Junge Frau schreibt einen Foodblog
Was Sie bei Fotos, Filmen und Texten anderer beachten müssen

Urheberrechtsverletzung: Diese Konsequenzen drohen

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Die wichtigsten Informationen zum Urheberrechtsschutz auf einen Blick
  • Das Urheberrecht dient dem Schutz von Werken aller Art. Dazu zählen unter anderem Schriftstücke, Zeichnungen, Skizzen, Fotos, Videos, Filme und Computerprogramme.
  • Wer das Werk eines anderen veröffentlichen oder vervielfältigen will, kann sich vom Urheber bestimmte Nutzungsrechte einräumen lassen.
  • Bei einer Urheberrechtsverletzung drohen empfindliche Geldstrafen. Gewerblich motivierte Urheberrechtsverletzungen können sogar mit Freiheitsstrafen einhergehen.
  • Erhalten Sie eine Abmahnung, gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren. Unterschreiben Sie die darin enthaltene Unterlassungserklärung nicht zu voreilig!
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Definition Urheberrecht

Egal ob Foto, Video oder Gedicht: Wer ein Werk verfasst, wird dadurch automatisch zum Urheber und genießt dank Urheberrechtsgesetz (UrhG) einen gewissen Schutz. Das Urhebergesetz soll dabei vor Diebstahl geistigen Eigentums schützen und die finanzielle Vergütung des Urhebers gewährleisten. Relevant für den Schutz ist allerdings, dass die Leistung per Gesetz als Werk angesehen wird. Dies ist dann der Fall, wenn sie eine bestimmte Schöpfungshöhe – das geforderte Maß an Originalität – besitzt. Schreiben Sie beispielsweise eine Einkaufsliste auf ein Post-It, wird wohl kaum von einem Werk die Rede sein. Skizzieren Sie auf diesem Post-It hingegen den Entwurf für ein Firmenlogo, ist dieser urheberrechtlich geschützt.

Welche Werke sind urheberrechtlich geschützt?

Zu den geschützten Werken zählen unter anderem:

  • Sprachwerke (Reden, Schriftstücke, wissenschaftliche Texte, Software)
  • Lichtbildwerke (Fotos)
  • Filmwerke (Videos)
  • Musikstücke
  • Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Natur (Skizzen, technische Zeichnungen, Karten, Entwürfe)
  • Baukunst
  • pantomimische Werke (Tanzkunst)

Das Urheberrechtsgesetz bietet keine abschließende Aufzählung geschützter Werke. Gerade in Zeiten des Internets entstehen viele neue Werk- und Mischformen – darunter Gifs und Memes – die ebenfalls urheberrechtlichen Schutz genießen (können).

Verwertungsrechte, Nutzungsrechte und Urheberpersönlichkeitsrechte

Wenn Sie ein Foto schießen, bleibt die Urheberschaft und damit das Urheberrecht immer bei ihnen selbst. Nichtsdestotrotz können Sie bestimmte Rechte an Ihrem Werk an andere abtreten. Möchte beispielsweise ein Blogger Ihren Urlaubsschnappschuss auf Instagram teilen, können Sie ihm die Veröffentlichung in sozialen Medien im Rahmen eines Nutzungsrechtes einräumen. Das Nutzungsrecht kann entweder unentgeltlich oder gegen eine Vergütung übertragen werden.

Das Urheberrecht umfasst drei Bereiche:

  • Verwertungsrechte
  • Nutzungsrechte
  • Urheberpersönlichkeitsrecht

Die Verwertungsrechte liegen ausschließlich beim Urheber. Aufgrund dieser Rechte kann der Urheber frei entscheiden, wann und in welcher Form sein Werk veröffentlicht oder vervielfältigt werden soll.

Die Nutzungsrechte können Sie – wie eingangs beschrieben – an andere abtreten. Gerade wenn es dabei auch um Geld geht, sollten Sie hierzu eine schriftliche Nutzungsrechtseinräumung aufsetzen. Vermerken Sie darin so detailliert wie möglich, für welche Zwecke Ihr Werk verwendet werden darf. Halten Sie darin auch fest, in welcher Form Sie als Urheber genannt werden möchten und wie lange das Nutzungsrecht gelten soll.

Das Urheberpersönlichkeitsrecht schützt die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Werk. Es umfasst wiederum drei Bereiche:

  • Veröffentlichungsrecht (§ 12 UrhG)
  • Recht auf Anerkennung der Urheberschaft (§ 12 UrhG)
  • Schutz vor Entstellung des Werkes (§ 14 UrhG)

Aufgrund dieser Rechte können Sie darauf bestehen, explizit als Urheber genannt zu werden. Sie können selbst bei der Übertragung von Nutzungsrechten die Veränderung Ihres Werkes unterbinden. Im Falle des eingangs genannten Beispiels, könnten Sie dem Blogger beispielsweise verbieten, einen Filter über Ihr Bild zu legen oder es vor der Veröffentlichung zu retuschieren.

