Gründe für Berufsunfähigkeit
Inhalt
Gründe für Berufsunfähigkeit kurz erklärt
- Psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates sind häufige Ursachen für Berufsunfähigkeit. Anerkannte Krankheiten sind unter anderem Depressionen oder Arthrose.
- Im Durchschnitt wird jede vierte Person (25 Prozent) mindestens einmal im Arbeitsleben berufsunfähig. Das individuelle Risiko für Berufsunfähigkeit hängt unter anderem von Faktoren wie Alter, Berufsgruppe und persönlicher Risikoneigung ab.
- Welche Krankheiten bzw. Gründe zu einer Berufsunfähigkeit führen, ist immer vom Einzelfall abhängig. Ein pauschales Urteil ist daher nicht möglich. Ob und in welchem Maß eine Person berufsunfähig ist, hängt zum Beispiel von der Schwere der Krankheit und deren Folgen auf die ausgeübte Tätigkeit ab.
- Ihre Arbeitskraft können Sie mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) absichern. Alternativ gibt es weitere Versicherungen (z. B. Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Grundfähigkeitsversicherung und die Schwere-Krankheiten-Versicherung), die unter bestimmten Umständen vor den finanziellen Folgen der Verlust der eigenen Arbeitskraft oder körperlicher Fähigkeiten schützen.
- Sie lesen einen allgemeinen Ratgeber zum Thema: Gründe für Berufsunfähigkeit.
Welche Ursachen führen am häufigsten zu Berufsunfähigkeit?
Wann gilt man als berufsunfähig?
Laut Versicherungsvertragsgesetz (§ 172 VVG) ist eine Person berufsunfähig, wenn sie ihren zuletzt ausgeübten Beruf infolge von Krankheit, Verletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise nicht mehr ausüben kann. In der Regel legen Versicherer eine Dauer von mindestens sechs Monaten fest, in denen Betroffene zu höchstens 50 Prozent ihrer eigentlichen Arbeitsleistung fähig sind. Das heißt: Sie sind aus gesundheitlichen Gründen höchstens halb so leistungsfähig wie andere Personen mit vergleichbarer Ausbildung sowie ähnlichen Kenntnissen und Fähigkeiten. Ob das zutrifft, entscheidet im Einzelfall ein Arzt oder eine Ärztin.
Ein Beispiel: Ein Lehrer leidet an Depressionen. Aufgrund der psychischen Erkrankung ist er nicht mehr in der Lage, auf die Bedürfnisse seiner Schüler:innen einzugehen. Er entwickelt zudem Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Unter diesen Bedingungen ist er nicht mehr in der Lage, seinen Beruf mit höchstens 50 Prozent der eigentlichen Arbeitsleistung auszuüben.
Häufige Gründe für Berufsunfähigkeit
- 35,75 Prozent Erkrankungen des Nervensystems: Neurologische Erkrankungen bzw. Nervenkrankheiten können je nach Schwere der Ausprägung zur Folge haben, dass die erkrankte Person ihren beruflichen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Sie sind mit 35,75 Prozent die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Beispiele für eine solche Erkrankung sind: Depression, Burnout.
- 17,85 Prozent Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates: Eine Erkrankung des Skelett- und Bewegungsapparates ist, vor allem bei körperlich belastenden Berufen, häufig ein Auslöser einer Berufsunfähigkeit. Beispiele: Bandscheibenvorfall, Arthrose.
- 16,96 Prozent Krebs und andere bösartige Geschwülste: Eine Krebserkrankung oder ein anderes bösartiges Geschwülst hat häufig eine erhebliche Auswirkung auf die berufliche Leistungsfähigkeit. Je nach Stadium und Schwere der Krankheit löst sie daher eine Berufsunfähigkeit beim Erkrankten aus. Beispiele: Lymphdrüsenkrebs, Brustkrebs.
- 6,96 Prozent Unfälle: Schwere Verletzungen infolge eines Unfalls sind eine Ursache für Berufsunfähigkeit. Das ist dann der Fall, wenn betroffene Personen zum Beispiel nach einem Sport- oder Verkehrsunfall und dessen Auswirkungen, ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können. Beispiele: Skiunfall, Fahrrad- oder Autounfall.
