Was ist erlaubt?

Urlaub trotz Krankschreibung

Kurz erklärt in 30 Sekunden
So verhalten Sie sich richtig 
  • Sogar die Wissenschaft kennt das Phänomen: Dass man ausgerechnet dann kränkelt, wenn man raus ist aus dem Job-Alltag und Freizeit oder Urlaub anstehen. „Leisure Sickness“ heißt das Ärgernis bei Medizinern, „Freizeit-Erkrankung“.
  • Aber wie ist das eigentlich: Ob man krankgeschrieben in den Urlaub fahren kann, erklärt Jochen Grünhagen, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus der Münchner Kanzlei Melcher Grünhagen.
  • Fest steht: Wer krankgeschrieben ist, muss nicht automatisch zu Hause bleiben. „Man muss sich lediglich so verhalten, dass man möglichst bald wieder gesund wird - die Krankheit sich also nicht verschlimmert oder verlängert", so Grünhagen. Dieses Prinzip gilt auch für den Urlaub.
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Das ist die Gesetzeslage
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1. Urlaub dient der Genesung: Kein Verstoß

Falls Sie sich für Urlaub trotz Krankschreibung entscheiden, sollte also der Erholungszweck im Vordergrund stehen. Schließlich hilft Urlaub in manchen Fällen erwiesenermaßen, Krankheiten zu lindern. „Wenn Sie etwa eine Atemwegserkrankung haben, kann es sinnvoll sein, in die Berge oder ans Meer zu fahren. Dann ist der Urlaub auch kein Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten“, erklärt der Münchner Fachanwalt. Auch bei einer psychischen Erkrankung wie einer Depression kann ein Urlaub der Gesundheit dienen und die Luftveränderung unter Umständen helfen. Grundsätzlich muss man seinem Arbeitgeber nicht mitteilen, wenn man während eines Urlaubs den Wohnort verlässt. Für den Notfall sollte es ihm aber möglich sein, Sie zu erreichen.

2. Urlaub hindert die Genesung: Kündigung möglich

Wenn hingegen der Urlaub Ihrer Genesung entgegenstehen könnte, müssen Sie ihn absagen. Sonst kann es, falls Ihr Chef davon erfährt, weitreichende Folgen haben. „Wie so oft kommt es hier auf den Einzelfall an“, weiß Fachanwalt Grünhagen. Angenommen, Sie fahren mit einer akuten Grippe zum Snowboarden, ist es eigentlich klar, dass Sie sich nicht schonen und Ihre Krankheit auskurieren. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen Kurzurlaub in der Umgebung handelt oder eine langfristig geplante Urlaubsreise ins Ausland. Ein solches Verhalten kann Grund zur Abmahnung oder sogar – bei Wiederholung oder in gravierenden Fällen – zur fristlosen Kündigung sein. Dies gilt für alle Berufsgruppen  – ganz gleich, ob Beamter oder Handwerker.

Noch klarer ist der Fall, wenn Sie eine Krankheit simulieren, um in den Urlaub zu fahren. Dies ist nicht nur ein Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten, sondern sogar strafbar, weil dem Arbeitgeber die Voraussetzungen für Entgeltfortzahlung, also Lohn ohne Arbeit, vorgetäuscht werden. „Es liegt dann Betrug vor, was regelmäßig eine fristlose Kündigung rechtfertigen kann“, warnt der Experte für Arbeitsrecht.

Falls Ihr Arbeitgeber Ihnen Fehlverhalten beim Thema Urlaub vorwirft, kann Ihnen eine Rechtsschutzversicherung helfen. Wichtig ist, dass Sie diese nicht erst dann abschließen, wenn eine Abmahnung oder Kündigung bereits im Raum steht. Sie muss vorher gelten.

Ihre Rechte und Pflichten
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Ist es möglich, den Urlaub später nachzuholen?

