Die Bundesregierung plant, die gesetzliche Altersrente mit einer Kapitalrente zu ergänzen. Dabei sollen zusätzliche Rentenbeiträge an den Kapitalmärkten angelegt werden. Das angesparte Kapital soll später als lebenslange Zusatzrente ausgezahlt werden. Die gesetzliche Kapitalrente soll helfen, die gesetzliche Altersrente vor dem Hintergrund des demografischen Wandels langfristig zu sichern. Ein Start ist für 2028 vorgesehen, beschlossen ist die Kapitalrente aber noch nicht. Die Kapitalrente wird umgangssprachlich oft auch als "Aktienrente" bezeichnet.
Gesetzliche Kapitalrente
Was ist die Kapitalrente?
Unterschied zwischen Kapitalrente und Umlageverfahren
Bislang setzt die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland im Wesentlichen auf das Umlageverfahren. Wer Rentenbeiträge einzahlt, finanziert damit direkt die heutigen Rentnerinnen und Rentner. Bei der Kapitalrente ist das anders. Die zusätzlichen Beiträge werden am Kapitalmarkt angelegt. Sie sollen inklusive der erwirtschafteten Zinsen, Kursgewinne und Dividenden später in die eigene Rente fließen.
Inhalt
Von Team Vorsorge, aktualisiert am 04.11.2026
- Erklärung: Wie funktioniert die Kapitalrente?
- Einzahlung: Wie viel wird in die Kapitalrente eingezahlt?
- Rendite: Welche Rendite ist mit der Kapitalrente möglich?
- Auszahlung: Wie wird die Kapitalrente ausgezahlt?
- Gründe: Warum soll die Kapitalrente kommen?
- Aktueller Stand: Wann wird die Kapitalrente kommen?
Erklärung: Wie funktioniert die Kapitalrente?
Die Kapitalrente soll die gesetzliche Rente ergänzen. Dabei sollen zusätzliche Rentenbeiträge auf dem Kapitalmarkt angelegt und später als zusätzliche Rente ausgezahlt werden.
Einzahlung: Wie viel wird in die Kapitalrente eingezahlt?
Um die Kapitalrente zu finanzieren, soll der Rentenbeitrag von 2028 bis 2031 in vier Schritten um insgesamt zwei Prozent des Bruttolohns steigen. Diese zusätzlichen zwei Prozent sollen jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer:in erbracht werden.
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Jahr |
Beitrag Kapitalrente |
Anteil Arbeitnehmer:in |
Anteil Arbeitgeber |
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2028 |
0,5 % |
0,25 % |
0,25 % |
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2029 |
1 % |
0,5 % |
0,5 % |
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2030 |
1,5 % |
0,75 % |
0,75 % |
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2031 |
2 % |
1 % |
1 % |
Das Geld soll in einem öffentlichen Fonds angelegt werden, der weltweit und breit gestreut vor allem in Aktien investiert. Es wird diskutiert, ob Versicherte alternativ auch zwischen einer begrenzten Anzahl anderer zertifizierter Anlagefonds wählen können. Die Verwaltungskosten sollen möglichst niedrig liegen und 0,1 Prozent des angelegten Vermögens pro Jahr nicht überschreiten.
Rendite: Welche Rendite ist mit der Kapitalrente möglich?
Wie hoch die Kapitalrente im Alter ausfallen kann, hängt vor allem von der Höhe der Beiträge, der Anlagedauer und der Rendite ab. Eine Modellrechnung des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts (ZEW) kommt bei 45 Jahren Ansparzeit auf eine mögliche mittlere jährliche Rendite von 4,6 Prozent nach Inflation beziehungsweise 6,7 Prozent vor Inflation. Jüngere Beschäftigte könnten besonders profitieren. Nach der Modellrechnung ergeben 45 Jahre Ansparzeit eine mittlere zusätzliche Monatsrente von rund 777 Euro, bei 20 Jahren dagegen nur rund 151 Euro. Die Angaben sind inflationsbereinigt und auf die Kaufkraft von 2026 bezogen. Die tatsächliche Rente kann höher oder niedriger ausfallen.
Auszahlung: Wie wird die Kapitalrente ausgezahlt?
Wie das angesparte Kapital der gesetzlichen Kapitalrente dann als Rente ausgezahlt werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Vorgesehen ist eine lebenslange Auszahlung. Ein mögliches Szenario: Das Kapital wird mithilfe eines sogenannten Annuitätendivisors in eine monatliche Rente umgerechnet. Dabei werden unter anderem die statistische Lebenserwartung und die erwarteten Kapitalerträge berücksichtigt.
Was passiert, wenn das angesparte Kapital aufgebraucht ist?
Ist das individuell angesparte Kapital rechnerisch aufgebraucht, soll die Kapitalrente trotzdem als lebenslange Rente weiterhin ausbezahlt werden. Dieses sogenannte Langlebigkeitsrisiko wird innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung gemeinschaftlich getragen.
