Berliner Testament
Was ist ein Berliner Testament?
"Klassisches" Berliner Testament: Einheitslösung (Vollerbenregelung)
Trennungslösung (Vorerbschaftslösung)
Die Vorerbschaftslösung (auch Trennungslösung) ist eine Ausgestaltung des Berliner Testaments. Dabei wird der überlebende Partner als sogenannter Vorerbe eingesetzt und die Kinder als sogenannte Nacherben (§§ 2100 - 2146 BGB). Das soll verhindern, dass zum Beispiel der Partner das Haus verkauft und sicherzustellen, dass es die Kinder es später tatsächlich auch noch erben werden. Durch die Bestimmung dieser Erbkette fällt das Erbe zwar an den überlebenden Partner (Vorerbe), gleichzeitig haben aber auch schon die Kinder (Nacherben) einen späteren Anspruch auf das Erbe (Schutzrecht). Der überlebende Partner wird zu einer Art "Verwalter auf Zeit", der das Erbe nur beschränkt nutzen darf (Verfügungsbeschränkung nach § 2113 BGB) und verpflichtet ist, es für die Nacherben zu bewahren. So darf der Vorerbe zum Beispiel eine Immobilie nicht ohne Zustimmung der Nacherben verkaufen. Ausgestaltungen des Berliner Testaments mit einer strengen Vor- und Nacherbenregelung werden selten auch als "Hamburger Testament" bezeichnet.
Was sind Nachteile des Berliner Testaments?
Nachteil: Pflichtteil kann Haus gefährden
Berliner Testament mit Pflichtteilsstrafklausel
Nachteil: Erbschaftssteuer muss doppelt bezahlt werden.
Sylter Testament
Steuerbelastung vermieden: Sylter Testament & Schenkung zu Lebzeiten
Beispiel: Ein Ehepaar hat ein Haus im Wert von 1 Million Euro und eine Tochter. Der Vater schenkt der Mutter einen Anteil am Haus von 50 % (das entspricht dem Schenkungsfreibetrag von 500.000 Euro, Stand 2025). Später schenken beide Eltern der Tochter jeweils einen Anteil am Haus von 40 % (das entspricht jeweils dem Freibetrag von 400.000 Euro, Stand 2025). Die Eltern besitzen jetzt noch einen Anteil von 20 % am Haus (200.000 Euro), den sie beim Tod eines Partners direkt an das Kind vererben. Der Anteil liegt unter dem Freibetrag für Erbschaften. Das Haus wurde steuerfrei in der Familie weitergegeben.
Welche Vorteile hat das Berliner Testament?
Was bedeutet das Berliner Testament für die Kinder?
Pflichtteil Berliner Testament
Vereinfachtes Beispiel: Ein Paar hat zwei Kinder und ein Vermögen von 400.000 Euro. Die Eltern haben keinen Ehevertrag (Zugewinngemeinschaft). Pflichtteile mit einem Berliner Testament beim Tod des ersten Elternteils: Ehepartner: 1/4 (100.000 Euro), Kind 1: 1/8 (50.000 Euro), Kind 2: 1/8 (50.000 Euro). Pflichtteile mit einem Berliner Testament beim Tod des zweiten Elternteils: Kind 1: 1/4 (100.000 Euro), Kind 2: 1/4 (100.000 Euro). Gibt es eine Pflichtteilsstrafklausel wird ein Kind, dass seinen Pflichtteil einfordert deutlich weniger erben als ein Kind das auf sein Erbe wartet.
Form: Wie schreibt man ein Berliner Testament?
Für das Berliner Testament gelten alle formalen Anforderungen, die auch für ein Einzeltestament gelten mit dem Zusatz, dass es gemeinsam errichtet wurde und auch nur gemeinschaftlich geändert oder aufgehoben werden kann. Ein Berliner Testament ist ohne Notar gültig, wenn es handschriftlich verfasst (§ 2247 BGB) und von beiden Partnern mit Ort und Datum unterschrieben wurde. Es genügt, wenn ein Partner das Testament handschriftlich schreibt und der andere es zum Beispiel mit der Formulierung "Das ist auch mein Wille." unterzeichnet. Eine klare Überschrift, die sofort erkennen lässt, dass es sich um ein gemeinschaftliches Ehegattentestament handelt, ist hilfreich, zum Beispiel "Unser gemeinsames Testament", "Berliner Testament" oder "Gemeinschaftliches Ehegattentestament". Nur Eheleute, oder eingetragene Lebenspartner dürfen ein gemeinsames Testament schreiben.
