Gaunerzinken sind geheime Codes unter Kriminellen, die an Hauswänden, Briefkästen oder Zäunen aufgemalt oder eingeritzt werden. Sie markieren unter anderem, wo sich ein Einbruch lohnt. Wir zeigen Ihnen, was die gängigsten Zinken der Gauner und Gaunerinnen sind, und haben zudem mit einem Ex-Ganoven gesprochen und ihn um Tipps aus erster Hand gebeten. Sollte es zum Ernstfall kommen und Sie werden Opfer eines Einbruchs, hilft die Hausratversicherung. Sie leistet im Schadenfall, wenn etwa gestohlene Sachen ersetzt oder Schäden durch Vandalismus nach einem Einbruch repariert werden müssen.
Gaunerzinken erkennen – Einbruch verhindern
Bedeutung Gaunerzinken: Die geheimen Codes der Kriminellen
Bis heute kommunizieren Kriminelle über spezielle Symbole, sogenannte "Gaunerzinken", die sie an Hauswänden, Briefkästen, Gartenzäunen oder am Gartentor aufmalen oder einritzen. Hier finden Sie ein "Wörterbuch", was die Zinken der Gauner:innen übersetzt bedeuten:
Einbrecherbanden, Betrüger:innen, Bettler:innen und Hausierer:innen sowie Drücker-Kolonnen markieren meist nach einem ersten Ausspähen der Bewohner:innen mit diesen Geheimzeichen Häuser und hinterlassen so Nachrichten an sich selbst oder für ihre Bandenmitglieder.
Eine gezackte Linie bedeutet zum Beispiel "Vorsicht vor dem Hund!", ein umgedrehtes "T" bedeutet, dass im Haus oder der Wohnung eine alleinstehende Person lebt, und ein Gitter aus drei Längs- und zwei Querstrichen verspricht: Einbruch lohnt sich, denn "hier gibt es Geld!"
Moderne Gaunerzinken
Auch die Gaunersprache entwickelt sich weiter. Neben den klassischen Gaunerzinken erfordern neue Codes der Gauner:innen zusätzliche Wachsamkeit. So kann ein aufgeklebter oder aufgemalter kleiner, roter Punkt am Briefkasten unter Umständen einer dieser neuen Zinken sein und bedeuten, dass es hier etwas zu holen gibt.
Mögliche Einbruchsziele werden von Spähtrupps inzwischen auch mit weiteren Methoden markiert, indem beispielsweise Werbeflyer oder Prospekte zwischen Zarge und Haustür geklemmt werden: Wird beobachtet, dass der Flyer dort tagelang feststeckt, da anscheinend niemand nach Hause kam oder das Haus verlassen hat, hat man ein potenzielles Einbruchsziel gefunden. Dasselbe kann ein größerer Stein mitten vor Ihrer Haustüre oder Garage bedeuten: Auch eine Methode, um festzustellen, ob Wohnung oder Haus leerstehen, da die Kriminellen davon ausgehen, dass beim Heimkommen oder Verlassen des Hauses, das Hindernis aus dem Weg geräumt hätte werden müssen. Der Stein kann auch in helles Papier gewickelt sein. Das dient zum einen dazu, dass, wenn der Stein von weiter weg auf das Grundstück geworfen wird, er geräuschloser aufschlägt, und zum anderen dazu, dass er besser zu erkennen ist.
WLAN mit "Warchalking" markieren
Ein weiterer neuer Trend ist außerdem das so genannte "Warchalking". Dabei werden Trotoirs oder Laternenpfähle mit Farb- oder Kreidezeichen (engl. "chalk") markiert, um WLAN-Netze zu kennzeichnen, in die sich eingehackt werden kann. Oft sind sogar noch weitere technische Informationen angegeben, um ein illegales Einwählen in geschlossene WLAN-Netzwerke zu ermöglichen – um etwa an Bank- oder Kreditkartendaten oder an weitere sensible Daten zu kommen.
Hier finden Sie mehr zum Thema Sicherheit im Internet:
Wo sind Gaunerzinken zu finden?
Die Tags der Einbrecher:innen werden meist unauffällig oder etwas versteckt, häufig hier angebracht:
- Hauswand
- Türen und Fenster
- Rollläden
- Eingangsbereich von Mehrfamilienhäusern
- Bordstein
- Laternenmast
- Gartenzaun oder Gartenmauer
- Garagenwand oder -tor
- Briefkasten
An Autos kommen sie eher nicht vor, da die Autos entweder sofort geknackt werden und kein Objekt darstellen, das man ausspähen muss.
Was tun, wenn ich einen Gaunerzinken entdecke?
Wer ein verdächtiges Zeichen – sei es an der eigenen Wohnung, am Haus, auf dem Grundstück oder in der Nachbarschaft – entdeckt, sollte umgehend handeln:
- Polizei kontaktieren: Verständigen Sie sofort die Polizei und erstatten Sie eine Meldung über den entdeckten Fund.
- Beweise sichern: Halten Sie das Zeichen oder den Gegenstand fotografisch fest, bevor weitere Schritte unternommen werden.
- Zeichen beseitigen: Entfernen Sie die Markierung – jedoch erst nach ausdrücklicher Absprache mit den Behörden.
- Umgebung sensibilisieren: Warnen Sie Ihre Nachbarschaft, da Gaunerzinken häufig mehrere Objekte in der näheren Umgebung betreffen.
- Zur eigenen Sicherheit: auf Einbruchschutz zu Hause achten und Fenster und Türen in Abwesenheit immer verschließen oder verriegeln. Ggf. zusätzliche Vorkehrungen treffen, wie Bewegungsmelder oder Alarmanlage installieren.
Denn die richtigen Maßnahmen können gleich doppelt wirken:
Das sagt der Experte: Ex-Ganove Hammed Khamis
Hammed Khamis verübte mehr als 50 Einbrüche in seinem Leben und saß dafür im Gefängnis. Heute referiert er unter anderem an Schulen und Polizeihochschulen über Gewaltprävention, ist Journalist und Buchautor ("Ansichten eines Banditen – Das Schicksal eines Migrantenjungen", "I Am Not Animal") und setzt sich für die Geflüchtetenhilfe ein.
Wir haben ihn als Experten zum Thema Gaunerzinken befragt:
Herr Khamis, man hört immer wieder, dass Komplizen ein Einbruchsobjekt vorher ausspähen und Geheimcodes hinterlassen, sogenannte Gaunerzinken. Was steckt dahinter?
"Ich habe das nie gemacht, aber gehört, dass es Diebesbanden gibt, die Kreidezeichen an der Wohnungstür oder am Gartentor hinterlassen. Das hat aber immer eine Vorgeschichte. Ein Beispiel: Gauner schauen, wo vergilbte Gardinen sind. Dann wissen sie, da wohnen alte Leute. Sie gehen hin, machen einen auf Handwerker. Erzählen was von undichtem Dach, werkeln ein bisschen rum und zocken den alten Leutchen ein paar Hundert Euro und mehr ab. Dabei sehen sie, wo die ihr Geld haben und ob noch größere Mengen an Bargeld vorhanden sind. Sieht es lukrativ aus, kommen sie wieder oder machen Zeichen für ihre Komplizen."