Gesetzliche & private Pflegekassen

Pflegever­sicherung Träger: Wer im Pflegefall zahlt

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Pflegekassen übernehmen Ihre Pflegekosten
  • Träger der Pflegeversicherungen sind die Pflegekassen. In Deutschland gibt es rund 100 soziale und etwa 50 private Pflegekassen.
  • Die Pflegekassen sind unmittelbar an ihre jeweiligen Krankenkassen gebunden. Daher sind Sie in der Regel dort pflegeversichert, wo Sie auch krankenversichert sind. Das heißt: Gesetzlich Krankenversicherte sind automatisch in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Privatversicherte schließen eine private Pflegepflichtversicherung ab.
  • Die Leistungen der gesetzlichen und privaten Pflegekassen sind prinzipiell gleich. Beide Träger bieten eine Grundabsicherung, die Ihnen im Pflegefall zusteht.
  • Die Kosten, die bei Pflegebedürftigkeit tatsächlich entstehen, sind jedoch deutlich höher – egal, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind. Eine private Pflegezusatzversicherung kann helfen, diese Versorgungslücke zu schließen.
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Pflegebedürftigkeit in Deutschland
Allianz - Pflegeversicherung Träger: Weibliche Pflegekraft schenkt Seniorin Orangensaft ein

In Deutschland leben laut Bundesgesundheitsministerium (BGM) knapp 3,7 Millionen Menschen, die ihre alltäglichen Aufgaben nicht selbstständig bewältigen können und auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die meisten dieser Leistungsempfänger – rund 2,9 Millionen – werden ambulant betreut. Knapp 800.000 erhalten stationäre Pflege in einer Pflegeeinrichtung (Stand: Mai 2019).

Als sogenannte fünfte Säule des deutschen Sozialversicherungssystems sichert die gesetzliche – beziehungsweise soziale – Pflegeversicherung ihre Mitglieder gegen die Folgen einer Pflegebedürftigkeit ab. Genauso wie die vier anderen Säulen (gesetzliche Krankenversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Arbeitslosenversicherung, gesetzliche Unfallversicherung) ist die Pflegeversicherung in Deutschland eine Pflichtversicherung. Durch die Versicherungspflicht stellt der Gesetzgeber sicher, dass jeder Bürger im Pflegefall durch die Basisleistungen der Sozialversicherung abgesichert ist.

Allianz - Pflegeversicherung Träger: Weibliche Pflegekraft schenkt Seniorin Orangensaft ein
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Definition

Die Träger der gesetzlichen Pflegeversicherungen sind die Pflegekassen. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, die in eigener Verantwortung und Selbstverwaltung arbeiten, aber an die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) angeschlossen und untrennbar mit ihnen verbunden sind.

Es gibt 105 soziale Pflegekassen in Deutschland

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind in Deutschland über 73 Millionen Versicherte in einer der 105 gesetzlichen Krankenkassen versichert (Stand: 2019). Ihr Dachverband ist der GKV-Spitzenverband. Da zu jeder gesetzlichen Krankenkasse eine gesetzliche Pflegekasse gehört, gibt es auch 105 Pflegekassen. Sie setzen sich aus folgenden Kassen zusammen:

  • 11 Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK)
  • 80 Betriebskrankenkassen (BKK)
  • 6 Innungskrankenkassen (IKK)
  • 1 Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK)
  • 1 Knappschaft-Bahn-See (KBS)
  • 6 Ersatzkassen (Verband der Ersatzkassen, vdek)

Zu den sechs Mitgliedskassen des vdek gehören unter anderem die großen, bekannten gesetzlichen Träger: Techniker Krankenkasse, Barmer, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkasse, Handelskrankenkasse und Hanseatische Krankenkasse. 

Sie können zwischen 52 privaten Pflegeversicherungs-Trägern wählen

Rund zehn Prozent der in Deutschland versicherten Personen haben eine private Krankenversicherung (PKV). Da eine Pflegeversicherung auch für sie per Gesetz verpflichtend ist, müssen sich privat Krankenversicherte privat pflegeversichern. 2019 betrug die Anzahl der Versicherten mit privater Kranken- und Pflegepflichtversicherung rund 8,74 Millionen.

Ähnlich wie bei der GKV versammeln sich auch die privaten Versicherer unter einem Dachverband: dem Verband der Privaten Krankenversicherung. Dieser hat insgesamt 52 Mitglieder – 42 ordentliche, acht außerordentliche und zwei verbundene Einrichtungen (die Postbeamtenkrankenkasse und Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten).

Zu den großen privaten Trägern gehören neben der Allianz unter anderem die Deutsche Krankenversicherung, Debeka, Signal Iduna, HUK Coburg, Barmenia und Axa.

