Allianz - Rente - Grundrente: Älteres Paar hält sich im Arm

Grundrente: Alle Informationen zum geplanten Gesetz

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Für Sie zusammengefasst
  • Die Grundrente ist ein Gesetzesvorhaben der Großen Koalition. Sie soll ab dem 1. Januar 2021 an Geringverdiener ausbezahlt werden, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
  • Der Hintergrund: Niemand, der 35 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, soll sich im Alter vor dem Sozialamt verantworten müssen. Auch Zeiten, in denen Angehörige gepflegt und Kinder erzogen wurden, sind relevant.
  • Betroffene sollen in Zukunft mehr Geld haben, als ihnen durch die Grundsicherung, das sogenannte „Hartz 4 für Senioren“, zur Verfügung steht.
  • Trotz Grundrente ist klar: Die private Altersvorsorge bleibt in Deutschland weiterhin wichtig.
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Gerechtigkeitsrente

Die Grundrente oder auch Gerechtigkeitsrente genannt, ist eine Rente, die höher sein soll als die Grundsicherung. Sie greift für diejenigen, die über 35 Jahre gearbeitet haben, Angehörige gepflegt oder Kinder groß gezogen haben und durchschnittlich zwischen 0,3 und 0,8 Rentenpunkte pro Jahr erwerben konnten.

Die Grundrente als ergänzende Altersvorsorge ist schon eine Weile im Gespräch. Nach monatelangen Diskussionen einigte sich die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD einer Pressemiteilung des Bundesministerium Arbeit und Soziales  vom 11. November zufolge auf einen Kompromiss. Die Grundrente soll 2021 kommen, statt der im Koalitionsvertrag geplanten Bedürftigkeitsprüfung soll es eine Bedarfsprüfung beziehungsweise Einkommensprüfung geben. Um diesen Punkt stritten die Parteien am hartnäckigsten.

Das Ziel: Die Große Koalition will eine zusätzliche Rente für Menschen, die über 35 Jahre gearbeitet haben und trotzdem zu wenig bekommen, um einen würdevollen Alltag zu bestreiten. Mit der Grundrente  soll die sogenannte „Lebensleistung“ eines Menschen honoriert werden. Finanziert werden soll sie durch einen höheren Steuerzuschuss in die Rentenkasse – Geld, das unter anderem durch die Einführung der Finanztransaktionssteuer (Steuer auf Ein- und Auszahlungen an der Börse) zur Verfügung stehen soll.

Die Grundrente ist etwas anderes als die Grundsicherung, das sogenannte „Hartz 4 für Senioren“. Wenn das Geld trotz Grundrente nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reicht, kann die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zusätzlich beantragt werden. Auch in Sachen Wohngeld soll es Freibeträge geben.
  • Wird Betroffenen automatisch ausgezahlt
  • Soll alle Betroffene automatisch erreichen
  • Das Einkommen zählt, nicht das Vermögen
  • Eigenes Wohnhaus sowie Auto ist unerheblich
  • Zuschlag auf die gesetzliche Rente. Maximal liegt die zusätzliche Grundrente bei 404,86 Euro
  • Einkommensfreibetrag in Höhe von 1250 Euro für Alleinstehende und 1950 Euro für Paare
  • Muss beim Sozialamt beantragt werden
  • Wird von vielen, denen sie zusteht, nicht beantragt
  • Alle Vermögenswerte müssen offengelegt werden
  • Eventuell muss erst das Auto verkauft werden, bevor man als „bedürftig“ gilt
  • Je nach Wohnkosten etc. ist Anspruch unterschiedlich hoch
  • Ein Alleinstehender darf bis 5.000 Euro Vermögen besitzen, für den Partner kommen nochmals 5.000 Euro hinzu
Die Grundrente ist ein Kompromiss zwischen der SPD und der Union, jedoch noch kein Gesetz. Wenn alles läuft wie geplant, soll die Grundrente für Geringverdiener am 1. Januar 2021 in Kraft treten. Ende 2025 soll geprüft werden, ob die beabsichtigten Ziele erreicht wurden.
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Geringverdiener, Frauen, Halbzeitkräfte

1,2 bis 1,5 Millionen Rentner profitieren voraussichtlich von der Grundrente. Den Staat kostet das jährlich circa 1,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln. Wie sich die Grundrente gestaltet und wer Anpruch darauf hat:

