- Equines Herpes ist eine weltweit verbreitete Viruserkrankung bei Pferden. Je nach Art des equinen Herpesvirus (EHV) kann die Infektion tödlich verlaufen.
- Da Pferdeherpes hochansteckend ist, müssen akut erkrankte Tiere unbedingt in Quarantäne.
- Die Symptome sind je nach Herpesart unterschiedlich und reichen von Husten, Erkrankung der Atemwege, Augenentzündungen bis zu Fehlgeburten und neurologischen Ausfallerscheinungen.
- Gegen die besonders aggressiven Arten des Virus, EHV 1 und EHV 4, gibt es einen Impfschutz, der Pferde vor einem schweren Krankheitsverlauf schützt.
Herpes Impfung beim Pferd: Equines Herpes
Herpes Impfung beim Pferd: Auf den Punkt gebracht
Definition: Was ist ein equines Herpes?
Equines Herpes ist eine Erkrankung von Pferden, die durch verschiedene Herpesviren ausgelöst wird. Bislang sind bei domestizierten Pferden fünf verschiedene Arten von equinen Herpesviren (EHV) bekannt.
Aktuell besonders relevant sind die Herpeserkrankungen des Typ EHV 1 und EHV 4. Erkranken Pferde an diesen Varianten, entsteht für Pferdebesitzer:innen meist ein wirtschaftlich großer Schaden: Im schlimmsten Fall führen diese Virusvarianten zum Tod der Tiere.
Was alle Herpeserkrankungen gemeinsam haben, ist, dass die Erkrankung in den meisten Pferden bereits schlummert. Man geht davon aus, dass 60 Prozent der Pferde weltweit bereits die Herpesviren latent in sich tragen. Ähnlich wie beim Lippenherpes bei Menschen bricht Pferdeherpes bei Stress, einem geschwächten Immunsystem oder erneutem Kontakt mit den Viren aus. Nach einer akuten Infektion zieht sich das Virus in die Nervenzellen des Tieres zurück. Dort überdauert es unangetastet vom Immunsystem des Pferdes. Eine vollständige Heilung ist dadurch nicht möglich: Infizierte Tiere sind lebenslang Träger der Erkrankung, sodass sie jederzeit erneut erkranken können.
Die Erkrankung verbreitet sich über direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion. Eine Ausnahme ist hier lediglich die Variante EHV 3, diese wird beim Deckakt übertragen.
Symptome & Diagnose: Woran erkennt man Pferdeherpes?
Symptome von Pferdeherpes sind je nach Infektionsart unterschiedlich
Je nach Herpesart unterscheiden sich Symptome und Verlauf der Krankheit stark. Typische Symptome lassen sich nur für die einzelnen Unterarten der Erkrankung feststellen.
Atemwegserkrankungen und Fieber bei EHV 1 und EHV 4
EHV 1 und EHV 4 haben große genetische Gemeinsamkeiten und sind daher in ihrem Krankheitsverlauf sehr ähnlich. Da diese Herpesarten im schlimmsten Fall sogar tödlich enden, ist es besonders wichtig, frühzeitig Symptome zu erkennen. Nur eine rasche Behandlung verhindert die Verbreitung des Virus im Stall.
Typische Symptome von EHV 1 und 4 sind:
- Erkrankung der oberen Atemwege bis hin zur Lungenentzündung
- Husten
- Nasen- und Augenausfluss
- Fieber bis 40,5 Grad Celsius
Für Virusvariante EHV 1 sind zudem folgende Symptome bekannt:
- Abort: Die Viren greifen auch Schleimhäute der Gebärmutter und Plazenta an, sodass der Embryo nicht mehr mit ausreichend Nährstoffen versorgt wird. Infiziert sich eine trächtige Stute mit der Krankheit, kommt es daher häufig zwischen dem siebten und elften Monat zu einer Fehlgeburt.
- Neurologische Folgen: Die Viren können eine Entzündung des Rückenmarks auslösen und eine Lähmung der hinteren Gliedmaßen verursachen. Zudem können ähnliche Symptome wie bei einem Schlaganfall auftreten. Das Pferd hat dann eine Kopf- und Zehenschiefhaltung, eine gestörte Bewegungskoordination und leidet häufig an Inkontinenz.
Typisch für EHV 2 und EHV 5: Augenentzündungen
Typisch für diese Form der Infektion ist eine Entzündung der Bindehaut und Hornhaut des Pferdes. Auch die oberen Luftwege sind häufig betroffen. Da die Erkrankung durch direkten Kontakt zwischen infizierten Pferden übertragbar ist, kommt diese Form ebenfalls sehr häufig vor.
Genitalinfektionen durch EHV 3
EHV 3 löst bei Pferden (gutartige) Genitalinfektionen aus. Typisch für die Erkrankung sind bei betroffenen Tieren stecknadel- bis erbsengroße Bläschen an den Geschlechtsteilen. Da die Krankheit vor allem beim Deckakt übertragen wird, sind erkrankte Pferde lebenslang von der Zucht ausgeschlossen.
Diagnose nur mit Laboruntersuchung möglich
Meist erfolgt durch den Tierarzt oder die Tierärztin eine Verdachtsdiagnose anhand der Symptome. Ein sicherer Nachweis der Herpeserkrankung ist nur durch eine Laboruntersuchung möglich.
