Roter Böller liegt zerrissen auf der Straße, im Hintergrund liegen Feuerwerkskörper.
Sicher ins neue Jahr 

Silvesterunfall: Wer zahlt bei Böllerschäden?

 

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Jedes Jahr passieren in der Silvesternacht zahlreiche Unfälle durch Feuerwerks­körper – sowohl outdoor als auch indoor. Besonders häufig kommt es zu Verletzungen und Verbrennungen an Händen und Augen.
  • Daneben können Raketen oder Knallkörper Schäden an Autos und Häusern verursachen.
  • Meist ist der Verursacher eines Silvester­unfalls unbekannt. In diesem Fall trägt der Geschädigte die Reparaturkosten selbst.
  • Je nach Schaden oder Verletzung kommt die Unfallversicherung, Teilkasko, die Wohngebäude- oder Hausrat­versicherung für Folgekosten eines Böllerunfalls auf.
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Illustration Info: Gut zu wissen
Gut zu wissen
Illustration Info: Gut zu wissen

Die Silvesternacht gilt als eine der gefährlichsten Nächte des Jahres. Laut Angaben der Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) und der Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) verletzen sich in der Silvesternacht so viele Menschen die Hände wie an keinem anderen Tag des Jahres.

In Großstadt­kranken­häusern behandeln Ärzte laut der Statistik an Silvester rund 50 bis 60 schwere Hand­verletzungen. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 15 und 30 Jahren sowie Männer zwischen 50 und 60 Jahren.

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Sicherheit

Die Ursache für Schäden und schwere Verletzungen sind meist Experimente mit Pyrotechnik, illegale Feuerwerkskörper oder Leichtsinn aufgrund von Alkoholkonsum. Wer beim Böllern zum Jahreswechsel folgende Tipps beachtet, reduziert die Gefahr von Verletzungen oder Unfällen.

  • Kaufen Sie nur Produkte mit CE-Zeichen und Prüfnummer der Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung (BAM).
  • Transportieren Sie Böller immer in einer separaten Tasche oder Box – nicht in Jackentaschen oder am Körper.
  • Halten Sie ausreichend Sicherheitsabstand beim Anzünden von Feuerwerkskörpern.
  • Zünden Sie Böller und Raketen niemals in der Hand.
  • Explodiert ein Knallkörper nicht, zünden Sie ihn kein zweites Mal an. Übergießen Sie den Blindgänger mit Wasser und entsorgen Sie ihn in einer gewässerten Tonne.
  • Schützen Sie Ihr Eigentum: Parken Sie Ihr Auto während der Silvesternacht in einer Garage und schließen Sie alle Fenster der Wohnung oder des Hauses.
  • Lassen Sie Ihre Kinder nicht in die Nähe von Knallkörpern.
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Erste Hilfe
Junge mit Böller in der Hand zündet ein Streichholz an.

Werden Sie oder eine andere Person durch einen Böller oder eine Rakete verletzt, ist schnelles Handeln gefragt. Bei schweren Verletzungen rufen Sie sofort den Notruf unter 112. Anschließend beginnen Sie mit der Erstversorgung:

1. Verletzungen am Auge abdecken und ruhig­stellen

Haben umherfliegende Böllerteile ein Auge verletzt, entfernen Sie Splitter oder andere Teile auf keinen Fall selbstständig daraus. Decken Sie das betroffene Auge mit einer keimfreien Wundauflage ab und bedecken Sie beide Augen mit einem Verband. So verhindern Sie, dass sich das verletzte Auge bewegt.

2. Handverletzungen nicht selbst behandeln

Explodiert ein Böller in der Hand oder geht er noch während des Anzündens los, kommt es häufig zu schweren Handverletzungen oder gar Amputationen. Stecken Splitter in der Hand, ziehen Sie diese nicht selbst heraus. Andernfalls kann es zu schweren Blutungen kommen. Ist ein Finger durch die Explosion abgerissen, suchen Sie ihn und geben ihn den Rettungskräften mit.

3. Kleinere Verbrennungen durch Böller kühlen

Verbrennungen gehören zu den häufigsten Verletzungen an Silvester. Bei kleineren Brandwunden reicht es, die betroffene Stelle zehn bis 20 Minuten mit lauwarmem Wasser zu kühlen. Ist die Wunde offen und blutet, dürfen Sie die Verletzung auf keinen Fall kühlen, sondern suchen direkt einen Arzt auf. Das gilt auch für Verbrennungen oder Verbrühungen, die größer als die Handinnenfläche des Verletzten sind.

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Schuldfrage

Auch bei Silvesterunfällen gilt: Wer den Schaden verursacht, haftet dafür. Zünden Sie einen Böller, der ein Auto beschädigt, sind Sie für den Schaden verantwortlich. Das Gleiche gilt, wenn Sie eine Rakete statt in den Himmel an die nächste Hauswand schießen und dort Rußspuren zurückbleiben.

Eltern haften für Silvester­schäden ihrer Kinder

Knaller, Böller und Co. unterliegen dem Sprengstoffgesetz. Dieses legt unter anderem fest, dass es Minderjährigen bis auf wenige Ausnahmen untersagt ist, Pyrotechnik abzufeuern. Zündet ein Kind trotzdem einen Böller, der Schäden an fremdem Eigentum verursacht oder Umstehende verletzt, sind die Eltern haftbar. Verletzen Sie als Mutter oder Vater Ihre Aufsichtspflicht, weil Sie beispielsweise nicht aufpassen oder Ihrem Kind selbst einen Feuerwerkskörper geben, riskieren Sie den Schutz durch Ihre private Haftpflichtversicherung. Das heißt: Als Eltern kommen Sie für den entstandenen Schaden aus eigener Tasche auf.

