Natur- und artgerechter Umgang mit Pferden

Horsemanship: Mensch und Pferd als Partner

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Kurz erklärt in 30 Sekunden
Das Wichtigste zum Thema Horsemanship
  • Horsemanship ist kein Wettbewerb, sondern eine grundlegende Philosophie: die des partnerschaftlichen und artgerechten Umgangs des Menschen mit dem Pferd.
  • Horsemanship heißt Kommunikation miteinander auf Augenhöhe. Daher beginnt der respektvolle Umgang mit dem Pferd bei einer höflichen Begrüßung im Stall.
  • Pferde sind soziale Wesen, die stressfrei leben möchten. Deswegen sollte man bei ihnen eine Anspannung immer mit einer Entspannung belohnen.
  • Pferde müssen sich regelmäßig bewegen und brauchen entsprechende Möglichkeiten – für diese zu sorgen, ist auch ein Bestandteil des Horsemanship. Es gibt zahlreiche Experten, die entsprechende Kurse, Workshops oder Ausbildungen anbieten.
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Allianz - Horsemanship: Frau mit Hut und Poncho küsst Pferd
Tipps vom Pferdeexperten
Allianz - Horsemanship: Frau mit Hut und Poncho küsst Pferd

„Wie kriegt man Kinder dazu, dass sie sich in der Öffentlichkeit benehmen? Man bringt es ihnen bereits zuhause bei!“, sagt der Pferdeexperte. Gleiches gilt für die Pferdeausbildung: Man kann von dem Tier nur das erwarten, was man ihm beigebracht hat.

Genauso wenig, wie man versuchen sollte, ein lärmendes Kind in der Öffentlichkeit zu erziehen, sollte man auch von einem Tier nicht zu viel erwarten. Wenn es etwas Neues lernen soll, muss man sich auf die Stufe des Pferdes begeben und es behutsam dorthin führen. „Das nenne ich Horsemanship“, erklärt Bjørn Rau.

Selbstverständlich ist Horsemanship auch in Deutschlands größter Gemeinschaft der Pferdeinteressierten, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, kurz FN genannt – Fédération Equestre Nationale, ein Thema. Der Verband kümmert sich um die Ausbildung von Reitern, Fahrern, Voltigierern und Pferden sowie der Förderung der Bereiche Pferdezucht, Pferdepflege, Pferdehaltung, Tierschutz, Naturschutz und Landschaftspflege.

Artgerechter Umgang mit dem Pferd

Der Verband setzt sich zudem ein, um das Kulturgut „Pferd“ im Bewusstsein der Menschen zu bewahren. Thies Kaspareit leitet bei der FN den Fachbereich Ausbildung und Wissenschaft. „Der Gedanke, der hinter dem Begriff Horsemanship steht, also der artgerechte Umgang mit dem Partner Pferd, ist für uns eine Selbstverständlichkeit“, erklärt er, „er ist Teil unserer ethischen Grundsätze.“

Der Sinn vom Horsemanship sei bei der FN essentiell: naturgerechter Umgang mit dem Pferd, eine tiergerechte Einstellung zum Sportpartner Pferd. „Sicherlich betreiben wir auch Leistungssport mit dem Pferd“, sagt Kaspareit, „aber stets partnerschaftlich und fair.“ Das Pferd soll nicht überfordert werden und ihm dürfen keine Schmerzen oder Angst zugefügt werden. „Wir wollen das Pferd verstehen und mit ihm kommunizieren“, sagt der Chefausbilder der FN, „gleichzeitig soll der Reiter jedoch die Führungskompetenz bewahren.“

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Schon im Fohlenalter beginnen
Allianz - Horsemanship: Frau fasst Vertrauen zum Fohlen

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier über den Weg Horsemanship kann dagegen bereits schon im Fohlenalter beginnen. Ähnlich wie eine Stute ihr Fohlen führt, kann auch der Mensch das junge Tier führen. Sie gehen vorweg und das Pferdekind hinter Ihnen her. Immer wenn es beim Folgen den Weg zu weit verlässt, holen Sie es zurück.

Ganz wichtig: Auch Fohlen muss man fordern. „Eigentlich haben sie in der Box nichts verloren“, sagt Pferdeexperte Rau, „denn dort verdummen sie und verlieren ihre Bewegungsfreude. Pferde sind sozialverträgliche Wesen. Aber nur, wenn sie normal aufwachsen dürfen.“

Wenn mir das Pferd vertraut, kann ich es beinahe überall hinführen. In Jahreszeiten, wo links und rechts des Weges alles grünt, wird es natürlich schwieriger, weil die vielen leckeren Kräuter und Gräser allzu verlockend sind.

