Bringt Ihr Hund vom Gassigehen Grasmilben mit nach Hause, ist das zunächst kein Grund zur Beunruhigung. Die Grasmilbe ist weder für andere Hunde noch für den Menschen ansteckend und verschwindet meist von allein – auch ohne Behandlung. Stellen Sie jedoch Symptome wie kahle Hautstellen, starke Rötungen oder übermäßigen Juckreiz bei Ihrem Hund fest, könnte es sich um einen Befall mit einer aggressiveren Milbenart, wie der Räudemilbe, handeln. Sie sollten in dem Fall einen Tierarzt oder eine Tierärztin aufsuchen und Ihren Hund aufgrund der Ansteckungsgefahr von anderen Vierbeinern und Menschen fernhalten.
Grasmilben beim Hund – was tun?
Wie erkennt man Grasmilben bei Hunden?
Die Larven der Grasmilbe, auch Herbstgrasmilbe oder Herbstmilbe genannt, sind zwar winzig, aber anhand ihrer orange-rötlichen Färbung gut zu erkennen. Haben die Parasiten bei ihrem Wirt oder ihrer Wirtin eingenistet, ritzen sie die oberste Hautschicht des Hundes an, um an sein Blut zu kommen, und geben dabei ein Speichelsekret ab, das die Haut reizt und eine lokale Entzündungsreaktion auslöst. Dadurch entsteht der intensive Juckreiz, der für Grasmilben typisch ist. Im Gegensatz zu Zecken übertragen Grasmilben allerdings keine Krankheiten. Bei Hunden mit geschwächtem Immunsystem oder sehr starkem Befall kann sich allerdings eine durch Bakterien verursachte zusätzliche Sekundärinfektion entwickeln.
Symptome bei Milbenbefall
Damit Ihr Hund nicht unnötig leidet, ist es wichtig, die Anzeichen eines Milbenbefalls frühzeitig zu erkennen. Wir haben uns daher mit einer Expertin, der Wiesbadener Tierdermatologin Kerstin Wildermuth, zum Thema Milben beim Hund unterhalten.
Milben bevorzugen gerne warme, geschützte Körperstellen, wie Hautfalten oder Achselhöhlen, aber auch die Ohrmuscheln. „Es können zunächst Pickel, Krusten und schließlich auch Juckreiz entstehen“, erklärt die Wiesbadener Tierdermatologin Kerstin Wildermuth. Entdecken Sie an diesen Stellen aufgeworfene, schorfige Hautveränderungen bei Ihrem Hund, steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Milbenbefall dahinter. Aufgrund ihrer orange-rötlichen Färbung, sind Grasmilben leicht auf der Haut des Hundes zu erkennen.
„Auch Räudemilben lösen beim Hund starken Juckreiz und Hautveränderungen in Form von Pickeln, Krusten bis hin zu Haarverlust aus”, erklärt Wildermuth. Insbesondere Ohrmuscheln, Bauch und Gliedmaßen sind davon betroffen. Befallen Räude- oder andere Ohrmilben die Ohrmuscheln des Hundes, so bilden sich im Gehörgang vermehrt Ohrenschmalz und krümelige Sekrete. Da ein starker Ohrmilbenbefall zu Schädigungen des Gehörgangs oder des Trommelfells führen kann, sollten Sie unbedingt einen Tierarzt oder Tierärztin aufsuchen. „Bei Raubmilbenbefall entsteht zudem eine ausgeprägte Schuppenbildung auf dem Rücken”, so die Tierhautärztin.
Was hilft bei Milbenbefall?
Gegen einen Befall mit Grasmilben gibt es verschiedene wirksame Maßnahmen:
- Tierärztliche Produkte mit speziellen antiparasitären Wirkstoffen in Form von Milben-Shampoos oder -Sprays können die Parasiten schnell und zuverlässig entfernen.
- Auch ein gründliches Bad, gegebenenfalls mit milder Seife, sowie das Ausbürsten der Larven mit einem Flohkamm tragen dazu bei, den Befall zu verringern und die Haut Ihres Hundes zu entlasten.
- Zur Linderung des Juckreizes eignen sich – nach tierärztlicher Rücksprache – auch sanfte Heilmittel wie verdünnter Apfelessig oder Aloe Vera.
- Bei ausgeprägten Beschwerden ist ein Besuch beim Tierarzt oder bei der Tierärztin wichtig, da diese:r entzündungshemmende Behandlungen einleiten kann.
- Leidet der Hund unter einer sekundären bakteriellen Infektion, empfiehlt Tierdermatologin Wildermuth, zusätzlich auf ein Antibiotikum zu setzen.
Damit Sie im Fall der Fälle nicht selbst für Tierarzt- oder Medikamentenkosten aufkommen müssen, empfiehlt es sich, vor allem bei mehreren Hunden, eine Hundekrankenversicherung abzuschließen.
