Buch mit Stift und Tasse Kaffee vor verregnetem Fenster
Vorbereitung für Ihre Pflegegrad-Begutachtung

Pflegetagebuch: Richtig führen

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Dokumentation der Pflegeleistungen
  • Im Pflegetagebuch halten Sie fest, welche Pflege- bzw. Hilfeleistungen Sie benötigen und wie groß der Zeitaufwand dafür ist.
  • Das Tagebuch ist eine gute Unterstützung, um die Schwere Ihrer Pflegebedürftigkeit festzustellen und Ihnen den passenden Pflegegrad zuzuordnen.
  • Für eine nachvollziehbare und verlässliche Aufstellung sollten Sie und/oder Angehörige Ihren Bedarf an Pflege über ein bis zwei Wochen genau festhalten. Im Idealfall führen Sie nicht nur vor der ersten Begutachtung ein Pflegetagebuch. Nutzen Sie es auch danach, damit ein Gutachter für eine mögliche Erhöhung des Pflegegrades bereits eine umfassende Dokumentation erhält.
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Illustration eines Mannes, der etwas in ein Buch schreibt
Pflegetagebuch Im Detail
Illustration eines Mannes, der etwas in ein Buch schreibt
Im Pflegetagebuch wird genau dokumentiert, welche Pflegeleistungen wann und wie häufig bei einem Pflegebedürftigen notwendig sind und wie viel Zeit diese beanspruchen. Dies hilft dem Gutachter bei der Beurteilung Ihrer Selbstständigkeit und dem entsprechenden Grad der Pflegebedürftigkeit. Das Pflegetagebuch soll diese Einstufung erleichtern. Deshalb hilft es vor allem Ihnen selbst, wenn Sie alles so realistisch wie möglich darstellen und nichts „beschönigen“.
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Gut zu wissen
Illustration: Gut zu wissen Info

Indem Sie Ihren exakten Pflegebedarf dokumentieren, erleichtern Sie die Bestimmung des richtigen Grades der Pflegebedürftigkeit. Somit können Sie dem Gutachter, der Sie beurteilt, bessere Informationen über Ihren Pflegestatus geben. Sie sollten dafür:

  • alle notwendigen Pflegeleistungen dokumentieren (z. B. Waschen, Ankleiden, Einkaufen)
  • den Grad der jeweiligen Hilfsbedürftigkeit nennen (z. B. Anleitung, Unterstützung, vollständige Übernahme)
  • den realen Zeitaufwand für die einzelnen Tätigkeiten erfassen
Illustration: Gut zu wissen Info
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Anleitung

Damit Sie bzw. Ihr pflegebedürftiger Angehöriger die gewünschten Pflegeleistungen erhält, empfiehlt sich ein lückenlos geführtes Pflegetagebuch als Hilfestellung für die Begutachtung. Im Idealfall beginnen Sie daher mit dem Führen des Pflegetagebuches bereits schon ab der Antragsstellung für Pflegeleistungen. 

Führen Sie ein Pflegetagebuch täglich über zwei Wochen

Für eine realistische Dokumentation des alltäglichen Hilfebedarfs sollten Sie das Tagebuch mindestens zwei Wochen lang führen. Halten Sie täglich fest, welche Hilfeleistungen Sie wann in Anspruch nehmen und wie lange diese dauern. Sollten Sie dazu selbst nicht in der Lage sein, bitten Sie pflegende Angehörige um Hilfe.