„Aber das ist gelebtes Horsemanship, jetzt das Tier davon zu überzeugen, mitzukommen und nicht stehen zu bleiben“, erklärt Bjørn Rau, wie er mit den Tieren kleine Kontrakte abschließt: „Wenn du jetzt weiter mitkommst, darfst du später auf einer schönen Wiese in Ruhe fressen. Den Vertrag muss ich aber auch einlösen. Auf der Wiese angekommen, gebe ich dem Pferd ein Zeichen, dass es jetzt fressen darf. Und irgendwann kommt mein Zeichen für den Aufbruch: ,Jetzt reicht‘s, wir gehen weiter.’ Und solche kleinen Kontrakte gibt es permanent.“

Höflicher Umgang mit dem Pferd

Wenn das Tier dem Menschen vertrauen soll, muss man ihm mit Höflichkeit begegnen. Daher gehört es sich zum Beispiel nicht, einfach mit einem lauten „Los geht’s“ zum Tier in die Box zu stürmen und es rauszuzerren.

„Sondern man sollte stets das Tier freundlich begrüßen, Abstand halten und warten, bis das Pferd selbst Kontakt aufnehmen will. Dann kann man ihm die Hand hinhalten und es daran schnuppern lassen“, erläutert Rau sein Verständnis von respektvollem Umgang mit Pferden. Im Prinzip sollte die Kontaktaufnahme genauso höflich ablaufen wie zu einem Menschen.

Ähnliches gilt für das Verladen des Tieres auf einen Anhänger für einen Transport zur Tierklinik oder einem Turnier. Da es für das Fluchttier Pferd großen Stress bedeutet, in einer kleinen Box gefangen zu sein, ist es wichtig, dass es seinem Halter vertraut. Man sollte aber nicht nur das Vertrauen über Horsemanship gewinnen, sondern auch das Verladen ausgiebig trainieren, so dass das Pferd weiß, dass der Aufenthalt in der Box nur auf kurze Dauer begrenzt ist. Dann geht es auch am tatsächlichen Transporttag relativ gelassen in den ungeliebten Anhänger.

Allianz - Horsemanship: Frau fasst Vertrauen zum Fohlen
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Horsemanship will gelernt sein
Allianz - Horsemanship: Frau lacht Pferd an, Pferd schmiegt sich an Frau auf Weide

Bjørn Rau empfiehlt jedem Tierliebhaber, einen Kurs zum Thema Horsemanship zu besuchen, „denn viele kümmern sich zwar mit viel Enthusiasmus um ein Pferd, aber oft fehlt ihnen die Kenntnis dazu.“ Und die sei extrem wichtig: Ein Mountainbiker kann sein Fahrrad ohne schlechtes Gewissen in die Ecke stellen. Dann verstaubt das Sportgerät lediglich. Ein Pferd dagegen kann der Reiter nicht einfach irgendwo parken, nur weil es zwischen den beiden gerade nicht so gut klappt.

Man darf ein Pferd außerdem niemals mit Druck ausbilden. Denn im entscheidenden Augenblick wird das Tier nicht dem Druck gehorchen, sondern seinem Instinkt. „Und der Instinkt empfiehlt Ausreißen oder Flucht“, erklärt Rau.

Möglichkeiten der Horsemanship Ausbildung

Wer sich für die Kommunikation mit dem Pferd über den Weg Horsemanship interessiert oder ausbilden lassen möchte, findet im deutschsprachigen Raum jede Menge Kurse, Workshops und Ausbildungen. Einer der bekanntesten Anbieter ist Pat Parelli. Der ehemalige US-amerikanische Rodeoreiter hat seine Schule auf „7 Games“ aufgebaut, mit welchen er den Pferdefreunden seine Version von Natural Horsemanship vermittelt.

Ein anderer Horseman ist Birger Gieseke. Der hat gemeinsam mit Tony Lander das „Equine Quality System“ entwickelt. In dem daraus entstandenen International Horseman-Institut  können Pferdefreunde in Camps, Kursen oder Workshops lernen, Pferde zu verstehen, um besser mit ihnen zu kommunizieren.

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