- Franchisesysteme erfahren unter Gründenden immer größere Beliebtheit. Der Grund: Ein Franchise Unternehmen zu gründen, ist eine gute Möglichkeit für Existenzgründer:innen, die Risiken einer Selbstständigkeit deutlich zu minimieren.
- Als Franchisenehmer:in greifen Sie auf ein bereits bestehendes Konzept und erfolgreiches Geschäftsmodell zurück. Sie teilen Arbeit und Verantwortung mit einem größeren Team.
- Ein Franchise Unternehmen zu gründen ist in fast jeder Branche und auch ohne Fachkenntnisse möglich. Denn der Franchisegeber unterstützt seine Franchisenehmer:innen in sämtlichen geschäftlichen Fragen.
- Die Partnerschaft zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer:in ist durch einen Franchisevertrag gesetzlich geregelt, der z. B. die Lizenzgebühren für die Nutzung der Marke und Produkte bzw. Dienstleistungen des Franchisegebers festlegt.
Franchise Unternehmen gründen: Auf den Punkt gebracht
Was ist ein Franchise Unternehmen?
Franchising Unternehmen gründen – über alle Branchen hinweg
Laut Statistischem Bundesamt waren in Deutschland 2021 knapp 1.000 verschiedene Franchisesysteme gemeldet, mit rund 180.984 Einzelunternehmen und einem Umsatz von rund 135,9 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Ob Lebensmittel, Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie, Bau und Gebäude oder Sport, Wellness und Fitness: Kooperationen mit Franchise Unternehmen finden sich über alle Branchen hinweg – für große etablierte Marken genauso wie für junge Startup-Unternehmen. Generell wird unterschieden in
- Waren- oder Produktfranchising: Gastronomiebetriebe bzw. Fastfood-Ketten wie McDonald’s® oder Subway® oder zum Beispiel Modeboutiquen wie Esprit
- Vertriebsfranchising oder Distributionsfranchising: Diese älteste Form des Franchisings besetzen z. B. OBI-Baumärkte, Aral-Tankstellen oder Fressnapf.
- Dienstleistungsfranchising: Reisebüros (TUI), Optiker (Apollo), Fitnessstudio-Ketten (McFit) oder Autovermietungen (Hertz)
Anteile der einzelnen Branchen an der Franchise-Wirtschaft
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| Branche | Anteil |
| Dienstleistungsbranche | 44 % |
| Gastronomie, Touristik und Freizeit | 30 % |
| Handelsbranche | 19 % |
| Handwerk, Bau und Sanierung | 7 % |
Wie funktioniert das Franchise-System?
Als Franchisenehmer:in profitieren Sie von einer bestehenden Geschäftsidee und einem Geschäftsmodell, das sich im Idealfall bereits vielfach auf dem Markt etabliert hat. Das reduziert das Risiko und zeitaufwendige Schritte wie Konzeptentwicklung und Zielgruppenanalyse entfallen. Marke und Qualität der Produkte genießen bereits ein gewisses Kundenvertrauen und bei Online-Unternehmen profitieren Franchisenehmer:innen oft von einem bestehenden Kundenstamm.
Im Gegensatz zu Einzelunternehmern und -unternehmerinnen, die z. B. ein Kleingewerbe gegründet haben, starten Sie als Franchise nicht allein in die Selbstständigkeit, sondern haben einen Partner bzw. ein Team an Ihrer Seite, mit dem Sie die Arbeit und Verantwortung teilen können. Mit Unterstützung des Franchisegebers und einer Lizenz für dessen Konzept können Franchisenehmer:innen eine eigene Filiale eröffnen.
Die Rahmenbedingungen dieser Kooperation sind nicht gesetzlich geregelt, sondern werden in einem sogenannten Franchise-Vertrag festgehalten. Das Ziel: überregionale Verkaufsförderung der vom Franchisegeber angebotenen Produkte oder Dienstleistungen. Mit Ablauf der Lizenzzeit soll sich zudem die von den Franchise:nehmerinnen investierte Summe mindestens amortisiert haben. Um diese Ziele zu erreichen und erfolgreich ein Franchise Unternehmen aufzubauen, müssen beide Parteien bestimmte Aufgaben erfüllen.
Aufgaben der Franchisenehmer:innen
Franchisenehmer:innen können bei der Unternehmensgründung auf ein funktionierendes System zurückgreifen und vom bestehenden Vertriebsnetz des Partners profitieren. Dafür…
- …zahlen sie für Lizenz, die Nutzung von Marke und Konzept eine monatliche Gebühr.
- …verpflichten sie sich, den Franchisegeber regelmäßig über Unternehmenszahlen und Geschäftsentwicklungen zu informieren.
- …sorgen sie für ein nach außen hin einheitliches Unternehmensbild und fördern so die Markenidentität.
- …besuchen sie laufend Fortbildungen und Schulungen des Franchisegebers.
- …führen sie in Abstimmung mit dem Franchisegeber Marketing- und Verkaufsförderungsmaßnahmen durch.
Aufgaben des Franchisegebers
Der Franchisegeber unterstützt die Franchisenehmer:innen umfassend von der Gründung und dem Aufbau des Betriebs bis zur laufenden Geschäftstätigkeit bei:
- Standortsuche und -analyse sowie Einrichtung und Planung der Räumlichkeiten
- Vertragsschließungen bzw. Bereitstellung von Vertragsunterlagen und Abschlüssen mit Lieferanten (Größenvorteil, z. B. bei Einkäufen)
- Marketing und Vertriebsmaßnahmen
- Weitergabe von Know-how durch Schulungen
- Finanzierung (höhere Kreditwürdigkeit, bessere Konditionen)
- Versicherung sowie regelmäßige Beratung und Evaluierung der Betriebsabläufe
Bestandteile des Franchise-Vertrages
Wer ein Franchise Unternehmen gründen will, kommt an ihm nicht vorbei: Der Franchise-Vertrag ist die juristische Basis jeder Geschäftsbeziehung und beschreibt die Rechten und Pflichten von Franchisegeber und Franchisenehmer:in.
