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Gemeinsam gegen Corona

"Ziel der Allianz ist es, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bald ein Impfangebot zu machen."

12. Dezember 2020 – Interview: Mario Ghiai und Heike Siegl
Dr. Berthold Schröder ist Chef-Betriebsarzt der Allianz Deutschland. Professor Tomas Jelinek ist Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin und des Centrums für Reisemedizin Düsseldorf. Im Interview sprechen beide über den Nutzen von Impfungen auch am Arbeitsplatz.  
Berthold Schröder, Chef-Betriebsarzt der Allianz Deutschland
Tomas Jelinek; Medizinischer Direktor der BCRT, Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin

Herr Schröder, impfen Sie und Ihr Team Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Allianz bald gegen Corona?

Schröder: Ja, sobald das möglich ist, möchten wir das allen Interessierten anbieten. Ganz klar ist aber auch, wir orientieren uns an der Nationalen Impfstrategie und der Impfverordnung. Da gibt es abgestimmte Verfahren, wie der Prozess läuft. Wir können zum Beispiel erst dann impfen, wenn die Risikogruppen mit Impfstoff versorgt sind und die Impfstoffe in der Regelversorgung, also für Haus- und Betriebsarztpraxen, verfügbar sind. Die Bundesregierung möchte bis zum Ende des Sommers allen Bürger:innen ein Impfangebot machen. Sobald wir als Allianz dürfen, bestellen wir Impfstoffeinheiten für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Manche Impf­stoffe müssen bei enormen Minus­graden gelagert werden. Wie funktioniert das logistisch?

Schröder: Es gibt zahlreiche unterschiedliche Impfstoffkandidaten. Derzeit sind bereits drei in der EU zugelassen. Weitere werden folgen. Welchen wir bestellen können, wissen wir noch nicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es nicht derjenige mit den extremen Kühlanforderungen sein. Sicher ist aber schon jetzt, dass nicht alle Impfstoffe so stark gekühlt werden müssen wie zum Beispiel der Impfstoff von Biontech. Ziel der Allianz ist es, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die möchten, bald ein Impfangebot zu machen. Und zwar mit einem Impfstoff mit hoher Wirksamkeit.

Herr Jelinek, wie wirksam sind die Impf­stoffe, die bereits zugelassen sind oder kurz vor der Zu­lassung stehen?

Jelinek: Die bekannten Impfstoffkandidaten gegen Corona haben eine Wirksamkeit zwischen 70 und 95 Prozent. Das bedeutet, von 100 Geimpften entwickeln zwischen 70 und 95 Menschen Immunantworten gegen das Virus und sind so gegen schwere Verläufe geschützt. Das ist eine deutlich höhere Wirkung als beim Grippeimpfstoff. Dieser hat eine Wirksamkeit von etwa 50 Prozent und verhindert schon damit jedes Jahr aufs Neue viele, schwere bis tödliche Krankheitsverläufe.

Helfen die Impf­stoffe auch gegen die bereits jetzt bekannten Mutationen?

Jelinek: Soweit derzeit beurteilbar, ja! Die zufällige Entstehung von Mutationen ist nichts Ungewöhnliches bei Viren, das passiert ständig. Ziel ist die verbesserte Weitergabe der Erbinformation. Daher setzen sich ansteckendere Mutationen auch schnell durch. Das heißt aber nicht automatisch, dass neue Mutationen genauso schwere oder sogar schwerere Erkrankungen hervorrufen. Tatsächlich geht die generelle Tendenz bei großen Ausbrüchen dahin, dass sich die Erreger über neue Mutationen an den Wirt, also den Menschen, anpassen und weniger gefährlich werden. Wie das beim Coronavirus ist, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Einige der bereits bekannten Mutationen des neuen Coronavirus sind viel ansteckender als die ursprüngliche Variante. Auch bei weiteren Mutationen könnten die neu entwickelten Impfstoffe, soweit wir wissen, schnell an diese angepasst werden.

Warum sollte ich mich impfen lassen, wenn ich zu keiner Risiko­gruppe gehöre und auch nach der Impfung womöglich noch ansteckend bin?

