- Gaunerzinken sind geheime Codes auf Hauswänden, Briefkästen und Zäunen. Sie zeigen wo sich ein Einbruch lohnt.
- Wer Opfer von Einbrechern oder Einbrecherinnen geworden ist, dem hilft die Hausratversicherung weiter. Sie gleicht die finanziellen Schäden durch Diebstahl aus.
- Die Polizei gibt außerdem Tipps, wie Sie Ihr Zuhause schützen können.
Über Gaunerzinken und wie Sie sich vor Einbruch schützen
Was sind Gaunerzinken?
Das bedeuten die geheimen Codes der Einbrecher:innen
Auch heute werden Gaunerzinken immer noch zur Kommunikation genutzt. Einbrecherbanden, Betrüger:innen, Bettler:innen und Hausierer:innen sowie Drücker-Kolonnen markieren mit dieser "Geheimsprache" Häuser und hinterlassen so Nachrichten für ihre Nachfolger:innen. Die Gaunerzinken bedeuten zum Beispiel "Achtung, bissiger Hund", "Fromm tun lohnt sich" oder "Frau mit weichem Herzen". Vier runde Kreise, angeordnet wie bei der Zahl Vier wie auf einem Würfel, versprechen: "Fette Beute – Einbruch lohnt sich!" Ein Dreieck ist das Gaunerzeichen für eine alleinstehende Frau im Haus.
Wo sind Gaunerzinken zu finden?
Die kleinen Geheimzeichen werden meist unauffällig an der Hauswand oder am Gartenzaun angebracht. Aber auch auf Garagenwänden oder Briefkästen. Wer ein verdächtiges Zeichen auf seinem Haus oder Grundstück entdeckt, sollte die Polizei rufen, seine Nachbarn und Nachbarinnen informieren und in den kommenden Tagen und Wochen sehr aufmerksam sein. Das gleiche gilt, wenn Sie eingeklemmt in Ihre Wohnungstür seltsame Plastikstreifen oder Werbeflyer finden. Denn dann hat ein Einbrecher oder eine Einbrecherin die Tür markiert, um zu überprüfen, ob sie regelmäßig geöffnet wird oder ob die Bewohner:innen vielleicht zurzeit im Urlaub sind.
Was Sie sonst noch tun können, um Ihr Haus oder Ihre Wohnung vor Einbrechern und Einbrecherinnen zu schützen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema Einbruchschutz.
Moderne Gaunerzinken
Ein neuer Trend ist außerdem das so genannte "Warchalking". Dabei werden Straßenpflaster oder Laternenpfähle mit Farb- oder Kreidezeichen (engl. "chalk") markiert, um WLAN-Empfang zu kennzeichnen. Oft sind sogar die nötigen technischen Informationen angegeben, um ein Einwählen in geschlossene WLAN-Netzwerke zu ermöglichen. Vermeiden Sie die Verwendung von zwielichtigen WLAN-Informationen, sonst könnten Sie Opfer von Phishing-Mails oder Trojanern werden.
Gaunerzinken am Auto sind eher selten. Da in Autos selten Wertgegenstände aufbewahrt werden, werden die Autos entweder sofort geknackt oder stellen kein Diebesobjekt dar.
Elf goldene Regeln für ein sicheres Zuhause
- Haus- und Wohnungstür immer abschließen, auch tagsüber, wenn Sie zu Hause sind.
- Auf Fremde im Haus, auf dem Grundstück oder auch beim Nachbarn oder der Nachbarin ein Auge haben, gegebenenfalls ansprechen.
- Auf merkwürdige Zeichen an Haus- oder Gartentür achten. Hierbei kann es sich um so genannte Gaunerzinken handeln.
- Fenster sowie Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit verschließen. Gekippte Fenster und Türen sind eine Einladung.
- Haus- und Wohnungsschlüssel nicht außerhalb der Wohnung verstecken. Matte, Blumentopf, Stein – Einbrecher:innen kennen jedes Versteck.
- Geldbeutel und Autoschlüssel nicht in der Diele griffbereit aufbewahren.
- In Sicherheitstechnik investieren: Fenster und Türen mindestens mit Widerstandsklasse RC-2 einbauen bzw. nachrüsten (z. B. umlaufende Pilzkopfzapfen, Panzerquerriegel bei Türen).
- Außenbereich durch Bewegungsmelder erhellen. Kletterhilfen zu den oberen Etagen beseitigen.
- Bei längerer Abwesenheit dafür sorgen, dass die Wohnung einen bewohnten Eindruck macht, z. B. durch Zeitschaltuhren. Nachbarn oder Nachbarinnen und Freunde oder Freundinnen bitten, den Briefkasten zu leeren.
- Polizei informieren, sobald etwas verdächtig vorkommt. Niemals versuchen, Einbrecher:innen festzuhalten.
- Lassen Sie sich vom Fachmann oder von der Fachfrau beraten oder suchen Sie eine kriminalpolizeiliche Beratungsstelle auf.
Was ist der Unterschied zwischen Einbruch, Diebstahl und Raub?
Interview mit Hammed Khamis
Herr Khamis, Sie wissen, wie eingebrochen wird. Ihr Appartement in Berlin ist also eine unüberwindbare Trutzburg, in der alles Wertvolle clever versteckt ist?
Nein, gar nicht (lacht). Bei mir haben sie sogar schon eingebrochen.
Erzählen Sie, was passiert ist.
