- Unter dem lateinischen Begriff Osteochondrose (OC) beziehungsweise Osteochondrosis dissecans (OCD) versteht man eine Gelenkerkrankung des heranwachsenden Pferdes im Zuge der Skelettentwicklung.
- Zum Krankheitsbild der OCD gehören die sogenannten Chips. Das sind abgesplitterte Knorpelteilchen, die sich frei im Gelenk bewegen und beim Pferd zu Schmerzen, Schwellungen, Knorpelschäden und sogar Lahmheit führen können.
- Gelenk-Chips lassen sich nur durch eine Arthroskopie unter Vollnarkose operativ entfernen.
- Obwohl die Krankheit vererbt wird, lässt sich das OCD-Risiko durch eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung verringern.
Chip / OCD beim Pferd: Das sollten Sie wissen
Chip / OCD beim Pferd: Auf den Punkt gebracht
Was ist OCD und wie entsteht ein Gelenkchip beim Pferd?
Liegt eine solche Störung vor, können sich winzige Knorpelschuppen durch Mikrofrakturen vom Knorpel ablösen. Im Laufe der Zeit verkalken diese und entwickeln sich zu kleinen Knorpel-Knochen-Stücken oder -Splittern – den sogenannten Chips oder Gelenk-Chips. Diese Gelenksplitter verharren entweder unbeweglich an einer Stelle oder beginnen durch das Gelenk zu „wandern“. Sie schwimmen dann sozusagen frei in der Gelenkhöhle und werden in diesem Fall auch als Gelenkmaus bezeichnet.
Losgelöste Chips, die sich frei im Gelenk bewegen, können je nach Größe und Lage die normale Beweglichkeit des Gelenks beeinträchtigen, starke Schmerzen auslösen und sogar zu einer Gelenksperre führen. In diesem Stadium spricht man dann von Osteochondrosis dissecans (OCD).
Neben der genetischen Veranlagung zu OCD haben die Ernährung, die Haltung und die Bewegung Einfluss auf das Knorpelwachstum und somit auf die Entstehung von OC bei Pferden.
Wann tritt Osteochondrose beim Pferd auf?
An welchen Gelenken des Pferdes kommen OCD Chips am häufigsten vor?
Diese Pferde sind besonders anfällig für OCD
Welche Folgen hat eine OCD-Erkrankung beim Pferd?
Beim Verkauf eines Pferdes gibt nahezu jede:r Käufer:in eine röntgenologische AKU beim Pferd in Auftrag – unter anderem, um auszuschließen, ein Pferd mit Chip zu erwerben. Ein solches Tier wird bestenfalls in Röntgenklasse II bis III eingestuft, je nach betroffenem Gelenk sowie Form und Größe des Chips kann es auch in Röntgenklasse III bis IV landen. Für viele Kaufinteressenten und -interessentinnen ist dieser Befund bereits ein Ausschlusskriterium. Demnach kann Osteochondrose die gewinnbringende Vermarktung eines Pferdes stark beeinflussen.
Da Osteochondrosis dissecans beim Pferd durch Vererbung weitergegeben wird, sollten Züchter:innen Stuten mit OCD nur von sehr gut ausgesuchten Hengsten decken lassen und bei der Aufzucht besonders auf die Ernährung der Jungtiere achten.
An diesen Symptomen erkennen Sie Chips und OCD beim Pferd
Eine Osteochondrose-Erkrankung kann über Jahre hinweg unbemerkt bleiben. Oft wird sie erst beim ausgewachsenen Pferd und nur zufällig bei einer Röntgenuntersuchung festgestellt, zum Beispiel im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung. Typische Symptome für Chips beim Pferd sind:
- Schwellungen am Gelenk
- Füllung des Gelenks ("Galle")
- Entzündungen der Gelenke
- Schmerzen
- Steifheit
- Lahmheit
Besonders auffällige Symptome treten bei erkrankten Pferden auf, die intensiv im Renn- und Reitsport genutzt werden. Ihre Gelenke werden von Haus aus stärker belastet und unterliegen einer permanenten Reizung.
Was tun, wenn mein Pferd plötzlich lahmt?
Vorbeugende Röntgenaufnahmen bei jungen Pferden können Chips frühzeitig sichtbar machen und verhindern, dass die Befunde erst beim ausgewachsenen Tier entdeckt werden, wenn es schon zu spät ist. Daher ist es sinnvoll, Pferde ab einem Alter von zwei Jahren auf Gelenkchips untersuchen zu lassen.