Übergangsfaktor in der Kapitalrente
Wer in den nächsten Jahren in Rente geht, hat nur wenig Zeit, um über die Kapitalrente zusätzliches Geld anzusparen. Deshalb schlägt die Rentenkommission einen Zuschlag vor, der aus Steuermitteln finanziert wird. Dieser sogenannte Übergangsfaktor soll die geringeren Erträge aus der Kapitalrente bei rentennahen Jahrgängen ausgleichen.
Ist die Kapitalrente vererbbar?
Obwohl für die Kapitalrente individuelle Kapitalkonten eingerichtet werden sollen, sind diese Konten Teil der gesetzlichen Sozialversicherung und deshalb nach derzeitigem Stand (10.2026) nicht vererbbar.
Gründe: Warum soll die Kapitalrente kommen?
Deutschland steht vor einer demografischen Herausforderung: . In den 1970er-Jahren kamen auf jeden Rentner, jede Rentnerin statistisch etwa vier Beitragszahler:innen. Heute sind es nicht einmal zwei. Um das auszugleichen, muss entweder länger gearbeitet, das Rentenniveau gesenkt werden, oder es müssen die Rentenbeiträge angehoben werden. Hier soll die Kapitalrente gegensteuern. Und: Wird ein Teil der Rente auf dem Kapitalmarkt angelegt, kann die Rendite möglicherweise höher ausfallen.
Wie funktioniert die Aktienrente in Schweden mit AP7 Såfa?
Vorbild der deutschen Kapitalrente ist Schweden: Bei der schwedischen Prämienrente fließen 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens direkt in die Kapitalmärkte. Auch Schweden hat einen Staatsfonds (AP7 Såfa) eingerichtet, die Beitragszahler:innen können außerdem zwischen Hunderten staatlich geprüfter Fonds wählen und dort das Geld für ihre Prämienrente selbst anlegen. AP7 Såfa passt das Risiko automatisch an das Alter an: Bei jüngeren Sparerinnen und Sparern wird aggressiver und renditeorientierter angelegt, während die Anlagestrategie mit zunehmendem Alter schrittweise konservativer wird. Die staatliche Rentenbehörde hält die Verwaltungskosten extrem niedrig. Bei Rentenbeginn können Versicherte wählen, ob sie das angesparte Kapital als garantierte Rente beziehen wollen oder ob es weiterhin investiert bleiben soll. Seit 2000, als die Prämienrente eingeführt wurde, liegt die durchschnittliche Rendite des Staatsfonds (AP7 Aktiefond und Vorgänger) bei 11 Prozent.
Aktueller Stand: Wann wird die Kapitalrente kommen?
Die Kapitalrente ist noch nicht beschlossen. Sie ist bislang nur ein Reformvorschlag im Rahmen der geplanten Rentenreform. Es gibt aktuell (Oktober 2026) keinen konkreten Gesetzentwurf, der Regelungen zur Kapitalrente enthält. Ob die Kapitalrente tatsächlich 2028 startet und wie sie im Detail ausgestaltet wird, muss das Gesetzgebungsverfahren zeigen.
Die Kapitalrente wurde im Juni 2026 von der Rentenkommission (Alterssicherungskommission) als eine von 33 Empfehlungen zur Rentenreform vorgeschlagen (Empfehlung 28). Auch alle Vorschläge zur Ausgestaltung, wie der Start im Jahr 2028 und die schrittweise Erhöhung des zusätzlichen Rentenbeitrags, stammen aus diesen Empfehlungen der Rentenkommission.
Die Bundesregierung hat angekündigt, das Vorschlagspaket vollständig umzusetzen. Der Koalitionsausschuss hat dieses Vorgehen Anfang Juli bestätigt. "Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden", fordert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 23. Juni 2026 bei einer Pressekonferenz anlässlich der Übergabe des Abschlussberichts der Alterssicherungskommission.
Historisch: Frühere Vorschläge für kapitalgedeckte Altersvorsorge
Die Altersvorsorge durch Investitionen an den Kapitalmärkten stärken: Diese Idee ist nicht neu. Schon seit vielen Jahren werden unter Schlagworten wie "Deutschlandrente", "Bürgerfonds", "Aktienrente" oder "Generationenkapital" unterschiedliche Modelle diskutiert. Einige sollen die private Altersvorsorge stärken, andere die gesetzliche Rentenversicherung entlasten.
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Wann? |
Reformkonzept |
Idee |
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2026 |
Gesetzliche Kapitalrente |
Pflichtbeiträge für eine kapitalgedeckte Zusatzrente. |
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2024 |
Generationenkapital |
Mit staatlichen Kapitalanlagen die Rentenkasse entlasten. |
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2021 |
Aktienrente |
Einen Teil der Rentenbeiträge in Aktienfonds investieren. |
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2019 |
Bürgerfonds |
Private Altersvorsorge über öffentlichen Fond ermöglichen. |
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2015 |
Deutschland-Rente |
Beschäftigte sparen über einen Vorsorgefonds. |