  • Wer 35 Jahre regelmäßig gearbeitet (Voll- oder Teilzeit) und durchschnittlich zwischen 0,24 und 0,8 Entgeltpunkte erworben hat, erhält die Grundrente. 
  • Auch die Jahre in denen Angehörige gepflegt und Kinder erzogen worden sind, werden bei der Rente berücksichtigt.
  • Alleinstehende die weniger als 1250 Euro (Paare weniger als 1950 Euro) zu versteuern haben, haben Anspruch auf eine Ausstockung ihrer Altersbezüge.  Als Berechnungsgrundlage dient die bisherige Rente und sonstige Einkünfte aus Vermietung und Kapitalanlagen.
  • Schätzungsweise 80 Prozent der Profiteure sind Frauen. Auch viele Ostdeutsche profitieren voraussichtlich, da diese oft lange gearbeitet, aber wenig verdient haben.
  • Auch Menschen, die bereits Rente beziehen, haben einen Anspruch auf die Grundrente.
  • Nachweise sind nicht nötig, Betroffene erhalten die Grundrente automatisch. Die staatliche Rentenversicherung und die Finanzverwaltung tauschen hierfür Daten aus.
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Rentenpunkte

Wie viel Geld es für Sie zusätzlich geben könnte, hängt von der Bedarfsprüfung ab. Diese errechnet sich anhand der von Ihnen erworbenen Rentenpunkte. Jeder Beitragszahler, der ein Jahr lang das Durchschnittseinkommen der Deutschen verdient hat, erhält einen Rentenpunkt. Der Plan für die Grundrente: Die Rentenversicherung stuft die erworbenen Entgeltpunkte nach Erfüllung der Bedingungen hoch, damit steigt automatisch der Rentenanspruch.Die Grundrente stockt also eine bestehende Rente auf.

Die Rechnung: Ihre Beiträge an die Rentenkasse müssen zwischen 30 und 80 Prozent der Zahlungen eines Durchschnittsverdieners liegen, Sie müssen also zwischen 0,3 und 0,8 Rentenpunkte pro Jahr erworben haben.

Ihr Anspruch wird dann auf maximal 80 Prozent der Rente eines Durchschnittsverdieners angehoben. Ganz zum Schluss werden von dem für Sie berechneten Betrag noch 12,5 Prozent abgezogen. Das liegt am sogenannten „Äquivalenzprinzip“, was nichts anderes heißt als: Die Höhe der Rente soll eigentlich von der Höhe der gezahlten Beiträge abhängen.

Der 69-jährige Michael hat 40 Jahre gearbeitet und in dieser Zeit 0,4 Rentenpunkte pro Jahr erworben. Seine Rente liegt (in Westdeutschland) bei 529 Euro. Da Michael die Voraussetzungen für die Grundrente erfüllt, bekommt er einen Zuschlag von rund 405 Euro.
Die neue Rente liegt dann bei insgesamt 934 Euro.

Die Rechnung für die aktuelle Rente:
40 Jahre x 0,4 EP x 33,05 Euro (aktueller Rentenwert West ab 7/2019) = 529 Euro

Die Rechnung für den Grundrentenzuschlag:
35 x (0,4 EP - (0,4 EP x 12,5 %)) x 33,05 = 405 Euro

Gesamtrente: 529 + 405 = 934 Euro (brutto)

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Riester Rente, bAV und Co.
Die GroKo hat sich zwar bezüglich der Zusatzrente geeinigt. Vernachlässigen Sie aber trotzdem nicht Ihre private Altersvorsorge. Die Grundrente geht nur an Menschen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie können nicht wissen, ob Sie später dafür infrage kommen. Zudem ist die Grundrente vor allem ein Werkzeug, um wenigstens einem Teil der Menschen aus der Altersarmut zu helfen. Falls Sie im Alter ein finanzielles Polster anstreben, um Ihren gewohnten Lebensstandard halten zu können, ist die private Altersvorsorge essenziell. Auch die betriebliche Altersvorsorge ist ein gutes Mittel, um drohender Altersarmut entgegenzuwirken. 
Gesetzesbeschluss

Der Kompromiss steht, das Gesetz noch nicht: Wenn der Gesetzesentwurf vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, muss anschließend der Bundestag und gegebenenfalls Bundesrat zustimmen. Ist all das geglückt, können sich Betroffene über Auszahlungen ab 1. Januar 2021 freuen.

Manches ist noch nicht geklärt: Zum Beispiel die Gleitzonen bei Beitragsjahren. Was passiert mit Menschen, die 34 Jahre gearbeitet und eingezahlt haben? Dazu steht im Koalitionsbeschluss  bisher lediglich: „Um harte Abbruchkanten bei der Leistungsgewährung zu vermeiden, werden wir sowohl beim Einkommensfreibetrag als auch bei den Grundrentenzeiten eine kurze, wirksame Gleitzone einführen.“ 

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