Kleiner Piks, große Wirkung

23. Januar 2024 – Text: Theresa Atzl
Blut spenden kann Leben retten. Das klingt einfach, aber viele schrecken aus Angst davor zurück. Unsere Autorin wagt sich zum ersten Mal zur Blutspende – und erzählt von ihren Eindrücken.

Meine Hände sind feucht, mein Herz klopft viel zu schnell, und ich habe ein flaues Gefühl im Magen. »Was tue ich mir da an?«, denke ich mir. Doch dann gewinnt meine Stimme der Vernunft wieder die Oberhand: Ich mache das für einen guten Zweck, um Leben zu retten. In Deutschland werden täglich 14.000 Blutspenden benötigt. Es kann wirklich alle Menschen treffen, egal ob nach einem Unfall oder bei einer Operation.

Dass Blutspenden ein wichtiges Thema ist, hat mir bereits mein Opa gepredigt. Bis jetzt habe ich es aber noch nie zu einer Blutspende geschafft. Wenn ich ehrlich bin, ist der Grund dafür ziemlich einfach: Ich hatte Angst davor. Wovor genau, kann ich gar nicht sagen. Ich habe keine Angst vor Nadeln, der Anblick von Blut macht mir nichts aus. Aber der Gedanke, dass mir ein halber Liter Blut entnommen wird, ist mir nicht geheuer. 500 Milliliter – das entspricht immerhin einer halben Packung Milch. Doch gerade zur Weihnachtszeit wird in mir der Wunsch wach, anderen etwas Gutes zu tun. Was gibt es Besseres, als Menschenleben zu retten? Davon abgesehen wird es immer wichtiger, dass auch junge Menschen ihr Blut spenden. Durch den demografischen Wandel fallen immer mehr langjährige Blutspender:innen aus. Also vereinbare ich ganz nach dem Motto »Jetzt oder nie« meinen ersten Blutspendetermin.

Im Notfall: Eine Blutspende kann Leben retten

Eine Bluttransfusion ist für viele Menschen die einzige Überlebenschance

In den Tagen vor dem Termin versuche ich mich selbst davon zu überzeugen, dass ich nicht nervös sein muss. Dass es sicher nicht schlimm wird. Dass das schon viele Menschen vor mir gemacht haben. Und wenn die das schaffen, dann schaffe ich das auch. Also mache ich das, was mir am besten hilft: Ich versuche mich so gut es geht auf die neue Erfahrung vorzubereiten. Dazu recherchiere ich viel im Internet, was man vor einer Blutspende beachten soll. Meine Ergebnisse: ausreichend essen und viel trinken – am besten zwei Liter.

Bei meiner Recherche wird mir auch die Notwendigkeit von Blutspenden endgültig klar. Denn trotz aller wissenschaftlichen Entwicklungen und des medizinischen Fortschritts kann Blut nicht künstlich hergestellt oder ersetzt werden. Eine Bluttransfusion ist für viele Menschen die einzige Überlebenschance. Aktuell werden die meisten Bluttransfusionen in der Krebstherapie, bei Herz-, Magen- und Darmerkrankungen sowie bei Verletzungen aus Unfällen eingesetzt. Bei schweren Unfällen kann es sogar sein, dass ein Mensch mehr als zehn Blutkonserven bekommt. Außerdem lerne ich, dass ich mit jeder Spende bis zu drei Menschen helfen kann, denn mein Blut wird nach der Entnahme in drei Präparate aufgeteilt. Das alles sind Gründe, die mich in meinem Entschluss nur bekräftigen.

Am Tag der Blutspende frühstücke ich also erst einmal ausgiebig und trinke viel Wasser. Das sind gleich zwei Herausforderungen: Frühstücken mit einem flauen Magen ist nicht angenehm, und zwei Liter Wasser vor zehn Uhr trinke ich normalerweise auch nicht. Mit vollem Magen finde ich mich schließlich am Ort des Geschehens ein: der Kantine am Allianz Standort Unterföhring. Hier finden regelmäßig Blutspende-Aktionen für Mitarbeitende statt. 

Mit feuchten Händen und klopfendem Herzen überlege ich mir, ob ich nicht doch einen Rückzieher machen soll. Doch schon stehe ich bei der Anmeldung, wo ich freundlich begrüßt werde. Hier bekomme ich meinen medizinischen Fragebogen und kann mich auch direkt als Stammzellenspenderin registrieren lassen. 

Freundlicher Empfang: In der Kantine am Allianz Standort Unterföhring finden regelmäßig Blutspende-Aktionen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt. Auf Papier: Durch den medizinischen Fragebogen sollen Vorerkrankungen und Risikofaktoren bereits vorab erkannt werden. Entscheidender Tropfen: Der Hämoglobinwert wird gemessen. Gradmesser: Nach dem Gespräch mit der Ärztin, wird die Körpertemperatur und der Blutdruck gemessen. (v. l. o. n. r. u.)

Ist der Hämoglobinwert zu niedrig, darf man nicht spenden

Ich setze mich an einen leeren Tisch, um meinen medizinischen Fragebogen auszufüllen. Mit den Angaben sollen Vorerkrankungen und Risikofaktoren bereits vorab erkannt werden. Ich fülle meinen Fragebogen besten Gewissens aus. Später werde ich ihn noch einmal mit einer Ärztin zusammen durchgehen. Vorher muss jedoch mein Hämoglobinwert gemessen werden. Ist der zu niedrig, habe ich zu wenig rote Blutkörperchen in mir und darf nicht spenden. Kurz keimt in mir der Wunsch auf, dass ich so doch noch um die Spende herumkomme. Ein ziemlich feiger Gedanke für eine Menschenretterin – also verwerfe ich ihn schnell wieder. Ein kleiner Piks in den Finger, ein Tropfen Blut, prompt zeigt das Gerät eine 15,6 – und zerschlägt damit meine Auswegpläne. Mein Wert liegt absolut im Normbereich, und ich bekomme das Go für die Spende. 

