Zahnarzt erklärt seiner Patientin ihren Zahnapparat
Die richtige Behandlung bei Verdacht auf CMD

Funktionsanalyse beim Zahnarzt

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Fehlende Zähne, Zahn- und Kieferfehlstellungen sowie Störungen der Zahnkontakte können dazu führen, dass die Kiefermuskulatur einseitig bzw. ungleich belastet wird.
  • Ob Kiefer und Kaumuskulatur fehlerfrei funktionieren, wird im Rahmen einer Funktionsanalyse ermittelt. Dieses Diagnoseverfahren gliedert sich in die klinische und die instrumentelle Funktionsanalyse. Sie kommt auch im Vorfeld einer Zahnersatz-Behandlung zum Einsatz.
  • Anzeichen für eine Dysfunktion sind Probleme beim Kauen und Beißen sowie Kopfschmerzen und Verspannungen im Kiefer- und Nackenbereich. Eine Bissschiene kann Linderung verschaffen.
  • Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur die einfachste Form der Aufbissschiene. Aufwendige Funktionstherapie trägt der Patient selbst. Je nach Tarif übernimmt die Zahnzusatzversicherung die Kosten einer Funktionsanalyse.
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Erklärung
 In der Zahnheilkunde ist die Funktionsanalyse auch als Gnathologie oder Funktionsdiagnostik bekannt.

Die Funktionsanalyse ist ein aufwendiges Diagnoseverfahren, mit dem der Zahnarzt das Zusammenspiel von Zähnen, Muskulatur und Kiefergelenk untersuchen und Kiefergelenkfehlstellungen sowie andere Funktionsstörungen des Kauapparates aufspüren kann.

Die Funktionsanalyse erhebt präzise Werte über die Lage des Kiefers im Schädel, über die Bewegung der Kiefergelenke und die Stellung der Zähne zueinander. Anhand dieser Daten kann der Zahnarzt die individuelle Mund- und Kiefersituation exakt bewerten.

Ergibt die Funktionsanalyse Unstimmigkeiten, spricht man von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), einer Funktionsstörung des Kausystems. „Craniomandibulär“ bezeichnet den Bereich zwischen Schädel (Cranium) und Unterkiefer (Mandibula). Folglich kann es sich bei CMD um Dysfunktionen der Kiefergelenke (Arthropathien), der Kaumuskulatur (Myopathien) oder Störungen beim Zusammenbeißen der Zähne (Okklusopathien) handeln.

Gut zu wissen
Info Illustration Gut zu wissen
  • Gelenkgeräusche (z.B. Knacken) beim Kauvorgang
  • Schmerzen in Unterkiefer und/oder Oberkiefer
  • Zähneknirschen (vor allem nachts)
  • Erkennbarer Abrieb der Zähne
  • Verspannungen in Kiefer, Nacken und Schultern
  • Wiederkehrende Kopfschmerzen und Migräne-Attacken
Info Illustration Gut zu wissen
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Indikation
Eine Funktionsanalyse bietet sich an, sobald schmerzhafte Symptome die Lebensqualität beeinträchtigen oder umfassende zahnrestaurative Maßnahmen (Zahnersatz) anstehen.
Zahnarzt bespricht  Röntgenbild mit Patientin


Kein menschliches Gebiss ist perfekt. Daher kommt es bei fast jedem Menschen zu minimalen Irritationen in Kiefer und Kaumuskulatur. 

Egal, ob Zahnkronen  (z. B. Jacketkronen), Zahnprothesen oder Zahnbrücken – der Zahnersatz hat nicht nur exakt in die Zahnreihe zu passen, sondern sollte auch sogenannte Okklusionsstörungen ausgleichen. Okklusion meint die Verzahnung bzw. den Kontakt der Oberkiefer-Zähne mit denen des Unterkiefers. Ist das räumliche Verhältnis der Zähne zueinander gestört, verhindern sie ein sauberes Bissverhalten und können zu Störungen des Kausystems und Schmerzen beim Kauvorgang führen.