Das Problem: Ein Franchise-Vertrag zählt zu den sogenannten „Mischverträgen“, d. h. er vereint mehrere Aspekte anderer Rechtsverträge in sich. Im Gesellschaftsrecht ist nicht klar geregelt, wie ein Franchise-Vertrag genau auszusehen hat. Er wird daher stets für die Anforderungen des jeweiligen Franchise-Systems individuell ausgestaltet. Folgende Bestandteile sollte der Vertrag aber in jedem Fall enthalten:
- Gegenstand des Franchisings, d. h. Produkt, Dienstleistung oder Vertriebsmodell
- Nutzungsrechte und Schutzrechte von Marke, Konzept, Design und Corporate Identity
- Rechte und Pflichten des Franchisegebers und Franchisenehmers oder der Franchisenehmerin
- Franchise-Handbuch mit allen relevanten Infos und der Anleitung für das Franchise
- Beschreibung der zur Verfügung gestellten Waren
- Vertragsdauer bzw. Lizensierungsfrist (mindestens fünf Jahre, ggfs. Verlängerungsklausel)
- Vorgaben zu Einrichtung und Ausstattung sowie zum fortlaufenden Betrieb
- Schulungen, Weiter- und Fortbildung
- Einsatz von Marketingmaßnahmen und Werbekonzepten
- Weisungs- und Kontrollrechte
- Geheimhaltungsklauseln und etwaige Vertragsstrafen
- Bilanzierung
- Eintrittsgebühr (Lizenzgebühr) sowie laufende Franchisegebühren (abhängig vom Umsatz)
Wichtig: Einem Franchise-Vertrag liegt rechtlich immer ein dauerhaftes Schuldverhältnis zu Grunde. Das bedeutet: Für die Übergabe von Nutzungsrechten und Know-how an die Franchisenehmer:innen, zahlen diese dem Franchisegeber eine Gebühr und verpflichten sich zur Einhaltung des vertraglich verankerten Konzepts und einem einheitlichen Markenauftritt.
Kosten
Einmalige Kosten:
Zunächst wird eine einmalige Eintrittsgebühr an den Franchisegeber fällig. Hinzu kommen weitere Kosten für Behördengänge, die Innenausstattung, Räumlichkeiten und die Erstausstattung mit Ware bzw. Geschmacksproben und Mustern.
Laufende Kosten:
Neben den einmaligen Kosten sind regelmäßige und vertraglich festgelegte Gebühren von einem bestimmten Prozentsatz des Nettoumsatzes (meist zwischen einem und fünf Prozent) fällig. In diesen Gebühren sind neben der Bereitstellung von Know-how durch den Franchisegeber auch die Nutzung der Marke und Werbemitteln enthalten. Darüber hinaus sind z. B. Kosten für IT-Aufwendungen, Miete, Personal und Außenanlagen zu berücksichtigen.
Kostenbeispiel:
Für die Eröffnung einer Filiale des Franchise Unternehmens „Studienkreis – Die Nachhilfe“ benötigen Sie mindestens 5.000 Euro Eigenkapital und eine einmalige Investitionssumme von ca. 30.000 Euro, die auch die Eintrittsgebühr von 14.500 Euro abdeckt. Dafür fallen im ersten Geschäftsjahr nur reduzierte Lizenz- und Marketinggebühren an.
Finanzierung
Eigenkapitalquote
Gründen ohne Eigenkapital
Fördermöglichkeiten
Welche Franchise Unternehmen gibt es in Deutschland?
Weltweit haben Fastfoodketten unter den erfolgreichsten Franchise Unternehmen die Nase vorn. Auch hierzulande steht eine Fastfoodkette auf dem ersten Platz. Dies sind die zehn bekanntesten Akteure in Deutschland:
- NORDSEE (Gastronomie)
- BoConcept (Einzelhandel)
- Easyfitness (Fitness und Gesundheit)
- e-motion (Einzelhandel)
- Town & Country (Handwerk)
- Immergrün (Gastronomie)
- Linde Gas (Einzelhandel)
- Küche&Co (Einzelhandel)
- TeeGeschwender (Einzelhandel)
- PROMEDICA PLUS (Dienstleistungen)
Ist ein Businessplan Voraussetzung für die Gründung?
Ein Businessplan ist ein wichtiges Gründungsinstrument und bietet deutliche Vorteile für den Franchisegeber, der die Franchisenehmer:innen bei dessen Erstellung unterstützt, die Bank und für Franchisenehmer:innen selbst. Folgende Aspekte enthält ein Businessplan:
- Begründung: Warum entscheidet sich ein Franchisenehmer oder eine Franchisenehmerin gerade für dieses Unternehmen? Die Antwort dient als Argumentation für die Geschäftsidee und das Konzept.
- Marktanalyse: Jeder Standort ist anders, eine vorherige Marktforschung notwendig
- Erfolgsfaktoren: Festschreiben der Bedingungen für ein erfolgreiches Unternehmen
- Finanzierung: Festhalten des für die Gründung benötigten Kapitals
- Zahlen & Fakten: Der Franchisegeber liefert an die Marktforschung angepasste Daten zu Kosten und Erlösen anderer Filialen.
- Persönliche Erklärungen: Angaben zur Person und warum Sie sich in der Lage sehen, in ein bestimmtes Franchise-System einzusteigen und erfolgreich ein Franchise Unternehmen zu führen
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