Sie erkranken erst, wenn Sie sich schon im Urlaub befinden. „Der Urlaub dient der Erholung, diese setzt in der Regel nicht ein, wenn Sie krank sind“, erklärt der Münchner Anwalt für Arbeitsrecht. „Werden Sie während Ihres Urlaubs krank oder verletzen Sie sich, können Sie ihn später nachholen.“ Die Anzahl der Tage, die Sie krank sind, werden nach § 9 des Bundesurlaubsgesetzes nicht von Ihrem Jahresurlaub abgezogen und Sie können Ihren Urlaub nachholen, wenn Sie wieder gesund sind.

Wichtig: Attest vom Arzt

Wichtig ist dafür allerdings, dass Sie sich die Krankheit mit einer Arbeitsunfähigkeits­bescheinigung bescheinigen lassen, also auch, wenn Sie sich im Ausland befinden, zum Arzt gehen. Eine Diagnose oder Mitteilung erst nach der Rückkehr reicht nicht aus. Laut Entgeltfortzahlungsgesetz (§ 5 Abs. 2) müssen Sie Ihren Arbeitgeber umgehend informieren und ihm auch Ihre Urlaubsadresse nennen. Der Gesetzgeber hat diese zusätzlichen Pflichten bei Erkrankungen im Ausland aufgenommen, da Unternehmen hier regelmäßig keine Möglichkeit haben, die Angaben des Arbeitnehmers nachzuprüfen und weil verstärkter Missbrauch befürchtet wurde.

In jedem Falle ist es zu empfehlen, bei einer Auslandsreise nicht auf eine Reisekrankenversicherung zu verzichten. Diese deckt die Mehrkosten ab, die die gesetzliche Krankenversicherung im Ausland nicht übernimmt.

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Gut zu wissen
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Wenn Sie Ihre Reisepläne tatsächlich krankheitsbedingt canceln müssen, kann sich die Frage stellen, wer für die Kosten aufkommt. Die Rechtslage hier sei klar, sagt Grünhagen: Das ist Aufgabe des Betroffenen, der Arbeitgeber muss hier nicht einspringen. Damit Sie nicht selbst auf den Kosten sitzenbleiben, ist es ratsam, rechtzeitig eine Reiserücktrittsversicherung  abzuschließen.
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Schutz vor zusätzlichen Kosten
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Krankheit und Urlaub – das Thema ist auch aus Versicherungssicht relevant. Hier ein Kurzüberblick:

  • Eine Reiserücktrittsversicherung übernimmt die Kosten, wenn Sie – etwa aus Krankheitsgründen – einen Urlaub nicht antreten können. Nach Antritt der Reise aber greift sie nicht mehr. Dann braucht es eine Reiseabbruch-Versicherung. Sie springt ein, wenn Sie aufgrund einer unterwegs auftretenden schweren Erkrankung Ihre Reise nicht fortsetzen können. Wichtig zu wissen: Wenn man die Reise bereits krank angetreten hat, dann ist eine Verschlechterung der Erkrankung im Rahmen der Reiseabbruch-Versicherung nicht versichert.
  • Die Reisekrankenversicherung schützt Sie auf Auslandsreisen vor unvorhersehbaren Behandlungskosten. Sie springt dann ein, wenn eine Erkrankung „akut“ auftritt. Auch chronische Leiden, die im Urlaub plötzlich wieder auftreten, sind versichert – wenn denn eine direkte Behandlung notwendig ist. Falls Sie aber vor Urlaubsantritt bereits krank waren und nun auf Reisen weitere Nach- oder Kontrolluntersuchungen fällig werden, zahlt eine Reise-Krankenversicherung nicht.
Tipp für Allianz-Kunden
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Sollten Sie vor Reiseantritt krank werden, empfehlen wir, grundsätzlich unsere Stornoberatung anzusprechen. Sie kann Ihnen sagen, ob aus medizinischer Sicht von der Reise abzuraten ist. Patienten mit akuten oder chronischen Erkrankungen sollten zudem, bevor sie eine größere Reise buchen, mit dem Hausarzt sprechen, ob er Bedenken hat. Im Idealfall bestätigt er Ihnen sogar schriftlich, dass er keine Behandlungsbedürftigkeit vor oder während der Reise erwartet.
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