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Allianz - Hammed Khamis

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Gaunerzinken & Co.: Ein Ex-Einbrecher packt aus – statt ein

Die Einbruchsquote ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Wie können Sie Ihr Zuhause wirksam vor Einbruch schützen? Das wollten wir von Hammed Khamis wissen. Er kennt alle Tricks von früher. Heute ist er Streetworker, Referent an der Polizeihochschule, deckt auch mal Fälle von Versicherungsbetrug auf und hat ein Buch über seine Vergangenheit geschrieben.


Herr Khamis, Sie wissen, wie eingebrochen wird. Ihr Appartement in Berlin ist also eine unüberwindbare Trutzburg, in der alles Wertvolle clever versteckt ist?

Nein, gar nicht (lacht). Bei mir haben sie sogar schon eingebrochen.

Erzählen Sie mal. Was ist passiert?
Im Frühjahr 2013 war ich auf Lesereise zu meinem neuen Buch „Ansichten eines Banditen“ in Deutschland unterwegs. Als ich zurückgekommen bin, war die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt. Uhren, elektrische Zahnbürsten, Messerset, Sonnenbrillen, Klamotten – alles, was man nur irgendwie zu Geld machen kann, haben die mitgenommen.

Wie sind die Diebe denn reingekommen?
Um ehrlich zu sein, das ist bis heute nicht ganz geklärt. Das Verrückte war, die Tür war gar nicht gewaltsam aufgebrochen. Ich denke, da hat einer den Schließdienst-Trick angewendet. Mit gefälschten Papieren und einem getürkten Mietvertrag, hat er sich als Hammed Khamis ausgegeben und behauptet, er hätte den Wohnungsschlüssel verloren. Du zahlst, die schließen auf, und schon bist Du drin. Wenn einer unbedingt rein will, findet er immer einen Weg.

Heißt das, Einbruchschutz bringt eh nichts?
Wenn einer ein festes Ziel hat, weil er unbedingt an den Hundertwasser oder die Juwelen will, von denen er weiß, dann macht er einen Plan und findet einen Weg - und wenn er über den Kamin einsteigt. O. k., bei den Gelegenheitsdieben sieht das anders aus. Die sind mit einem Schraubenzieher oder einem stählernen Kuhfuß unterwegs und warten auf die nächstbeste Gelegenheit. Dann wird schnell mal eine Terrassentür oder ein Fenster aufgehebelt. Bei mir durfte das nicht länger als eine halbe Minute dauern. Insofern ist Sicherheitstechnik schon sinnvoll.

Hatten Sie denn einen Hundertwasser oder Rolex-Uhren zu Hause?
Schön wär`s. Nein, bei mir ist nichts mehr zu holen.

Das sagen viele und sind überrascht, wenn es dann doch passiert. Handy, Laptop, ein wenig Bargeld und Schmuck sind so gut wie bei jedem zu holen.
Stimmt auch wieder. Zum Glück hatte ich meinen Laptop auf der Lesereise dabei. Wenn ich mir vorstelle, die hätten den geklaut. Oh, Mann. Das hätte mich echt wütend gemacht. Da ist die Arbeit von zwei Jahren drauf, die Manuskripte für zwei weitere Bücher. Die normalen Sachen, wie Klamotten oder Fernseher, werden ja von der Hausratversicherung ersetzt. Das ist dann nicht so schlimm.

Bitter ist, wenn Persönliches mitgenommen wird. Am meisten leiden Einbruchsopfer aber unter dem Verlust des Sicherheitsgefühls. Wie ging es Ihnen danach?
Ich war einfach nur wütend. Aber ich kann mir gut vorstellen, wenn ich mit einer Frau zusammen gewohnt hätte, hätte die bestimmt noch heute Angst und würde bei jedem kleinen Geräusch Panik kriegen.

Womit lassen sich denn Einbrecher am ehesten abschrecken? Sicherheitstechnik, Alarmanlage, Videokamera, Hund oder wachsame Nachbarn?

Grundsätzlich bringen massive Türen und Fenster mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, wie Querriegel an der Tür, natürlich einen Zeitgewinn. Je länger einer braucht, umso eher gibt er auf. Eine unsichtbare Alarmanlage ist gut. Sieht man die Alarmanlage allerdings schon von weitem, möglichst noch mit einer Videokamera, denkt ein Einbrecher: „Wenn das Haus so gut geschützt wird, muss es sich lohnen.“ Ist also eher eine Einladung. Die Videokamera ist eh kein Hindernis. Wegdrehen, Stecker raus. Basta.

Und was ist mit Hund und Nachbarn?

