- Sie lesen einen allgemeinen Ratgeber zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung. Erfahren Sie, warum eine BU-Versicherung auch für Freiberufler:innen und Selbstständige sinnvoll sein kann.
- Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kann auch Selbstständige und Freiberufler:innen für den Fall einer Berufsunfähigkeit finanziell absichern. Sie gehört auch für Nicht-Angestellte zu den wichtigsten Versicherungen.
- Selbstständige sind in der Regel nicht in der Deutschen Rentenversicherung abgesichert. Im Ernstfall haben sie deshalb oft keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Einen staatlichen Basisschutz wie bei Angestellten gibt es für Gewerbetreibende und Freiberufler:innen nicht.
- Welche BU-Beiträge Selbstständige zahlen, hängt von individuellen Faktoren ab. Bei der Beitragsberechnung können unter anderem Alter, Gesundheitszustand, Beruf, Raucherstatus, Vertragslaufzeit und Höhe der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente eine Rolle spielen.
- Für alle, die keine BU-Versicherung abschließen möchten, gibt es weitere Möglichkeiten zur Arbeitskraftsicherung. Dazu gehört unter anderem die Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder speziell für körperlich Tätige die Grundfähigkeitsversicherung.
Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige
Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige kurz erklärt
Was bietet eine BU-Versicherung für Selbstständige?
Private Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) bieten nicht zuletzt Selbstständigen und Freiberuflern bzw. Freiberuflerinnen Schutz vor den finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit. Das heißt: Eine BU dient der finanziellen Absicherung für den Fall, dass Sie Ihren Beruf nicht weiter ausüben können. Ob Sie durch Krankheit oder Unfall berufsunfähig werden, macht keinen Unterschied.
Im Leistungsfall zahlen BU-Versicherer die vertraglich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente. Auch eine Befreiung von den monatlichen Beitragszahlungen ist üblich. Die BU-Versicherung zählt somit zu den wichtigsten Versicherungen auch für Selbstständige und Freiberufler:innen.
Gründe: Warum ist Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige wichtig?
1. Keine staatlichen Leistungen
Selbstständige und Freiberufler:innen sind meist nicht in der Deutschen Rentenversicherung abgesichert. Das bedeutet, dass sie im Falle einer Berufsunfähigkeit keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben. In der gesetzlichen Unfallversicherung sind Selbstständige meistens nicht automatisch versichert, können sich jedoch freiwillig versichern.
Selbst wenn Sie in die gesetzliche Rentenversicherung oder ein Versorgungswerk einzahlen (z.B. Architektinnen oder Psychotherapeuten), erhalten Sie im BU-Fall in der Regel nur dann Leistungen, wenn vollständige Berufsunfähigkeit vorliegt, Sie also nicht mehr drei Stunden oder mehr irgendeiner Arbeit nachgehen können.
2. Berufsunfähigkeit kann jeden treffen
Fallbeispiel: Selbstständiger mit Depression und ohne BU-Schutz
Herr Mustermann (48) ist selbstständig und führt ein kleines Café. Im Schnitt verdient er rund 2.000 Euro netto im Monat. Nach einem Burnout mit schwerer Depression kann er täglich nur noch drei Stunden arbeiten. Die Ärztin bescheinigt ihm Berufsunfähigkeit. Da Herr Mustermann in den letzten acht Jahren keine Pflichtbeiträge an die Deutsche Rentenversicherung gezahlt hat, besteht kein Anspruch auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Eine private BU-Versicherung hat er auch nicht abgeschlossen.
Die Folge: Herr Mustermann kann nur dann Grundsicherung bei Alter und Erwerbsminderung beantragen, wenn aufgrund der Berufsunfähigkeit auch volle Erwerbsminderung vorliegt, er also keine drei Stunden mehr irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Grundsicherung ist eine Leistung der Sozialhilfe, die das absolute Existenzminimum absichert. Sein Erspartes, weiteres verwertbares Vermögen sowie die meisten Einkommen werden auf die staatliche Leistung angerechnet und mindern seinen Anspruch entsprechend. Ihm werden nur sehr kleine Freibeträge gewährt .
Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung könnte Herr Mustermann als Selbstständiger frühzeitig seine Versorgungslücke bei Berufsunfähigkeit schließen.
