Mann sitzt mit Laptop und Dokumenten mit ernstem Blick in der Küche
Wissenwertes für Arbeitnehmer

Kranken­versicherung nach Kündigung

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Endet Ihr Arbeitsverhältnis, weil Sie selbst die Kündigung eingereicht haben oder Ihr Arbeitgeber Ihnen gekündigt hat, steht nicht nur die Jobsuche an. Diese neue Situation kann sich auch auf Ihre Krankenversicherung auswirken. Ein "Herausfallen" aus Ihrer Krankenversicherung haben Sie nicht zu befürchten, in Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht.
  • Verschiedene Regelungen verhindern, dass Arbeitssuchende oder Arbeitslose ohne Krankenversicherung auskommen müssen. Nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses übernimmt in der Regel die Agentur für Arbeit Ihre Beiträge, sollten Sie nicht nahtlos mit einem neuen Arbeitsvertrag bzw. Arbeitsverhältnis anschließen.
  • Je nach Einzelfall können Sie nach einer Kündigung auch in einer Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unterkommen – beispielsweise dann, wenn Ihr Ehepartner in der GKV versichert ist. 
  • Sind Sie privat krankenversichert (PKV), kann es sein, dass Sie nach dem Ende Ihres Arbeitsverhältnisses in der GKV versicherungspflichtig werden. Je nach persönlicher Situation gibt es jedoch Möglichkeiten, die den Verbleib in der PKV sicherstellen können.
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Arbeitslos nach Kündigung

Ob Sie bei einer Arbeitslosigkeit Ihre Private Krankenversicherung selbst bezahlen, kommt auf Ihren persönlichen Fall an. Beziehen Sie nach Ihrer Kündigung Arbeitslosengeld I und waren zuvor privat krankenversichert, wechseln Sie üblicherweise in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Ihre Beiträge übernimmt anschließend die Arbeitsagentur.

Wann können Sie in der PKV verbleiben?

Eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der GKV können Sie nur dann einreichen, wenn Sie vor Ihrer Arbeitslosigkeit konstant fünf Jahre oder länger privat versichert waren oder älter als 55 Jahre sind. In beiden Fällen werden Sie nicht versicherungspflichtig in der GKV und können in der PKV bleiben. Im Detail lauten die Regelungen:

  • Waren Sie in den letzten fünf Jahren vor Beginn des Leistungsbezugs (ALG I) nicht gesetzlich krankenversichert, dann ist eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der GKV möglich unter folgenden Voraussetzungen: Sie sind privat krankenversichert und Sie erhalten Vertragsleistungen, die nach Art und Umfang den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Als Folge der Befreiung von der Versicherungspflicht in der GKV besteht auch keine Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung.
  • Besonderheit Altersgrenze: Waren Sie zu Bezugsbeginn von ALG I mindestens 55 Jahre alt und bestand in den letzten fünf Jahren für Sie keine GKV (Pflichtversicherung, freiwillige Versicherung oder Familienversicherung), besteht in der GKV grundsätzlich keine Krankenversicherungspflicht, während Sie Arbeitslosengeld I beziehen. Für Personen, die zwischenzeitlich in der GKV versichert waren, ist eine individuelle Klärung nötig.

Bei einigen PKV-Anbietern ist bei Arbeitslosigkeit ein Wechsel in einen günstigeren Tarif möglich.

Welche PKV-Beiträge übernimmt die Agentur für Arbeit?

Die Agentur für Arbeit übernimmt die Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegepflichtversicherung, allerdings nur bis zur Höhe der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung. Das bedeutet, zusätzlich zum ALG I übernimmt sie auch die Beiträge für Krankheitskostenvoll- und Krankentagegeldversicherung für Sie selbst.

Gegebenenfalls zahlt sie zudem die Krankheitskostenvollversicherung des Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners sowie die Beiträge für die Kinder. Die Übernahme erfolgt bis zur oben genannte Begrenzung. Entsprechendes gilt für die Kostenübernahme der Beiträge für die private Pflegepflichtversicherung.