Pflegeversicherung Träger: Illustration Information Gut zu wissen
Gut zu wissen
Pflegeversicherung Träger: Illustration Information Gut zu wissen

Egal, ob gesetzlich oder privat: Die Pflegeversicherung ist untrennbar mit Ihrer Krankenversicherung verbunden. Das heißt: Sie sind dort pflegeversichert, wo Sie auch krankenversichert sind:

  • Sind Sie gesetzlich krankenversichert, sind Sie automatisch über die jeweilige Pflegekasse Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflegeversichert. Für welche der 105 Kranken- und Pflegekassen Sie sich entscheiden, ist Ihnen überlassen.
  • Sind Sie privat krankenversichert, schließen Sie eine private Pflegepflichtversicherung ab. Träger der Pflegeversicherung ist dementsprechend eine der 52 privaten deutschen Pflegekassen.
  • Sind Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert, dürfen Sie sich für eine gesetzliche Pflegeversicherung entscheiden – sind aber nicht dazu gezwungen. Auf Antrag können Sie stattdessen eine Pflegepflichtversicherung bei einem privaten Träger abschließen.
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Beitragshöhe

Welche monatlichen Beitragskosten auf Sie zukommen, hängt davon ab, ob Sie bei einem gesetzlichen oder privaten Träger der Pflegeversicherung versichert sind.
 

Soziale Pflegekassen berechnen pauschal 3,05 Prozent des Bruttoentgelts

Der Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung ist gesetzlich vorgegeben und abhängig vom Bruttoeinkommen. 2020 berechnen alle deutschen Pflegekassen einen pauschalen Beitragssatz von 3,05 Prozent für Versicherte mit Kindern (mit Ausnahme von Sachsen). Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommen jeweils zur Hälfte für die Pflegeversicherungsbeiträge auf.

Für kinderlose Versicherte ab dem vollendeten 23. Lebensjahr liegt der Beitragssatz bei 3,30 Prozent. Zu den 3,05 Prozent kommt ein Beitragszuschlag in Höhe von 0,25 Prozentpunkten hinzu, der sogenannte Kinderlosenzuschlag.

Gesetzlich Pflegeversicherte zahlen maximal 155 Euro im Monat

Grundsätzlich gilt: Je höher das Einkommen, desto höher der Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung. Um Gutverdiener nicht deutlich schlechter zu stellen, hat der Gesetzgeber eine sogenannte Beitragsbemessungsgrenze eingeführt. Diese Obergrenze legt die Einkommenshöhe fest, bis zu welcher der Beitragssatz von 3,05 bzw. 3,30 Prozent berechnet wird. Liegt das Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze, wird der monatliche Beitrag zur Pflegeversicherung gedeckelt. Kurz gesagt: Verdienen Sie mehr, zahlen Sie dennoch keine höheren Beiträge.

2020 liegt die Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung bei einem monatlichen Gehalt von 4.687,50 Euro (bzw. einem Jahresgehalt von 56.250 Euro). Berechnet man davon 3,05 Prozent, ergibt sich ein Höchstbeitrag von rund 143 Euro im Monat. Kinderlose Beitragszahler (3,30 Prozent) zahlen monatlich maximal 155 Euro.

Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer erhalten von ihren Arbeitgebern einen Beitragszuschuss. Seine Höhe ist auf den Beitrag begrenzt, der als Arbeitgeberanteil nach SGB XI zu zahlen wäre – also 1,525 Prozent.

Gesamtbeiträge zur sozialen Pflegeversicherung im Überblick (in Euro): 

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Ihr beitragspflichtiges Einkommen (in Euro) Beitragssatz 3,05 Prozent Beitragssatz 3,30 Prozent
800,00 24,40 26,40
1.000,00 30,50 33,00
2.000,00 61,00 66,00
3.000,00 91,50 99,00
4.000,00 122,00 132,00
4.687,50 142,96 154,68
5.000,00 142,96 154,68
6.000,00 142,96 154,68

Privatversicherte zahlen abhängig von Alter und Gesundheit  

Sind Sie privat krankenversichert, richtet der monatliche Beitrag zur privaten Pflege-Pflichtversicherung sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Alter bei Versicherungsbeginn. Dadurch ist der Beitrag in der Regel umso höher, je später Sie in die private Pflegeversicherung wechseln.

Allerdings dürfen private Pflegeversicherungs-Träger von ihren Kunden maximal den Höchstbeitrag der sozialen Pflegeversicherung verlangen. 2020 liegt er für Privatversicherte ohne Beihilfeanspruch bei etwa 143 Euro pro Monat. Privat Versicherte erhalten ebenfalls einen Beitragszuschuss vom Arbeitgeber.

Oft gefragt
Pflegeversicherung Träger: Illustration Information Gut zu wissen

Angestellte, Arbeitslose und Rentner haben in der Regel keine Wahl: Sie müssen sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse und ihrer zugehörigen Pflegekasse versichern.

Eine Ausnahme von dieser Regel ist nur möglich, wenn der Versicherte die gesetzlich festgelegte Einkommensgrenze überschreitet. Für 2020 liegt diese sogenannte Pflichtversicherungsgrenze bei 5.212,50 Euro im Monat oder jährlich 62.550 Euro (inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld). Sie wird für jedes Jahr neu festgelegt.

Liegt Ihr Bruttojahresentgelt über dieser Grenze, haben Sie die Wahl: Sie können freiwillig gesetzlich versichert bleiben oder in eine private Kranken- und Pflegeversicherung wechseln.