Darüber hinaus ist eine Funktionsanalyse sinnvoll bei Patienten…

 
  • … die bei einem CMD-Screening Anzeichen einer craniomandibulären Dysfunktion (auch temporomandibuläre Dysfunktion) aufweisen.
  • … mit Schmerzen in der Gesichts- und Nackenmuskulatur sowie wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Migräne-Attacken.
  • … mit Bruxismus (Zähneknirschen).
  • … mit fehlenden Zähnen, größeren Zahnlücken oder offenem Biss.
  • … die beim Zusammenbeißen nur eine begrenzte Anzahl an Zahnkontakten haben.
  • … mit fehlender Frontzahnführung.

Ihr Zahnarzt erkennt die Indikation zu einer Funktionsanalyse. Falls Sie dennoch das Gefühl haben, dass Sie Kieferschmerzen und Verspannungen spüren, welche beim Zahnarztbesuch nicht thematisiert werden, suchen Sie das offene Gespräch mit Ihrem Zahnarzt.

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Klinisch vs. Instrumentell
Die Funktionsdiagnostik gliedert sich in die klinische und in die auf ihr aufbauende instrumentelle Funktionsanalyse.
Zahnarzt untersucht im Rahmen einer Funktionsanalyse den Kiefer einer Patientin

Klinische Funktionsanalyse

Bei der klinischen Funktionsanalyse handelt es sich um verschiedene manuelle Untersuchungen. Der Zahnarzt nimmt Mundöffnung, Kau-, Gesichts- und Kopfmuskulatur sowie die Kiefergelenke genau in Augenschein und tastet sie ab. Dabei achtet er auf Kiefergelenkgeräusche sowie Einschränkungen beim Mundöffnen (Kiefersperre) und Kauen. Die Körper- und Kopfhaltung des Patienten spielt bei der manuellen Funktionsanalyse ebenfalls eine große Rolle. Denn Abweichungen von der Norm können Hinweise auf eine craniomandibuläre Dysfunktion sein.

Ist der Befund positiv, leitet der Zahnarzt weitere Untersuchungen ein, mit denen er seine Diagnose weiter präzisiert.

Instrumentelle Funktionsanalyse

Die instrumentelle Funktionsanalyse – auch Okklusionsanalyse genannt – ergänzt die klinische Funktionsanalyse. Sie erlaubt einen Einblick in den "Mikrokosmos" des Kau- und Kiefersystems. Mit speziellen Instrumenten und Messverfahren untersucht der Zahnarzt die Schädel-Kiefer-Achse, die Kiefergelenkbewegungen sowie die Kontaktpunkte der Zähne.

Für die Vermessung nimmt der Zahnarzt zunächst Abdrücke von Ober- und Unterkiefer. Mit ihrer Hilfe werden später Kiefermodelle erstellt, die für die Funktionsanalyse notwendig sind. Um die exakten Positionen des Kiefergelenks und die Bewegungsbahnen des Kiefers (Axiographie) zu messen, kommt ein sogenannter Gesichtsbogen zum Einsatz. Der Patient beißt auf eine Bissgabel, die am Gesichtsbogen befestigt ist.

Mithilfe der gewonnenen Messdaten kann ein exaktes Modell angefertigt werden. Dieses setzt der Zahnarzt dann in einen Kausimulator ("Artikulator") ein, der die natürlichen Kaubewegungen imitiert. Sind Störungen erkennbar, erstellt der Zahnarzt einen individuellen Behandlungsplan und leitet gegebenenfalls weitere Maßnahmen ein.

