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Hormone außer Kontrolle

Cushing: Pferd und Halter sollten schnell handeln

Allianz - Cushing Pferd: Pferdehalter steichelt sein Pferd.

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Cushing-Syndrom beim Pferd – das sollten Sie wissen

„Die Hormone spielen verrückt“ – bei uns Menschen nutzt man den Ausdruck oft eher scherzhaft. Beim Pferd ist jedoch Sorge angebracht, denn hier handelt es sich meist um Cushing: Pferd und Halter müssen nach der Diagnose des „Equinen Cushing-Syndroms“ schnell wieder die Kontrolle über die Hormone des Tieres gewinnen. Nur dann hat das Pferd gute Chancen, dass sich sein Gesundheitszustand wieder deutlich verbessert.

› Das ist das Equine Cushing-Syndrom

› Cushing beim Pferd hat sehr unterschiedliche Symptome

› Diese Therapie- und Prophylaxemöglichkeiten gibt es für das Pferd

› Cushing: Pferd und Reiter müssen zusammenhalten!

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Allianz - Stoppuhr mit Allianz Logo im Hintergrund
  • Das Equine Cushing-Syndrom (ECS) ist eine hormonelle Erkrankung. Heute wird sie nicht mehr Cushing sondern PPID genannt: Pituitary Pars intermedia Dysfunction.
  • Die Symptome der Krankheit sind vielfältig und reichen von der Fellwechselstörung über einen Muskelabbau und Gewichtsverlust bis hin zur Hufrehe.
  • PPID ist nicht heilbar. Allerdings kann ein frühzeitiger Beginn einer Therapie die Lebensqualität des Pferdes erheblich und dauerhaft verbessern.

Das ist das Equine Cushing-Syndrom

Allianz - Entstehung von Cushing bei Pferden.

Das Equine Cushing-Syndrom (ECS) ist eine hormonelle Erkrankung. Mittlerweile wissen die Mediziner, dass – anders als beim Menschen oder beim Hund – es beim Pferd nicht zu einer erhöhten Cortisolausschüttung kommt. Nur Pferdekrankheiten mit erhöhter Cortisolbildung heißen Cushing-Syndrom. Deswegen nennen die Mediziner bei einem Pferd die Krankheit Pituitary Pars intermedia Dysfunction, kurz PPID. Ausgelöst wird sie von der Hirnanhangdrüse, auch bekannt als Hypophyse beziehungsweise Glandula pituitaria. Sie ist für die Bildung vieler Hormone und biochemischer Botenstoffe verantwortlich. Über den Blutkreislauf verteilen sich diese Substanzen im ganzen Körper und steuern dort nahezu alle Funktionen – beim Menschen wie beim Pferd. Im gesunden Zustand ist dieses Hormonsystem fein ausbalanciert.

Bei von PPID betroffenen Pferden ist die Dopamin-Produktion in bestimmten Gehirnzellen stark reduziert. Eigentlich regulieren diese dopaminergen Gehirnzellen eine bestimmte Region, den Zwischenlappen der Hirnanhangdrüse. Unreguliert bildet sich in diesem Zwischenlappen ein gutartiger Tumor – das Adenom. Zudem kommt es zu einer ungehemmten Überproduktion einer Reihe von Hormonen, unter anderem von ACTH. Das hormonelle Gleichgewicht gerät aus den Fugen, und es entwickelt sich mit vielen verschiedenen Symptomen das Krankheitsbild der Pituitary Pars intermedia Dysfunction.

Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Pferden und Ponys ab einem Alter von 15 Jahren auf. „Der Dopamin-Mangel betrifft zunächst Nervenzellen, die ständig und ganz speziell bestimmte Hormon-produzierende Zellen im Zwischenlappen der Hirnanhangdrüse hemmen“, erklärt Prof. Dr. Kerstin Fey, Leiterin der Klinik für Pferde, Innere Medizin, der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Fällt das Dopamin weg, so produzieren die nun nicht mehr gehemmten Zellen mehr Hormone als normal. Zudem vermehren sie sich noch und bilden schließlich einen Tumor. Die Erkrankung wird daher auch als Dysfunktion des Zwischenlappens der Hypophyse bezeichnet. Und da wir im Deutschen keine griffigere Bezeichnung haben, verwenden wir Mediziner häufig die angloamerikanische Abkürzung PPID: Pituitary Pars intermedia Dysfunction.“

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Cushing beim Pferd hat sehr unterschiedliche Symptome

Allianz - Symptom für Cushing: Pferd ist abgemagert.

Das Equine Cushing-Syndrom löst mehrere körperliche Reaktionen beim Pferd aus. Ein paar wirken für den Laien – leider zu Unrecht – völlig ungefährlich: Das Tier bekommt zum Beispiel ein langes, dickes Fell, und manchmal entstehen dabei sogar Locken im Haar. Das liegt jedoch daran, dass der Fellwechsel gestört ist. Das Fell wirkt oft auch sehr stumpf und ihm geht der Glanz verloren. Durch den gestörten Fellwechsel schwitzen die Pferde sehr schnell und sehr viel.