Das schreckt schon ab. Jeder weiß, Hunde merken sofort, wenn ein Fremder kommt. Sie sind unberechenbar, und die Nummer mit dem Fleisch, in dem zwei Schlaftabletten steckten, ist doch eher filmreif. Auch Nachbarn können aus Einbrechersicht gefährlich sein. Der Aufkleber „Vorsicht wachsamer Nachbar“ bringt auch schon was. Den gibt`s übrigens kostenlos bei der Polizei.

Trotz höchster Einbruchsquote seit 15 Jahren haben laut Umfrage mehr als 80 Prozent der Deutschen keine Angst vor Einbruch. Der Ersatzschlüssel im Blumentopf, die Terrassentür gekippt, der Autoschlüssel neben der Eingangstür. Sind sie alle viel zu sorglos?

Manche machen es Dieben wirklich einfach. Die kennen doch alle Verstecke: das Geld unter der Matratze, der Schmuck im Nachtkästchen und im Bad, der Tresor hinterm Bild, die Wertsachen zwischen den Büchern. Und natürlich den Blumentopf und die Matte. Ist doch alles Einbrecher-Einmaleins.

Wo soll man denn dann die Wertsachen verstecken?

Wirklich sicher ist nur das Schließfach in der Bank. Aber klar, Schmuck und Geld will man natürlich bei sich haben, zumindest was man so braucht. Ich rate immer, mit Fantasie vorzugehen. Eine verborgene Holzleiste, ein doppelter Boden in einem Schrankfach. Auf jeden Fall sollte man ein Versteck suchen, das nicht jeder auf den ersten Blick erkennt.

Immer öfter hört man, dass Komplizen vorher das Tatobjekt ausspähen und Geheimcodes hinterlassen, sogenannte Gaunerzinken. Was steckt dahinter?
Ich habe das nie gemacht, aber gehört, dass es Diebesbanden gibt, die Kreidezeichen an der Wohnungstür oder am Gartentor hinterlassen. Das hat aber immer eine Vorgeschichte. Ein Beispiel: Gauner schauen, wo vergilbte Gardinen sind. Dann wissen sie, da wohnen alte Leute. Sie gehen hin, machen einen auf Handwerker. Erzählen was von undichtem Dach, werkeln ein bisschen rum und zocken den alten Leutchen ein paar hundert Euro und mehr ab. Dabei sehen sie, wo die ihr Geld haben und ob noch größere Mengen an Bargeld vorhanden sind. Sieht es lukrativ aus, kommen sie wieder oder machen Zeichen für Ihre Komplizen.

Wir haben Januar. Noch ist Hochsaison bei Einbrüchen. Warum eigentlich?
Das ist ganz einfach. Jetzt im Winter wird es früh dunkel. Das ist gut für Einbrecher, denn Dunkelheit macht unsichtbar. Gleichzeitig ist am frühen Abend noch so viel los in den Straßen, dass die Leute sich nicht wundern, wenn „Handwerker“ unterwegs sind oder Leute irgendwo rumstehen. Nachts würden solche Typen ja gleich auffallen. So aber achtet kaum einer darauf und denkt auf dem Weg nach Hause eh nur an den Feierabend.

Noch eine letzte Frage: Haben Sie aus dem Einbruch, der bei Ihnen verübt würde, etwas gelernt?
Ja, eine ganze Menge, auch zur Hausratversicherung. Am besten klärt man vorher ab, ob sie auch zahlt, wenn nicht gewaltsam aufgebrochen wird. Dass das nicht überall selbstverständlich ist, musste ich bei meinem Einbruch erst lernen.

Interview: Miranda Tiepermann

Hammed Khamis (32), verübte mehr als 50 Einbrüche in seinem Leben. Längst bereut er es und will heute der Gesellschaft etwas zurückgeben. Er hat ein Buch geschrieben, das er als Denkanstoß versteht. Seit 2006 unterstützt er als Streetworker Migrantenkinder, die auf der Straße oder im Gefängnis landen. Zudem unterhält er in Berlin eine Integrationsschule, die derzeit von rund 15 Schülern zwischen zwölf und 19 Jahren besucht wird. Sein Ziel ist, die Jugendlichen fürs Leben zu stärken, um sie vor Erfahrungen zu schützen, die er selbst machen musste. Heute will er „der große Bruder sein“, der ihm immer gefehlt hat. Khamis referiert an Schulen und Polizeihochschulen über Gewaltprävention und hat sich in TV-Talkrunden einen Namen gemacht. Darüber hinaus war er auch schon Ansprechpartner, wenn es galt, Versicherungsbetrug aufzudecken.

Was war passiert, dass ein wohlbehüteter Junge, der aufs Gymnasium geht, auf der schiefen Bahn landet? Wie war das, plötzlich ein „Ganove“ zu sein? Und wie hat er 2006 den Sprung zurück auf die richtige Seite geschafft? Unser Interviewpartner Hammed Khamis gibt in seinem Buch „Ansichten eines Banditen – Das Schicksal eines Migrantenjungen“ (direkt bei Amazon) ergreifende und sehr persönliche Einblicke in sein Leben. Der Bucherlös fließt in seine Berliner Integrationsschule.