- 6,16 Prozent Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems: Auch Erkrankungen am Herzen oder Gefäßsystem können eine Ursache für Berufsunfähigkeit sein. Zum Beispiel dann, wenn betroffene Personen durch die erforderliche Behandlung oder Einschränkungen in der Lebensweise für ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr einsatzfähig sind. Beispiele: Herz-Rhythmus-Störungen, Herzschwäche.
- 16,32 Prozent sonstige Erkrankungen: Auch sonstige Erkrankungen sind eine Ursache, die ein Weiterarbeiten im bisherigen Job unmöglich macht. Beispiele, die je nach Schwere eine Berufsunfähigkeit auslösen, sind: Augenerkrankungen, Tinnitus.
Hinweis: Der Grad der Berufsunfähigkeit ist abhängig von der Schwere der Erkrankung und den Auswirkungen auf den ausgeübten Beruf. Eine pauschale Einschätzung über die Berufsunfähigkeit ist daher nur im Einzelfall möglich.
Ursachen für Berufsunfähigkeit nach Alter
Deren Statistik zeigt: Sowohl bei berufsunfähigen Personen unter 40 Jahren als auch bei den 41- und 50-jährigen sind rund 35 bis 39 Prozent der wegen Erkrankungen in diesem Bereich berufsunfähig. Unter berufsunfähigen Personen über 51 Jahren sind es rund 30 Prozent, die aufgrund von Nervenkrankheiten ihren Job nicht mehr ausüben können.
Auch Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates als Ursachen von Berufsunfähigkeit bleiben im Alter relativ konstant. Nur unter den über-51-jährigen Berufsunfähigen sind im Vergleich zu den jüngeren mit 20 Prozent ungefähr vier Prozent mehr Personen wegen Skeletterkrankungen und ähnlicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen berufsunfähig.
Anders ist es bei Krebserkrankungen als Ursache von Berufsunfähigkeit nach Alter: Hier ist ein höherer Anteil der Berufsunfähigen über 41 Jahre alt (ca. 19 Prozent). Unter den Berufsunfähigen unter 40 Jahren sind 14 Prozent aufgrund von bösartigen Tumoren nicht mehr arbeitsfähig.
Schwerwiegende Unfälle werden der Statistik zufolge im Alter weniger: Sind es bei Berufsunfähigen bis 40 Jahren noch ca. 12 Prozent, gelten bei Betroffenen über 51 ungefähr sechs Prozent aufgrund von Unfällen als berufsunfähig. Bei Herzerkrankungen ist es genau umgekehrt.
Die Gründe für Berufsunfähigkeit 2020 im Vergleich zu 2025
Bereits 2020 waren Nervenkrankheiten bzw. psychische Erkrankungen der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit. 2025 ist diese Ursache laut MORGEN & MORGEN im Vergleich noch relevanter geworden: In den vergangenen fünf Jahren ist der Anteil der Nervenkrankheiten als Ursache von Berufsunfähigkeit von knapp 33 Prozent auf 35,75 Prozent gestiegen. Das ist ein Plus von mehr als zwei Prozent. Einzig der Anteil von Krebserkrankungen hat als Ursache für Berufsunfähigkeit innerhalb desselben Zeitraums ebenfalls zugenommen – um ca. ein Prozent.
Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates (17,85 Prozent), Unfälle (6,96 Prozent) und sonstige Erkrankungen (16,32 Prozent) sind dagegen jeweils um ein bis zwei Prozent zurückgegangen. Der Anteil von Herzerkrankungen als Ursache von Berufsunfähigkeit ist im Vergleich von 2020 (6,98 Prozent) zu 2025 (6,16 Prozent) leicht rückläufig.
Quellenangaben
Werte geprüft von MORGEN & MORGEN GmbH, Stand: M&M Office 5.14.00, Abb. D V25036, Stand: 04/2025
Psychische Erkrankungen als Gründe für Berufsunfähigkeit unterschätzt
Berufsunfähigkeit betrifft längst nicht nur Personen, die bei der Arbeit körperlich tätig sind (z. B. Bauarbeiter:in, Kellner:in). Zwar sind physische Ursachen des Stütz- und Bewegungsapparates durchaus ein häufiger Grund für Berufsunfähigkeit. Noch häufiger sind in den vergangenen Jahren jedoch psychische Ursachen. So hat der Alltagsstress im Büro häufig Folgen für die Gesundheit und äußert sich vermehrt in psychischen Erkrankungen wie Burnouts und Depressionen. Diese haben häufig zur Folge, dass eine Fortführung der Arbeit für die betroffenen Person unmöglich ist. Mit rund 34,5 Prozent sind psychische Erkrankungen der häufigste Leistungsauslöser bei einer festgestellten Berufsunfähigkeit.