Milbenpräparate – wie anwenden?
Milbenpräparate sind in verschiedener Form (z. B. Spray, Shampoo, Spot-on-Präparat) sind freiverkäuflich in Drogeriemärkten, im Tierbedarffachhandel, Apotheken oder im Baumarkt erhältlich. Halten Sie sich bei der Anwendung an die Packungsbeilage oder fragen Sie bei Ihre Tierärztin oder Ihrem Tierarzt nach. Die Behandlung erfordert etwas Geduld und vor allem Gründlichkeit. In der Regel müssen Sie die Anwendungen in kurzen Abständen mehrmals wiederholen, damit Ihr Hund die Plagegeister vollständig loswird. Bei ansteckenden Milben kann die Behandlung bis zu sechs Wochen dauern.
Milbenbehandlung mit Hausmitteln
Von einer Behandlung mit Hausmitteln ist dann abzusehen, wenn man nicht genau weiß, welche Milben beim Hund vorliegen. Halten Sie hier Rücksprache mit Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin. Den Juckreiz lindern können Sie mit Teebaumöl- oder Aloe-Verapräparaten. Auch kühle Duschen oder Bäder mit einem sanften Fellshampoo können helfen. Bevor Sie zur Homöopathie für Hunde greifen, sollten Sie das unbedingt im Vorhinein mit einem Tierarzt oder einer Tierärztin abklären und sich umfassend beraten lassen. Lässt man bestimmte Milbenarten bei Hunden unbehandelt, kann dies zu schweren weiteren Erkrankungen führen.
Prävention und Vorsorge
Ein wurmfreier, wohlgenährter Hund hat ein besseres Immunsystem und ist somit kein leichtes Opfer für die Milben. Als vorsorgliche Maßnahme gegen Milben können daher eine regelmäßige Wurmkur für Hund und Hündin helfen, ebenso wie qualitativ hochwertiges Futter. Auch handelsübliche Mückenmittel können Milben, vor allem Grasmilben, fernhalten. Zusätzlich sollten Sie mit Ihrem Hund Gebiete mit starkem Grasmilbenaufkommen meiden. Das sind vorwiegend Gebiete mit hohem Gras, an Waldrändern und auf Wiesen und Flächen mit Moosbewuchs.
Wie lange dauert es, Milben beim Hund wieder loszuwerden?
Es gibt keinen allgemeinen Richtwert für die Dauer eines Milbenbefalls beim Hund. Die unterschiedlichen Arten von Befall benötigen unterschiedlich lange, um erfolgreich bekämpft zu werden. Zudem kommt es auch auf die Grundkonstitution des Hundes an.
Grasmilbenlarven verbleiben nicht am Körper, sondern fallen nach ihrer "Mahlzeit" wieder ab. Kommt es zu keinen Komplikationen, sind die juckenden Stellen durch die Milbenbisse in der Regel nach etwa zwei Wochen abgeheilt.
„Die Behandlung von ansteckenden Milben braucht in der Regel vier bis sechs Wochen, damit alle Milbenstadien sicher abgetötet werden können”, weiß Kerstin Wildermuth.
Bei manchen Hunden könne es aber auch mal etwas länger dauern. Die Behandlung der generalisierten Form der Demodikose dauere mindestens drei Monate, meistens sogar länger: „Die Therapie darf hier erst abgebrochen werden, wenn in zwei Hautgeschabseln in Abstand von vier Wochen keine Milben mehr mikroskopisch nachweisbar sind”, erklärt die Tierdermatologin.
Welche Hundemilben sind ansteckend?
Es gibt sowohl ansteckende als auch nicht ansteckende Hundemilben, die unterschiedliche Hundekrankheiten auslösen können. Grasmilben zählen zu den nicht ansteckenden Milbenarten. Wenn Ihr Hund von ihnen befallen ist, springen die Larven nicht auf Menschen oder andere Haustiere über. Andere Milbenarten wechseln von Wirt:in zu Wirt:in und können aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr im Haus zur Plage für Mensch und Tier werden.
Raubmilben
Raubmilben, auch Cheyletiella oder Pelzmilben bekannt, sind hoch ansteckend und können bei engem Kontakt mit dem infizierten Haustier (z. B. Hund, Katze oder Kaninchen) auch leicht auf den Menschen übergehen. Beim Hund wie auch beim Menschen lösen Raubmilben Hautveränderungen wie Pusteln, Krusten und "wandernde" Schuppen – da die Milben unter der Schuppenschicht der Haut wandern – aus, die mit einem sehr starken Juckreiz einhergehen. Durch das exzessive Kratzen beim Hund kann es zu einem erheblichen Fellausfall kommen. Bemerken Sie als Hundehalter:in juckende Hautveränderungen oder wandernde Schuppen, sollten Sie zur Abklärung und Behandlung einen Dermatologen oder eine Dermatologin aufsuchen. Zu den Räudemilben gehören auch die mitunter am weitesten verbreiteten Ohrmilben, die, wie der Name verrät, in erster Linie die Ohren des Tieres angreifen. Die Weibchen bohren sich unter die Hundehaut und legen dort die Milbeneier ab. Unbehandelt können die Milben das Gehör des Hundes schwer schädigen.
