Junger und Älterer Mann umarmen sich
Wie Ihre Angehörigen Sie im Pflegefall finanziell unterstützen müssen

Elternunterhalt

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Das sollten Sie wissen
  • Im Pflegefall sind Sie über die Pflegepflichtversicherung abgesichert. Allerdings übernimmt diese nur einen Teil der Leistungen. Falls Sie pflegebedürftig werden und die restlichen Kosten nicht alleine tragen können, müssen Ihre Kinder unter Umständen für Ihren Unterhalt aufkommen.
  • Wie viel Ihre Kinder zahlen müssen, hängt von deren Einkommen und Vermögen ab. Bei der Berechnung ist sichergestellt, dass Ihre Kinder nicht selbst bedürftig werden.
  • Für die Höhe der Zahlungen ist außerdem Ihr eigener Bedarf entscheidend, also auch Ihr Pflegegrad (früher: Pflegestufe).
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Definition
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Sollten Sie pflegebedürftig werden, erhalten Sie Leistungen von Ihrer gesetzlichen oder privaten Pflegepflichtversicherung. Diese zahlt einen Teil der Pflegekosten. Für den Rest sind Sie selbst verantwortlich. Damit Ihr Vermögen nicht belastet wird, können Sie eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Diese kann im Pflegefall die Kosten tragen, die die Pflegekasse nicht übernimmt. Sofern Sie keine zusätzliche private Pflegeversicherung abgeschlossen haben und die Pflegekosten auch nicht mit eigenen Mitteln begleichen können, zahlt zunächst das Sozialamt Ihren Anteil. Damit stellt der Staat sicher, dass Sie in jedem Fall ausreichend Pflege erhalten. Unter gewissen Bedingungen kann das Sozialamt aber verlangen, dass Ihre Kinder für einen Teil aufkommen – das ist der sogenannte Elternunterhalt.
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Wann Ihre Kinder zahlen müssen
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Die Höhe eines eventuellen Elternunterhaltes berechnet das Sozialamt anhand des Einkommens und Vermögens Ihrer Kinder. Damit die Belastungen für diese nicht zu groß sind, wird ein Teil ihres Einkommens, der sogenannte Selbstbehalt, nicht mit einberechnet. Das Vermögen Ihrer Kinder wird ebenfalls nur teilweise angetastet. Ausgenommen ist beispielsweise das sogenannte Schonvermögen, das zur Absicherung Ihrer Nachkommen dient.

Wann müssen Ihre Kinder Elternunterhalt bezahlen?

Ihre Kinder sind gesetzlich verpflichtet, Ihnen Unterhalt zu zahlen, falls Sie pflegebedürftig werden und selbst nicht zahlen können. Ihre Schwiegerkinder müssen dagegen keine direkten Zahlungen leisten. Allerdings berücksichtigt der Staat bei der Höhe des Elternunterhalts das gemeinsame Einkommen eines Ehepaars, so dass hier in Summe mehr gezahlt werden muss. Somit kommen auch Ihre Schwiegerkinder indirekt für Ihren Unterhalt auf.

Generell hängt der Anspruch auf Elternunterhalt ab von

  • dem aktuellen Grad Ihrer Bedürftigkeit und den damit verbundenen Kosten,
  • Ihren eigenen finanziellen Mitteln,
  • der Leistungsfähigkeit, also dem Einkommen, Ihrer Kinder.

Grundsicherung im Alter

Wenn Ihre Einkünfte wie Rente oder Vermögen nicht für den Lebensunterhalt ausreichen, haben Sie ab Erreichen der Altersgrenze, die je nach Geburtsjahrgang zwischen der Vollendung des 65. oder 67. Lebensjahres liegt, prinzipiell Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung.

Gut zu wissen
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Im Rahmen des Angehörigen-Entlastungsgesetzes ist geregelt, dass Kinder nur dann zum Elternunterhalt verpflichtet sind, wenn das Jahresgesamteinkommen über 100.000 Euro liegt.
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Oft gefragt
Junge Frau und junger Mann rechnen am Schreibtisch

Ab 2020 wird auf das Einkommen von Kindern pflegebedürftiger Eltern erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro (je unterhaltsverpflichteter Person) zurückgegriffen. Die Möglichkeit eines Unterhaltsrückgriffs durch den Sozialhilfeträger wird durch das Gesetz damit bis zu einem Einkommen von 100.000 Euro ausgeschlossen.

Ab einem Jahreseinkommen von über 100.000 Euro gelten folgende Voraussetzungen:

Die Höhe des Elternunterhalts hängt vom Einkommen und Vermögen Ihrer Kinder ab. Das Sozialamt orientiert sich am bereinigten monatlichen Nettoeinkommen Ihrer Nachkommen. Davon wird der Selbstbehalt abgezogen. Die Hälfte dieses Ergebnisses ist der Betrag, den Ihr Kind monatlich zahlen muss.

Wie ermittelt man das bereinigte Nettoeinkommen?

