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»Ich leiste mir einfach keinen Wahnsinn«

Interview mit Matthias Schweighöfer

»Ich leiste mir einfach keinen Wahnsinn«

Interview mit Matthias Schweighöfer

Matthias Schweighöfer, einer der ganz Großen seiner Generation. Im Interview mit 1890 spricht er über Verzicht, Wohlstandssymbole und seine Zukunftspläne als Rentner in Kalifornien.

Allianz - trennstrich

Herr Schweighöfer, wären Sie bereit, eine Zeit lang auf alle Annehmlichkeiten zu verzichten und in ein Kloster zu gehen?

Oh nein, damit könnten Sie mich jagen! Ich setze mich gern damit auseinander, Ruhe zu finden. Aber bloß nicht unter Zwang. Das muss ich schon selbst entscheiden und unter Kontrolle haben.

Ihr neuester Film heißt »100 Dinge« und kommt am 6. Dezember in die Kinos. Er handelt von einem Verzichtsexperiment: Zwei Freunde geben vorübergehend alles her, was sie haben. Nur einen Gegenstand pro Tag dürfen sie zurückholen. Sie spielen Toni, der ziemlich früh seine Matratze haben will. Eine gute Wahl?

Ja, das ist klug. Flo (Florian David Fitz, Regisseur, Autor und zweiter Hauptdarsteller) und ich haben monatelang über das Drehbuch diskutiert: Was würdest du nehmen? In welcher Reihenfolge? Und ich muss sagen: Ich würde auch die Matratze nehmen. Noch vor dem Handy.

Warum?

Stellen Sie sich die völlig leere Wohnung vor. Sie sind zwar nicht mehr ganz nackt, aber fertig. Und dann ist da dieser Holzboden. No way! Schlaf ist wichtig. Für den Körper und die Konzentration.

Im Film heißt es, Paul und Toni besäßen je 10 000 Dinge, ihre Eltern hatten 650. Könnten wir mit weniger glücklich sein?

Wenn man seinen Lieblingsmenschen hat, kann das schon reichen. Viel zu besitzen macht nicht unbedingt glücklich.

»Edel ist es, arm zu sein«?

Quatsch! Paul kriegt für diesen Satz im Film eine mit der Bierflasche drüber gezogen. Von einem Obdachlosen. Der findet das nämlich gar nicht cool, unter einer Brücke zu leben. Freiwillig zu verzichten und eine lustige Wette einzugehen, ist etwas anderes, als arm zu sein.

Der Film startet zu einer Zeit, in der viele Menschen gestresst sind, weil sie unbedingt noch mehr Dinge kaufen und verschenken müssen.

Ja, es ist ein guter Weihnachtsfilm. Wenn ich es ehrlich formulieren soll: Weihnachten ist für
mich immer der Endgegner im Jahr. Wir Erwachsene schenken uns gar nichts mehr, nur die Kinder kriegen halt was.

Allianz - Cover 1890 mit Matthias Schweighöfer

Das Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe von 1890. Bei Interesse können Sie das Kundenmagazin der Allianz in einer kostenlosen App-Version für iOS- und Android-Geräte lesen: Einfach bei iTunes oder Google Play nach „1890 Allianz Magazin“ suchen – und 1890 gratis auf Ihr Smartphone oder Tablet laden.

 

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Zu viel Besitz macht nicht glücklich, zu wenig kann richtig schlimm sein – Verzicht ist kein einfaches Thema.

Wenn wir Glück suchen, sind die Dinge, die wir haben, eben nur ein Faktor. Es kommt darauf an, bei sich anzukommen. Was will ich, und was brauche ich dafür?

Sie haben eben Kaffee getrunken. Brauchen Sie den?

Darauf könnte ich verzichten. Wenn’s ums Essen und Trinken geht, bin ich nicht so.

Was wäre härter?

Ich könnte kaum auf ein Auto oder mein Telefon verzichten. Am Set haben alle gemeckert: »Matthias, leg doch mal dein Scheißtelefon weg! Matthias! Aus jetzt!«

Dabei wissen Sie, wie man ohne Handy leben kann.

Ja, ich kenne sogar noch ein Leben ohne Telefon! In der DDR hatten wir eine Weile keins. Ich muss 17 oder 18 gewesen sein, als ich mein erstes Handy hatte. Das Smartphone hat ein großes Suchtpotenzial. Du kannst den ganzen Tag damit verbringen und fühlst dich nie allein.

Was fehlt Ihnen, wenn Sie länger im Ausland sind?

In Los Angeles die Jahreszeiten. Meine Kinder. Sonst nichts.

Nicht mal die guten Berliner Schrippen?

Nein. Und lassen Sie mich nicht zu viel über Amerika reden, ich bin so ein Amerika-Fan, da kriege ich gleich Heulkrämpfe. Es ist wirklich eher andersrum: Ich vermisse Amerika, wenn ich in Deutschland bin.

Dabei gibt es dort noch mehr Weihnachtsstress und Wegwerfsachen als irgendwo sonst auf der Welt.

Das stimmt, Amerika ist super materialistisch, aber was ich an Amerika mag, sind der Horizont, die Weite, die Freiheit. Wenn ich ein Auto habe und ein Handy, ist alles okay. Dann fahre ich durch die Gegend und höre Musik. Und gut, dazu gibt es noch in jedem Laden glutenfreie Sachen, Kaffee und Mandelmilch.

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Sie haben eben von Ihrer Kindheit in der DDR angefangen … mussten Sie ohne Bananen auskommen?

Ich glaube, wir hatten keine. Im Osten mussten wir auf das zurückgreifen, was das Land hergab (lacht). Das Lustige ist: Das tut dem Körper gut, beugt Allergien vor und ist heute total zeitgemäß.