Bezuschussung bei einer Hilfebedürftigkeit

Bei Hilfebedürftigkeit wird der Zuschuss grundsätzlich in Höhe des halben Basistarifbeitrags gezahlt. Hier erfolgt eine Deckelung. Haben Sie einen anderen PKV-Tarif als den Basistarif, kann Ihnen sogar der volle Beitrag als Zuschuss gezahlt werden. Voraussetzung dafür ist, dass dieser Tarif-Beitrag niedriger ist als der halbe Basistarif-Beitrag.

Illu Gut zu Wissen
Gut zu wissen
Illu Gut zu Wissen

Erhalten Sie Arbeitslosengeld II (ALG II), müssen Sie nicht zwangsläufig von der PKV zur gesetzlichen Krankenversicherung wechseln. Stattdessen haben Sie die Möglichkeit, einen Zuschuss zu beantragen. Diesen übernimmt das Jobcenter für Sie. Der Zuschuss zu Ihren Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen wird gewährt, wenn Sie weder krankenversicherungspflichtig noch familienversichert sind. 

Heißt? Auch als ALG-II-Bezieher können Sie einen Zuschuss zu ihrer PKV bekommen. Die Maximalhöhe richtet sich nach jenen Kosten, die das Arbeitsamt für gesetzlich Versicherte finanziert. Was die Höhe des Zuschusses angeht, ist hier der sogenannte Basistarif ausschlaggebend. Ist Ihr PKV-Tarif höher als der Beitrag für den halben Basistarif, dann zahlen Sie die Differenz aus eigener Tasche.

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Ihr Arbeitgeber kündigt
Ob und wie lange Sie nach Kündigung durch den Arbeitgeber noch krankenversichert sind, hängt davon ab, wann und wie diese Kündigung erfolgt. Unter Umständen ändert sich der Status Ihrer Krankenversicherung nach fristloser Kündigung oder bei Aufhebungsverträgen.
Frau in Businesskleidung räumt Bürogegenstände in einen Pappkarton

Kündigt Ihnen Ihr Arbeitgeber fristgerecht, melden Sie sich umgehend arbeitslos. Eine Sperrzeit wie im Fall einer Eigenkündigung haben Sie nicht zu befürchten. Ihre Krankenversicherungsbeiträge übernimmt bei fristgerechter Kündigung durch den Arbeitgeber anschließend die Agentur für Arbeit.

Bei fristloser Kündigung gilt für Sie Nach­versicherungs­pflicht

Anders sieht es bei fristlosen Kündigungen aus. Ihr Arbeitsvertrag erlischt dann mit sofortiger Wirkung. Da die Agentur für Arbeit bei fristlosen Kündigungen unter Umständen von Selbstverschulden durch den Arbeitnehmer ausgeht, können Sperrzeiten greifen. Hier verhält es sich so:

  • Ruht die Leistung wegen einer Sperrzeit (bis zu 12 Wochen) oder einer Urlaubsabgeltung durch den früheren Arbeitgeber, besteht für Sie bereits ab dem ersten Tag der Sperrzeit Krankenversicherungspflicht.
  • Ruht die Leistung aus einem anderen Grund, z.B. wegen einer Abfindung auf Basis eines Aufhebungsvertrags, besteht keine Krankenversicherungspflicht, siehe unten.
  • Die Kranken- und Pflegeversicherung wird grundsätzlich bei jener gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt, bei der Sie vor Beginn des Bezuges von ALG I versichert waren. Die entsprechenden Beiträge für Pflichtversicherte trägt die Agentur für Arbeit.   

Zu beachten: Aufhebungsvertrag hat sozialversicherungs­rechtliche Konsequenzen für Arbeitnehmer

Der Aufhebungsvertrag als Alternative zur Kündigung hat in der Praxis oft gravierende Nachteile für Arbeitnehmer. Sie verlieren dadurch nicht nur Ihren Kündigungs-, sondern unter Umständen auch Ihren Krankenversicherungsschutz. Eine dreimonatige Sperrzeit für den Bezug Ihres Arbeitslosengeldes droht ebenfalls. 