Für die Berechnung des bereinigten Nettoeinkommens verwendet das Sozialamt bei Arbeitnehmern den Durchschnittslohn der vergangenen zwölf Monate. Bei Selbstständigen betrachtet das Amt die durchschnittlichen Einkünfte der vergangen drei bis fünf Jahre. Von diesem Nettoeinkommen zieht es verschiedene Kosten ab, beispielsweise berufsbedingte Aufwendungen, Kranken- und private Altersvorsorge sowie bestehende Unterhaltspflichten oder Schulden.

Was bedeutet Selbstbehalt beim Elternunterhalt?

Der Selbstbehalt ist der Betrag, den Ihre Kinder für ihr eigenes Leben benötigen. Durch Abzug dieser Summe vom bereinigten Nettoeinkommen schützt der Staat sie vor übermäßigen Zahlungen. Im Jahr 2020 beträgt der Selbstbehalt 2.000 Euro für den Unterhaltspflichtigen und 1.600 Euro für dessen Ehepartner. In diesem Selbstbehalt sind neben Miete und Nebenkosten auch die Beträge für eine Haftpflichtversicherung  enthalten. Von darüber hinausgehendem Einkommen darf der Unterhaltspflichtige die Hälfte behalten.

Was ist das Schonvermögen Ihrer Kinder?

Ihre Kinder müssen im Fall der Fälle auch mit dem eigenen Vermögen für Ihren Unterhalt sorgen. Allerdings darf das nicht ihren eigenen Lebensunterhalt beziehungsweise die Vorsorge gefährden. Deshalb bleiben bestimmte Teile des Vermögens Ihrer Kinder unberührt. Zu diesem sogenannten Schonvermögen gehören die Rücklagen zum Beispiel für die Altersvorsorge sowie eine selbstgenutzte Immobilie.

Müssen Ihre Schwiegerkinder auch Elternunterhalt für Sie zahlen?

Ihre Schwiegerkinder zahlen indirekt auch für den Elternunterhalt der Partner, da Ehepaare in der Regel zusammen veranlagt werden. Daher wird in diesem Fall ein zusätzlicher Selbstbehalt addiert.

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Klarheit im Pflegefall
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Gut zu wissen
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Grundsätzlich können Ihre Kinder die Kosten, die sie für das Alters- oder Pflegeheim zahlen, steuerlich geltend machen. Ziehen Sie aus gesundheitlichen beziehungsweise pflegerischen Gründen in ein Pflegeheim, lassen sich die anfallenden Beträge in der Regel als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung angeben. Steuerlich wirkt sich jedoch nur der Betrag aus, der die sogenannte zumutbare Belastung übersteigt.

Leben Sie dagegen nur aufgrund Ihres Alters in einer solchen Einrichtung, können die Kosten für Ihre Kinder als Unterhaltsleistungen bis zu einer Höchstgrenze von 9.408 Euro (2020) absetzbar sein.

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Häufige Fragen
  • Können Sie den Elternunterhalt auf mehrere Kinder verteilen?

    Ja, wenn Sie mehrere Kinder haben, nimmt das Sozialamt diese abhängig von ihrem Einkommen und Vermögen in die Pflicht. Kommt eines Ihrer Kinder allein für den Elternunterhalt auf, hat es Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich durch die Geschwister.
  • Haben die Großeltern Anspruch auf „Elternunterhalt“ durch die Enkel?

    Laut BGB sind Enkel den Großeltern gegenüber zum Unterhalt verpflichtet, sofern nicht die Kinder als Verwandte 1. Grades für den Unterhalt aufkommen können. Im Falle, dass die hohen Pflegeheimkosten nicht durch die Großeltern mithilfe des eigenen Einkommens oder Vermögens selbst getragen werden können, so wird i.d.R. Sozialhilfe nach SGB XII beantragt. Enkel müssen dann nicht für die Pflegekosten der Großeltern aufkommen.
  • Welche Nachteile entstehen, wenn Ihre Kinder keinen Elternunterhalt zahlen können?

    In der Regel zahlt die Sozialkasse höchstens den Mindestbetrag für Ihre Pflegekosten. Nicht notwendige Zusatzleistungen übernimmt das Sozialamt nur selten oder gar nicht. Daher lohnt es sich, eine private Pflegeversicherung abzuschließen. So erhalten Sie stets die optimale Versorgung und schützen zugleich Ihr privates Vermögen wie auch das Ihrer Angehörigen.
  • Was passiert, wenn Sie nach einer Schenkung auf Elternunterhalt angewiesen sind?

    Können Sie nach einer Schenkung an Familienangehörige nicht selbstständig für Ihren Unterhalt in einer Pflegeeinrichtung aufkommen, müssen Sie die Schenkung zurückfordern. Die Schenkung können Sie nur innerhalb von 10 Jahren ab Schenkung widerrufen, was in § 529 BGB geregelt ist. Alternativ können die Begünstigten (etwa Ihre Kinder) einen regelmäßigen Unterhaltsbeitrag leisten.
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