Jelinek: Meiner Erfahrung nach ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Geimpfte in relevanter Weise andere Menschen anstecken, wenn sie nach der Impfung mit dem Virus in Kontakt kommen. Allenfalls kommt es bei den Geimpften zu einer kurzen Vermehrung der Viren auf den Schleimhäuten, bevor das durch die Impfung vorbereitete Immunsystem aktiviert wird und das Virus eliminiert. Hier werden sehr wahrscheinlich keine hohen Viruslasten erreicht. Eine Impfung schützt also den Geimpften und sein Umfeld.

Schauen Sie sich die Risikoabwägung genau an, die Sie treffen. Sie stehen vor der Entscheidung zwischen getesteten und von der Europäischen Arzneimittelbehörde geprüften und zugelassenen Impfstoffen mit nach meiner Kenntnis seltenen Komplikationen und andererseits den teilweise dramatischen Krankheitsverläufen und Langzeitfolgen von COVID-19. Hierzu berichten auch jüngere Erkrankte z.B. über andauernde Schwäche, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

Kann man nach so einer kurzen Entwicklungs­phase überhaupt sagen, dass die Impf­stoffe sicher wirken?

Jelinek: Aufgrund der weltweiten Auswirkungen der Pandemie haben viele Wissenschaftler global zusammengearbeitet und etwas Außergewöhnliches geleistet. Es wurden auch enorme finanzielle Mittel bereitgestellt. Das Besondere bei dieser Impfstoffentwicklung war, dass die entscheidenden Prüfphasen teilweise nicht hintereinander, sondern zeitlich parallel abliefen. Auch waren die Zulassungsbehörden bereits während der laufenden Prüfungen eingebunden und konnten die Daten fortlaufend prüfen. Dadurch wurde enorm Zeit gespart. Es wurden aber alle Prüfphasen vollständig und ordnungsgemäß durchlaufen, alle Auflagen zur Sicherheit wurden eingehalten. Die Zeitspanne mag daher gegenüber früheren Verfahren kurz erscheinen, aber sie enthielt alle notwendigen Tests und Prüfphasen für eine ordentliche Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA).

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Allianz haben sich bereits mit Fragen, aber auch Befürch­tungen zum Thema Impfen an Sie gewandt. Was beschäftigt die Menschen am meisten?

Schröder: Viele haben Angst vor Langzeitfolgen durch eine Impfung oder stehen dem Impfen mit Skepsis gegenüber. Sie wissen nicht, ob man den Herstellerangaben zu den Impfstoffen wirklich trauen kann und sie haben Angst, die ersten zu sein. Außerdem befürchten sie mögliche Nebenwirkungen der Impfung. Gerade jüngere Kolleginnen und Kollegen fragen auch, warum sie sich impfen lassen sollten, wenn sie das Virus dann immer noch übertragen können.

Jelinek: Auch werden viele Fragen zur Wirksamkeit der Impfstoffe gestellt. Gerade in den vergangenen Tagen wurde durch widersprüchliche Informationen in der Öffentlichkeit dazu Unsicherheit ausgelöst.

Herr Schröder, Sie sind ja auch in den Sozialen Medien aktiv. Was sind die häufigsten Aussagen zu den Corona-Impfungen, die nicht durch wissen­schaftliche Fakten belegt sind?

Schröder: Da ist alles dabei: Der Impfstoff habe Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, er verändere das Erbgut, würde selbst Erkrankungen wie z.B. Leukopenie, die Schwächung des Immunsystems auslösen oder auch die Anfälligkeit für Wild-Virus-Varianten erhöhen.

Und das sind alles reine Spekulationen?

Schröder: Ja. Die in der EU zugelassenen Impfstoffe besitzen eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit.

Jelinek: Eindeutig. Die Impfstoffentwicklung gegen das neue Coronavirus ist extrem transparent. Alle Studienprotokolle sind online abrufbar, die Ergebnisse der Prüfungen werden sehr schnell veröffentlicht. Hier kann wirklich niemand behaupten, dass etwas zurückgehalten werde.

Bildquellen

berthold-schroeder: Sebastian Berger

Impfstart in Deutschland für Allianz Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: iStock/kovop58

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