Übrigens: Beamte und Selbstständige haben immer die Möglichkeit, sich für einen privaten Versicherungsträger zu entscheiden.

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Voraussetzung

Um Leistungen der Pflegekassen wie Pflegegeld oder Pflege-Sachleistungen zu erhalten, müssen Versicherte sich in einen der fünf Pflegegrade einstufen lassen. Nur dann gelten Sie offiziell als pflegebedürftig.

Dazu überprüft ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder MEDICPROOF, in welchem Maß der Antragssteller auf Hilfe und Betreuung im Alltag angewiesen ist. Mithilfe des Gutachtens bestimmt das zuständige Versicherungsunternehmen dann den Grad der Pflegebedürftigkeit: von Pflegegrad 1 für Patienten mit leichten Einschränkungen bis hin zu Pflegegrad 5 für Menschen mit außergewöhnlich hohem Pflegebedarf. Je höher der Pflegegrad, desto umfangreicher sind die Leistungen, die der Betroffene bei seiner gesetzlichen oder privaten Pflegekasse beantragen kann.

Seit 2017 ersetzen Pflegegrade die Pflegestufen

Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) aus dem Jahr 2017 hat der deutsche Gesetzgeber das Verfahren zur Begutachtung der Pflegebedürftigkeit grundlegend verändert. Statt der alten Pflegestufen 0 bis 3 gibt es seitdem fünf Pflegegrade. Die Umstellung kommt vor allem Versicherten mit geistigen und psychischen Erkrankungen zugute: So erhalten zum Beispiel Demenzkranke eine bessere finanzielle Unterstützung.

Bei vorübergehendem Pflegebedarf springt die Krankenversicherung ein

Ist absehbar, dass Sie mindestens sechs Monate auf fremde Hilfe angewiesen sind, zahlt Ihre Pflegeversicherung. Brauchen Sie hingegen nur vorübergehend Hilfe, beispielsweise bei der Rehabilitation nach einer aufwendigen Operation, ist die Pflegekasse nicht zuständig. Die Kosten für die sogenannte Übergangspflege, die Sie für maximal acht Wochen beantragen können, übernimmt Ihre gesetzliche Krankenkasse.

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Info
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Sie selbst sind pflegebedürftig und Mitglied einer privaten Pflegeversicherung? Oder Angehöriger eines solchen Leistungsempfängers? Dann lassen Sie sich beraten: Die COMPASS Pflegeberatung der privaten Kranken­versicherer unterstützt Sie bei allen Fragen rund um das Thema Pflege und hilft bei der Auswahl von Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen. Unter 0800 1018800 erreichen Sie die Experten kostenlos – auf Wunsch beraten sie auch persönlich zu Hause.
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Eigenvorsorge

Die Leistungen der Pflegekassen wurden durch die Pflegestärkungsgesetze 2015 und 2017 deutlich ausgebaut und verbessert: Das Pflegegeld für Angehörige beispielsweise liegt nun bei einem Höchstsatz von 901 Euro, statt zuvor bei 728 Euro. Trotzdem dienen die Leistungen der sozialen und privaten Pflegepflichtversicherung lediglich als Basisabsicherung. Die Kosten, die Ihnen bei Pflegebedürftigkeit tatsächlich entstehen, liegen in der Regel deutlich über dieser Grundabsicherung.

Insbesondere, wenn Sie die Pflege in einer Pflegeeinrichtung wahrnehmen, bleibt eine erhebliche Versorgungslücke bestehen. Die durchschnittlichen Heim- und Pflegekosten betragen rund 4.000 Euro im Monat – weitaus mehr, als die Träger der Pflegeversicherungen übernehmen.

Erweitern Sie den Basisschutz mit einer zusätzlichen Pflegeabsicherung

Damit Sie diese Versorgungslücke nicht mit Ihren Ersparnissen ausgleichen oder Ihre Angehörigen finanziell belasten müssen, kann eine private zusätzliche Absicherung für einen Pflegefall sinnvoll sein. Je nachdem, wie und in welchem Umfang Sie sich absichern möchten, gibt es verschiedene zusätzliche private Absicherungsmöglichkeiten, mit denen Sie den Basisschutz Ihrer Pflegeversicherung erweitern können. 

  • Die Allianz Pflegezusatzversicherung (PflegetagegeldBest) leistet je nach Pflegegrad einen vertraglich festgelegten Tagessatz – ja nachdem, ob Sie stationär im Heim oder ambulant von einer professionellen Pflegeperson oder Ihren Angehörigen betreut werden.
  • Der PflegeBahr ist der solide Einstieg in die private Pflegeversicherung. Der Staat fördert den PflegeBahr jährlich mit bis zu 60 Euro.
  • Die Pflegerentenversicherung zahlt im Pflegefall eine garantierte monatliche Pflegerente. Die Höhe der Pflegerente bestimmt sich je nach Grad der Pflegebedürftigkeit und der vereinbarten Leistung.
Der passende Versicherungsschutz
Im Pflegefall grundsätzlich abgesichert mit der Pflegepflicht­versicherung
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