Worauf sollten Selbstständige bei der BU-Versicherung achten?
Regelungen zur Umorganisation bei Selbstständigen (auch: Umorganisationsklausel)
Nachversicherungsgarantie
Beitragsdynamik
Abstrakte Verweisung
Vertragslaufzeit
Höhe der Berufsunfähigkeitsrente
Gesundheitsprüfung
Umorganisationshilfe
Fallbeispiel: Selbstständiger Obstbauer mit dauerhafter Einschränkung im linken Arm
Fallbeispiel: Ein Obstbauer, der als selbstständiger Unternehmer tätig ist, beschäftigt über das Jahr mehrere Festangestellte sowie Saisonkräfte. Nach einem Unfall kann er seinen Betrieb nicht mehr in der ursprünglichen Form weiterführen. Eine Umorganisation ist jedoch zumutbar. Deswegen bekommt er von der Allianz keine Berufsunfähigkeitsrente, sondern eine finanzielle Umorganisationshilfe. Nach der erfolgreichen Umstrukturierung kann der Obstbauer sein Unternehmen behalten.
Wenn Sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Schritten in der animierten Infografik erhalten möchten, klicken Sie auf die Bilder.
Eine Abfolge von sechs klickbaren Illustrationen, die die Geschichte eines selbstständigen Obstbauern und seiner Berufsunfähigkeitsversicherung darstellen:
- Obstbauer packt bei der Arbeit gern selbst mit an: Ein selbstständiger Obstbauer hat mehrere Festangestellte sowie einige Saisonkräfte. Körperliche Tätigkeiten wie Ernten, übernimmt er teilweise selbst.
- Der Obstbauer hat einen Unfall: Nach einem Unfall hat er eine dauerhafte Einschränkung im linken Arm und kann nicht mehr schwer Heben oder Tragen. Zum Glück hat er eine Berufsunfähigkeitsversicherung der Allianz.
- Die Umorganisation seines Betriebs ist zumutbar: Der Obstbauer lässt sich beraten, wie er seinen Betrieb zumutbar umorganisieren könnte. Das Ergebnis: Er stellt einen zusätzlichen Mitarbeiter ein, der ihm körperliche Aufgaben wie das Tragen von Obstkisten abnimmt. Seine eigenen Tätigkeiten verlagert er weitgehend ins Büro; als Rechtshänder kann er administrative Aufgaben nach kurzer Zeit wieder aufnehmen. Zudem plant er öfter Pausen ein und reduziert seine Arbeitszeit.
- Umorganisationshilfe von der Allianz: Aufgrund der zumutbaren Umorganisation bekommt er von der Allianz statt einer Berufsunfähigkeitsrente eine Umorganisationshilfe in Form von sechs BU-Monatsrenten.
- Nach Umstrukturierung weniger körperliche Arbeit: Mit dieser finanziellen Unterstützung gelingt es dem Obstbauern, sein Unternehmen umzustrukturieren. Statt körperliche Arbeit zu verrichten, verbringt er seinen Arbeitsalltag hauptsächlich mit administrativen Aufgaben im Büro. Die körperlichen Arbeiten übernehmen nun komplett seine Angestellten.
- Der Obstbauer kann seinen Betrieb behalten. Mit der finanziellen Hilfe der Allianz ist die Umorganisation gelungen und der Bauer kann sein Unternehmen behalten.
- Berufsgruppe: Die Beitragshöhe richtet sich nach der individuellen Ausgestaltung Ihrer beruflichen Tätigkeit, die Sie selbstständig oder freiberuflich ausüben. Denn das statistische Risiko einer Berufsunfähigkeit ist nicht bei jeder Tätigkeit gleich hoch. Grundsätzlich gilt: Je höher der Anteil körperlicher Arbeit, desto mehr zahlen Sie für Ihren BU-Schutz.
- Freizeitaktivitäten: Gefährliche Hobbys können die Kosten der BU-Versicherung erhöhen. Je nach Versicherer können beispielsweise Risikosportarten wie Tiefseetauchen, Klettern über 2.000 Metern Seehöhe, Fallschirmspringen oder Paragliding zu Zuschlägen beim Beitrag oder zu Ausschlüssen im Versicherungsschutz führen.
