Das erwartet Sie und Ihren Hund bei der Hundeführerscheinprüfung

Hunde­führerschein

Kurz erklärt in 30 Sekunden
Was Hundebesitzer wissen müssen
  • In Deutschland gibt es keine bundesweite Pflicht zum Hundeführerschein. Bundes­länder und angrenzende Länder, wie die Schweiz, haben ganz unterschiedliche Regel­ungen. Einige Bundesländer verlangen ihn für alle, manche nur für sogenannte Listenhunde
  • Die Prüfung müssen Hundebesitzer und Hund in einem theoretischen und praktischen Teil absolvieren.
  • Manche Halter absolvieren ihn für die eigene Sicherheit oder weil es Steuerver­günstigungen bringt.
  • Der Hundeführerschein ersetzt nicht unbedingt einen Sachkundenachweis, welcher für bestimmte Rassen und je nach Bundesland verpflichtend ist.
Definition
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Ein Hundeführerschein ist ein Befähigungsnachweis für Hundehalter. Um ihn zu erlangen, muss der Halter zusammen mit seinem Hund eine Prüfung ablegen. Da es keine bundesweit einheitlichen Richtlinien gibt, legen Vereine und Verbände die Prüfungsinhalte individuell fest.

„Es gibt den Begriff ‚Hundeführerschein‘ so nicht“, erklärt Jörg Bartscherer, Geschäftsführer und Justiziar des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH). „Wir als Verband bieten Hundehaltern mit unserem VDH-Hundeführerschein an, eine Sachkundeprüfung für kleines Geld abzulegen.“ Dabei legt der VDH drei Richtlinien fest:

  • Sachkunde des Hundehalters
  • Grundgehorsam des Hundes und
  • Sozialverträglichkeit des Hundes

Andere Verbände, die Hundeführerscheine anbieten und eigene Richtlinien aufstellen, sind zum Beispiel der BVZ  (Berufsverband zertifizierter Hundeschulen) oder der BHV  (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater). In einer theoretischen und praktischen Prüfung werden sowohl Hund und Hundehalter geprüft. Mitentscheidend ist auch das Zusammenspiel beider in verschiedenen Alltagssituationen.

 „Auch, wenn die Prüfung sehr ähnlich ist, ist der Hundeführerschein vom Sachkundenach­weis abzugrenzen“, so Bartscherer. Dieser unterliegt in Deutschland zwar auch keiner bundesweiten Pflicht, allerdings gibt es in einigen Bundesländern bestimmte Auflagen.

„Denn Hundegesetzgebung ist immer Ländersache. Niedersachsen hat 2013 beispiels­weise eine Pflicht zum Sachkundenachweis eingeführt.“ In der Schweiz herrscht eine solche Pflicht sogar im ganzen Land. In Österreich und Frankreich ist die Sachkundenachweispflicht rassenabhängig.

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Wann nötig und wann nicht
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Sie können selbst darüber entscheiden, ob Sie die Prüfung mit Ihrem Hund absolvieren. „Es gibt manche Hundehalter, die Spaß daran haben, mit Ihrem Hund sowohl den Vorbereitungskurs als auch die Prüfung zu machen“, erzählt der VDH-Justiziar, selbst auch Hundehalter. „Für manche ist es wichtig, die Sicherheit zu haben, Alltagssituationen mit dem eigenen Hund gut bewältigen zu können.“

Außerdem können Sie sich in manchen Bundesländern mit Besitz eines Hundeführerscheins für einen bestimmten Zeitraum von der Hundesteuer befreien lassen. In München beispielsweise gilt dies für ein Jahr, in manchen anderen Gemeinden gibt es bis zu 50 Prozent Ermäßigung.

In welchen Bundesländern ist der Hundeführerschein Pflicht?

Generell ist der Hundeführerschein in keinem Bundesland verpflichtend. In manchen Bundesländern besteht aber die Pflicht, einen sogenannten Sachkundenachweis zu erbringen. Der Hundeführerschein wird dann abhängig von den dort geltenden Hundegesetzen, dem Prüfer und der Prüfung als solcher anerkannt. Auf der Website der Bayerischen Landestierärztekammer können Sie die Bestimmungen für Ihr Bundesland finden. Viele Hundetrainer und Vereinsmitglieder vom BHV, BVZ und VDH sind zur Abnahme eines Sachkundenachweises zertifiziert.

Niedersachsen
In Niedersachsen besteht Hundeführerschein-Pflicht bzw. die Verpflichtung Sachkunde nachzuweisen. Hierfür wird eine praktische und theoretische Prüfung absolviert.

Nordrhein-Westfalen
In NRW müssen Halter nur für große Hunde einen Sachkundenachweis erbringen. Als groß gilt ein Hund, wenn er ausgewachsen eine Widerristhöhe von mindestens vierzig Zentimetern oder ein Gewicht von mindestens 20 Kilogramm erreicht.