Bei vielen Züchtern oder Züchterinnen und Pferdebesitzern oder -besitzerinnen ist dies bereits eine Routinemaßnahme. Nur so erhalten sie wertvolle Informationen über den Gesundheitszustand des Vierbeiners, seine Leistung und den daraus resultierenden Marktwert. Beispielsweise kann ein an OCD erkranktes Pferd beim späteren Verkauf Probleme machen oder nicht als Zuchtpferd infrage kommen.
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So können Sie OCD beim Pferd behandeln
Wird eine operative Entfernung des Chips in Erwägung gezogen, spielen nicht nur dessen Lage und Größe eine Rolle, sondern auch der Schweregrad einer womöglich schon bestehenden Gelenkreizung. Das sollte im Vorfeld der OP durch eine tierärztliche Untersuchung bereits abgeklärt sein.
Gelenkchips beim Pferd können nur mittels einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) unter Vollnarkose entfernt werden. Diese minimalinvasive Operation von Gelenken gehört mittlerweile in vielen Pferdekliniken zum Standardrepertoire. Bei dem Eingriff führt der oder die Chirurg:in über zwei etwa einen Zentimeter große Öffnungen ein Arthroskop mit Kamera und OP-Instrumente ins Gelenk ein und entfernt die störenden Chips. Anschließend werden die Knochen- oder Knorpeloberflächen geglättet, das Gelenk gespült und die kleinen Einschnitte vernäht.
Die Nachbehandlung einer Chip-OP beim Pferd dauert acht Wochen
Postoperativ wird das Pferd insgesamt fünf Tage mit Antibiotika versorgt, um einer Infektion vorzubeugen. Die Wunde muss rund zehn Tage unter Verband bleiben. Je nach Schweregrad der Gelenkserkrankung sollte das Pferd zwei bis drei Wochen lang in seiner Box ruhen – auch, um die Vollnarkose zu verarbeiten.
Im Anschluss an die Boxenruhe erfolgt drei bis vier Wochen lang ein kontrolliertes Schrittprogramm, bei dem das Pferd täglich 20 bis 30 Minuten im Schritt geführt wird. Erst danach darf das Aufbautraining wieder aufgenommen werden. Nach insgesamt acht Wochen Ruhe- und Genesungszeit ist das Pferd wieder voll einsetzbar.
In der Nachsorgezeit sollte die Fütterung der Leistung entsprechend reduziert werden: immer ausreichend Raufutter, während der Steh- und Schrittphase kein oder nur ganz wenig Kraftfutter sowie jeden zweiten Tag Mash zur Kolikprophylaxe. Um den Heilungsprozess zu unterstützen, kann knorpelaufbauendes Zusatzfutter wie Grünlippmuschelextrakt zugefüttert werden.
Physiotherapie kann bei der Genesung des Pferdes helfen
Wie sinnvoll ist die frühzeitige Operation von Gelenk-Chips bei jungen Pferden?
Ob es empfehlenswert ist, ein Pferd frühzeitig zu operieren und die OCD-Chips zu entfernen, ist umstritten. Auf der einen Seite gibt es Tierärzte und Tierärztinnen und Pferdebesitzer:innen, die eine frühzeitige Operation von Gelenkchips als notwendig ansehen, um dauerhafte Knorpelschäden zu vermeiden. Auf der anderen Seite sollten unnötige Strapazen durch eine Vollnarkose und den Aufenthalt in einer Pferdeklinik vermieden werden, solange die Chips das Pferd gesundheitlich nicht beeinträchtigen und der teure Eingriff aus medizinischer Sicht nicht notwendig ist.
Bei jungen Pferden führen Chips an den Gelenksflächen nicht zwangsläufig zu Schmerzen und dauerhafter Lahmheit. Gerade in den ersten zwölf Lebensmonaten ist das Knorpelwachstum so aktiv, dass ein Gelenkchip spontan entstehen und auch wieder von selbst verschwinden kann, ohne weitere Beschwerden zu verursachen. Die Gelenksplitter werden entweder vom Körper des Tieres resorbiert oder aus dem Zentrum des Gelenks in die Randbereiche befördert. Gerade bei jungen Pferden ist eine Spontanheilung also durchaus möglich und macht eine OCD-Operation überflüssig.
Wie hoch sind die Kosten einer OCD-Operation beim Pferd?
