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Punktesystem verstehen

Pflegegrad Punkte: So erfolgt die Punktverteilung

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Je pflegebedürftiger, desto mehr Punkte
  • Im Pflegefall entscheidet ein Punktesystem über Ihren Pflegegrad.
  • Haben Siebei Ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt, prüft diese den Umfang Ihrer Einschränkungen. Je stärker Sie im Alltag eingeschränkt sind, desto höher fallen die Pflegeleistungen aus.
  • Nach der Antragsstellung bewertet ein Gutachter, welcher Pflegegrad Ihrer Verfassung entspricht. Er prüft dazu in sechs Bereichen (Modulen), wie es um Ihre Alltagskompetenz bestellt ist. Dazu zählen z.B. Mobilität, Selbstversorgung oder kommunikative und psychische Fähigkeiten.
  • Anhand eines Fragekatalogs vergibt Ihr Gutachter Punkte pro Modul. Die Gesamtpunktzahl aller Module entscheidet über Ihre Einstufung in den entsprechenden Pflegegrad. Je unselbstständiger Sie sind, desto mehr Punkte erhalten Sie – und desto höher ist Ihr Pflegegrad.
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Erklärung
Mediziner überträgt Werte vom Tablet  in ein Heft.

Im Bereich der Pflege entscheidet der Pflegegrad darüber, wie viel Pflegeleistung Sie in Anspruch nehmen können. Ihr Pflegegrad wird auf der Basis eines Punktesystems ermittelt.

Gesamtpunkte ausschlaggebend für Pflegegrad

Werden Sie oder einer Ihrer Angehörigen pflegebedürftig, erhalten Sie je nach Pflegegrad Pflegeleistungen von der Pflegekasse. Dabei gilt: Je unselbstständiger die pflegebedürftige Person in der Bewältigung ihres Alltags ist, desto höher der Pflegegrad.

Die Berechnung des Pflegegrads erfolgt dabei durch Punkte, die ein Gutachter vergibt. Er überprüft dafür in sechs verschiedenen Bereichen (Modulen), in welchem Maß alltägliche Tätigkeiten wie Essen, Körperhygiene oder Mobilität noch eigenständig möglich sind – oder wie viel Hilfe Sie benötigen. 

Je eingeschränkter Sie in einem bestimmten Modul sind, desto mehr Punkte erhalten Sie darin. Die Gesamtpunkte ergeben in Summe den Pflegegrad: Je höher Ihre Gesamtpunktzahl, desto höher Ihr Pflegegrad.

Gutachter ermittelt Punkte anhand 64 Fragen

Zur Ermittlung des Pflegegrads schickt die Pflegeversicherung einen unabhängigen Gutachter zu Ihnen nach Hause. Sind Sie sozial pflegeversichert (also Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung), übernimmt der Medizinische Dienst der Krankenkassen, MDK, diese Begutachtung. 

Bei privat Krankenversicherten stellt das Unternehmen MEDICPROOF einen Gutachter, unabhängig davon, welche Privatversicherung Sie abgeschlossen haben.

Anhand eines Fragenkatalogs mit 64 Einzelfragen erstellt der Gutachter eine Berechnung, welche Unterstützung in Ihrem Alltag erforderlich ist. Dabei definiert ein gesetzlicher Kriterienkatalog die Fragen in den Modulen. 

Alle sechs Module decken das sogenannte Begutachtungsassessments ab. Dabei können Sie in jedem Modul einen maximalen Punktewert erzielen. Je höher Ihre Punkte pro Module ausfallen, desto höher stuft der Gutachter Ihre Pflegebedürftigkeit ein.

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Übersicht

Im Rahmen der Pflegebegutachtung vergibt der Gutachter die Punktwerte je nach Schwere und Intensität der benötigten Hilfeleistung, für die Sie Geldleistungen oder Pflegesachleistungen beanspruchen können. Die Summe aller gewichteten Punkte aus den einzelnen Modulen ergibt dabei die Gesamtpunktzahl. Das genaue Berechnungsverfahren ist komplex. Pflegegradrechner helfen Ihnen, vorab eine Einschätzung zu erhalten.

