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Allianz - Ein Pictogramm zeigt die Konstellation einer Patchwork-Familie

Patchwork-Familie: Es gibt viel zu regeln

Eine neue Beziehung nach Trennung oder Scheidung kann ganz schön kompliziert werden, wenn mindestens einer der Partner Kinder mitbringt. In solchen Familienkonstellationen gibt es einige Herausforderungen zu meistern, zudem tun sich viele rechtliche Fragen auf. Damit Sie hier den Überblick behalten, greifen wir die Wichtigsten auf und klären, was gilt bzw. wo Handlungsbedarf besteht.

Was ist eine Patchwork-Familie?

Dürfen wir vorstellen? Unsere Muster-Patchwork-Familie:
Nicole und Peter haben beide Kinder aus früheren Beziehungen. Jetzt leben sie zusammen, und bei ihnen wohnen auch Nicoles Kinder Sarah und Anna. Peter hat einen Sohn, Paul, der bei seiner Mutter Karin wohnt, ihn aber ein- bis zweimal im Monat besucht.

In Stief- bzw. Patchwork-Familien leben Kinder mit ihrer leiblichen Mutter oder ihrem Vater sowie einem Stiefelternteil zusammen, der wiederum eigene Kinder haben kann. Noch bunter wird die Familienstruktur durch gemeinsamen Nachwuchs der Patchwork-Eltern bzw. neue Partner und Kinder des anderen biologischen Elternteils.

Auch wenn es kaum gesicherte Zahlen gibt: Laut Familienreport 2012 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind zehn bis 14 Prozent der Familien in Deutschland durch solche Patchwork-Konstellationen gekennzeichnet. Für die Statistik ist es dabei unerheblich, ob die jeweiligen Partner miteinander verheiratet sind oder nicht. Unter rechtlichen Aspekten kann der Trauschein jedoch sehr wohl einen Unterschied machen.

Allianz - Patchwork-Familie mit drei Kindern posiert im Wohnzimmer

Was bei Unterhalt und Sorgerecht gilt

Unterhalt für den Partner

Weil Nicole und Peter ohne Trauschein zusammenleben, hat - im Gegensatz zu verheirateten Paaren - keiner von beiden einen Unterhaltsanspruch gegen den anderen. Nur bei einem gemeinsamen Kind wäre das anders: In dessen ersten drei Lebensjahren könnte Nicole von Peter einen finanziellen Ausgleich verlangen, wenn sie das Kind betreut und deswegen weniger oder gar nicht arbeiten kann.

Unterhalt für ein Kind

Grundsätzlich sind für ein Kind immer nur die leibliche Mutter und der leibliche Vater unterhaltspflichtig. Im Fall von Sarah und Anna leistet ihn Nicoles Ex-Mann Stefan. Peter als Stiefelternteil bleibt hier außen vor, egal ob er mit Nicole verheiratet ist oder nicht. Dies würde sich nur dann ändern, wenn Peter die Kinder adoptiert und er damit automatisch auch für deren Unterhalt aufkommen müsste.

Sorgerecht

Nicole hat mit Ex-Mann Stefan das gemeinsame Sorgerecht für Sarah und Anna, weshalb sie alle wichtigen Angelegenheiten der Kinder mit ihm zusammen entscheidet. Weil die beiden bei ihr leben, darf sie Alltägliches allein regeln - etwa Sarah eine Entschuldigung für die Schule schreiben und Annas Bettgehzeiten festlegen. Peter dürfte das, obwohl auch er mit den Kindern zusammenlebt, nur mit einer entsprechenden Vollmacht der Eltern (übrigens selbst als Ehemann von Nicole). Falls gewünscht, sollte diese am besten schriftlich - ggf. auf bestimmte Anwendungsbereiche beschränkt -, mit Datum und Unterschriften beider Sorgeberechtigten ausgestellt werden.

Wäre Nicole alleine sorgeberechtigt und mit Peter verheiratet, dürfte Peter mit ihrem Einverständnis nicht nur alltägliche Dinge mitentscheiden. Er könnte darüber hinaus in ausgesprochenen Notfällen rechtliche Handlungen vornehmen (z. B. eine dringende ärztliche Behandlung eines Kindes erlauben), müsste Nicole aber umgehend informieren. Alle anderen Entscheidungen von erheblicher Bedeutung (wie etwa ein Schulwechsel oder geplante Operationen) blieben jedoch Nicole vorbehalten.

