Allianz - Rente - Grundrente: Älteres Paar hält sich im Arm

Grundrente: Alle Informationen zum neuen Gesetz

Kurz erklärt in 30 Sekunden
Für Sie zusammengefasst
  • Die Grundrente wurde in einem Gesetz der Großen Koalition, dem Grundrentengesetz, festgelegt. Sie steht ab dem 1. Januar 2021 Personen zu, die in ihrem Arbeitsleben wenig verdient haben und bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
  • Der Hintergrund: Niemand, der mindestens 33 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, soll sich im Alter vor dem Sozialamt verantworten müssen. Auch Zeiten, in denen Angehörige gepflegt und Kinder erzogen wurden, sind relevant.
  • Betroffene sollen in Zukunft mehr Geld haben, als ihnen durch die Grundsicherung, das sogenannte „Hartz IV für Senioren“, zur Verfügung steht.
  • Trotz Grundrente ist klar: Die private Altersvorsorge bleibt in Deutschland weiterhin wichtig.
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Gerechtigkeitsrente

Die Grundrente, auch Gerechtigkeitsrente oder Respektrente genannt, ist eine Rente, die höher sein soll als die Grundsicherung. Sie greift für diejenigen, die mindestens 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, Angehörige gepflegt oder Kinder groß gezogen haben und durchschnittlich zwischen 0,3 und 0,8 Rentenpunkte pro Jahr erwerben konnten. Für alle, die mindestens 33 Jahre eingezahlt haben, gibt es gestaffelte Zuschläge.

Die Grundrente als ergänzende Altersvorsorge ist schon eine Weile im Gespräch. Nach monatelangen Diskussionen einigte sich die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD auf ein Grundrentengesetz. Das Gesetz wird am 01.01.2021 in Kraft treten, statt der im Koalitionsvertrag geplanten Bedürftigkeitsprüfung wird es eine Bedarfsprüfung beziehungsweise Einkommensprüfung geben. 

Das Grundrentengesetz wurde Anfang Juli 2020 vom Bundestag verabschiedet. In diesem Gesetz werden unter anderem folgende Anpassung festgehalten:

  • Betroffene, die mindestens 33 Jahre Pflichtbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben, erhalten einen gestaffelten Zuschlag. 
  • Allerdings gibt es für jeden Monat, der zu den vollen 35 Jahren fehlt, etwas weniger Geld obendrauf. 

Das Ziel: Die Große Koalition will eine zusätzliche Rente für Menschen, die 33 bzw. 35 Jahre gearbeitet haben und trotzdem zu wenig bekommen, um ein würdevolles Leben zu führen. Mit der Grundrente  soll die Lebensleistung eines Menschen honoriert werden. 

Die Grundrente ist etwas anderes als die Grundsicherung, das sogenannte „Hartz IV für Senioren“. Wenn das Geld trotz Grundrente nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reicht, kann die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Wohngeld zusätzlich beantragt werden.  
  • Die Grundrente muss nicht beantragt werden. Es wird automatisch geprüft, wem sie zusteht.
  • Die Auszahlung erfolgt ebenfalls automatisch.
  • Das Einkommen zählt, nicht das Vermögen.
  • Zuschlag auf die gesetzliche Rente. Maximal liegt die zusätzliche Grundrente bei 418 Euro im Monat (Stand Dezember 2020).
  • Einkommensfreibetrag in Höhe von 1.250 Euro für Alleinstehende und 1.950 Euro für Paare (Stand Dezember 2020).
  • Muss beim Sozialamt beantragt werden.
  • Wird von vielen, denen sie zusteht, nicht beantragt.
  • Alle Vermögenswerte müssen offengelegt werden.
  • Je nach Wohnkosten etc. ist Anspruch unterschiedlich hoch.
  • Ein Alleinstehender darf bis 5.000 Euro Vermögen besitzen, für den Partner kommen nochmals 5.000 Euro hinzu (Stand Dezember 2020).
Auszahlung und Berechnung der Grundrente 
 Die Grundrente für Geringverdiener wird am 01. Januar 2021 in Kraft treten. 

Da rund 26 Millionen Bestandsrenten geprüft werden müssen, Daten zur Einkommensanrechnung von der Finanzverwaltung oder den Betroffenen angefordert und ausgewertet werden, können die Grundrenten nur zeitlich gestaffelt berechnet und ausgezahlt werden. Die ersten Zuschläge werden voraussichtlich Mitte des Jahres 2021 ausgezahlt – rückwirkend zum 01.01.2021.

