»Das viele Geld muss irgendwohin«
Herr Wolzenburg, was bewegt Menschen dazu, eine Flasche Wein für 10.000 Euro oder einen Oldtimer für 1,4 Millionen zu kaufen?
Leidenschaft. Und die Freude daran, etwas zu besitzen, was sehr wertvoll und sehr selten ist. Zum Beispiel einen BMW 507. Dieses Auto wurde insgesamt nur 254-mal gebaut. So ein Modell zu besitzen, gibt den Sammlern ein besonderes Gefühl.
Und die Sicherheit, dass ihr Geld gut angelegt ist?
Es gibt – zumindest in westlichen Kulturkreisen – nur wenige Menschen, die solche Luxusgüter sammeln, ohne dabei an Geldanlage zu denken. Es geht darum, Werte zu erhalten und das Kapital zu vermehren. Und um die Diversifikation ihres Portfolios – also, dass das Geld breit gefächert angelegt wird. Auch der Faktor Statussymbol spielt eine bedeutende Rolle.
Seit wann gibt es den Trend der »Passion Investments«?
Der Begriff hat sich in dieser Form in den vergangenen zehn Jahren entwickelt. Besonderen Schub hat er durch die Finanzkrise im Jahr 2008 bekommen und durch die begonnene Öffnung der chinesischen Märkte. Das viele Geld, das in China ist, muss ja irgendwo angelegt werden. Und bei einer Bank bekommt man heute kaum noch Zinsen.
Gibt es regionale Unterschiede beim Sammeln?
Typisch für Deutschland sind Oldtimer – besonders deutsche Marken. Das hängt stark mit unserer automobilen Geschichte zusammen; schon in den 1920er-Jahren gab es in Deutschland eine große Markenvielfalt. In den Niederlanden gibt es eine andere mobile Leidenschaft. Dort sammeln Menschen Plattbodenschiffe, weil sie in der Geschichte des Landes eine bedeutende Rolle spielten.
Nutzen die Sammler ihre Produkte auch?
Natürlich. Jemand, der etwas mit Leidenschaft kauft und sammelt, schließt das Stück nicht einfach weg. Oldtimer werden bewegt. Kunst wird gezeigt. Handtaschen werden getragen.
Und Wein wird getrunken?
Das ist von Region zu Region unterschiedlich. Europäer verwahren den Wein im Keller, beobachten, wie er sich im Wert entwickelt und verkaufen ihn dann weiter. Asiaten dagegen trinken den Wein. Sie wollen keine große Sammlung anlegen, sondern genießen. Da trinkt man dann auch mal eine Flasche für 10.000 Euro innerhalb einer halben Stunde und kann sich ehrlich darüber freuen.
Das ist aber dann kein Investment?
Das kommt auf die Sichtweise an. Wenn der Sammler investiert, um zu genießen, dann ist es das. Der Kernnutzen von Wein ist ja schließlich, ihn zu trinken.
Wie können Sammler:innen ihre teuren Gegenstände versichern?
Bis zu einer bestimmten Wertgrenze sind solche Produkte sehr gut in der Hausratversicherung aufgehoben. Aber der Wertsachenanteil ist hier streng limitiert. Daher empfehlen wir, spätestens ab 100.000 Euro Sammlungswert eine spezielle Kunstversicherung mit Allgefahrendeckung abzuschließen. Dafür gibt es unsere Kunstversicherung ArtPrivat. Alle wertvollen Leidenschaften, von Kunst über Schmuck und Uhren bis hin zu wertvollen Handtaschen, können darüber versichert werden.
Sind auch Oldtimer in der ArtPrivat abgesichert?
Für klassische Fahrzeuge ab 200.000 Euro Einzelwert haben wir mit OldtimerPrivat eine eigenständige Lösung geschaffen, die auch alle Risiken abdeckt. Alternativ gibt es die Allianz Oldtimer-Versicherung MeinOldtimer, die auch klassische Fahrzeuge unter einem Wert von 200.000 Euro einschließt.
Welche Vorteile hat die ArtPrivat außerdem für Kunden – im Vergleich zu einer normalen Hausratversicherung?
Erstens: Wir haben Mitarbeiter:innen, die den Bedarf der Kunden und Kundinnen verstehen und ihre Leidenschaft teilen. Den Kundinnen und Kunden ist es wichtig, dass es bei der Allianz Experten und Expertinnen gibt, mit denen sie auch fachlich diskutieren können. Uns wiederum gibt das die Chance, Kundenbegeisterung zu erzeugen. Und Zweitens: die klassische Allgefahrendeckung – es gibt kein besseres Versicherungskonzept.
Der Wert von edlen Weinen ist in den vergangenen zehn Jahren um bis zu 100 Prozent gestiegen, ebenso der Wert von Schmuck und Uhren. Bei Oldtimern sind es sogar mehr als 300 Prozent. Kann es sein, dass der Markt irgendwann zusammenbricht?
Damit rechne ich nicht. Es mag die eine oder andere Schwankung geben, aber im Kern zeigen alle Indikatoren für die kommenden Jahre nach oben. Ein Grund dafür ist in China zu finden: Dort entsteht gerade ein enormer Wohlstand und ein Nachholbedarf, was Luxusgüter angeht. Deshalb wächst der Sammlermarkt sehr stark, das ist auf der ganzen Welt zu spüren. Insgesamt ist sehr viel Liquidität vorhanden – dieses viele Geld sucht einen Hafen. Eine Wertsteigerungsgarantie gibt es aber nur bei den allerwenigsten Objekten.
Das bedeutet, eine Uhr, die heute zehn Millionen Euro kostet, kann irgendwann für 100 Millionen Euro verkauft werden?
Mit solchen Aussagen bin ich vorsichtig. Aber dennoch: »Salvator Mundi« von Leonardo da Vinci wurde dieses Jahr für 450 Millionen US-Dollar verkauft. Ein Auktionator sagte, dass er irgendwann die Milliarde dafür sieht. Für alle Sammelobjekte gilt schließlich: Sie müssen rar sein, sie müssen epochal gewesen sein. Deswegen ist auch die erste Briefmarke der Welt so teuer – sie war ein Meilenstein in der Geschichte.