Widerrufsrecht: Ein Mann packt zuhause einen Blumentopf aus einem Karton aus.
Vertrags­schluss rück­gängig machen

Widerruf­srecht - Welche Verträge Sie wider­rufen können und welche nicht

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Das Widerrufsrecht gilt nur bei Verbraucherverträgen, die außerhalb von Geschäftsräumen, zum Beispiel online oder telefonisch, abgeschlossen wurden.
  • Der Widerruf muss innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss oder dem Erhalt der Ware erfolgen. Darüber muss der Verkäufer in seiner Widerrufsbelehrung informieren.
  • Sie müssen dem Vertragspartner mitteilen, dass Sie den Vertrag widerrufen. Das ist formlos möglich, beispielsweise per E-Mail.
  • Widerrufen können Sie ohne Angabe von Gründen.
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Widerrufs­recht bei Haustür- und Fernabsatz­geschäften
Das Widerrufsrecht gilt grundsätzlich nur für Verbraucherverträge, also Verträge zwischen Verbrauchern und Unternehmen und ist in § 355 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt. Verträge zwischen zwei Unternehmen oder Privatpersonen sind keine Verbraucherverträge.

Eine Jacke, die sie vor Ort in einem Ladengeschäft kaufen, können Sie zwar in der Regel zurückgeben, aber Sie haben kein Rückgabe- oder Umtauschrecht. Wenn der Händler Ihnen diese Möglichkeit einräumt, dann aus Kulanz. Anders ist es bei einem Einkauf im Internet: Da Sie nicht die Möglichkeit hatten, die Ware vor dem Kauf zu prüfen oder zu probieren, haben Sie 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Das Widerrufsrecht gilt also nicht pauschal für alle, sondern nur für bestimmte Verbraucherverträge. Gemäß § 312g BGB gilt das Widerrufsrecht für Waren oder Dienstleistungen, die Sie online, per Brief, E-Mail, SMS oder am Telefon kaufen, also im Fernabsatz und außerhalb von Geschäftsräumen, beispielsweise auch an der Haustür.

Doch was ist überhaupt ein sogenanntes Haustürgeschäft? Solche Geschäftsabschlüsse müssen nicht nur an der sprichwörtlichen Haustür stattfinden. Falls Sie an einem Verkaufsstand in der Fußgängerzone oder Einkaufspassage angesprochen wurden oder sich bei einer Kaffeefahrt auf ein Geschäft eingelassen haben, gelten dieselben Regeln. Fühlen Sie sich im Nachhinein überrumpelt, können Sie den Vertrag innerhalb der gesetzlichen Frist widerrufen, ohne dafür Gründe nennen zu müssen.

Auch für Verbraucherdarlehen gilt das Widerrufsrecht wie in § 491 und § 495 Abs. 1 BGB geregelt. Allerdings nur, wenn Sie als Privatperson den Vertrag abschließen und der Kreditbetrag mehr als 200 Euro beträgt. Dazu zählen beispielsweise Ratenkredite für Möbel, eine Baufinanzierung, ein Kredit für den Autokauf oder auch Versicherungsverträge.

Für einen Kaufvertrag, der im stationären Einzelhandel geschlossen wird, gibt es kein Widerrufsrecht. Ob Sie Waren zurückgeben können, hängt allein von der Kulanz des Unternehmens ab. Und auch im Fernabsatz gibt es Ausnahmen, bei denen der Verkäufer den Widerruf ablehnen darf. Vom Widerrufsrecht ausgeschlossen sind beispielsweise:

  • personalisierte Waren, die eigens für den Kunden angefertigt werden, zum Beispiel maßangefertigte Möbel oder ein maßgeschneiderter Anzug.
  • Produkte, die schnell verderben können oder nah am Verfallsdatum verkauft werden, wie Schnittblumen oder viele Lebensmittel.
  • Hygieneartikel, deren Versiegelung entfernt wurde, beispielsweise Lippenstift, Kontaktlinsen, Zahnbürsten oder Erotikspielzeuge. Unterwäsche mit intakter Wäscheschutzfolie ist in der Regel nicht vom Widerruf ausgeschlossen.
  • Reisebuchungen für Unterkünfte, Verträge für Freizeitaktivitäten oder die Lieferung von Essen oder Getränken, für die ein zeitlich festgelegter Rahmens vereinbart wurde, unter anderem Hotelübernachtungen, Konzerttickets oder der Pizzalieferservice.

In § 312g BGB sind weitere Ausnahmen vom Widerrufsrecht geregelt. Wichtig ist, dass der Verkäufer Sie darüber informiert, falls ein Produkt oder eine Dienstleistung vom Widerrufsrecht ausgeschlossen ist. Und zwar, bevor der Kaufvertrag zustande kommt. Nicht immer ist der Ausschluss des Widerrufsrechts auch rechtsgültig. In vielen Einzelfällen muss ein Richter entscheiden, ob Produkte durch Rücknahme tatsächlich wertlos werden und der Verkäufer sie kein zweites Mal ausliefern kann.