Erhalten Sie eine Abfindung, verrechnet die Arbeitsagentur diese mit Ihrem Anspruch auf Arbeitslosengeld oder verweigert Ihnen den Bezug des ALG I. In diesem Fall besteht keine Versicherungspflicht in der GKV für Sie als Bezieher von Arbeitslosengeld I: Sie müssen selbst für passenden  Krankenversicherungsschutz sorgen. Die einzigen Vorteile von Aufhebungsverträgen sind in der Regel die optionale Zahlung einer Abfindung sowie ein gutes Arbeitszeugnis.

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Zeit und Form
Generell gilt, Kündigungen sind nur in schriftlicher Form rechtswirksam. Mündlich ausgesprochene Kündigungen haben keine Wirksamkeit. Für die Krankenversicherung relevante Fristen finden Sie in dieser Tabelle:

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Was? Frist
Meldung der Kündigung bei der Krankenversicherung Unmittelbar nach Einreichen oder Erhalt des Kündigungsschreibens
Beitragsfreie Nachversicherungspflicht bei Eigenkündigung 4 Wochen gültig
Sperrzeit bei Eigenkündigung Bis zu 12 Wochen
Sperrzeit bei Meldeversäumnis 1 Woche 
Krankenversicherung durch Agentur für Arbeit bei Eigenkündigung Krankenversicherungspflicht bereits ab dem ersten Tag der Sperrzeit
Arbeitgeberwechsel

Unter bestimmten Voraussetzungen sind Sie nach Ende Ihres Arbeitsverhältnisses noch einen weiteren Monat krankenversichert – unabhängig davon, ob Sie selbst gekündigt haben oder Ihnen vom Arbeitgeber gekündigt wurde. Der sogenannte nachgehende Leistungsanspruch garantiert Ihnen für maximal vier Wochen die Übernahme der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. 

Auf Leistungen müssen Sie währenddessen nicht verzichten – zum Beispiel, wenn Ihre alte Stelle zum 31. August endet und Ihr neuer Arbeitsvertrag erst einen Monat später, also ab 1. Oktober, beginnt. Eventuelle Lücken im Versicherungsschutz überbrückt der nachgehende Leistungsanspruch automatisch. Sie müssen nichts weiter dafür tun.

Zu beachten ist jedoch:

  • Die Regelung gilt nur, sofern Sie innerhalb der vier Wochen erwerbslos bzw. arbeitslos sind. Als Erwerbstätigkeit zählt bereits eine geringfügige Beschäftigung.
  • Überschreiten Sie die Monatsfrist, verlieren Sie den nachgehenden Leistungsanspruch. Die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Sie dann rückwirkend ab dem ersten Tag ohne Beschäftigung.
  • Ein nachgehender Leistungsanspruch besteht nur für pflichtversicherte Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. Sind Sie freiwillig bei der GKV versichert, zahlen Sie weiterhin Versicherungsbeiträge. Siehe auch Ratgeber zum Vergleich von PKV zu GKV.
  • Haben Sie die Möglichkeit, in der Familienversicherung eines Angehörigen oder Partners bzw. Ehepartners unterzukommen, greift der nachgehende Leistungsanspruch ebenfalls nicht.
Ratgeber
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Krankengeld
Frau sitzt bei einer Ärztin am Schreibtisch

Bei einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit, die länger als sechs Wochen dauert, zahlt Ihnen die gesetzliche Krankenversicherung Krankengeld. Sie erhalten dann für maximal 72 Wochen bis zu 90 Prozent Ihres Nettogehalts.

Krankengeld steht Ihnen grundsätzlich auch über die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses hinaus zu, sofern eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob Ihnen der Arbeitgeber gekündigt hat oder Sie selbst die Kündigung eingereicht haben. Erkranken Sie innerhalb der verbleibenden Kündigungsfrist, erhalten Sie zunächst Entgeltfortzahlungen von Ihrem Arbeitgeber bis zum Ende Ihres Arbeitsverhältnisses. 