Im Frühjahr 2013 war ich auf Lesereise zu meinem neuen Buch "Ansichten eines Banditen" in Deutschland unterwegs. Als ich zurückgekommen bin, war die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt. Uhren, elektrische Zahnbürsten, Messerset, Sonnenbrillen, Klamotten – alles, was man nur irgendwie zu Geld machen kann, haben die mitgenommen.
Wie sind die Diebe oder Diebinnen reingekommen?
Um ehrlich zu sein, das ist bis heute nicht ganz geklärt. Das Verrückte war, die Tür war gar nicht gewaltsam aufgebrochen. Ich denke, da hat einer den Schließdienst-Trick angewendet. Mit gefälschten Papieren und einem getürkten Mietvertrag, hat er sich als Hammed Khamis ausgegeben und behauptet, er hätte den Wohnungsschlüssel verloren. Du zahlst, die schließen auf, und schon bist Du drin. Wenn einer unbedingt rein will, findet er immer einen Weg.
Heißt das, Einbruchschutz bringt nichts?
Wenn einer ein festes Ziel hat, weil er unbedingt an den Hundertwasser oder die Juwelen will, von denen er weiß, dann macht er einen Plan und findet einen Weg - und wenn er über den Kamin einsteigt. O. k., bei den Gelegenheitsdieben sieht das anders aus. Die sind mit einem Schraubenzieher oder einem stählernen Kuhfuß unterwegs und warten auf die nächstbeste Gelegenheit. Dann wird schnell mal eine Terrassentür oder ein Fenster aufgehebelt. Bei mir durfte das nicht länger als eine halbe Minute dauern. Insofern ist Sicherheitstechnik schon sinnvoll.
Hatten Sie denn einen Hundertwasser oder Rolex-Uhren zu Hause?
Schön wär's. Nein, bei mir ist nichts mehr zu holen.
Das sagen viele und sind überrascht, wenn es dann doch passiert. Handy, Laptop, ein wenig Bargeld und Schmuck sind so gut wie bei jedem zu holen.
Stimmt auch wieder. Zum Glück hatte ich meinen Laptop auf der Lesereise dabei. Wenn ich mir vorstelle, die hätten den geklaut. Oh, Mann. Das hätte mich echt wütend gemacht. Da ist die Arbeit von zwei Jahren drauf, die Manuskripte für zwei weitere Bücher. Die normalen Sachen wie Klamotten oder Fernseher werden ja von der Hausratversicherung ersetzt. Das ist dann nicht so schlimm.
Wo soll man denn dann die Wertsachen verstecken?
Wirklich sicher ist nur das Schließfach in der Bank. Aber klar, Schmuck und Geld will man natürlich bei sich haben, zumindest was man so braucht. Ich rate immer, mit Fantasie vorzugehen. Eine verborgene Holzleiste, ein doppelter Boden in einem Schrankfach. Auf jeden Fall sollte man ein Versteck suchen, das nicht jeder auf den ersten Blick erkennt.
Immer öfter hört man, dass Komplizen das Tatobjekt vorher ausspähen und Geheimcodes hinterlassen, sogenannte Gaunerzinken. Was steckt dahinter?
Ich habe das nie gemacht, aber gehört, dass es Diebesbanden gibt, die Kreidezeichen an der Wohnungstür oder am Gartentor hinterlassen. Das hat aber immer eine Vorgeschichte. Ein Beispiel: Gauner schauen, wo vergilbte Gardinen sind. Dann wissen sie, da wohnen alte Leute. Sie gehen hin, machen einen auf Handwerker. Erzählen was von undichtem Dach, werkeln ein bisschen rum und zocken den alten Leutchen ein paar Hundert Euro und mehr ab. Dabei sehen sie, wo die ihr Geld haben und ob noch größere Mengen an Bargeld vorhanden sind. Sieht es lukrativ aus, kommen sie wieder oder machen Zeichen für Ihre Komplizen.
Eine letzte Frage: Haben Sie aus dem Einbruch bei Ihnen zu Hause etwas gelernt?
Ja, eine ganze Menge, auch zur Hausratversicherung. Am besten klärt man vorher ab, ob sie auch zahlt, wenn nicht gewaltsam aufgebrochen wird. Dass das nicht selbstverständlich ist, musste ich bei meinem Einbruch erst lernen.
Interview: Miranda Tiepermann
Hammed Khamis: Ansichten eines Banditen
Hammed Khamis verübte mehr als 50 Einbrüche in seinem Leben. Längst bereut er es und will heute der Gesellschaft etwas zurückgeben. Sein Ziel ist, die Jugendlichen fürs Leben zu stärken, um sie vor Erfahrungen zu schützen, die er selbst machen musste. Khamis referiert an Schulen und Polizeihochschulen über Gewaltprävention und hat sich in TV-Talkrunden einen Namen gemacht.
Was war passiert, dass ein wohlbehüteter Junge, der aufs Gymnasium geht, auf der schiefen Bahn landet? Wie war das, plötzlich ein "Ganove" zu sein? Und wie hat er 2006 den Sprung zurück auf die richtige Seite geschafft? Unser Interviewpartner Hammed Khamis gibt in seinem Buch "Ansichten eines Banditen – Das Schicksal eines Migrantenjungen" (erhältlich online sowie im stationären Buchhandel) ergreifende und sehr persönliche Einblicke in sein Leben. Der Bucherlös fließt in seine Berliner Integrationsschule.