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Die gesetz­liche Widerrufsfrist

Die gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen beginnt nach Vertragsschluss oder Erhalt der Ware und frühestens, wenn der Verkäufer Sie über das Widerrufsrecht informiert hat. Wochenenden und Feiertage müssen Sie mit einrechnen, nicht nur die Werktage zählen.

Im Fall von Verbraucherdarlehen beginnt die Widerrufsfrist, sobald Sie alle Darlehensunterlagen erhalten haben, darunter auch die Widerrufsbelehrung. Bei Renten- und Lebensversicherungen haben Sie sogar 30 Tage Zeit, zu widerrufen.

Tipp: Enthält die Widerrufsbelehrung eines Darlehensvertrags Formfehler, gilt das sogenannte ewige Widerrufsrecht. Das bedeutet, Sie haben auch bei Kreditverträgen, die schon länger bestehen, möglicherweise eine zweite Chance auf Widerruf. Denn aufgrund des Fehlers ist die Frist nie angelaufen. Ob die Widerrufsbelehrung Ihres Vertrags fehlerhaft ist, kann ein Anwalt prüfen.
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Wider­ruf per E-Mail oder Muster-Widerrufs­formular

Ob schriftlich, mündlich, per E-Mail oder Post – beim Widerruf ist nicht die Form entscheidend. Wichtig ist, dass Sie dem Händler den Widerruf mitteilen und die Ware nicht einfach zurückschicken. Legen Sie einen Ausdruck der Widerrufserklärung am besten der Sendung bei. Ein schriftlicher Beleg oder zumindest ein Screenshot des Widerrufsformulars ist empfehlenswert, obwohl ein mündlicher Widerruf möglich und auch ohne Unterschrift gültig ist. Vom Unternehmer eine Bestätigung zu fordern, hilft zusätzlich, falls es zum Streit kommt.

Betreiber von Onlineshops haben die Pflicht, auf ihrer Webseite ein Muster-Widerrufsformular unter der Widerrufsbelehrung einzubinden. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie eine Widerrufserklärung schreiben sollen, nutzen Sie diese Vorlage. Möchten Sie ihren Vertrag formlos auf anderem Weg widerrufen, dann achten Sie darauf, dass Sie den Widerruf klar formulieren. Geben Sie im Widerrufsschreiben unbedingt auch Ihren Namen und die Bestellnummer, Vertrags- oder Kundennummer an, damit der Vertragspartner den Vorgang zuordnen kann.

Nachdem Sie den Vertrag widerrufen haben, müssen Sie die Ware innerhalb von 14 Tagen zurückschicken. Keine Sorge: Falls Sie den Originalkarton bereits entsorgt haben, dürfen Sie auch anderes Verpackungsmaterial verwenden.

Der Händler trägt das Versandrisiko, allerdings nur, wenn Sie die Ware ausreichend und für den Transport geeignet verpackt haben. Im Streitfall muss der Unternehmer beweisen, dass die Ware unzureichend verpackt war. Und Sie müssen gegebenenfalls nachweisen können, dass Sie die Ware fristgerecht zurückgesendet haben.

In der Widerrufsbelehrung darf die Adresse für den Rückversand nicht fehlen und der Unternehmer muss darauf hinweisen, dass Sie die Versandkosten bei einem Widerruf selbst tragen müssen. Ansonsten muss der Verkäufer die Kosten der Warenrücksendung übernehmen. Zu Zwecken der Kundenbindung übernehmen Händler häufig die Rücksendekosten.

Nach Erhalt des Widerrufs ist der Unternehmer verpflichtet, Ihnen den Kaufpreis in der Regel innerhalb von 14 Tagen erstatten. Er hat jedoch das Recht, solange zu warten, bis die Ware bei ihm eingegangen ist oder Sie die Rücksendung belegen.

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Neues Widerrufs­recht 2022

Seit Mai 2022 gelten innerhalb der EU einheitliche Verbraucherschutzregeln, insbesondere für den Online-Handel. Beim Widerrufsrecht gibt es Änderungen für digitale Inhalte, also Daten zum Download wie Musik, digitale Spiele oder E-Books, und Dienstleistungen wie Streamingdienste oder Clouds.

Unterschieden wird jetzt, ob ein Verbraucher mit Geld oder mit personenbezogenen Daten zahlt, beispielsweise durch Anmeldung zu einem Newsletter. Je nachdem gilt bezüglich des Widerrufsrechts:

Stellt der Unternehmer die Leistung unentgeltlich zur Verfügung, dann erlischt das Widerrufsrecht

  • wenn die Dienstleistung vollständig erbracht wurde. 
  • wenn Unternehmer bei digitalen Inhalten mit der Vertragserfüllung begonnen hat. 

