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Ein paar spricht mit einem Notar
Das bedeutet der Verzicht auf das Erbe

Erbe ausschlagen: Formalien, Fristen, Kosten und Alternativen

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Ein Erbe klingt für viele zunächst nach Geldsegen. Doch auf den zweiten Blick steckt oft noch etwas anderes dahinter: Schulden, offene Kredite oder marode Immobilien. Das kann ein Grund sein, um das Erbteil auszuschlagen. 
  • Manche Hinterbliebene wollen aber auch aus persönlichen Gründen das Erbe nicht antreten. 
  • Grundsätzlich haben Sie sechs Wochen Zeit, zu entscheiden, ob Sie das Erbe ausschlagen wollen oder nicht. Die Frist beginnt ab Kenntnis vom Erbe.
  • Selbst ein ausgeschlagenes Erbe kostet Geld: Sie müssen mit Kosten von mindestens 30 Euro rechnen
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Kompletter Verzicht auf das Erbteil
Indem Sie ein Erbe ausschlagen, verzichten Sie auf Ihre Ansprüche auf den Nachlass. Im Klartext bedeutet das: Ihnen steht nichts mehr vom Erbe zu. Sie verzichten damit auch auf Ihren Pflichtteil. Alles, was Sie bereits aus dem Nachlass entnommen haben, müssen Sie wieder zurückgeben. 

Das gilt auch für lieb gewonnene Erinnerungsstücke. Denn beim Erben gilt der Grundsatz "Ganz oder gar nicht". Entweder Sie nehmen das Erbe komplett an oder Sie schlagen es aus. Sie können sich nicht bestimmte Teile des Erbes aussuchen und annehmen und den Rest ausschlagen. Wenn Sie das Erbe annehmen, haften Sie in der Regel für alle Verbindlichkeiten auch mit Ihrem Privatvermögen. Ist die Erbmasse aufgebraucht und es gibt noch offene Forderungen, müssen Sie mit Ihrem eigenen Geld dafür geradestehen. Wer sich den Nachlass also nicht ganz genau anschaut, riskiert sogar, Privatinsolvenz anmelden zu müssen, weil die Schulden nicht beglichen werden können.

Wenn Sie das Erbe ausschlagen, geht es automatisch an die nächste Person in der Erbfolge. Schlagen alle Hinterbliebenen nach dieser Reihenfolge das Erbe aus, geht der Nachlass zuletzt an den Staat über. 

Ausstehende Unterhaltszahlungen gehören in der Regel nicht zum Erbe. Unterhaltsansprüche erlöschen mit dem Tod. Ausnahme: Die Unterhaltszahlungen waren bereits zum Zeitpunkt des Todes fällig. Dann müssen die Erben für diese Unterhaltszahlung noch aufkommen.

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Gut zu wissen
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Fristen und Formalien
Sie haben sechs Wochen Zeit, um sich zu entscheiden, ob Sie das Erbe ausschlagen wollen oder nicht. Die Frist läuft, sobald Sie Kenntnis von der Erbschaft haben. In diesem Zeitraum können Sie sich einen Überblick über den Nachlass verschaffen. Eine Möglichkeit, die Frist zu verlängern, gibt es nicht. Ausnahme: Der Erblasser hat zuletzt im Ausland gewohnt oder Sie selbst waren im Ausland, als Sie vom Erbe erfahren haben. Dann beträgt die Frist sechs Monate. 
Ein Mann reiferen Alters schaut in seiner Küche in ein Laptop, während er in der Hand Unterlagen hält

Wenn Sie sich entschieden haben, Ihr Erbe nicht anzutreten, müssen Sie das beim Nachlassgericht erklären. Sie können sich aussuchen, bei welchem Nachlassgericht Sie das Erbe ausschlagen: Gehen Sie hierzu zum Gericht am letzten Wohnort des Verstorbenen oder an Ihrem eigenen. Dabei gibt es zwei Ausnahmen: In Baden-Württemberg ist das staatliche Notariat zuständig. Hat der Erblasser zuletzt im Ausland gelebt, müssen Sie sich an das Amtsgericht Berlin-Schöneberg wenden. 

Sie können entweder persönlich beim Nachlassgericht vorsprechen oder einen Notar beauftragen. Dieser erstellt dann eine notarielle Erklärung. Sie müssen nur dafür sorgen, dass die Erklärung fristgerecht beim Nachlassgericht eintrifft. Sie brauchen aber nicht zwingend einen Anwalt oder Notar. 

Minderjährige Erben können die Erbschaft nicht selbstständig ausschlagen. Die gesetzlichen Vertreter, meistens die Eltern, müssen das Erbe für das minderjährige Kind ablehnen. Zudem muss in der Regel das Familiengericht zustimmen.

