel auf das eigene Smartphone oder gar andere mobile Endgeräte, zum Beispiel die Smartwatch, laden. Über eine Funkverbindung öffnet und startet der Virtuelle Schlüssel das Auto. Der Vorteil: Es können auch andere Fahrer berechtigt werden. Die Bedienung entspricht dann der des herkömmlichen Schlüssels. Es ist im alltäglichen Gebrauch auch keine Online-Verbindung erforderlich.

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