Trotz der vielfältigen Gründe für eine Berufsunfähigkeit unterschätzen viele Deutsche das Risiko, das von einem Verlust der eigenen Arbeitskraft ausgeht. Das zeigt eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2022: Darin gaben lediglich 15 Prozent der volljährigen befragten Personen an, die eigene Arbeitskraft mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert zu haben. Dabei empfiehlt die Verbraucherzentrale allen Menschen, die von ihrem Einkommen leben, den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Der Grund: Die Verbraucherschützer halten die Berufsunfähigkeitsversicherung neben der Privathaftpflichtversicherung für die wichtigste private Versicherung, da diese mit dem Verlust der eigenen Arbeitskraft ein existenzbedrohendes Risiko abdeckt.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden?
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Alter
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Frauen
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Männer
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|---|---|---|
| 20-Jährige | 38% | 43% |
| 30-Jährige | 37% | 41% |
| 40-Jährige | 35% | 39% |
| 50-Jährige | 29% | 34% |
Wichtig: Grund für die mit zunehmendem Alter sinkenden Prozentwerte ist die kürzere Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) bzw. der immer kürzer werdende Zeitraum bis zum Rentenbeginn, nicht das geringer werdende BU-Risiko. Im Gegenteil: Altersbedingt steigt mit den Jahren das Krankheitsrisiko – und damit die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden.
Wie hoch das individuelle Risiko für Berufsunfähigkeit ist, hängt von mehreren Kriterien ab. Dazu zählen:
- Alter: Das Alter hat Einfluss auf das BU-Risiko. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, zu erkranken oder körperlich abzubauen. Bis zu einem Maße, dass die Fortführung des Berufs unmöglich ist. Demgegenüber ist der Renteneintritt zeitlich näher. Der Fakt, dass weniger Arbeitsjahre bis zum Ruhestand abzuleisten sind, verringert das theoretische BU-Risiko.
- Berufsgruppe: Personen mit Berufen, die schwere körperliche Arbeit erfordern, (z. B. Dachdecker:in, Altenpfleger:in), stufen Versicherer oft in Berufsgruppen mit eher hohem BU-Risiko ein. Personen mit Bürojob (z. B. Lehrer:in, Architekt:in) ordnen sie meist ein eher geringes BU-Risiko zu.
- Gesundheit und Lebensstil: Faktoren wie Vorerkrankungen, Übergewicht oder Rauchen beeinflussen den individuellen Gesundheitszustand – und somit die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Arbeitslebens berufsunfähig zu werden.
- Risikoneigung: Extremsportarten und gefährliche Hobbys (z. B. Motorradfahren, Fallschirmspringen, alpines Klettern) können das persönliche BU-Risiko erhöhen.
Fazit: Jede Person kann berufsunfähig werden – auch schon in jungen Jahren. Umso sinnvoller ist es, die eigene Arbeitskraft beispielsweise mit einer BU-Versicherung frühzeitig abzusichern.
Welche Krankheiten führen zu Berufsunfähigkeit?
Welche Krankheiten zu Berufsunfähigkeit führen, lässt sich daher nicht pauschal sagen. Der Grund: Es gibt keine Erkrankungen, die zwangsläufig zu Berufsunfähigkeit führen. Anerkannte Krankheiten bzw. Berufskrankheiten wie bei der Unfallversicherung gibt es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung deshalb nicht. Für die Bestimmung des BU-Grads sind vor allem diese Kriterien relevant:
- Ausprägung der Krankheit: Je schwerer die Erkrankung ist, desto wahrscheinlicher beeinträchtigt sie die berufliche Tätigkeit.