Räudemilben
Die Sarcoptes- oder Räudemilben können bei engem Kontakt mit einem befallenen Tier (z. B. Hund oder auch einem Wildtier wie dem Fuchs) sowohl auf Tiere als auch auf Menschen übertragen werden. Ein Befall führt bei Hunden zu entzündlichen Hautreaktionen und starkem Juckreiz. Bei gesunden Tieren heilen die Symptome meist nach ein, zwei Wochen ab. Beim Menschen können Raubmilben juckende Rötungen und Pusteln, eine sogenannte "Pseudo-Krätze", auslösen. „Oft verschwinden die Symptome aber, wenn der Hund in Behandlung ist”, beruhigt Wildermuth. Dennoch empfiehlt sie betroffenen Hundehaltern und Hundehalterinnen, einen Dermatologen oder eine Dermatologin aufzusuchen, wenn sie bei sich selbst Hautveränderungen oder Juckreiz feststellen.
Haarbalg- und Demodexmilben
Zu den wohl häufigsten Milben bei Hunden zählen neben den erwähnten Raub- und Räudemilben die Haarbalg- und Demodexmilben, die das bekannte Hundeleiden Demodikose, eine parasitäre Hauterkrankung, auslösen. Diese Milben können schon bei der Geburt von der Hündin auf die Welpen übertragen werden. Bei erwachsenen Hunden mit einem gesunden Immunsystem ist eine direkte Ansteckung im Alltag jedoch sehr selten, da ein gesundes Immunsystem die Milbenpopulation reguliert. Für den Menschen sind Haarbalg- und Demodexmilben nicht ansteckend.
Was ist eine canine Demodikose?
Ein Befall mit der Haarbalg- oder auch Demodexmilbe kann bei immungeschwächten Tieren rasch zu einer sogenannten "Demodikose", einer parasitären Hauterkrankung, führen. Anzeichen dafür sind vor allem kahle Hautstellen. Der Haarausfall entsteht durch die übermäßige Vermehrung der Parasiten in den Haarfollikeln. Normalerweise tolerieren Hunde ebenso wie wir Menschen die Haarbalg- oder auch Demodexmilbe. Sie leben als ständige Begleiter in unseren Haarfollikeln. Kommt es aber zu einer Schwächung des Immunsystems des Hundes, beispielsweise durch Fehlernährung oder weiteren Parasitenbefall, kann dies zu einer explosionsartigen Vermehrung der Demodex-Milbe führen. Auch gerade junge Hunde, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist, oder ältere Vierbeiner, die gesundheitlich nicht mehr auf Hochtouren laufen, sind besonders gefährdet für eine canine Demodikose.
Egal in welcher Lebenssituation: Wir finden die richtige Lösung für Sie. %agencyName%
In weniger als 20 Sekunden zum persönlichen Gespräch – das loben unsere Kunden und Kundinnen mit 4,7 von 5 Sternen.★★★★⭑ Jetzt Videoberatung für ein persönliches Gespräch starten
Woher weiß ich, welche Milben mein Hund hat?
Grasmilben sind durch ihre auffällige Färbung leicht zu identifizieren. Untersuchen Sie bei der Fellpflege Hund und Hündin nach kleinen rot-orangen Punkten, vorwiegend in den Hautfalten. Sobald Sie Hautprobleme und Juckreiz bemerken und die Ursache nicht identifizieren können, sollten Sie in jedem Fall zunächst einen Tierarzt oder eine Tierärztin aufsuchen. „Leider sind auch Tests von Hautproben oder Blutuntersuchungen häufig nicht in der Lage, sicher nachzuweisen, wenn der Hund unter Sarcoptes-, also Krätzmilben, oder anderen ansteckenden Parasiten leidet”, schildert Kerstin Wildermuth. Es bedarf verschiedener Untersuchungen, damit ein Tierarzt einen Milbenbefall eindeutig einordnen und auf der Grundlage behandeln kann.
Besser nachweisen lassen sich hingegen die nicht ansteckenden Demodexmilben. „Der Arzt führt hierzu ein sogenanntes tiefes Hautgeschabsel durch”, erklärt die Tierdermatologin. Das Verfahren bezeichnet eine Probennahme, bei der mithilfe eines Skalpells die oberen Hautschichten abgetragen und anschließend mikroskopisch untersucht werden. Die sogenannten Haarbalgmilben sind dabei relativ gut zu finden.
Weitere Themen und Angebote für Hundebesitzer:innen