»Ich brauche keine Medaille,
um mich zu freuen«

25. Juli 2023 – Protokoll: Maria Dünninger

 

In der Serie »Ich habe einen Traum« stellt 1890 digital Nachwuchsstars vor, die im Sommer 2024 zum ersten Mal an den Olympischen oder Paralympischen Spielen teilnehmen wollen – Jan Helmich ist einer von ihnen

»Niemals hätte ich als Kind von den Olympischen Spielen zu träumen gewagt. Oder auch nur daran gedacht, irgendeinen Sport zu machen. Ich bin mit Klumpfüßen auf die Welt gekommen. Diese Fehlstellung wurde zwar so gut wie möglich behandelt, aber ich kann meine Sprunggelenke nicht bewegen. Das war für mich vor allem als Jugendlicher schwer zu verkraften. Ich wollte einfach nur normal sein und mit den anderen mithalten. Stattdessen hatte ich lange mit meiner Eigenwahrnehmung und meiner Außenwirkung zu kämpfen. Wer bin ich? Was kann ich? Wie komme ich an? Ich brauchte sehr viel Zeit, um ein Selbstbewusstsein zu entwickeln. 

Mein Informatikstudium hat mir sicher dabei geholfen. Ich bin dafür 2016 nach Cambridge in England gezogen. Dort findet jedes Jahr das »Boat Race« zwischen Oxford und Cambridge statt. Es ist das größte universitäre Ruderrennen der Welt. Ich fand das sehr beeindruckend und wollte – für die Cambridge-Rundumerfahrung – den Sport einfach mal ausprobieren. Kurze Zeit später saß ich im Boot und merkte: Das macht mir Spaß. Mein ganzer Körper wurde beansprucht, und ich konnte mich vollkommen auspowern. Das wurde nicht einfach nur zu einem Ausgleich zu meiner akademischen Leistung. Ich spürte eine Begeisterung, die ich bis dahin nicht kannte. Ich wollte mehr. 

Ich fing an zu trainieren, verbrachte zahllose Stunden auf dem Rudergerät und konnte irgendwann tatsächlich erste Rennen gewinnen. So bin ich irgendwie in den Leistungssport gerutscht. Jetzt wirklich an den Paralympischen Spielen in Paris teilzunehmen, ist für mich immer noch eher ein Traum. Es ist die größte Sportveranstaltung auf dem Planeten und daran teilzunehmen: der größte Erfolg, den man sich als Sportler vorstellen kann. Dass der Gastgeber dann auch noch Paris ist, finde ich grandios. Es ist eine wirklich schöne Stadt mit einer tollen Kultur. 

Sollte ich in Paris ganz oben stehen, könnte es sein, dass ich mir das eine oder andere Tränchen verdrücken muss. Der ganze Druck wird dann von mir abfallen. Doch ehrlich gesagt, brauche ich nicht unbedingt eine Medaille, um mich zu freuen. Der Welt und mir zu zeigen, was ich – so wie ich bin – leisten kann, entschädigt für die ganze Arbeit und Zeit, die ich in meinen Sport und mich selbst investiert habe. Dass ich es mit der Einschränkung überhaupt so weit gebracht habe, macht mich jetzt schon unglaublich stolz.

 

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Bildquellen

Fotos: Horst Friedrichs

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