Wie lange gilt das Urheberrecht?

Das Urheberrecht gilt nicht auf unbestimmte Zeit, sondern läuft nach einer bestimmten Zeit ab. Bei den meisten Werken – darunter Lichtbildwerke und Bücher – erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach Tod des Urhebers. Solange können dessen Erben das Urheberrecht weiter ausüben. Danach gilt das Werk als gemeinfrei. Einen Text aus dem 19. Jahrhundert könnten Sie also problemlos als Buch verlegen oder auf eine Website einbinden. Einige Werkformen gelten bereits früher als gemeinfrei. Das trifft beispielsweise für einfache Fotos – sogenannte Lichtbilder – ohne schöpferische Werkhöhe zu.

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Junge Frau hört Musik und notiert etwas in ein Heft
Urheberrechtsverletzungen
Junge Frau hört Musik und notiert etwas in ein Heft

Eine Urheberrechtsverletzung geschieht schneller als gedacht. Betreiben Sie beispielsweise einen Reiseblog und kopieren Sie eine längere Passage aus einem einschlägigen Reiseführer, verstoßen Sie bereits gegen das Urheberrecht und riskieren eine Abmahnung.

Die häufigsten Formen der Urheberrechtsverletzung

Durch digitale Medien lassen sich Werke sehr schnell veröffentlichen, verbreiten oder verändern. Tagtäglich werden so Tausende von Urheberrechtsverletzungen begangen. Zu den häufigsten Delikten zählen:

  • Zitieren längerer Textpassagen
  • Zitieren ohne Quellenangabe
  • Veröffentlichen von Fotos ohne entsprechende Lizenz
  • Filesharing: Herunterladen oder Streamen von Filmen und Serien über illegale Anbieter
  • Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Musikstücke oder Videopassagen auf YouTube und anderen Video-Plattformen
  • Kopieren von Produktbildern und -beschreibungen für Ebay-Anzeigen
  • Kopieren und Verbreiten von PC-Spielen und Software
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Strafen und Konsequenzen
Frau und Mann schauen in Unterlagen

Ob Sie die Urheberrechtsverletzung wissentlich oder unwissentlich begangen haben, spielt keine Rolle. Stellt der Rechteinhaber einen Verstoß fest, stehen ihm mehrere Rechtsmittel zur Verfügung. In den meisten Fällen müssen Sie mit einer Abmahnung rechnen.

Abmahnung erhalten: Was nun?

Die Abmahnung kommt in der Regel nicht vom Rechteinhaber selbst, sondern von einer Anwaltskanzlei. Sie werden darin aufgefordert, die Urheberrechtsverletzung zu beseitigen und eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Hierbei handelt es sich um ein Schuldeingeständnis. Durch Ihre Unterschrift versichern Sie, die Urheberrechtsverletzung künftig zu unterlassen. Nutzen Sie dann doch wieder das geschützte Bild oder Musikstück, müssen Sie mit einer empfindlichen Geldstrafe im fünfstelligen Bereich rechnen.

Die Abmahnung enthält in der Regel auch eine Zahlungsaufforderung, da dem Urheber Schadensersatz zustehen kann. Er kann zum einen die Einnahmen, die Sie mit seinem Werk erzielt haben, einfordern. Zum anderen kann er auch Anspruch auf entgangenen Gewinn geltend machen. Haben Sie beispielsweise ein Bild veröffentlicht, das der Rechteinhaber über gängige Stockfoto-Plattformen kostenpflichtig zur Nutzung anbietet, wird er die marktüblichen Nutzungskosten von Ihnen einfordern. Darüber hinaus müssen Sie als Urheberrechtsverletzer die Anwaltskosten des Rechteinhabers übernehmen.

Ziehen Sie eine derartige Abmahnung aus dem Briefkasten, gilt es zunächst Ruhe zu bewahren. Lassen Sie das Schreiben am besten von einem Anwalt prüfen. Da Urheberrechtsverletzungen im Internet an der Tagesordnung sind, verschicken viele Kanzleien auf gut Glück Fake-Abmahnungen.

Sehen Sie sich den Vorwurf der Urheberrechtsverletzung daher genau an und überlegen Sie, ob Sie diesen auch wirklich begangen haben. Unter Umständen hat auch ein Mitglied Ihres Haushalts oder ein Besucher, der in Ihr WLAN eingeloggt war, die Urheberrechtsverletzung zu verschulden. Enthält die Abmahnung keine Angaben zu Tathergang oder Datum, handelt es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um eine gefälschte Abmahnung.