Beschreiben Sie alle Bereiche der Grundpflege (z. B. Hilfe beim Waschen oder Treppensteigen) und der hauswirtschaftlichen Versorgung (z. B. Kochen, Putzen). Unterscheiden Sie bei der Dokumentation, ob Sie lediglich Unterstützung erhalten oder ob man Ihnen die Aufgabe teilweise oder gar vollständig abnimmt. Halten Sie auch die Tätigkeiten fest, die Sie zwar selbst erledigen, aber dafür Anleitung oder Beaufsichtigung benötigen.
Auch wenn Sie bereits einen Pflegegrad erhalten haben, sollten Sie weiterhin das Tagebuch führen. Falls Sie eines Tages einen höheren Grad beantragen, belegt die Dokumentation den steigenden Pflegeaufwand.
Bei demenzerkrankten Menschen sollte eine Pflegeperson das Pflegetagebuch führen. Besonders zu erwähnen ist hier etwa, wie oft man die Patienten an Trinken, Essen oder Medikamente erinnern muss. Auch die daraus folgenden Diskussionen mit Demenzkranken, ob beispielsweise gerade Essenszeit ist oder nicht, gehören zum Pflegeaufwand und sollten im Tagebuch notiert werden.

Berücksichtigen Sie im Pflegetagebuch, was Ihnen oder Ihren Angehörigen die Pflege erschweren kann. Dazu gehören unter anderem:

  • Körpergewicht über 80 Kilo
  • Versteifung der Arm- und/oder Beingelenke
  • Unkontrollierte Bewegungen
  • Schluckstörungen
  • Stark eingeschränktes Hören oder Sehen
  • Aufwendige Hilfsmittel (Decken-, Wand-, Treppenlift)
  • Schwierige räumliche Verhältnisse (z. B. enges Badezimmer)
  • Abwehrverhalten/fehlende Kooperation (etwa wegen Demenz, geistiger Behinderung, psychischer Erkrankung)
  • Zeitliche Verhinderungen (zum Beispiel für eine mögliche Verhinderungspflege, wenn der pflegende Angehörige zeitlich verhindert ist)
So überzeugen Sie

Gehen Sie beim Ausfüllen des Pflegetagebuches stets gewissenhaft, ehrlich und präzise vor. Orientieren Sie sich an folgenden sechs Tipps:

  1. Legen Sie den Fokus nicht zu sehr auf hauswirtschaftliche Hilfen: Hauswirtschaftliche Hilfestellungen, wie beispielsweise kochen, spülen oder Wäsche waschen, sind zwar wichtig zu erwähnen, jedoch nicht im Detail zu beschreiben.
  2. Achten Sie auf alltägliche Kleinigkeiten: Gerade vermeintlich banale Dinge im Alltag spielen eine wichtige Rolle, wie z. B. das Einschenken von Getränken oder Zubereiten von Obst.
  3. Pflegeerschwernisse sollten individuell beschrieben werden: Hat der Pflegebedürftige beispielsweise Übergewicht, ist schwerhörig oder sturzgefährdet, sollten Sie die Erschwernisse genau beschreiben.
  4. Erwähnen Sie Pflegehilfsmittel: Werden behandlungspflegerische Maßnahmen im Zusammenhang mit der Grundpflege benötigt, so sollten Sie dies unbedingt nennen. Zum Beispiel: Verabreichung von Medikamenten oder das Anziehen von Kompressionsstrümpfen.
  5. Vermeiden Sie Übertreibungen und Unehrlichkeit: Tragen Sie Pflegetätigkeiten, Hilfestellungen und Pflegezeiten minutengenau ein. Seien Sie ehrlich und beschönigen Sie nichts. 
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Gut zu wissen
Illustration: Gut zu wissen
Sie sind pflegebedürftig, wenn Sie dauerhaft Hilfe im Alltag benötigen. Ein Gutachter überprüft Ihre Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen wie selbstständige Versorgung oder Bewegung. Ein Pflegegrad benennt die Schwere Ihrer Pflegebedürftigkeit  (auf einer Skala von 1 bis 5) und definiert so Ihren Leistungsanspruch, wie z.B. auf die Zahlung von Pflegegeld.
Illustration: Gut zu wissen
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Der richtige Ablauf
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ist eine Gemeinschaftseinrichtung der gesetzlichen Pflege- und Krankenkassen. Er übernimmt Begutachtungen, wenn Sie beispielsweise einen Pflegegrad beantragen. Bei den privaten Krankenversicherungen übernimmt MEDICPROOF die Begutachtungen, für Versicherte bei der Knappschaft der Sozialmedizinische Dienst.
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  • Führen Sie für mindestens zwei Wochen ein ausführliches Pflegetagebuch.
  • Notieren Sie, wobei Sie im Alltag Unterstützung benötigen.
  • Bereiten Sie alle ärztlichen Dokumente und einen aktuellen Medikamentenplan vor.
  • Falls Sie einen Pflegedienst beschäftigen: Besorgen Sie die Pflegedokumentation.
  • Überlegen Sie sich, welche Vertrauensperson dabei sein sollte.
Illustration Mann bereitet sich für Begutachtungstermin vor
Illustration Mann bereitet sich für Begutachtungstermin vor
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Illustration Gutachter macht sich ein Bild von der Situation
Um einen besseren Eindruck Ihrer Situation zu erhalten, kommt ein Gutachter des MDK, von MEDICPROOF oder vom Sozialmedizinischen Dienst für etwa eine Stunde zu Ihnen nach Hause. Bei einem persönlichen Gespräch erläutern Sie oder ein Angehöriger Ihre alltäglichen Einschränkungen. Die Gutachter sind ausgebildete Pflegekräfte oder Ärzte und kündigen ihren Besuch immer rechtzeitig an.
Illustration Gutachter macht sich ein Bild von der Situation
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Die Gutachter fassen die Ergebnisse und ihre Empfehlung in einem Bericht zusammen und leiten ihn an die Pflegeversicherung weiter. Diese stuft Sie entsprechend in einen Pflegegrad ein und legt damit fest, welche Leistungen Ihnen zustehen.
Illustration Gutachterin fasst Ergebnisse zusammen
Illustration Gutachterin fasst Ergebnisse zusammen
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Illustration Mann schaut wegen des Widerspruchtermins auf einen Kalender

