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Krankgeschrieben, was darf ich tun

Rechtsfrage: Trotz Krankschreibung auf den Weihnachtsmarkt?

Allianz - Rechtsfrage Weihnachtsmarkt

Sie sind zwar krankgeschrieben, aber haben sich schon lange mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt verabredet – dürfen Sie hingehen? Was, wenn der Chef Sie dort sieht? Drohen dann Rechtsstreit, Abmahnung oder Kündigung?

Viele Fragen! Wir haben uns informiert bei Oliver Kieferle, Fachanwalt für Arbeitsrecht, von der Kanzlei Wolff Schultze Kieferle.

Zunächst die schlechte Nachricht. Im schlimmsten Fall droht tatsächlich eine Kündigung... Umso wichtiger, dass Sie ein paar Do’s und Dont’s beachten.

Die wichtigste Faustregel lautet: Alles, was Ihre Genesung nicht beeinträchtigt, ist während einer Krankschreibung erlaubt. Als Arbeitnehmer müssen Sie sich also so verhalten, dass Sie möglichst bald wieder einsatzfähig sind – das gilt mit Blick auf Weihnachtsmarktbesuche genauso wie für Sport oder andere Aktivitäten. „Juristisch spricht man davon, dass man sich während der Krankschreibung nicht genesungswidrig verhalten darf“, sagt Kieferle.

Krankgeschrieben: Was darf ich tun?

Hat Ihr Arzt also strikte Bettruhe verordnet, ist der Fall klar. Jedoch ist das bei den meisten Krankheiten nicht der Fall. Ein Abstecher zum Supermarkt oder ein Spaziergang sind fast in jedem Fall möglich. Bei Freizeitaktivitäten wie dem Besuch des Weihnachtsmarktes gilt es schon eher abzuwägen. „Eine feste Regel gibt es hier aber nicht. Das ist immer eine Einzelfall-Entscheidung“, sagt Kieferle. Das beginne schon beim Auftreten am Glühweinstand: „Es macht ja einen Unterschied, ob jemand dort im T-Shirt steht und sechs Glühwein mit Schuss trinkt, oder ob er dick eingemummelt an einer einzigen Tasse Kinderpunsch nippt.“

Ob ein Besuch des Weihnachtsmarktes als genesungswidriges Verhalten angesehen werden kann, hängt auch von der Art der Krankheit ab: Bei einem gebrochenen Arm könnte man das verneinen, bei einer schweren Erkältung sieht das schon anders aus. In Betracht ziehen müsse man zudem den tatsächlichen Status der Gesundung: „Wenn ich am letzten Abend einer fünftägigen Krankschreibung auf den Weihnachtsmarkt gehe und am nächsten Morgen wieder ins Büro komme, dann war der Besuch wohl kaum mehr genesungswidrig“, sagt Kieferle.

Für eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung reicht ein genesungswidriges Verhalten in aller Regel aber ohnehin nicht aus, erklärt der Anwalt. „Man müsste schon krass genesungswidrig handeln, damit eine Kündigung in Betracht käme: etwa, wenn man wegen eines Bandscheibenvorfalls arbeitsunfähig krankgeschrieben ist, dann aber Bungee springen geht.“

Wann sofort die Kündigung droht

In einem solchen Fall setzt man sich als Arbeitnehmer aber auch noch einem ganz anderen Vorwurf aus, nämlich dass die Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht wurde. „Sofern sich das bewahrheiten sollte, braucht es vor einer Kündigung auch keine vorige Abmahnung“, sagt Kieferle. Auch wenn viele Arbeitnehmer es so sehen sollten: „Blau machen“ ist kein Kavaliersdelikt!

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sprechen Sie vor besonderen Freizeitaktivitäten mit Ihrem Arzt und lassen sich schriftlich bescheinigen, was Sie trotz Krankschreibung tun dürfen, was also nicht genesungswidrig ist.

Sollte es trotzdem Ärger mit Ihrem Arbeitgeber geben, können Sie sich als Kunde bei der Allianz Rechtsschutzversicherung an unser Rechtsschutz-Service-Telefon wenden: Sie bekommen Fach-Anwälte vermittelt und erhalten bei Problemen kompetenten Rat.

Und als Tipp zum Schluss – ganz unjuristisch und mit Blick aufs Büroklima: Denken Sie auch an Ihre Kollegen! Derjenige, der tagsüber Ihre Arbeiten erledigen musste, freut sich bestimmt nicht, Sie abends beim Schnapstrinken auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen.

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