Junge Pflegerin sitzt mit älterer Dame auf dem Bett und erklärt die Tabletteneinnahme
Zeitfaktor im Pflegefall

Welche Rolle spielen Aufwand & Zeitaufwand in der Pflege?

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Selbständigkeit versus Zeitbedarf
  • Seit 2017 gilt in Deutschland das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Im Rahmen der Reform erfolgte neben der Gleichstellung der Pflegeleistungen für dauerhaft psychisch Erkrankte und körperlich Pflegebedürftige auch eine Umstellung des Begutachtungssystems.
  • Die Pflegegrade 1 bis 5 haben die ehemaligen Pflegestufen 0 bis 3 abgelöst. Entscheidend für die Einstufung ist heute nicht mehr, wie viel Zeit die Pflege in Anspruch nimmt (vormals: Pflegezeitbemessung). Stattdessen bewertet der Gutachter, wie selbständig der Pflegebedürftige seinen Alltag noch meistern kann.
  • Bei der Beantragung von Pflegeleistungen weisen Sie heute keine Zeitaufwände mehr nach. Die Höhe der Pflegeleistung (Geldleistung und Sachleistung) ist allein an den jeweiligen Pflegegrad gekoppelt.
  • Für Angehörige, die pflegebedürftige Familienmitglieder zu Hause pflegen, empfiehlt sich zur Eigenorganisation dennoch eine Dokumentation, wie viel Zeit sie in die Pflege investieren. Ein Pflegetagebuch hilft, den Überblick zu bewahren.
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Erklärung
Hände einer Pflegerin umfassen Hand einer älteren Dame, die sich auf Gehstock stützt.

Damit Sie im Pflegefall die richtige Versorgung erhalten, bewertet ein Gutachter, welcher Pflegegrad Ihrer gesundheitlichen Verfassung entspricht. Je nach Einstufung in Pflegegrade 2 bis 5 stellt die Pflegeversicherung Ihnen dann Pflegeleistungen in Form von Pflegegeld oder Sachleistungen zur Verfügung.

Faktor Zeit nicht mehr ausschlaggebend

Seit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz von 2017 ist dabei allein entscheidend, wie selbständig die pflegebedürftige Person ihren Alltag meistern kann. 

Pflegegrade bemessen sich demnach nicht mehr nach Zeitaufwand. Vor der Pflegereform 2017 richtete sich die Einstufung vor allem nach der für die Pflegetätigkeit benötigten Zeit: Die Dauer der täglichen Pflege war entscheidend für eine Pflegestufe zwischen 0 und 3.

Selbständigkeit entscheidet jetzt über Einstufung

Da der Zeitaufwand heute nicht mehr an den Pflegegrad gekoppelt ist, steht bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit die Selbständigkeit im Fokus: Der Gutachter bewertet in sechs verschiedenen Modulen, wie gut die zu pflegende Person ihren Alltag selbständig bewältigt. 

Begutachtet werden Bereiche wie Mobilität, Selbstversorgung und Alltagsverrichtung, Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Je mehr Unterstützung bei der Verrichtung der Tätigkeiten erforderlich ist, desto höher der Pflegegrad.

Die fünf Pflegegrade ermöglichen im Gegensatz zu den vormals nur drei Pflegestufen eine spezifischere Beurteilung des Pflegezustands. Patienten mit dauerhaften psychischen Erkrankungen oder Demenz erhalten zudem die gleichen Pflegeleistungen, die vormals nur körperlich Pflegebedürftigen vorbehalten waren.

Illustration Info: Gut zu wissen
Gut zu wissen
Illustration Info: Gut zu wissen

Vor der Reform durch das zweite Pflegestärkungsgesetz dienten genaue Zeitbemessungen als Indikator für die Bewertung.

Definierte Orientierungswerte, sogenannte Pflegezeitbemessungen, waren die Basis dafür, wie viel Zeit für spezifische pflegende Tätigkeiten in der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und für den täglichen Hilfebedarf zu veranschlagen waren. Aufgrund der Zeitangabe in Minuten war auch der Begriff „Minutenpflege“ üblich.

Dabei kannte das Pflegeversicherungsgesetz nur die drei Pflegestufen „Erhebliche Pflegebedürftigkeit“ (Stufe 1), „Schwerpflegebedürftigkeit“ (Stufe 2) und „Schwerstpflegebedürftigkeit“ (Stufe 3). Eine sogenannte Pflegestufe 0 erkannten Pflegeversicherungen nach Begutachtung bei geistigen Beeinträchtigungen wie psychischen Erkrankungen oder Demenz mit dauerhaft eingeschränkter Alltagskompetenz an. 

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Zeitaufwand früher

Die Pflegezeitbemessung war anhand bestimmter Zeitkorridore im elften Sozialgesetzbuch (SGB XI) festgesetzt. Das heißt: Je nach Schwierigkeit und zu veranschlagender Dauer erhielten Tätigkeiten aus insgesamt 13 Bereichen der Grundpflege eine Schätzung. 