- Alter: Das Risiko eines Bandscheibenvorfalls oder Herzinfarkts steigt mit zunehmendem Alter. Gleiches gilt für Krebs und psychische Erkrankungen. Das heißt: Je älter Sie sind, desto höher ist das Risiko, berufsunfähig zu werden – und desto höher ist Ihr Beitrag. Es ist daher häufig sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung bereits in jungen Jahren abzuschließen.
- Gesundheitsfragen: Bevor ein BU-Versicherer Ihren Antrag annimmt, führt er eine Gesundheitsprüfung durch, in der neben dem Gesundheitszustand auch die sonstige Risikosituation berücksichtigt wird, zum Beispiel ob Sie Raucher:in oder Nichtraucher:in sind. Der Nichtraucherstatus wirkt sich oftmals begünstigend auf den BU-Beitrag aus. Bei Vorerkrankungen kann das Unternehmen einen Risikozuschlag verlangen, eine Ausschlussklausel in den Vertrag aufnehmen oder den Antrag ablehnen. Gesunde Antragssteller:innen finden meist eine günstige BU-Versicherung ohne Einschränkungen oder Zuschläge.
- Höhe der BU-Rente: Je höher die vertraglich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ist, die Sie als Selbstständiger oder Freiberuflerin im Leistungsfall ausgezahlt bekommen möchten, desto höher sind Ihre Beiträge.
- Vertragslaufzeit: Wenn Sie eine lange Versicherungsdauer wählen, sind Ihre monatlichen Beiträge höher als bei einer kurzen. Trotzdem sollten Sie sich für eine Laufzeit entscheiden, die Sie bis zum 67. Lebensjahr (Renteneintrittsalter) absichert.
BU-Versicherung für Selbstständige ist absetzbar
Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Sie ähnelt der BU-Versicherung am meisten. Allerdings sind die Hürden, eine Leistung zu erhalten, höher: Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn Sie in keinem Beruf mehr als drei Stunden am Tag oder mehr arbeiten können.
- Dread-Disease-Versicherung: Die sogenannte Schwere-Krankheiten-Versicherung sichert Sie finanziell bei konkret festgelegten Krankheiten (z.B. Krebs, Schlaganfall, Herzinfarkt) ab. Im Leistungsfall erhalten Sie eine Einmalzahlung (keine Rente). Psychische Krankheiten und chronische Skeletterkrankungen wie Rückenleiden sind hier meist nicht versicherbar. Damit deckt die Versicherung einige Hauptursachen für Berufsunfähigkeit nicht ab.
- Grundfähigkeitsversicherung: Sie springt ein, wenn bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten beeinträchtigt sind. Dazu können je Versicherer Sehen und Hören, Gehen, Heben und Tragen sowie Sprechen und Denken gehören. Je nach Tarif erhalten Sie eine Leistung, wenn Sie eine oder mehrere dieser Fähigkeiten verlieren bzw. diese zu einem bestimmten Grad beeinträchtigt sind.
- Multi-Risk-Versicherung: Sogenannte Funktionsinvaliditätsversicherungen oder Multirenten kombinieren verschiedene Leistungen und decken so mehrere Risiken ab: von schweren Krankheiten und Behinderungen nach Unfällen über Pflegebedürftigkeit bis hin zum Verlust grundlegender Fähigkeiten. Allerdings kann die konkrete Absicherung von Anbieter zu Anbieter stark variieren. Zudem zahlen viele Versicherer erst bei schweren, dauerhaften Beeinträchtigungen. Psychische Erkrankungen sind in der Regel vom Schutz ausgeschlossen.
- Unfallversicherung: Sie ist im Vergleich zur BU meist günstiger, leistet allerdings auch nur, wenn infolge eines Unfalls eine Invalidität bleibt. Werden Sie aufgrund einer Erkrankung berufsunfähig, erhalten Sie keine Leistungen aus der Unfallversicherung.
Darüber hinaus haben Personen, die dauerhaft einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen, die Möglichkeit, einen Antrag auf Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung zu stellen. Dieser muss innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit oder dem Ende der Versicherungspflicht gestellt werden. Auf diesem Weg können sie weitere Pflichtbeiträge zahlen.