Falls Sie mit dem Ergebnis der Begutachtung nicht einverstanden sind, widersprechen Sie innerhalb von einem Monat bei der Pflegekasse. Die Frist beginnt ab dem Tag, an dem Sie das Ergebnis erhalten. Wird Ihr Widerspruch abgelehnt, können Sie unter Umständen dagegen klagen.

 

Illustration Mann schaut wegen des Widerspruchtermins auf einen Kalender
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Pflegegrad berechnen und einschätzen
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Hilfestellung für den Gutachter

Ein Pflegetagebuch kann für die Begutachtung des Pflegebedürftigen durchaus entscheidend sein. Hintergrund: Der Gutachter hat in etwa nur eine Stunde Zeit für die Beurteilung Ihres pflegebedürftigen Angehörigen. Ein über zwei Wochen präzise geführtes Pflegeprotokoll dient dem Gutachter als optimale Hilfestellung. Im Idealfall erhält er einen Überblick über die physischen und psychischen Beeinträchtigungen sowie Verhaltensweisen im Alltag des Pflegebedürftigen.

Tipp: Die Begutachtung der individuellen Pflegebedürftigkeit erfolgt im Rahmen des „Neuen Begutachtungsassessment“ (NBA). Bei diesem Verfahren wird in sechs Lebensbereichen der Grad der Selbständigkeit, also das Ausmaß, in dem die pflegebedürftige Person sich noch selbst ohne fremde Hilfe versorgen kann, eingeschätzt.

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

Die Erstellung des Pflegegutachtens folgt bestimmten Voraussetzungen, die gesetzlich festgelegt sind – im Elften Sozialgesetzbuch (SGB XI). Dieses regelt unter anderem die Voraussetzungen, wann ein pflegebedürftiger Versicherungsnehmer einen Pflegegrad (bis 2017 Pflegestufe) und entsprechenden Pflegeleistungen erhält.