Staatliche Leistungen

Kindergeld

In der Regel bekommt derjenige leibliche Elternteil, bei dem das Kind lebt, auch das Kindergeld. Während Peter für Sohn Paul nichts bekommt, erhält Nicole für jedes ihrer beiden Kinder 190 Euro monatlich. Wären Nicole und Peter verheiratet, könnte sie ihren Anspruch auf ihn übertragen. Da Peters Sohn Paul bei ihm als Zählkind berücksichtigt wird, fiele das Kindergeld möglicherweise sogar höher aus. Dabei spielt das Alter der Kinder bzw. die Reihenfolge ihrer Geburten eine Rolle. Da diese Materie recht komplex ist, sollte man sich bei der Familienkasse beraten lassen.

Steuerliche Freibeträge

Nur in der Patchwork-Ehe können auch steuerliche Freibeträge für Kinder, die im Haushalt leben, vom leiblichen Elternteil auf den Stiefvater bzw. die Stiefmutter übertragen werden.

Elternzeit und Elterngeld

Sind die Patchwork-Eltern verheiratet, kann die Stiefmutter oder der Stiefvater für die Betreuung des im Haushalt lebenden Kindes sowohl Anspruch auf Elternzeit als auch auf Elterngeld haben. Dafür ist die Zustimmung des sorgeberechtigten Elternteils notwendig, und der Stiefelternteil darf im Wochendurchschnitt höchstens 30 Wochenstunden arbeiten.

Allianz - Ordner mit Unterlagen zu Erbschaft und Testament, ein wichtiges Thema für jede Patchwork-Familie

Patchwork-Familie und Erbschaft

Darüber nachzudenken, wie man für das Ableben vorsorgt bzw. was man hier wie regelt, ist gerade wegen der Struktur von Patchwork-Familien wichtig. Einige wichtige Aspekte:

  1. Gesetzliche Erbfolge
    Stirbt in einer Patchwork-Ehe einer der Partner, erben - ohne anderslautendes Testament - der Ehegatte und die leiblichen Kinder des Verstorbenen. Hatte er keine eigenen Kinder, erben an ihrer Stelle seine Verwandten zweiter Ordnung. Stiefkinder gehen bei gesetzlicher Erbfolge immer leer aus.
    Bei einem unverheirateten Paar wie unserer Beispielfamilie bekommen im Todesfall weder die Stiefkinder noch der überlebende Partner etwas. Stirbt Peter, werden Nicole und ihre Kinder erbrechtlich wie Fremde behandelt. Das gilt zumindest dann, wenn zuvor nichts anderes per Testament oder notariell beurkundetem Erbvertrag festgelegt wurde.

  2. Testament/Erbvertrag
    Jeder hat die Freiheit, per Testament oder Erbvertrag zu bestimmen, wer sein Vermögen einmal erben soll. Wenn Peter also Nicole und ihre Kinder (mit-) bedenken möchte, ist das möglich. Damit das Testament seinen Zweck erfüllt und sich später nicht Streit und Enttäuschungen einstellen, kommt es auf die richtige Ausgestaltung an. Beispiel: Da unverheiratete Lebenspartner und deren leibliche Kinder unter die höchste Erbschaftssteuerklasse III fallen, müssten Nicole, Sarah und Anna alles, was über den geringen Freibetrag (je 20.000 Euro) hinausgeht, mit 30 Prozent (bzw. ab sechs Millionen Euro sogar mit 50 Prozent) versteuern. Nicht nur würde das Erbe stark geschmälert, zudem müssten die drei Erben in der Lage sein, die Steuerbeträge kurzfristig aufzubringen. Um vorteilhafte und unangreifbare Lösungen für komplizierte Erbfälle zu finden, empfiehlt sich vor bzw. bei der Abfassung des Testaments eine anwaltliche Beratung. Die Allianz übernimmt im privaten Bereich der Rechtsschutzversicherung im Rahmen des Deckungskonzepts BEST einmalig während der gesamten Dauer des Vertrags die Kosten einer telefonischen Beratung durch einen spezialisierten Dienstleister zur Erstellung eines Testaments und einer digitalen Nachlassregelung.