Wie der Pflegegrad in der Einstufung nach Punkten ausfällt, finden Sie in der nachfolgenden Tabelle der Punkte je nach Pflegegrad:

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Pflegegrad Gesamtpunkte 
Kein Pflegegrad < 12,5
Pflegegrad 1 Punkte 12,5 - 27
Pflegegrad 2 Punkte 27 - 47,5
Pflegegrad 3 Punkte 47,5 - 70
Pflegegrad 4 Punkte 70 - 90
Pflegegrad 5 Punkte 90 - 100
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Berechnung im Detail

Auf der Basis von sechs Modulen prüft der Gutachter, wie es um Ihre Alltagskompetenzen bestellt ist und beurteilt, welcher Pflegegrad Ihrer Verfassung entspricht. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie körperlich pflegebedürftig oder dauerhaft psychisch erkrankt sind.

Seit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz erhalten beispielsweise auch Demenzkranke je nach Pflegegrad den gleichen Leistungsbetrag wie körperlich eingeschränkte Antragssteller. Dabei gibt der Gutachter den Umfang Ihrer Beeinträchtigungen in Prozenten an: je mehr Punkte, desto höher der Pflegegrad.

Gewichtung der Punkte pro Modul

Hinzu kommt die Gewichtung der Bereiche (Module). Pro Modul errechnet der Gutachter einen Summenwert. Diesen verrechnet er anschließend als gewichteten Punktwert. Das heißt: Jedes Modul erhält je nach Hilfsbedarf der pflegebedürftigen Person aufsteigende Punkte. Der Gesamtwert pro Modul fließt dann in einem zweiten Schritt in die prozentuale Gewichtung der einzelnen Bereiche ein.

Die einzelnen Module werden nicht einfach addiert. Vielmehr stellt die Gewichtung sicher, dass der Bereich der Selbstversorgung mit 40 Prozent am stärksten in die Bewertung einfließt.

Modulgewichtung in Prozenten

So gewichtet die Begutachtung die sechs Module prozentual:

  1. Mobilität = 10 %
  2. entweder kognitive und kommunikative Fähigkeiten = 15 %
  3. oder Verhaltensweisen sowie psychische Problemlagen = 15 % (nur der höhere Wert der Module 2 und 3 fließt mit 15 % in das Ergebnis der Begutachtung mit ein)
  4. Selbstversorgung = 40 %
  5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen = 20 %
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte = 15 %

Zu den genannten Modulen prüft der Gutachter auch Ihre außerhäuslichen Aktivitäten sowie Ihre Haushaltsführung. Diese Bereiche fließen zwar nicht in die Bewertung des Pflegegrads ein, liefern aber hilfreiche Hinweise bei der Planung Ihrer individuellen ambulanten oder häuslichen Pflege.

Illu gut zu wissen
Gut zu wissen
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Muss es schnell gehen oder ist eine Begutachtung vor Ort nicht möglich, greift eine Ausnahmeregelung. Die Bewertung des Pflegegrades erfolgt dann vorerst nur aufgrund der Aktenlage. Dies ist unter anderem der Fall, wenn stationäre Pflege in einem Heim unmittelbar nach der Versorgung im Krankenhaus vonnöten ist – beispielsweise nach einem Schlaganfall. 

Die endgültige Ermittlung des Pflegegrads erfolgt dann erst später und kann von der Bewertung nach Aktenlage abweichen.

Übrigens: Unabhängig vom Pflegegrad können Sie für solche Krisenmomente die sogenannte Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Die Kurzzeitpflege für vollstationäre Versorgung ist auf den Zeitraum von maximal acht Wochen begrenzt bei einer Kostenerstattung von bis zu 1.612 Euro im Jahr.

Sonderregelung
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Eine weitere Sonderregelung gilt bei der sogenannten besonderen Bedarfskonstellation: Pflegebedürftige mit außergewöhnlich hohem Hilfebedarf stuft das Bewertungsinstrument auch dann in Pflegegrad 5 ein, wenn deren Punktwert unter 90 liegt. 