Dauert Ihre Erkrankung darüber hinaus an, zahlt Ihnen die Krankenversicherung Krankengeld. Auch wenn sich Ihr Arbeitgeber weigert, im Krankheitsfall während der gesetzlichen Kündigungsfrist Entgeltfortzahlungen zu leisten, haben Sie als Versicherungsnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung Krankengeldanspruch

Unabhängig von einer Kündigung: Sie sollten sich im Rahmen einer Privatversicherung immer zusätzlich mit dem sogenannten Krankentagegeld absichern. Es gleicht Ihre Einkommensverluste bei längerer Krankheit aus.

Beachten: Bei Eigenkündigung droht Sperrfrist für Krankengeld

Kündigt Ihnen Ihr Arbeitgeber während einer Krankheit fristlos, ist er nicht zu Entgeltfortzahlungen verpflichtet. Stattdessen erhalten Sie Krankengeld von Ihrer Krankenversicherung. Anders verhält es sich, wenn Sie selbst aus einer Arbeitsunfähigkeit heraus kündigen: Grundsätzlich greift in diesem Fall eine Sperrzeit von zwölf Wochen, während der Sie keinen Anspruch auf Krankengeld haben.

Von einem nachgehenden Leistungsanspruch können Sie Gebrauch machen, wenn Sie nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses erwerbsunfähig werden. Als ALG I-Empfänger erhalten Sie nach anhaltender sechswöchiger Arbeitsunfähigkeit Krankengeld von der Krankenversicherung. 

Die passende Versicherung
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Häufige Fragen
  • Was ist die obligatorische Anschlussversicherung?

    In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht. Das heißt: Jeder Bürger ist verpflichtet, je nach persönlichen Voraussetzungen entweder in der GKV oder in der PKV eine Kranken- und Pflegeversicherung aufrecht zu erhalten. Endet beispielsweise Ihre Versicherungspflicht oder Familienversicherung in der GKV, stellt die obligatorische Anschlussversicherung sicher, dass Sie sich entweder freiwillig gesetzlich versichern oder eine PKV abschließen können.

    Durch die obligatorische Anschlussversicherung können beispielsweise Personen, die als Mitglieder aus der Versicherungspflicht ausgeschieden sind, bei nachgewiesener Vorversicherungszeit den Abschluss einer freiwilligen Versicherung beantragen. Selbiges gilt für oder Personen, deren beitragsfreie Familienversicherung erlischt

    Mit der Einführung der (obligatorischen) Anschlussversicherung ist der Nachweis einer Vorversicherungszeit praktisch gegenstandslos geworden, da eine Anschlussversicherung nun auch ohne Vorversicherungszeit zustande kommt.

  • Was kostet eine gesetzliche Krankenversicherung ohne Einkommen?

    Erhalten Sie kein Arbeitsentgelt, ist es in der Regel am günstigsten, in der Familienversicherung des Ehe- oder Lebenspartners unterzukommen. Das gilt auch für Kinder bis zum 23. bzw. 25. Lebensjahr, sofern sie noch in der Schule bzw. Ausbildung sind: Dann sind sie über ihre Eltern krankenversichert.

    Ist eine Familienversicherung nicht möglich, versichern Sie sich bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen freiwillig in der GKV. Die Krankenversicherung errechnet Ihre Beiträge dann anhand eines fiktiven Mindesteinkommens (1.096,67 Euro für das Jahr 2021). Davon erhebt die GKV 14,0 Prozent Beitragssatz (14,6 Prozent bei Anspruch auf Krankengeld) zuzüglich Zusatzbeitrag. Je nach Krankenversicherung ist Versicherungsschutz bereits ab einem monatlichen Beitrag von 150 Euro möglich. 

    Personen ohne dauerhaftes Einkommen und privates Vermögen haben zudem unter gewissen Voraussetzungen Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG) II. Ihre Krankenversicherungsbeiträge übernimmt in diesem Fall das Jobcenter.

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Service und Kontakt
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