- Auswirkung auf ausgeübte Tätigkeit: Welche Konsequenzen die Erkrankung für den beruflichen Alltag der betroffenen Person hat, kommt stark auf das Berufsbild bzw. die im Job auszuführenden Haupt- und Nebentätigkeiten an.
Ein fiktives Beispiel: Für eine Profi-Sportlerin oder einen Profi-Sportler kann ein Bandscheibenvorfall einen BU-Grad von 100 Prozent bedeuten. Denn für ihre bzw. seine berufliche Tätigkeit ist eine normal belastbare Bandscheibe Grundvoraussetzung. Bei einer Ärztin oder einem Lehrer wird bei derselben Diagnose möglicherweise ein BU-Grad von 75 oder 50 Prozent festgestellt. Denn in beiden Jobs ist die sportliche Leistung bzw. körperliche Belastbarkeit kein Hauptkriterium, um die berufliche Tätigkeit regulär ausüben zu können. In anderen Berufsgruppen kann ein Bandscheibenvorfall je nach Schwere teilweise keinen BU-Grad zur Folge haben.
Wann und wie lange leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung?
In der Regel leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn die versicherte Person ihren erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich mindestens sechs Monate zu weniger als 50 Prozent ausüben kann. Anspruch auf Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente besteht so lange, wie die festgestellte Berufsunfähigkeit anhält. Die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet maximal bis zur vereinbarten Dauer. Das bedeutet: Bis die versicherte Person das Alter erreicht, das sie bei Vertragsabschluss ausgewählt hat (z. B. Renteneintrittsalter).
Voraussetzung, um die Berufsunfähigkeitsrente, also die Leistung der Berufsunfähigkeit zu beantragen, ist ein ärztlicher Nachweis über die Berufsunfähigkeit. Das ist in der Regel ein ärztliches Attest, in dem die Berufsunfähigkeit bescheinigt ist. Abhängig vom Anbieter ist es möglich, den Antrag für eine Berufsunfähigkeitsrente bei der BU-Versicherung online zu stellen. In der Regel schickt der Versicherer der antragstellenden Person im Anschluss einen Fragebogen zu, in dem unter anderem Details zu Dauer und Ursache der Berufsunfähigkeit anzugeben sind. Ergänzend fragt die Versicherung Befunde und Prognosen bei behandelnden Ärztinnen oder Ärzten an und bittet eventuell weitere Instanzen um Auskunft (z. B. Berufsgenossenschaft, Krankenhaus). Teilweise kann ein zusätzliches Gutachten erforderlich sein.
Möglichkeiten: Wie kann man Berufsunfähigkeit absichern?
Erwerbsminderungsrente vom Staat reicht nicht aus
Berufsunfähigkeitsversicherung
Werden Sie berufsunfähig, federt die BU-Versicherung Ihren Einkommensverlust mit einer monatlichen Rente ab. Je nach Versicherer und Tarif können Sie zusätzliche Leistungen wie eine Pflegevorsorge integrieren. Die meisten BU-Versicherungen leisten, wenn Sie bereits seit sechs Monaten ununterbrochen mindestens zu 50 Prozent berufsunfähig sind oder es voraussichtlich mindestens sechs Monate sein werden. Je jünger und gesünder Sie bei Abschluss der BU sind, desto geringer sind in der Regel Ihre Beiträge.
Wichtig: Voller Berufsunfähigkeitsschutz besteht nur, wenn Sie Vorerkrankungen wahrheitsgemäß angeben.
Weitere Vorsorgemöglichkeiten
Je nach Beruf und individuellem Bedarf können auch andere Policen zur Absicherung der Arbeitskraft infrage kommen. Weitere Möglichkeiten, um sich abzusichern, sind zum Beispiel:
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Zahlt eine monatliche Rente, wenn die versicherte Person erwerbsunfähig wird. Die meisten Versicherer leisten, wenn man weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann.
- Grundfähigkeitsversicherung: Sichert elementare körperliche und geistige Fähigkeiten (z. B. Sehen, Sprechen, Gehen) ab, deren Verlust die Ausübung des Berufs erschwert oder unmöglich macht. Je nach Anbieter ist der Versicherungsschutz mit Zusatzleistungen erweiterbar (z. B. bei Allianz KörperSchutzPolice).