Sie haben die Frist zur Ausschlagung des Erbes versäumt? Dann wird es schwierig. Ist die sechswöchige Frist abgelaufen, gilt das Erbe als angenommen. Wenn Sie sich im Nachhinein entscheiden, das Erbe auszuschlagen, haben Sie nach dem Erbrecht zwei Möglichkeiten: 

  • Die Annahme der Erbschaft anfechten 
  • Das Versäumnis der Ausschlagungsfrist anfechten 

Für beide Anfechtungsverfahren muss allerdings ein triftiger Grund vorliegen. Dass Sie sich umentschieden haben, reicht nicht aus. Wenn aber zum Beispiel ein Irrtum vorliegt, können Sie versuchen, die Entscheidung anzufechten. Das gilt auch, wenn Sie das Erbe bereits angenommen haben und nachträglich ausschlagen wollen. 

Ähnlich gestaltet sich das Verfahren, wenn Sie das Erbe ausgeschlagen haben und nachträglich annehmen möchten. Auch hier ist eine Anfechtung mit einem triftigen Grund möglich.

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Illustration - Eine dunkelhaarige Frau hält ein Schild mit einem "i" in der Hand.
Gut zu wissen
Illustration - Eine dunkelhaarige Frau hält ein Schild mit einem "i" in der Hand.

Achtung: Sobald Sie einen Erbschein beantragen, gilt das Erbe als angenommen

Wenn Sie zum Beispiel Auskünfte über die finanzielle Situation des Verstorbenen einholen, können Sie das auch ohne Erbschein tun. Sind Sie sich noch unsicher, ob Sie das Erbe annehmen, reicht in der Regel die Sterbeurkunde in Kombination mit dem Stammbuch. Wenn Sie die Erbschaft anderweitig nachweisen können, darf die Bank von Ihnen keinen Erbschein verlangen. Dies ist nur dann zulässig, wenn begründete Zweifel an der Echtheit Ihres Nachweises bestehen.

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Auch Nicht-Erben hat seinen Preis
Illustration - Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und zählt Münzen.

Wenn Sie ein Erbe ausschlagen, geht das nicht gratis. Wie viel Sie das Ganze kostet, hängt vom Wert des Nachlasses ab. Mindestens müssen Sie mit 30 Euro rechnen, auch für einen überschuldeten Nachlass.

Falls Sie einen Notar beauftragen, kommen dafür nochmal Kosten hinzu. Sie können auch selbst eine Ausschlagungserklärung formulieren. Das senkt die Notarkosten auf etwa 20 bis 70 Euro. Allerdings sollten Sie sich dann beraten lassen, damit keine unwirksamen Formulierungen enthalten sind.

Illustration - Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und zählt Münzen.
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Über­schuldeter Nachlass
Wenn Sie einen überschuldeten Nachlass erben, ist die Ausschlagung eine Option. Damit verzichten Sie ganz auf Ihre Ansprüche auf das Erbe. Sie haften dann ebenfalls nicht für Verbindlichkeiten. Aber es gibt auch Alternativen:
Paar bespricht etwas mit einem Anwalt
 
Vom Nachlassgericht wird ein Nachlassverwalter eingesetzt, der sich um das Erbe kümmert. Dabei müssen Sie als Erbe nicht mit Ihrem Privatvermögen haften. Alle bestehenden Schulden werden aus der Erbmasse getilgt. Bleibt dann noch etwas übrig, geht der restliche Nachlass an die Erben.
Hierbei können alle Gläubiger ihre Ansprüche innerhalb einer Frist anmelden. Die Schulden werden anschließend aus dem Nachlass beglichen. Die Ansprüche eines Gläubigers verfallen nicht mit Ablauf der Frist. Aber sobald das Erbe aufgebraucht ist, geht der Gläubiger leer aus.
Sie als Erbe können beim Nachlassgericht einen Antrag auf Nachlassinsolvenz stellen. Dann haften Sie nur mit dem Nachlassvermögen und nicht mit Ihrem Privatvermögen. Damit können Sie zum Beispiel vermeiden, dass Gläubiger von Ihnen Schadenersatz verlangen.
Sind nicht alle Kosten mit dem Nachlassinsolvenzverfahren ausgeglichen, stellt das Nachlassgericht das Verfahren ein. Die Erben können dann eine Dürftigkeitseinrede stellen. Damit schließen Sie aus, dass die Gläubiger bezahlt werden. Um eine Dürftigkeitseinrede stellen zu können, müssen Sie allerdings nachweisen, dass das Erbe aufgebraucht ist und nicht ausreicht, um die Schulden zu begleichen. Das geht zum Beispiel mit dem Gerichtsbeschluss, in dem das Nachlassgericht das Insolvenzverfahren abschließt.
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