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Vordruck
Ältere Frau füllt ein Dokument aus

Wenn es darum geht, die pflegebedürftige Person im Sinne des Sozialgesetzbuches festzustellen, dann orientieren Sie sich am besten am Pflegetagebuch-Vordruck des Bundesministeriums (siehe "Vordruck: Pflegetagebuch für Erwachsene"). Das Pflegetagebuch müssen Sie nicht bestellen, sondern können es direkt herunterladen. Dort erhalten Sie umfängliche Beschreibungen (inklusive Zeiten), ausführliche Beispiele sowie Tipps zum Befüllen des Pflegetagebuches. 

Wie groß der angesetzte Aufwand für die jeweilige Pflegetätigkeiten sind, finden Sie in unserem Ratgeber zur Grundpflege

Ziel ist es, den täglichen Pflegeaufwand im Bereich der Grundpflege (wie Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und hauswirtschaftlichen Versorgung (wie Einkaufen, Kochen oder Waschen der Wäsche) zu beschreiben. Im Detail sind es folgende Bereiche:

  • Körperpflege: z. B. Waschen (Duschen und Waschen als Ganzkörperwäsche) oder auch Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: z. B. Mundgerechte Zubereitung und Einnahme von Hauptmahlzeiten
  • Mobilität: z.B. Selbstständiges Aufstehen und Zubettgehen
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: z. B. Einkaufen inklusive Planung sowie Kochen oder Spülen

Egal ob Sie Ihr Pflegetagebuch per Excel oder handschriftlich füllen, stellen Sie sich als Antragssteller folgende vier Fragen:

  1. Was ist der Ablauf bzw. welche Schritte führe ich exakt aus?
  2. Muss ich der pflegebedürftigen Person erklären, was genau sie machen muss?
  3. Was ist daran besonders schwierig oder welche Probleme liegen vor?
  4. Was kann die pflegebedürftige Person selbstständig ausführen bzw. was ist erforderlich, dass sie es kann?
Info: Für iPhone Benutzer bietet sich die AppPflegegeldhilfe“ als digitales Pflegetagebuch an. Für Android ist es „Interaktives Pflegetagebuch“.
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Häufige Fragen
  • Wie führen Sie die Selbsteinschätzung durch?

    Die medizinischen Dienste wie MEDICPROOF bieten Fragebögen an, mit denen Sie den eigenen Pflegebedarf einschätzen können. Ihr Pflegetagebuch hilft Ihnen, diese Bögen auszufüllen.
  • Wie stellt man Pflegebedürftigkeit bei Kindern fest?

    Bei geistig oder körperlich beeinträchtigten Kindern vergleicht man deren Selbstständigkeit mit der von normal entwickelten Kindern im gleichen Alter. Pflegebedürftige Heranwachsende brauchen mehr Hilfe und Unterstützung im Alltag, beispielsweise beim Anziehen, der Körperpflege oder der Mobilität.
  • Welche Besonderheiten gelten bei der Pflegebedürftigkeit von Kleinkindern?

    Kinder unter 18 Monaten werden automatisch einen Pflegegrad höher eingestuft, als bei der Untersuchung festgestellt. Damit Eltern und Kind vor monatlichen Begutachtungen bewahrt werden, bleibt dieser Zustand zunächst festgeschrieben. Im 19. Lebensmonat wird das Kind dann in den regulären Pflegegrad eingestuft. Ein neues Gutachten erfolgt in der Regel nur bei starker Veränderung der Selbstständigkeit, beispielsweise nach einer Operation.
  • Warum ist das Pflegetagebuch für eventuelle Rentenansprüche relevant?

    Wer als pflegender Angehöriger seine Pflegetätigkeit über Jahre gut dokumentiert, der kann eventuelle Pflege-Rentenansprüche erwerben. Konkret bedeutet dies: Ist der wöchentliche Pflegeaufwand für den pflegenden Angehörigen mindestens zehn Stunden und der parallele berufliche Arbeitsaufwand nicht mehr als 30 Stunden, dann kann dieser sein Recht auf Rentenansprüche für den Pflegeaufwand geltend machen.
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