Dabei ist die besondere Bedarfskonstellation auf die Definition „Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und Beine“ beschränkt – also, wenn Sie beispielsweise aufgrund einer Lähmung aller Gliedmaßen dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind.

Wer bereits vor Eintreten eines Pflegefalls für erhöhte Pflegeleistung sorgen möchte, der kann seine Pflegepflichtversicherung durch eine private Pflegezusatzversicherung ergänzen. Sie hilft, Versorgungslücken zu schließen.

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Häufige Fragen
  • Was versteht man grundsätzlich unter Pflegebedürftigkeit?

    Eine Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn Sie aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen Unterstützung im Alltag benötigen. Dazu gehört die Hilfe bei der alltäglichen Grundversorgung wie Essen und Körperhygiene oder bei Haushaltstätigkeiten. Dabei können sich ein professioneller Pflegedienst oder private Pflegepersonen wie Angehörige oder Bekannte um Sie kümmern. 

    Je nachdem wie stark Sie in Ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind, stuft Sie ein Gutachter in den entsprechenden Pflegegrad ein – unabhängig davon, ob Sie ein Erwachsener sind, oder als Kind Pflege benötigen. Sind Sie dauerhaft pflegebedürftig (mindestens sechs Monate und mehr), zahlt Ihnen die Pflegekasse Geld- oder Pflegesachleistungen nach Beantragung aus.

  • Wie viel Pflegegeld erhalte ich pro Pflegegrad?

    Ab Pflegegrad 2 erhalten Sie im Fall einer Pflegebedürftigkeit ein monatliches Pflegegeld von Ihrer Pflegeversicherung. Die Höhe der Auszahlung richtet sich nach dem Pflegegrad. Je weniger selbstständig Sie Ihren Alltag bewältigen können, desto höher die Pflegebedürftigkeit und der vorliegende Pflegegrad. Das Pflegegeld staffelt sich folgendermaßen:

    • Pflegegrad 2: 316 €
    • Pflegegrad 3: 545 €
    • Pflegegrad 4: 728 €
    • Pflegegrad 5: 901 €

    Für Pflegegrad 1 gibt es zwar kein Pflegegeld, Sie haben dafür aber Anspruch auf Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige. Dazu zählen zusätzliche Unterstützungsleistungen im Haushalt oder bei der Tages- und Nachtpflege. Der Entlastungsbeitrag beträgt 125 Euro pro Monat und steht jedem Pflegebedürftigen unabhängig vom Pflegegrad zu. (Im Gegensatz dazu müssen Sie für die Auszahlung der Verhinderungspflege mindesten Pflegegrad 2 und eine Pflegezeit von sechs Monaten und länger nachweisen.)

    Während Ihnen die Pflegekasse Pflegegeld direkt auszahlt, erfolgt die Verrechnung von Sachleistungen (beispielsweise Tagesbetreuungen) durch Pflegekasse und Dienstleister. Eine Kombination der Geldleistungen (bestehend aus Sachleistung und Pflegegeld) ist möglich. Pflegegeld erhalten Sie in diesem Fall anteilig ausgezahlt. Darüber hinaus stehen Ihnen weitere Pflegeleistungen beispielsweise für Pflegehilfsmittel oder Ihre Wohnraumanpassung je nach Pflegegrad zur Verfügung.

     

  • Wann greift in der Pflege die Härtefallregel?

    Seit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) von 2017 gibt es laut Pflegereform keine Regelung mehr zum Härtefall in der Pflege. Ehemalige „Härtefalle“ sind seitdem automatisch in den Pflegegrad 5 überführt und erhalten entsprechende Leistungen.

    Ein Härtefall lag vormals dann vor, wenn Pflege und Versorgung besonders aufwendig und intensiv ausfielen: Beispielsweise, wenn ein Pflegebedürftiger außerordentlich schwer beeinträchtigt war oder eine Krankheit im Endstadium hatte. Zur ehemaligen Pflegestufe 3 kam dann ein zusätzlicher Härtefallantrag hinzu.

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