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Geringverdiener, Frauen, Halbzeitkräfte

Die Deutsche Rentenversicherung vermutet, dass etwa 1,3 Millionen Rentner von der Grundrente profitieren. Den Staat kostet das jährlich circa 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro aus Steuermitteln. Wie sich die Grundrente gestaltet und wer Anspruch darauf hat:

  • Wer mindestens 33 Jahre regelmäßig gearbeitet (Voll- oder Teilzeit) und durchschnittlich zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkte erworben hat, erhält die Grundrente. 
  • Auch die Jahre, in denen Angehörige gepflegt und Kinder erzogen worden sind, werden bei der Rente berücksichtigt.
  • Alleinstehende, die weniger als 1.250 Euro und Paare, die weniger als 1.950 Euro zu versteuern haben, haben Anspruch auf eine Aufstockung ihrer Altersbezüge. Als Berechnungsgrundlage dient die bisherige Rente und sonstige Einkünfte aus Vermietung und Kapitalanlagen. Haben Betroffene mehr Einkommen zu Verfügung, wird der darüber liegende Betrag bis zu einer Höhe von 1.600 Euro monatlich (bei Paare bis zu 2.300 Euro monatlich) zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Übersteigt das monatliche Einkommen die Grenze von 1.600 Euro (bei Paare 2.300 Euro) wird der Betrag zu 100 Prozent angerechnet. (Stand der Daten: Dezember 2020)
  • Schätzungsweise 70 Prozent der Profiteure sind Frauen. Auch viele Ostdeutsche profitieren voraussichtlich, da diese oft lange gearbeitet, aber wenig verdient haben.
  • Auch Menschen, die bereits Rente beziehen, haben einen Anspruch auf die Grundrente.
  • Nachweise sind nicht nötig, Betroffene erhalten die Grundrente automatisch. Die gesetzliche Rentenversicherung und die Finanzverwaltung tauschen hierfür Daten aus.
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Rentenpunkte

Wie viel Geld es für Sie zusätzlich geben wird, hängt vom Ergebnis der Bedarfsprüfung ab. Der Bedarf errechnet sich anhand der von Ihnen erworbenen Rentenpunkte. Jeder Beitragszahler, der ein Jahr lang das Durchschnittseinkommen der Deutschen verdient hat, erhält einen Rentenpunkt. Der Plan für die Grundrente: Die Rentenversicherung stuft die erworbenen Entgeltpunkte nach Erfüllung der Bedingungen hoch, damit steigt automatisch der Rentenanspruch. Die Grundrente stockt also eine bestehende Rente auf.

Die Rechnung: Ihre Beiträge an die Rentenkasse müssen zwischen 30 und 80 Prozent der Zahlungen eines Durchschnittsverdieners liegen, Sie müssen also zwischen 0,3 und 0,8 Rentenpunkte pro Jahr erworben haben.

Ihr Anspruch wird dann auf maximal 80 Prozent der Rente eines Durchschnittsverdieners angehoben. Ganz zum Schluss werden von dem für Sie berechneten Betrag pauschal 12,5 Prozent abgezogen. Das liegt am sogenannten „Äquivalenzprinzip“, das bedeutet: Die Höhe der Rente soll von der Höhe der gezahlten Beiträge abhängen.

Der 69-jährige Michael hat 40 Jahre gearbeitet und in dieser Zeit 0,4 Rentenpunkte pro Jahr erworben. Seine Rente liegt (in Westdeutschland) bei 547 Euro. Da Michael die Voraussetzungen für die Grundrente erfüllt, bekommt er einen Zuschlag von rund 405 Euro.
Die neue Rente liegt dann bei insgesamt 952 Euro.

Die Rechnung für die aktuelle Rente:
40 Jahre x 0,4 EP x 34,19 Euro (aktueller Rentenwert West ab 7/2020) = 547 Euro

Die Rechnung für den Grundrentenzuschlag:
35 x (0,4 EP - (0,4 EP x 12,5 %)) x 34,19 = 405 Euro

Gesamtrente: 547 + 405 = 952 Euro (brutto)

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Riester Rente, bAV und Co.
Die GroKo hat sich zwar bezüglich der Grundrente geeinigt. Vernachlässigen Sie aber trotzdem nicht Ihre private Altersvorsorge. Die Grundrente soll nur an Menschen gehen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie können nicht wissen, ob Sie später dafür infrage kommen. Zudem ist die Grundrente vor allem ein Werkzeug, um wenigstens einem Teil der Menschen aus der Altersarmut zu helfen. Falls Sie im Alter ein finanzielles Polster anstreben, um Ihren gewohnten Lebensstandard halten zu können, ist die private Altersvorsorge essenziell. Auch die betriebliche Altersvorsorge ist ein gutes Mittel, um drohender Altersarmut entgegenzuwirken. 
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