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Nach der Funktionsanalyse
Hat der Zahnarzt mithilfe der Funktionsanalyse eine CMD  festgestellt, leitet er zunächst eine Schienentherapie ein. 
Zahnärztin zeigt Patientin transparente Aufbissschiene

Sie ist der wichtigste und häufigste Behandlungsansatz bei CMD. Im Rahmen der Therapie erhält der Patient eine individuelle Aufbissschiene (z. B. als Äquilibrierungsschiene, Michiganschiene oder Stabilisierungsschiene), die er entweder nachts und/oder tagsüber trägt.

Die Bissschiene beeinflusst die Bewegung und das Kauverhalten des Kiefers und lässt diesen über Wochen und Monate hinweg neue Bewegungsabläufe erlernen. Auf diese Weise trägt sie dazu bei, die Kieferfehlstellung zu richten und Begleiterscheinungen wie Zahnabrieb, Zähneknirschen, Muskelverspannungen und Schmerzen entgegenzuwirken.

Dauerhafte Korrektur der Kieferfehlstellung

Um nicht konstant auf eine Aufbissschiene angewiesen zu sein, lassen viele Patienten ihre Bisslage dauerhaft korrigieren. Minimale Abweichungen kann der Zahnarzt ausbessern, indem er kleine Korrekturen an Zahnsubstanz oder bereits vorhandenem Zahnersatz vornimmt. Bestehender Zahnersatz kann beispielsweise durch langjährige Abnutzung oder Fehlbelastung der Zähne eine Ursache für die Beschwerden sein. 

Sind umfangreiche Korrekturen erforderlich, kommen Keramikonlays oder Kronen zum Einsatz. Mit ihnen werden Zahn und Zahnreihe neu "gestaltet" und eine richtige Bisslage geschaffen. Im Anschluss ist das Tragen der Aufbissschiene nicht mehr notwendig. Neuer Zahnersatz mit Zahnimplantaten ist ebenfalls möglich. Hierfür verwendet der Arzt die Ergebnisse aus der Funktionsanalyse und passt den Zahnersatz so an, dass der Biss passt.

Gibt es alternative Behandlungsformen?

Ob aus Kostengründen oder persönlichen Vorlieben, nicht immer muss es zu Funktionsanalyse und Schienentherapie kommen. Alternative Heilmethoden wie Akupunktur können zumindest kurzfristig Linderung schaffen. Beachten Sie jedoch, dass Krankenkassen diese Behandlungskosten maximal aus Kulanz übernehmen. Ansonsten sind sie selbst zu zahlen. 

Eine sinnvolle Ergänzung zu einer Funktionstherapie ist eine begleitende Physiotherapie. Tatsächlich können Verspannungen der Kiefer- und Nackenmuskeln ein fehlerhaftes Kauverhalten inklusive Folgeschäden auslösen. Ein erfahrener Physiotherapeut kann hier sehr viel ausrichten. Das Rezept zur Physiotherapie stellt Ihnen der Zahnarzt aus. 

Auch die symptomatische Therapie mit Schmerzmitteln kann die Funktionstherapie wirksam unterstützen. Spezielle Arzneimittel helfen wirksam gegen Muskelschmerzen und zur Muskelentspannung. Sie sollten jedoch nur begleitend zum Einsatz kommen. Physikalische Maßnahmen wie Wärme, Kälteanwendungen und Rotlicht wirken ebenfalls schmerzlindernd bei Verspannungen und Schmerzen des Kauorgans oder im Nacken- und Kopfbereich.

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Gesamtpreis und Kostenübernahme
Wie bei vielen anderen Leistungen der modernen Zahnmedizin ist der Kostenrahmen auch hier weit gespannt. 

Wie hoch die Zahnarzt-Abrechnung für eine Funktionsanalyse ausfällt, hängt insbesondere vom Umfang der Behandlung ab. Für eine manuelle Funktionsanalyse und die Anfertigung einer einfachen Bissschiene kommen Kosten von wenigen Hundert Euro auf Sie zu. Aufwendige Kieferuntersuchungen mit entsprechenden Behandlungsmaßnahmen sind deutlich teurer. Hier zahlen Sie schnell einige Tausend Euro.