Zahnpflege schlug demnach mit etwa fünf Minuten zu Buche, Baden dauerte zwischen 20 und 25 Minuten. Hauswirtschaftliche Verrichtungen definierte die Pflegezeitbemessung mit einem Pauschalwert. Übersicht der Zeitbemessung nach den vor 2017 gültigen Pflegestufen:

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Pflegestufen Zeitaufwand für die Bewilligung der jeweiligen Pflegestufe (bis Anfang 2017)
Pflegestufe 1 Tägliche Hilfe von mindestens 90 Minuten im Wochendurchschnitt als Voraussetzung. 45 Minuten davon sollten für Grundpflege in Anspruch genommen werden.
Pflegestufe 2 Mindestens drei Stunden täglich auf fremde Hilfe angewiesen, davon zwei Stunden für Grundpflege veranschlagt.
Pflegestufe 3 Pflege von mindestens fünf Stunden täglich benötigt, davon vier Stunden für Grundpflege.
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Ermittlung heute nach Punktezahl

Stellen Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen bei Ihrer Pflegekasse, beurteilt ein medizinischer Gutachter zunächst Ihre Pflegebedürftigkeit. Anhand sechs verschiedener Bereiche (Module) prüft er, wie es um Ihre Alltagskompetenzen bestellt ist, und beurteilt, welcher Pflegegrad Ihrer Verfassung entspricht. Dabei gibt er den Umfang Ihrer Beeinträchtigungen an, aus denen sich Punktwerte ableiten. Je höher der erzielte Punktwert, desto höher der Pflegegrad.

Folgende sechs Module gewichtet die Begutachtung prozentual:

  1. Mobilität (10%)
  2. entweder kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15%)
  3. oder Verhaltensweisen sowie psychische Problemlagen (15% – nur der höhere Wert fließt in die Begutachtung ein)
  4. Selbstversorgung (40%)
  5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20%)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%)

Zu den genannten Modulen prüft der Gutachter auch Ihre außerhäuslichen Aktivitäten sowie Ihre Haushaltsführung. Diese Bereiche fließen zwar nicht in die Bewertung des Pflegegrads ein, liefern aber hilfreiche Hinweise bei der Planung Ihrer individuellen Pflege.

Bei der Beurteilung des Pflegegrads spielen Stunden, die Angehörige oder sonstige Pflegepersonen investieren, keine Rolle mehr.

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Was versteht man unter ...
Hälftiges Pflegegeld? Teilstationäre Pflege? Kombinationsleistungen? Unter diesen Begriffen können Sie sich nichts vorstellen? Keine Sorge, da geht es Ihnen wie vielen anderen. Klicken Sie hier in unser Glossar mit Erklärungen zu Begriffen aus der Pflege und Pflegeversicherung: Für ein gutes Verständnis von Fachbegriffen und bessere Entscheidungen rund um Ihre Pflegevorsorge.
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Häufige Fragen
  • Welche Geldleistung gibt es für die Pflegegrade 2 bis 5?

    Ab Pflegegrad 2 haben Sie Anspruch auf monatliches Pflegegeld sowie Pflegesachleistungen. Die Staffelung für das Pflegegeld fällt dabei wie folgt aus:

    • Pflegegrad 2: 316 €
    • Pflegegrad 3: 545 €
    • Pflegegrad 4: 728 €
    • Pflegegrad 5: 901 €

    Während Ihnen die Pflegekasse Pflegegeld direkt auszahlt, erfolgt die Verrechnung von Sachleistungen (beispielsweise Tagesbetreuungen) durch Pflegekasse und Dienstleister. Eine Kombination der Geldleistungen (bestehend aus Sachleistung und Pflegegeld) ist möglich. Pflegegeld erhalten Sie in diesem Fall anteilig ausgezahlt. 

  • Unabhängig vom Zeitaufwand für die tatsächlich geleistete Pflege: Warum ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

    Werden Sie tatsächlich pflegebedürftig und benötigen Pflege in Form von Zeit, Geld und Pflegesachleistungen, reichen die Basisleistungen der Pflegekassen oft nicht aus. Je höher Ihr Pflegegrad, desto mehr Pflege und Betreuung benötigen Sie. Dementsprechend steigen auch die Pflegekosten und der Eigenanteil, den Sie aus eigener Tasche beisteuern müssen. Eine Pflegezusatzversicherung hilft Ihnen, Versorgungslücken zu schließen.
  • Was ist MEDICPROOF?

    MEDICPROOF ist bei privat Krankenversicherten für die Überprüfung und Begutachtung der Pflegebedürftigkeit zuständig. Welche private Pflegepflichtversicherung Sie abgeschlossen haben, ist für den Gutachterdienst MEDICPROOF dabei unerheblich.

    Sind Sie sozial pflegeversichert, nimmt ein unabhängiger medizinischer Gutachter vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) die Bewertung für die Einstufung in Pflegegrade vor.

  • Wo erhalte ich Beratung zu Pflegezeiten und Pflegegraden?

    Als kostenloser Service der Pflegekassen steht Ihnen die Pflegeberatung zur Verfügung. Geschulte Pflegeberater helfen Ihnen bei Fragen rund um die Pflege, beantragen gemeinsam mit Ihnen Sozialleistungen oder erstellen individuelle Versorgungspläne für Pflegebedürftige. Entsprechende Beratungsangebote finden Antragssteller und deren Angehörige online oder vor Ort bei lokalen Pflegestützpunkten.
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Service und Kontakt
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