Die Kosten für eine Arthroskopie können sich schnell auf mehrere tausend Euro belaufen – je nach Art und Anzahl der zu operierenden Gelenke und der Lage des Chips zwischen 4.000 und 6.200 Euro. Von Vorteil ist deshalb eine geeignete Operationskostenversicherung für Pferde, die nicht nur für den Eingriff selbst, sondern auch für die Nachbehandlung aufkommt. Einige Anbieter versichern Gelenkoperationen bei OCD in ihren Tarifen bis zu 10.000 Euro und inkludieren die ambulante und stationäre Nachbehandlung sowie den Aufenthalt in einer Tierklinik.
Das leistet die Allianz
OCD-Operationen sind ab Tarif Smart bei der Allianz Pferdekrankenversicherung im OP-Schutz und Vollschutz mitversichert. In den Tarifen Smart bis zu einer Höchstsumme von 5.000 Euro, in Komfort bis 10.000 Euro und in Premium bis 20.000 Euro. Insgesamt gilt zudem die Jahreshöchstleistung des Vertrages. Übernommen werden zudem die Kosten am letzten Untersuchungstag vor einer Operation, an dem die Notwendigkeit zur Durchführung einer OP festgestellt wurde. Das schließt auch die Nachbehandlung mit ein. Der Aufenthalt in der Tierklinik wird bis zu 15 Tage nach der Operation übernommen.
So können Sie OCD beim Pferd vorbeugen
Solange die Wachstumsscheiben der Knochen noch nicht geschlossen sind, können sich Risse und Splitter an den Gelenken eines Fohlens noch regenerieren. Sobald sie verschlossen sind, ist der Schaden irreversibel. Je nach Pferderasse ist der Wachstumsprozess ungefähr im Alter von zwei Jahren beendet. Es gilt also rechtzeitig zu handeln, um einer Osteochondrose dissecans beim Pferd vorzubeugen.
Neben genetischen Veranlagungen wird die optimale Entwicklung der Knochen und Knorpel vor allem von der Ernährung und der Bewegung beeinflusst.
Das sollten Sie bei der Fütterung Ihres Jungpferdes beachten
Für eine gute Knochenentwicklung ist die Grundversorgung des Jungtieres ausschlaggebend. Bei einem mit Energie überversorgten Fohlen entwickeln Knochen und Gelenke sich zu schnell, was das OC-Risiko erhöht. Als Prophylaxe gegen Gelenkchips sollte die Fütterung daher an die Wachstumsrate des Fohlens angepasst werden.
Neben einer adäquaten Versorgung mit Energie spielt auch das richtige Maß an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen eine Rolle. Die wichtigsten Nährstoffe für junge Pferde sind:
- Mineralien: Kalzium, Phosphor, Magnesium
- Spurenelemente: Kupfer, Zink, Mangan
- Vitamine: Vitamin D, K
Vor allem Kupfer spielt eine wichtige Rolle in der Ernährung von Stute und Fohlen, da es ein essenzieller Nährstoff für den Aufbau von Knochen und Knorpel ist. Wird das Fohlen bereits mit einem Kupfervorrat geboren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es die Krankheit entwickelt, geringer. Daher ist es ratsam, die Stute in den letzten drei bis fünf Monaten ihrer Trächtigkeit mit kupferreichem Futter zu versorgen.
Neben einer ausreichenden Kupferzufuhr ist auch die richtige Menge und das richtige Verhältnis von Kalzium, Phosphor und Magnesium wichtig. Diese Nährstoffe unterstützen den Knochenaufbau. Neugeborene Fohlen werden in den ersten zwei Wochen über die Muttermilch mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Doch bereits ab dem 14. Lebenstag kann die Muttermilch alleine den enormen Bedarf nicht mehr ausreichend decken.
Zusatzfutter versorgt Fohlen mit wichtigen Nährstoffen
Damit die Knochen sich optimal entwickeln können und, um der Entstehung von Gelenkchips bestmöglich vorzubeugen, können Sie dem Fohlen spezielle Ergänzungsfuttermittel zufüttern. Diese Futterzusätze sind in Form kleiner Pellets oder als Paste erhältlich. Letztere ist besonders für sehr junge Fohlen geeignet, die (noch) keine Pellets fressen wollen.
Auch Luzerne, eine kleeartige Futterpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchte, die reich an Eiweiß, Magnesium und Kalzium ist, eignet sich für Fohlen und Jungpferde als Zusatz zum Raufutter. Luzerne hilft einerseits beim Muskelaufbau und gleicht andererseits einen hohen Phosphoranteil im Pferdekörper aus, der beispielsweise durch das Verfüttern von reichlich Getreide, zum Beispiel Hafer, Mais oder Gerste, entstehen kann.
Osteochondrose mit Bewegung vorbeugen