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Versicherung
Zwei Menschen feiern mit Böllern in der Nacht

 Grundsätzlich gilt: Der Verursacher haftet für die Begleichung des Schadens. Das Problem bei Beschädigungen durch Raketen und Co.: Oftmals ist der Schadensverursacher nicht eindeutig auszumachen. Denn häufig werden Böller von Unbekannten auf einer anderen Straße gezündet oder Sachschäden erst am nächsten Tag entdeckt.

Beobachten Sie in der Silvesternacht, wie ein Schaden durch Feuerwerkskörper entsteht, sollten Sie ihn direkt im Anschluss fotografisch festhalten. Melden Sie den Schaden anschließend der Polizei. Die Beamten können rechtliche Schritte einleiten, wenn der Verursacher sich weigert, zu zahlen.

Zahlt die Haftpflicht, wenn der Verursacher des Böllerunfalls bekannt ist?

Wer einen Silvesterunfall verursacht, ist für die Folgen seines Handelns verantwortlich und muss auch den entstandenen Schaden bezahlen.

Schäden an Gegenständen, aber auch Verletzungen, die Sie versehentlich anderen Personen zufügen, melden Sie Ihrer privaten Haftpflichtversicherung. Haben Sie Schaden oder Verletzung nicht vorsätzlich herbeigeführt, übernimmt die Haftpflicht in der Regel die Kosten für Reparatur bzw. Behandlung.

Viele Versicherungen schließen grobe Fahrlässigkeit aus. Das bedeutet: Personen, die mit selbstgebauten Knallkörpern oder illegalen Böllern einen Unfall verursachen, riskieren ihren Versicherungsschutz.

Wer zahlt für Silvester­unfälle, wenn der Verursacher unbekannt ist?

Wurde in der Silvesternacht Ihr Eigentum beschädigt und der Schadensverursacher ist unbekannt, wenden Sie sich an die zuständige Versicherung. Haben Sie keine passende Versicherung abgeschlossen, kommen Sie selbst für den Schaden auf.

Böllerschäden am Auto übernimmt die Teilkasko

Legale Feuerwerkskörper oder eine ausgebrannte Rakete hinterlassen selten dauerhafte Schäden an Lack oder Karosserie eines Pkw. Zielt eine Rakete oder ein Böller direkt auf ein Auto, können unschöne Schmauchspuren die Folge sein. Mit Lackpolitur sind diese in der Regel leicht zu entfernen.

Entdecken Sie nach der Silvesternacht Beulen oder Dellen in Ihrem Auto, wenden Sie sich an Ihre Kfz-Versicherung. Haben Sie eine Teilkasko abgeschlossen, kommt diese für Schäden durch Brand oder Explosion auf. Eine Ausnahme bilden Schäden am Stoffverdeck von Cabrios: Brandlöcher und Co. sind nicht über die Teilkasko abgesichert.

Beschädigen Unbekannte Ihr Auto in der Silvesternacht, sodass es am Folgetag tiefe Dellen oder fehlende Seitenspiegel hat, handelt es sich um Vandalismus. Für mutwillig herbeigeführte Schäden zahlt die Vollkasko. Je nach Kostenhöhe kann Ihre Vollkaskoversicherung Sie in diesem Fall allerdings in der Schadensfreiheitsklasse zurückstufen. Das heißt: Im kommenden Versicherungsjahr zahlen Sie höhere Beiträge.

Haben Sie nur eine Kfz-Haftpflicht abgeschlossen, zahlen Sie Silvesterschäden aus eigener Tasche.

Wohngebäude- und Hausrat­versicherung greifen bei Böllerschäden an Haus oder Einrichtung

Hinterlässt eine Rakete oder ein Böller an der Fassade Ihres Eigenheims Schmauchspuren oder Löcher in der Isolierung, greift Ihre Wohngebäudeversicherung. Das gilt nicht nur für Schäden, die unmittelbar durch den Feuerwerkskörper entstehen. Sondern auch für Löschwasserschäden, wenn ein Feuerwehreinsatz erforderlich ist, weil eine Rakete Ihren Dachstuhl, Ihr Haus oder Ihre Garage in Brand steckt.

Fliegt in der Silvesternacht eine Rakete durch das offene Fenster und hinterlässt Schäden an Möbeln oder Parkett, wenden Sie sich an Ihre Hausratversicherung. Das gilt auch für den Fall, dass ein Feuerwerkskörper einen Brand auslöst, der Ihre Einrichtung zerstört.

Krankenversicherung übernimmt unmittelbare Kosten von Böller­verletzungen

Haben Sie sich bei der Silvesterknallerei selbst verletzt, kommt Ihre gesetzliche oder private Krankenversicherung für die Behandlungskosten auf.

Erleiden Sie durch den Böllerunfall Folgeschäden und benötigen beispielsweise langfristig Physiotherapie, übernimmt eine private Unfallversicherung die Behandlungskosten. Sind die Verletzungen so gravierend, dass Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, sind Sie über Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert.

Der richtige Versicherungsschutz
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