Bezahlt der Verbraucher für eine digitale Dienstleistung mit Geld, dann erlischt das Widerrufsrecht

  • wenn der Verbraucher zugestimmt hat, dass der Unternehmer mit der Erbringung der Leistung vor Ablauf der Widerrufsfrist beginnt und 
  • der Käufer aktiv seine Kenntnis bestätigt, dass sein Widerrufsrecht mit vollständiger Vertragserfüllung durch den Unternehmer erlischt.
  • Kam der Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen zustande, muss die Zustimmung auf einem dauerhaften Datenträger übermittelt werden, also beispielsweise in Papierform, per E-Mail, Festplatte oder USB-Stick

Bezahlt der Verbraucher für digitale Inhalte mit Geld, dann erlischt das Widerrufsrecht

  • wenn der Unternehmer mit der Vertragserfüllung vor Ablauf der Widerrufsfrist beginnt und der Kunde dem zustimmt, 
  • der Verbraucher seine Kenntnis über das Erlöschen des Widerrufsrechts aktiv bestätigt hat 
  • und die Bestätigung über das Erlöschen des Widerrufsrechts vom Unternehmer auf einem dauerhaften Datenträger übermittelt wird.
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FAQ
  • Ist Widerruf gleich Rücktritt vom Kaufvertrag?

    Stornieren oder zurücktreten können Sie theoretisch von allen Verträgen, widerrufen nur bestimmte (oben genannte Verbraucherverträge im Fernabsatz, an der Haustür oder Verbraucherdarlehen). Während Sie einen Widerruf nicht begründen müssen, ist das im Fall des Rücktritts von einem Kaufvertrag nötig.

    Denn das gesetzliche Rücktrittsrecht greift nur aus bestimmten Gründen: Beispielsweise wenn der Verkäufer die Leistung nicht oder nicht vertragsgemäß erbracht hat, er die Lieferfrist und die Nachfrist nicht einhalten konnte oder weil die Ware aufgrund eines Schadens im Lager des Verkäufers nicht mehr verfügbar ist. Liegt ein Sachmangel vor, muss der Verkäufer Gelegenheit zur Nachbesserung bekommen.

    Vorsicht: Wenn Sie einen Flug oder ein Hotel online buchen, ist kein Widerruf möglich. Denn Reise- oder auch Beförderungsverträge fallen unter die Ausnahmen, die vom Widerrufsrecht ausgeschlossen sind. Wenn Sie vom Vertrag zurücktreten möchten, fällt in der Regel eine Stornogebühr an.

  • Habe ich beim Autokauf ein Widerrufsrecht?

    Wenn Sie von einer Privatperson ein Auto kaufen, haben Sie generell kein Widerrufsrecht. Den Autokauf von einem Händler können Sie nur dann widerrufen, wenn Sie das Auto online gekauft haben. Es greift die gesetzliche Frist von 14 Tagen.
  • Kann ich einen Strom- und Gasvertrag widerrufen?

    Einen Strom- und Gasvertrag, den Sie über das Internet abgeschlossen haben, können Sie innerhalb der gesetzlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen widerrufen. Rechtskräftig ist der Vertrag erst, nachdem Sie eine Bestätigung erhalten haben. Ein Anruf eines Anbieters gilt noch nicht als Vertragsschluss, sondern lediglich als Angebot. Energielieferverträge außerhalb der Grundversorgung müssen schriftlich geschlossen werden.
Gut zu wissen

Für Waren, die Sie in einem Online-Shop gekauft haben, gilt in der Regel das gesetzliche Widerrufsrecht. Doch der Verkäufer hat den Widerruf abgelehnt? Maßgefertigte Produkte sind beispielsweise vom Widerruf ausgeschlossen. Aber was ist, wenn der Hersteller zum Zeitpunkt des Widerrufs jedoch noch gar nicht mit der Produktion begonnen hat?

Die Allianz unterstützt Sie hier im ersten Schritt mit telefonischer Rechtsberatung, die in allen Tarifen enthalten ist. Erfahrene Anwälte und Anwältinnen beantworten am Telefon Ihre Fragen rund um Ihren Vertrag und schätzen für Sie ein, welche Ansprüche Sie haben. Bei Konflikten mit Verkäufern unterstützt Sie die Allianz im Privat-Rechtsschutz dabei, Ihr Recht im Zweifelsfall auch vor Gericht durchzusetzen. Die Allianz übernimmt dabei die Kosten für die Rechtsstreitigkeit bis zur vereinbarten Summe.

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