    Versicherungstipp
    Partner in Patchwork-Familien, die Lebensversicherungsverträge besitzen, können den jeweils anderen als Bezugsberechtigten für Hinterbliebenenleistungen eintragen lassen. Im Todesfall des Versicherungsnehmers unterliegen Zahlungen an Dritte jedoch der Erbschaftsteuer, was für Ehegatten wegen ihres hohen Freibetrags selten ins Gewicht fällt. Für Unverheiratete, die hier benachteiligt sind, wird eine Über-Kreuz-Konstruktion per Risikolebensversicherung empfohlen: Dabei schließt jeder eine Risikolebensversicherung auf das Leben des anderen ab und ist selbst Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter. Stirbt der Partner, fließt die Versicherungsleistung, ohne dass Erbschaftssteuer fällig wird. Aber: Man muss im Zweifel nachweisen können, dass man die Beiträge selbst bezahlt hat, also am besten vom eigenen Konto überweisen!

    > Risikolebensversicherung

  3. Expartner ausklammern
    Erben minderjährige leibliche Kinder, weil ihr Vater oder ihre Mutter stirbt, übernimmt bis zur Volljährigkeit normalerweise deren verbliebener leiblicher Elternteil die Verwaltung dieses Erbes. In der Beispielfamilie würde Peters Ex-Frau Karin das Erbe für Sohn Paul verwalten. Das kann unangenehm oder problematisch sein - zum Beispiel, wenn es sich dabei u. a. um die Wohnung handelt, in der Nicole mit ihren Kindern lebt. Peter könnte deshalb das „elterliche Vermögensverwaltungsrecht“ nach § 1638 BGB ausschließen und stattdessen eine Vertrauensperson für diese Aufgabe benennen. In der Regel orientiert sich das Familiengericht im Erbfall daran und bestimmt diese Person als Ergänzungspfleger.

Versicherungsschutz prüfen und anpassen

Formiert sich eine Patchwork-Familie, sollte gleich zu Anfang der vorhandene Versicherungsschutz überprüft und den neuen Gegebenheiten angepasst werden. So bestehen vielfach Einsparmöglichkeiten, sobald ein Paar zusammenzieht, weil dann in bestimmten Versicherungsbereichen ein gemeinsamer Vertrag ausreicht.

Verfügen beispielsweise beide Partner über eine eigene Privat-Haftpflichtversicherung, empfiehlt sich bei gemeinsamem Haushalt stattdessen ein Vertrag zum Familientarif. Am besten setzt man sich mit dem Versicherer, bei dem der ältere Vertrag besteht, in Verbindung und lässt den Partner (und dessen Kinder) eintragen. Danach kann die andere Versicherung benachrichtigt und der jüngere Vertrag sofort gekündigt werden. Aber Achtung: Zwar sind grundsätzlich alle im Haushalt lebenden Kinder (bis zum Ende der Schul-/Berufsausbildung) mitversichert, doch nicht immer sind auch Schäden eingeschlossen, die unter Siebenjährige (deliktunfähige Kinder) verursachen. In den Familientarifen der Allianz sind dagegen sogar sämtliche im Haushalt lebende Personen versichert und - ausgenommen im Basis-Tarif - auch Schäden deliktunfähiger Kinder mitabgedeckt. Übrigens: Ein leibliches Kind, das nur gelegentlich zu Besuch kommt (in unserem Beispiel Paul), muss grundsätzlich über den Elternteil, bei dem es gewöhnlich lebt, abgesichert sein.

Auch in der Hausratversicherung ist bei einem gemeinsamen Haushalt ein Vertrag ausreichend. Sollten beide Partner eine Hausratversicherung mitbringen, aber nun einen gemeinsamen Vertrag wünschen, dann wird der früher begonnene Vertrag weitergeführt. Wichtig ist, dass die Versicherungssumme den neuen Verhältnissen angepasst wird und insgesamt dem Neuwert des Hausrates entspricht, um eine Unterversicherung im Schadenfall zu vermeiden.

Dagegen bleibt jeder Partner weiterhin selbst gesetzlich oder privat krankenversichert, wenn das Paar unverheiratet zusammenlebt. Die Kinder sind jeweils über ihren leiblichen Vater oder ihre Mutter gesetzlich mitversichert oder privat versichert.
Heiratet ein Patchwork-Paar, ändert sich daran in der Regel nichts. Eine beitragsfreie Mitversicherung der Ehefrau bzw. des Ehemanns in der gesetzlichen Krankenversicherung ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich, eine Mitversicherung von Stiefkindern nur dann, wenn diese vom Stiefvater bzw. der Stiefmutter überwiegend unterhalten werden.

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