Dafür entnimmt der Veterinär in einer frühen Phase der Erkrankung – möglichst in der Fieberphase – mit einem Tupfer Sekret aus der Nase, das er auf die Viren untersucht. Alternativ ist auch eine Blutuntersuchung möglich. Dafür werden im Abstand von einigen Tagen zwei Proben entnommen und anschließend auf Antikörper getestet. Bei Stuten, die einen Abort erleiden, ist empfehlenswert, das abgegangene Fohlen oder die Nachgeburt pathologisch untersuchen zu lassen.
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Gut zu wissen: Herpes Impfung beim Pferd schützt vor schwerer Erkrankung
Auch trächtige Stuten können gegen equines Herpes geimpft werden. Im Idealfall findet die Herpes-Impfung beim Pferd im dritten oder vierten sowie im siebten oder achten Monat der Schwangerschaft statt.
Anders als bei der Influenza Impfung gibt es bislang keine Impfpflicht gegen Pferdeherpes für Turnierpferde, allerdings wird diese immer wieder diskutiert.
Pferdekrankenversicherung: Das leistet die Allianz
Die Allianz Pferdekrankenversicherung übernimmt mit der Basisvorsorge auch die Kosten für Impfungen.
Folgende Vorsorgemaßnahmen sind als Basisvorsorge versichert:
- Entwurmungen
- Impfprophylaxe nach Empfehlung der StiKo Vet und therapeutische Impfungen
- einmalige Kennzeichnung (Transponder bzw. Mikrochip)
Damit sind Vorsorgeleistungen wie z. B. Impfungen sowohl im OP-Schutz für Pferde als auch im Vollschutz ab Tarif Smart von 100 Euro bis zu 200 Euro (Komfort und Premium) jährlich versichert. Für die Leistungen der Basisvorsorge besteht keine Selbstbeteiligung und keine Wartezeit. Insgesamt gilt zudem die Jahreshöchstleistung pro Versicherungsjahr.
Des Weiteren erstattet die Pferdekrankenversicherung die Kosten für eine Behandlung ohne Operation, je nach gewähltem Tarif, bis zu 10.000 Euro pro Versicherungsjahr, wenn der Vollschutz-Tarif gewählt wurde. Die Kosten einer Operation erstatten wir je nach Tarif ohne jährliche Höchstgrenze und bis zu 100 Prozent der Rechnungssumme.
Therapie: Wie wird Herpes bei Pferden behandelt?
Bei Pferdeherpes ist nur Behandlung der Symptome möglich
Der Verlauf der Krankheit ist meist in drei Phasen unterteilt:
- Infektion und Vermehrung der Viren in den oberen Atemwegen
- Ausbreitung der Viren über die Blutbahn
- Infektion der kleinen Blutgefäße im Rückenmark
Je früher Pferdebesitzer:innen die Krankheit behandeln lassen, desto geringer die Virenlast und desto weniger schwerwiegend der Krankheitsverlauf. Dafür bekommt das Pferd entzündungshemmende Medikamente und Anti-Herpesviren-Präparate vom Tierarzt oder von der Tierärztin verschrieben. Die zusätzliche Behandlung mit Vitamin-B-Präparaten hat sich in der Vergangenheit ebenfalls bewährt. Durch das geschwächte Immunsystem treten häufig parallel zur Herpeserkrankung bakterielle Infekte auf. Hier kann ein Breitbandantibiotikum helfen.
Bei Pferden mit einer EHV 1 Erkrankung und einer Schädigung des Gehirns oder der Muskeln kann zudem gegebenenfalls eine Unterstützung durch eine Schlinge erfolgen, die das Stehen des Pferdes erleichtert.
Bei schwerwiegenden Erkrankungen ist häufig Einschläfern nötig
Erkrankt ein Pferd schwer an EHV 1 und der Infekt wird spät entdeckt, stehen die Heilungschancen häufig schlecht. Sind beim Pferd bereits neurologische Schäden zu beobachten, wenn es beispielsweise durch eine Lähmung nicht mehr stehen kann und unkontrolliert Kot und Urin verliert, bleibt Tierbesitzern und -besitzerinnen häufig keine andere Wahl, als das Tier zu erlösen und einzuschläfern.
Mit diesen Kosten müssen Sie bei equinem Herpes rechnen
Die Kosten für eine Herpes-Impfung beim Pferd variieren ebenfalls je nach Tierarzt oder Tierärztin. Eine Kombi-Impfung liegt je nach Hersteller bei circa 60 Euro. Da das Pferd zwei Impfungen zur Grundimmunisierung benötigt und anschließend zweimal jährlich geimpft wird, rechnen Sie mit jährlichen Kosten zwischen 100 und 200 Euro.
Prophylaxe: So können Sie einer Herpes-Erkrankung bei Ihrem Pferd vorbeugen
Da die Krankheit höchst ansteckend ist, müssen bereits bei Verdacht einer Herpesinfektion Pferde sofort in Quarantäne. Nur so verhindern Sie die Verbreitung der Krankheit im Stall.
Sind bereits Infektionen im Stall bekannt, sollten Reiter:innen möglichst wenig Kontakt zu den Tieren haben. Wechseln Sie Ihre Kleidung und waschen Sie gründlich Ihre Hände, bevor Sie zu einem neuen Pferd gehen.
Neben einer Impfung kann eine gute Hygiene das Übertragungsrisiko reduzieren. Daher sollten Sie Putzsachen nur für ein Pferd nutzen, Boxen regelmäßig und Anhänger nach jedem Transport desinfizieren. Darüber hinaus sollten Pferde, die neu in einen Stall kommen, 14 bis 21 Tage in Quarantäne, um ein Einschleppen der Erkrankung zu verhindern.