Hatten Sie damals das Gefühl von Mangel?

Nein. Ich hatte auch keine Sehnsucht, eine Rolling-Stones-Platte zu hören. Ich konnte immer ins Theater, weil meine Eltern Schauspieler waren. Das war fantastisch. Meine Kindheit war schön, eine entschleunigte Zeit. Heute ist es ja so, dass die Schule auf einen zukommt: »Würden Sie bitte für Ihre Tochter folgende Apps laden, damit wir ihr Smartphone mit dem Projektor verbinden können?« Wir hatten Folien. Und einen Sandkasten. Wie meine zwei Kinder mit Technik umgehen, ist Wahnsinn.

Schauspieler sind stärker von Ihrem Aussehen abhängig als Menschen mit anderen Berufen. Haben Sie Angst vor dem Altwerden?

Da mache ich mir keinen Kopf. Ich bin ja lange nicht mehr der 25-jährige Super-Adonis, sondern in drei Jahren 40. Und ich habe zwei Kinder, schlafe zu wenig, habe Stress, Bandscheibenprobleme und kriege Falten. Trotzdem mache ich nicht eine Gesichtskur nach der anderen. Wahrscheinlich verliere ich irgendwann Haare. Aber so ist das Leben. Und zum Glück habe ich einen Beruf, in dem ich mich immer verwandeln muss und in dem es darauf ankommt, was man spielen kann.

Als Mann haben Sie es da leichter: Laut Statistiken werden ältere Schauspielerinnen kaum noch engagiert.

Stimmt, das ist erschütternd. Es wäre leicht, das Alter einer Frau für interessante Rollen zu nutzen. Es müsste genauso viele davon geben wie für ältere Männer.

Allianz - Kinofilm Plakat 100 Dinge

Das große Verzichts-Experiment: Am 6. Dezember startet der neue Kinofilm mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz.

Wissen

Viele Jahre mehr

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Lang lebe der Mensch! Wir werden immer älter. Ende des 19. Jahrhunderts lag die durch­schnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei rund 40 Jahren – vor allem wegen der hohen Kindersterblichkeit. Ein heute 60-Jähriger hat jedoch schon eine Lebenserwartung von 85,7 Jahren. Ist er erst einmal 80, liegt die Lebenserwartung bei 90,4 Jahren. Wie die aktuelle Prognose für Sie persönlich aussieht, lässt sich online mit dem Allianz Lebenserwartungs­rechner ermitteln.

Sie sind einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler und Produzenten, mögen Autos und haben finanziell Spielräume: Warum verzichten Sie, sagen wir, auf einen Ferrari?

In Berlin mit einem Ferrari aufkreuzen? Da machen mich doch alle fertig. Und ein Kratzer kostet unfassbar viel Geld. Ich brauche solche Wohlstandssymbole nicht.

Was war das Verrückteste, für das Sie je Geld ausgegeben haben?

Ich investiere nicht in Schmuck, Ketten oder so was. Thema Sonnenbrille: Man kauft sie – und verliert sie. Wenn die dann 1900 Euro gekostet hat, ist das doch Mist. Das einzig wirklich Luxuriöse, was ich mal gemacht habe: draußen auf unserem Hof einen Pool bauen lassen. Aber erst nach zwölf Jahren, weil ich mit meinen Kindern nicht mehr so einfach ins Freibad gehen kann. Da werde ich zu oft erkannt, was dann für die Kids nicht so cool ist. Sie sollten die Nummer eins sein.

Ein Pool ist aber nicht unvernünftig. Eher eine solide Immobilieninvestition.

Ich leiste mir einfach keinen Wahnsinn. Ich schätze mich glücklich, weil ich gutes Geld verdiene und meine Familie für die Zukunft einigermaßen safe ist. Das liegt an meiner Prägung. Und vielleicht auch daran, dass ich nicht von null auf hundert in die Stratosphäre geschossen wurde, sondern wirklich seit 22 Jahren hart arbeite.

Besitzen Sie Dinge, die in Euro kaum etwas wert sind, aber Ihnen viel bedeuten?

Lavendelkissen vielleicht. Da ist es aber vor allem der Duft, an dem ich hänge. Er erinnert
mich an früher, an die Urlaube mit meinem Vater in Südfrankreich und Portugal. Ich mag Dinge nicht unbedingt behalten. Denn ich weiß, dass sie schnell weg sein können und ich dann mit einem traurigen Gefühl zu tun habe. Reisen, Fahren mit Musik bei offenem Fenster – das sind meine Wertsachen.

Wie stellen Sie sich Ihre Rente vor?

Jachten, Miami, Los Angeles, eine junge Freundin, Camp-David-Klamotten … (lacht). Nein, im Ernst: Ich stelle mir vor, dass ich in Amerika lebe und ein guter, alter Regisseur werde. Also am liebsten, dass es gar keine Rente gibt.

Zahl

248 Milliarden

Gemeinsam stark. Die Allianz Lebensversicherung legt derzeit rund 248 Milliarden Euro für ihre Kunden an. Von dieser Stärke profitieren sie, weil ein großer Anleger weltweit bessere Konditionen bekommt und mehr Know-how hat als ein einzelner. Das Sicherungsvermögen der Allianz sorgt zudem dafür, dass Garantien auch in Zeiten niedriger Zinsen zuverlässig erfüllt werden. Außerdem nutzt die Allianz ihre Finanzkraft, um in zukunftssichere und nachhaltige Anlagen zu investieren. Aus der Allianz Gruppe flossen seit 2005 mehr als 5,8 Milliarden Euro in erneuerbare Energien.

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