Anschließend geht es zum Gespräch mit der Ärztin. Hier gehen wir gemeinsam noch einmal meinen ausgefüllten Fragebogen durch. Dann werden meine Körpertemperatur – 36,3 Grad – und mein Blutdruck gemessen. Dieser ist ziemlich hoch, denn langsam bin ich nicht mehr nur ein bisschen nervös, sondern wirklich aufgeregt.

Jetzt gibt es aber kein Zurück mehr für mich. Schneller als ich gucken kann, liege ich auf einer von circa 15 Liegen. Die Helferin schnürt mir den Arm ab und prüft meine Vene. Ich bekomme eine Packung Tempos in die Hand gedrückt. Wenn ich damit pumpe, fließt das Blut schneller. Schon steckt die Nadel in meinem Arm, und das erste Blut wird abgenommen. Dann erklärt sie mir ganz genau, wie das Blut aus meinem Arm in den Behälter fließt. Dieser bewegt sich in kreisenden Bewegungen, damit das Blut nicht stillsteht. Das sieht ein bisschen wie der Breakdance auf dem Oktoberfest aus. Der Gedanke, dass meine Blutkörperchen Achterbahn fahren, erheitert mich. So langsam fällt die Anspannung von mir ab. Bis jetzt ist die Blutabnahme überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich spüre nicht einmal, dass Blut aus mir herausfließt.

Vom Piks zum Imbiss danach – so verläuft eine Blutspende 

Neben mir habe ich einen kleinen Monitor, der mir anzeigt, wie viel Blut bereits entnommen ist und wie schnell es fließt. Geht die Zahl in den roten Bereich, ist mein Blut zu langsam, und ich muss wieder mit meiner Packung Taschentücher pumpen. Das ist gut, denn so bin ich beschäftigt. Ich gucke weiter auf den Monitor und drücke fleißig, weil mein Blut heute nicht schnell fließen will. Meine zwei Liter Wasser haben wohl nicht so viel geholfen. Blut ist also wirklich dicker als Wasser.

Ich habe gerade die 400-ml-Marke geknackt, da dreht sich die Welt vor meinen Augen plötzlich ein bisschen zu schnell. Ich höre die Geräusche etwas gedämpfter als sonst. Und mein Kopf fühlt sich an, als würde mein Gehirn jetzt Achterbahn fahren. Ich sage sofort der Helferin Bescheid. Sie stellt mein Kopfteil zurück, sodass ich komplett liege und lagert meine Beine hoch. Sofort geht es mir wieder besser. Bei 460 ml hören wir auf, fürs erste Mal soll es genug sein. Danach bleibe ich noch etwas liegen. Ein Arzt kommt, um meinen Blutdruck zu kontrollieren. Da dieser stabil ist, darf ich mich hinsetzen und eine Cola trinken. 

Ich fühle mich schon wieder fast normal, ein bisschen kalt ist mir noch. Nach zehn Minuten darf ich aufstehen und werfe noch meinen Zettel zum vertraulichen Selbstausschluss in die Urne. Hier muss ich angeben, ob meine Spende auch wirklich verwendet werden darf. Danach geht es weiter in den Wartebereich. Egal, wie es einem nach der Spende geht, hier sollte jeder mindestens 30 Minuten bleiben, etwas essen, trinken und sich stärken. Ich mache mir einen Pfefferminztee und verdrücke eine Banane.

Auf die Nadel, fertig, los: Unsere Autorin liegt auf einer von circa 15 Liegen, die Helferin schnürt ihr den Arm ab und prüft die Vene. Im Fluss: Zur Unterstützung des Blutflusses bekommt man eine Packung Taschentücher in die Hand gedrückt. Kostbarer Inhalt: Das lila Blutsenkungsröhrchen dient der Bestimmung der sogenannten Blutsenkungsgeschwindigkeit. Verdiente Stärkung: Nach dem Spenden soll jeder mindestens 30 Minuten beim Blutspendedienst bleiben und etwas essen und trinken. Der Imbiss danach: Theresa fühlt sich erleichtert, dass sie ihre erste Spende gut überstanden hat. (v. l. o. n. r. u.)

Während ich so dasitze und der warme Tee in meinen Magen fließt, lasse ich mein Spendenerlebnis Revue passieren. Ich fühle mich erleichtert, dass ich meinen Einsatz gut überstanden habe und bin wirklich stolz auf mich, dass ich mich dazu überwunden habe. Mein Fazit: Es war überhaupt nicht schlimm. Dass mir zwischendurch schwindelig wurde, kann auch an meiner Aufregung gelegen haben. Selbst wenn nicht: Ich nehme es gerne in Kauf, dass es mir zehn Sekunden nicht gut geht, wenn ich dadurch anderen Menschen helfen kann. Ich bin mir sicher, dass ich die Spende beim nächsten Mal viel besser wegstecken werde. Denn so viel ist mir klar: Es wird auf jeden Fall ein nächstes Mal für mich geben.

Wer sich ebenfalls informieren möchte oder einen Termin zur Blutspende buchen will, findet alle relevanten Informationen dazu unter: https://www.drk-blutspende.de/ 

Allianz Private Krankenversicherung

Bildquellen

Fotos: Simon Koy

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