Ist die Abmahnung gerechtfertigt, müssen Sie die Frist beachten. Meist ist diese sehr knapp gesetzt. Das OLG Stuttgart hat beispielsweise im Jahr 2004 entschieden, dass eine Woche durchaus ausreichend sein kann (Az. 2 W 44/03). Benötigen Sie mehr Bedenkzeit, sollten Sie eine Fristverlängerung erwirken.

Reagieren Sie nicht auf die Abmahnung, kann der Rechteinhaber seine Ansprüche per einstweiliger Verfügung oder per Unterlassungsklage vor Gericht durchsetzen. Wenn der Rechteinhaber Anzeige erstattet, ist in besonders schweren Fällen auch ein Strafverfahren möglich. Dies ist häufig dann der Fall, wenn Raubkopien in großem Stil vertrieben werden und Gewinn daraus erzielt wird.

Selbst wenn Sie die abgemahnte Urheberrechtsverletzung begangen haben, kann es nicht schaden, einen Anwalt zu konsultieren. Wenden Sie sich hierzu am besten an Ihre Rechtsschutzversicherung, die Ihnen eine auf Urheberrecht spezialisierte Kanzlei empfehlen kann. Oft sind die Geldforderungen zu hoch angesetzt und können gemindert werden. Auch die Unterlassungserklärung ist in den meisten Fällen zu pauschal. Ein Anwalt kann für Sie eine modifizierte Unterlassungserklärung aufsetzen: Hierbei handelt es sich nicht um ein Schuldeingeständnis.

Kosten: Wie hoch fällt die Strafe bei einer Urheberrechtsverletzung aus?

Bei Urheberrechtsverletzungen legen die Gerichte das Strafmaß im Einzelfall fest. So kann das Kopieren oder Verwenden eines einzelnen Musiktitels etwa 10 bis 300 Euro kosten. Mit Strafen im fünfstelligen Bereich müssen Sie rechnen, wenn Sie eine Urheberrechtsverletzung wiederholt trotz Unterlassungserklärung begehen. Bei gewerblichen Urheberrechtsverletzungen sind auch mehrjährige Freiheitsstrafen möglich.

Wann verjähren Urheberrechtsverletzungen?

Unterlassungsansprüche infolge einer Urheberrechtsverletzung verjähren nach drei Jahren. Schadensersatzansprüche verjähren gemäß eines Bundesgerichtshof-Urteils aus dem Jahr 2016 erst nach zehn Jahren (Az. I ZR 48/15). Was viele nicht wissen: Die Frist beginnt nicht zum Zeitpunkt der Urheberrechtsverletzung, sondern erst mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Rechteinhaber den Verstoß bemerkt und den Urheberrechtsverletzer identifiziert hat.

Illustration - Männliche Person hält ein Megaphon vor sich und zeigt auf quadratische Schilder mit Sternchen hinter sich
Gut zu wissen
Illustration - Männliche Person hält ein Megaphon vor sich und zeigt auf quadratische Schilder mit Sternchen hinter sich

Wenn die Kinder im Internet surfen, bekommen die Eltern eine Urheberrechtsverletzung oft gar nicht mit. Flattert dann eine Abmahnung ins Haus, ist die Verunsicherung groß. Der BGH hat im Jahr 2010 entschieden, dass Schadensersatzansprüche entstehen können, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Allerdings haben die Richter klargestellt, dass die Eltern die Online-Aktivitäten ihrer Kinder nicht überwachen müssen. Sie müssen sie allerdings darüber aufklären, was erlaubt ist und was nicht (Az. I ZR 7/14).

Auch interessant:

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Tipps für Urheber

Wenn Sie nichtsahnend im Internet surfen und dann auf einem kleinen Blog über ihr eigenes Foto stolpern, ist der Ärger oft groß. Dokumentieren Sie in diesem Fall am besten die Urheberrechtsverletzung, beispielsweise in Form von datierten Screenshots.

Möchten Sie sich gütlich mit dem Rechteverletzer einigen, können Sie versuchen, einen Kompromiss zu finden. So können Sie dem Blogbetreiber etwa anbieten, das Nutzungsrecht für die Veröffentlichung Ihres Fotos nachträglich gegen eine entsprechende Vergütung einzuräumen.

Ist keine friedliche Einigung möglich, greifen die meisten Urheber zur Abmahnung. Lassen Sie sich hierfür am besten anwaltlich beraten, um herauszufinden, welche Unterlassungs-, Zahlungs- oder Schadenersatzansprüche Sie geltend machen können. Ist die Abmahnung erfolgreich, muss der Rechteverletzer Ihre Anwaltskosten übernehmen.

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