Erste Anzeichen können auch Verhaltensänderungen sein, wenn sich zum Beispiel das Pferd wesentlich ruhiger als gewohnt zeigt. Allerdings sind die Symptome häufig sehr unspezifisch und sollten von einem Tierarzt abgeklärt werden“, sagt die Fachtierärztin für Innere Medizin, „er kann dann an Hand von Bluttests überprüfen, ob es sich tatsächlich um die Überfunktion handelt.“ Ihr Rat: „Wenn ein älteres Tier Fellwechselstörungen zeigt, sollten Sie nicht lange zögern, sondern unbedingt Ihren Tierarzt zu Rate ziehen. Besonders, wenn im Sommer kein kurzes Haarkleid mehr erscheint, ist das meist ein untrügliches Zeichen für die Pituitary Pars intermedia Dysfunction.“

„Aber es gibt auch subtilere Zeichen wie Gewichtsverlust oder Muskelabbau, speziell im Rücken und im Brustbereich. Denn das Entstehen eines Senkrückens oder Hängebauchs muss nicht altersbedingt sein, sondern ist in vielen Fällen durch eine Veränderung an der Hirnanhangdrüse bedingt“, beschreibt Professor Fey einige Symptome der hormonellen Erkrankung. Deren Beginn kann sich aber auch durch weitere Symptome zeigen: zum Beispiel durch die sogenannte Hypertrichie. Dabei wachsen Haare an Stellen, wo sie normalerweise nicht wachsen. Oder es entstehen „retroorbitale“ Fettdepots. Das sind Fettpolster oberhalb der Augen, wo beim normalen alten Pferd tiefe Gruben liegen.

Ein weiteres, und für das Pferd sehr unangenehmes Symptom, ist die Hufrehe. Sie tritt bei etwa einem Drittel der PPID-Patienten auf. Bei ihr kommt es zu äußerst schmerzhaften Entzündungen an den Hufen. Dies kann zur Lahmheit führen, im schlimmsten Fall muss der Tierarzt das Pferd sogar einschläfern.

Diese Therapie- und Prophylaxemöglichkeiten gibt es für das Pferd

Allianz - Cushing: Pferd bekommt seine Medizin.

Glücklicherweise gibt es Medikamente, die in den meisten Fällen so etwas verhindern können“, sagt Professor Fey. „Man sollte nur früh genug mit der Therapie beginnen.“ Das Pferd wird zwar nicht „genesen“, weil die Dopamin-produzierenden Nervenzellen sich nicht regenerieren und die PPID insofern unheilbar ist. Die gute Nachricht ist aber: Eine lebenslange medikamentöse Dauertherapie hilft in den meisten Fällen so gut, dass sich das Befinden des Pferdes deutlich verbessert. Die Behandlung verhindert vor allem die schmerzhaften Schübe von Hufrehe, die oft mit der entgleisten Hormonausschüttung verbunden sind.

„Der Mensch sollte es nicht so weit kommen lassen, dass Pferde wegen PPID nicht mehr reitbar sind. Dann ist ja oft schon eine Hufrehe oder ein weit fortgeschrittener Muskelabbau eingetreten. Beim alten Pferd ist es schließlich besonders mühsam, wieder eine Fitness aufzubauen“, fordert Fey von Tierhaltern eine rechtzeitige Reaktion, sobald sie die ersten Symptome entdecken. „Denn die Erfolgschancen einer Therapie sind sehr gut – zumindest was die Verbesserung der Lebensqualität angeht. Oft ist das Pferd schon wenige Tage nach Einsetzen der Behandlung deutlich munterer.“ Symptome wie Fellwechselstörungen brauchen dagegen länger, bis sie verschwinden. Hier sollten Sie eher mit einigen Wochen rechnen.

Cushing: Pferd und Reiter müssen zusammenhalten!

Allianz - Statistiken zur Pferdekrankheit Cushing.

Bis heute hat die Forschung noch nicht herausgefunden, was hinter der reduzierten Ausgabe von Dopamin steckt. „Wir wissen noch nicht, wieso die dopaminergen Neuronen degenerieren, warum es also immer weniger Neuronen gibt, in denen Dopamin vorkommt“, erläutert Professor Fey. Eine Vermutung sei, dass Fettleibigkeit und begleitende Stoffwechselstörungen die PPID mitverursachen. „Daher ist immer auf einen guten, aber nicht zu guten Ernährungszustand des Pferdes durch eine hochwertige Fütterung zu achten.“

Das allein reiche jedoch nicht, mahnt sie und rät zu weiteren allgemeinen Maßnahmen für eine gute Gesundheit des Tieres: Dazu zählen beispielsweise die Behandlung von Infekten und Entzündungen durch regelmäßige Impfungen, Zahnkontrollen und Hufpflege. Außerdem solle man den Kot des Pferdes regelmäßig auf Parasitenbefall untersuchen. Findet man dabei Wurmeier, sollte man das Tier umgehend antiparasitär behandeln. Das gilt besonders bei älteren Pferden.

PPID beziehungsweise ECS können einem Pferd das Dasein gewaltig erschweren. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, aber bei guter Pferdepflege, Betreuung und rechtzeitiger Therapie kann ein Pferd gut mit ihr leben. Ob dies gelingt, liegt vor allem in der Macht des Halters. Deshalb gilt bei der Diagnose von Cushing: Pferd und Halter müssen zusammenhalten!

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