Änderung & Widerruf: Kann man ein Berliner Testament ändern?
Ein gemeinschaftliches Testament, zum Beispiel ein Berliner Testament, kann von beiden Ehepartnern gemeinschaftlich jederzeit geändert werden. Beide Partner setzen zum Beispiel ein neues Testament auf, dann gilt dieses aktuellere Testament. Ist das Testament zum Beispiel schon beim Amtsgericht hinterlegt, können beide Partner es wieder entnehmen und ein neues hinterlegen. Sind beide Ehepartner noch am Leben, kann ein Ehegattentestament auch einseitig widerrufen werden. Der Widerruf muss notariell beglaubigt und dem Ehepartner schriftlich zugestellt werden (§ 2271 BGB).
Bindungswirkung: Was darf der überlebende Ehepartner?
Ist ein Ehepartner verstorben, ist ein gemeinschaftliches Testament, zum Beispiel ein Berliner Testament, für den überlebenden Ehepartner bindend (§ 2271 BGB) und kann nicht mehr geändert werden. Über einen Änderungsvorbehalt kann diese Bindungswirkung für den überlebenden Partner aufgehoben werden.
Änderungsvorbehalt Berliner Testament
Wiederverheiratungsklausel Berliner Testament
Berliner Testament Scheidung
Mit der Scheidung und schon, wenn die Voraussetzungen für eine Scheidung vorliegen, sind Verfügungen zugunsten oder zum Nachteil des Ex-Partners nicht mehr bindend (§ 2077 BGB). Das gilt sowohl für Einzeltestamente als auch für gemeinschaftliche Testamente. Ein gemeinschaftliches Testament, zum Beispiel ein Berliner Testament, wird darüber hinaus mit der Scheidung in seiner Gesamtheit unwirksam (§ 2077 BGB). Das bedeutet, dass das ganze Testament mit allen Regelungen seine Gültigkeit verliert. Ausgenommen davon sind nur Bestimmungen, aus denen klar hervorgeht, dass sie auch nach einer Scheidung weiterhin gelten sollen.
Was ist ein gemeinschaftliches Testament?
Regeln Ehepartner ihren Nachlass gemeinsam in einem Testament, so spricht man von einem gemeinschaftlichen Testament oder Ehegattentestament (§§ 2265–2272 BGB). Ein gemeinschaftliches Testament kann nur von Ehepartnern oder eingetragenen Lebenspartnern errichtet werden. Ist ein Ehepartner verstorben, ist ein gemeinschaftliches Testament für den überlebenden Ehepartner bindend und kann nicht mehr geändert werden. Die bekannteste Form des gemeinschaftlichen Testaments ist das Berliner Testament.
Wer kann ein gemeinschaftliches Testament errichten?
Gemeinschaftliches Testament (Berliner Testament) beide verstorben
Für den traurigen Fall, dass beide Partner des gemeinschaftlichen Testaments gleichzeitig versterben, gilt bei einem Berliner Testament, je nach Ausgestaltung, dann die Schlusserben- oder Nacherbenregelung. Das heißt, die Kinder erben. Enthält ein gemeinschaftliches Testament keine solche Regelung und beide Partner sterben, gilt wieder die gesetzliche Erbfolge. Gibt es Kinder, erben auch dann die Kinder. Wurden Nacherben oder Schlusserben nicht ausdrücklich bestimmt, gibt es aber Hinweise darauf, dass die Ehepartner Schlusserben bestimmen wollten, könnte ein Gericht das Testament zugunsten der Kinder auslegen (§ 2084 BGB).
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