Allianz - Ansichten eines Banditen

Gaunerzinken: Die geheimen Codes der Einbrecher

Bis heute kommunizieren Diebe und Einbrecher über so genannte Gaunerzinken, die sie an Hauswänden, Briefkästen, Gartenzäunen oder am Gartentor aufmalen oder einritzen. Lernen Sie die Sprache der Gauner kennen: 

Allianz - Gaunerzinken

Einbrecher, Betrüger, Bettler und Drücker-Kolonnen markieren mit dieser "Geheimsprache"  Häuser und hinterlassen so Nachrichten für ihre Nachfolger. Die Gaunerzinken bedeuten zum Beispiel „Achtung, bissiger Hund“, „Fromm tun lohnt sich“ oder „Alleinstehende Frau“. Vier runde Kreise, angeordnet wie bei der Zahl 4 wie auf einem Würfel, versprechen: „Fette Beute – Einbruch lohnt sich!“

Wer ein verdächtiges Zeichen auf seinem Haus oder Grundstück entdeckt, sollte die Polizei rufen, seine Nachbarn informieren und in den kommenden Tagen und Wochen sehr aufmerksam sein. Das gleiche gilt, wenn Sie eingeklemmt in Ihre Wohnungstür seltsame Plastikstreifen finden. Denn dann hat ein Einbrecher die Tür markiert, um zu überprüfen, ob sie regelmäßig geöffnet wird oder ob die Bewohner vielleicht zurzeit im Urlaub sind.

Was Sie sonst noch tun können, um Ihr Haus oder Ihre Wohnung vor Einbrechern zu schützen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema Einbruchschutz.

Hausratversicherung: Finanzieller Schutz vor Einbruch

Den ideellen Verlust kann leider keine Versicherung ersetzen, wohl aber die finanziellen Folgen mindern. Der gestohlene Hausrat wird über die Hausratversicherung zum Neuwert entschädigt. Wichtig ist dabei, dass die Versicherungssumme dem tatsächlichen Hausratwert entspricht. Empfohlen wird eine Versicherungssumme von mindestens 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Haben Sie einen höherwertigen Hausrat oder viele Wertsachen (z. B. Schmuckstücke) und wollen in Sicherheitstechnik investieren? Dann empfiehlt es sich, den Versicherer zu kontaktieren, da oft für die Übernahme des Risikos Sicherheitsregeln gelten. In jedem Fall ist es sinnvoll, eine Liste aller kostbaren Gegenstände anzulegen und diese zu fotografieren.

Tipp: Wer mit Sicherheitstechnik nachrüstet, kann Fördergelder beantragen. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung nach.

Hausratversicherung

Der perfekte Schutz für alles, was Ihnen lieb und teuer ist.

10 goldene Regeln der Polizei für ein sicheres Zuhause

  • Haus- und Wohnungstür immer abschließen, auch tagsüber, wenn Sie zu Hause sind.
  • Auf Fremde im Haus, auf dem Grundstück oder auch beim Nachbarn achten, ggf. ansprechen.
  • Auf merkwürdige Zeichen an Haus- oder Gartentür achten. Hierbei kann es sich um so genannte Gaunerzinken handeln (siehe Beitrag oben).
  • Fenster sowie Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit verschließen. Gekippte Fenster und Türen sind eine Einladung.
  • Haus- und Wohnungsschlüssel nicht außerhalb der Wohnung verstecken. Matte, Blumentopf, Stein – Einbrecher kennen jedes Versteck.
  • Geldbeutel und Autoschlüssel nicht in der Diele griffbereit aufbewahren.
  • In Sicherheitstechnik investieren: Fenster und Türen mindestens mit Widerstandsklasse RC-2 einbauen bzw. nachrüsten (z. B. umlaufende Pilzkopfzapfen, Panzerquerriegel bei Türen).
  • Außenbereich durch Bewegungsmelder erhellen. Kletterhilfen zu den oberen Etagen beseitigen.
  • Bei längerer Abwesenheit dafür sorgen, dass die Wohnung einen bewohnten Eindruck macht, z. B. durch Zeitschaltuhren. Nachbarn und Freunde bitten, den Briefkasten zu leeren.
  • Polizei informieren, sobald etwas verdächtig vorkommt. Niemals versuchen, Einbrecher festzuhalten.
  • Sich vom Fachmann beraten lassen oder eine kriminalpolizeiliche Beratungsstelle aufsuchen.

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Für weitere Informationen zu unseren Datenschutz-Grundsätzen rufen Sie bitte unsere Datenschutz-Seite auf.

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