Berlin
In Berlin werden Regelungen zum Hundeführerschein diskutiert. Ein entsprechendes Gesetz gibt es im Jahr 2018 aber noch nicht. Der Hundeführerschein ist in Berlin daher freiwillig.

Gut zu wissen: Ein Hundeführerschein kann auch andere Regelungen, wie die Leinenpflicht, entbehrlich machen. Um alle für Sie geltenden Regelungen, Pflichten und Vergünstigungen zu erfahren, wenden Sie sich bitte an die jeweils zuständige Tierärztekammer.

Voraussetzungen und Ablauf
Um den Hundeführerschein zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Wie lange eine Prüfung dauert, wie viel sie kostet und was passiert, wenn man nicht auf Anhieb besteht, erklären wir Ihnen hier:

Ablegen kann man die Hundeführerscheinprüfung in verschiedenen Vereinen und bei Hundetrainern in ganz Deutschland. Auf den Websites von VDH, BVZ und BHV finden Sie auch einen Prüfungsort in Ihrer Nähe. „Im VDH sind 177 Hundevereine registriert. Jeder Verein hat in ganz Deutschland Hundeplätze, wo mit Zustimmung des Hauptverbandes der Hundeführerschein angeboten wird“, so der VDH-Geschäftsführer.

Die Kosten für den Hundeführerschein betragen etwa 90 bis 130 Euro für die zweiteilige Prüfung (Praxis und Theorie).

Die Prüfungen können in der Regel Hundehalter ab dem 16. Lebensjahr absolvieren. „Für unseren Führerschein müssen Sie eine Haftpflichtversicherung und einen ausreichenden Impfschutz vorweisen. Leider gibt es für Hunde keine Versicherungspflicht, was ich für fahrlässig halte. Jeder sollte seinen Hund ab dem ersten Tag versichern lassen. Selbst ein kleiner Dackel kann schon Unfälle mit schwerwiegenden Folgen auslösen“, erzählt Bartscherer. Außerdem müssen die Hunde einen Identifikationsnachweis in Form eines implantierten Mikrochips vorweisen.

Hunde müssen mindestens zwölf Monate alt sein, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Da deren Bestehen aber auch davon abhängt, ob Ihr Hund Ihre Kommandos befolgt, sollten Sie ihn erst entsprechend geschult haben. Dies ist wichtiger als das biologische Alter.

Die Prüfung können Sie beliebig oft wiederholen. Dies gilt auch für einzelne Teile, etwa, wenn Sie nur an der Theorie scheitern. „Falls Sie den Vorbereitungskurs bereits absolviert haben, müssen Sie diesen nicht erneut wiederholen. Dann fallen nur noch die Prüfungsgebühren an“, erklärt der VDH-Geschäftsführer. Treten Sie die Prüfung auf jeden Fall erst dann an, wenn Sie sich mit Blick auf die Theorie fit fühlen und Ihren Hund so gut erzogen und trainiert haben, dass Sie zusammen auch die Praxis problemlos bestehen.
Vorbereitung
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Denken Sie immer daran, dass es darauf ankommt, sich selbst und Ihren Hund gut vorzubereiten. Sie sollten sich im Detail mit Hundehaltung, Hundeerziehung und dem tierischen Sozialverhalten auskennen. Denken Sie beim Multiple Choice daran, dass es auch Tests gibt, bei denen mehr als eine Antwort richtig ist. Eignen Sie sich entsprechendes Hintergrundwissen an.

Für die Praxis spielen Sie mit Ihrem Hund unterschiedliche Alltagssituationen durch. Gehen Sie in belebter Umgebung Gassi, setzen Sie sich ins Café oder streifen durch Geschäfte. Folgt er Ihnen direkt, wenn Sie ein Kommando geben? Wie reagiert er auf andere Tiere oder Menschen? Zerrt er an der Leine oder bellt er unverhofft? Kehrt er zu Ihnen zurück, wenn Sie ihn rufen?

Die Prüfer achten vor allem darauf, dass Ihr Verhalten und das Ihres Hundes aufeinander abgestimmt sind. Am ehesten punkten Sie beim Test, wenn Sie ein eingespieltes Team sind und einander vertrauen.

Sie können vorab auch Vorbereitungskurse durchführen, um gezielt Übungen und Prüfungssituationen zu trainieren. Auf den Websites des VDH, BVZ und BHV finden Sie Lernmaterialien, Videos von der praktischen Prüfung und viele Beispielfragen.

Aus der Praxis
Im Video des VDH sehen Sie einige Beispielsituationen, die in der praktischen Prüfung zum Hundeführerschein auf Sie zukommen könnten. Diese Situationen können Sie auch gut alleine mit Ihrem Hund zusammen trainieren. Viele Vereine und Verbände bieten spezielle Vorbereitungskurse an, um Sie bei der Prüfungsvorbereitung zu unterstützen.
Video zum Hundeführerschein
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