Abrechnung einer Funktionsanalyse beim Zahnarzt

Wie die Abrechnung einer Funktionsanalyse im Detail aussieht, unterliegt der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Genauer gesagt, den Gebührennummern GOZ 8000 bis 8100. 

  • Befunderhebung des Gebisses, inklusive eventuell vorhandener Prothetik sowie der parodontalen Situation etc.
  • Ermittlung (Registrierung) der Bewegungen des Unterkiefers und seine Lagebeziehung zum Oberkiefer.
  • Diagnostische Maßnahmen am Gebiss des Patienten oder am Gipsmodell.

Der Zahnarzt muss dabei alle Befunde transparent dokumentieren. Entsprechend den GOZ-Nummern erfolgt die Abrechnung dann anhand unterschiedlicher Sätze – auch Abrechnungssatz genannt. In der Regel wird die Funktionsdiagnostik mindestens mit dem 2,3 fachen Faktor abgerechnet.

Gründe für einen hohen Abrechnungssatz

Bei einem Satz höher als 2,4 muss der Zahnarzt schriftlich und nachvollziehbar begründen,  warum die Erbringung der Leistung im konkreten Fall besonders aufwendig ist. Gründe können unter anderem Behandlungsschwierigkeiten, höhere Zeitaufwände oder schwere Umstände sein.

Tipp der Verbraucherzentrale: Die Angebote von Zahnärzten zum Thema CMD können sehr unübersichtlich sein. Die Spezialistensuche der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) kann Sie hierbei unterstützen.

Beispielhafte Abrechnung einer Funktionsanalyse bei einer Brücke:

 
  • GOZ 8000 (2,3-fach): 64,68 EUR
  • GOZ 8010 (2,3-fach) – Zwei Mal: 35,43 EUR
  • GOZ 8020 (3,5-fach): 59,05 EUR
  • GOZ 8080 (2,3-fach): 32,34 EUR
  • Zzgl. Materialkosten: 15,00 EUR
  • Summe: 241,93 EUR
Hinweis: Bei dieser Aufstellung handelt es sich um eine Beispielrechnung im unteren Bereich der Kosten für Funktionsanalyse.
 

Was bezahlt die Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten einer Funktionsanalyse nicht. Auch die Anfertigung einer einfachen Okklusionsschiene oder Aufbissschiene übernimmt die Kasse nur in bestimmten Fällen. Beispielsweise, wenn der Zahnarzt eindeutige Störungen des Kiefergelenks diagnostiziert und eine Schiene notwendig ist, um Schmerzen zu lindern. Sind hingegen aufwendige Analysen und sehr hochwertige Bissschienen erforderlich, zahlt der betroffene Patient diese aus eigener Tasche.

Übernimmt die Zahnzusatzversicherung die Kosten einer Funktionsanalyse?

Wer nicht auf den Kosten sitzen bleiben möchte, kann eine private Zahnzusatzversicherung abschließen. Beachten Sie jedoch, dass die Kosten der Funktionsanalyse oftmals nur im Zusammenhang mit Zahnersatz erstattungsfähig sind. Das heißt: Die Zusatzpolice übernimmt lediglich funktionsanalytische Leistungen, die mit Ihrem Zahnersatz in Verbindung stehen, sowie Aufbissbehelfe und Schienen. In der Regel deckt die Zahnzusatzversicherung den vereinbarten Erstattungssatz ab. Dieser liegt in den meisten Tarifen bei 70 bis 90 Prozent.

Es gibt verschiedene Diagnosemöglichkeiten für CMD oder ähnliche Fehlfunktionen. Sie reichen von einfachen zahnärztlichen Untersuchungen bis hin zu Hightech-Analysen in Spezialpraxen. Beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung ist es daher wichtig, dass Sie den jeweiligen Leistungsumfang verstehen und einen Tarif wählen, der Ihren individuellen Bedürfnissen entspricht.

Die passende Versicherung
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