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Paar sitzt im Wohnzimmerund liest ein Dokument
Von Erbaus­schlagung bis Steuer­frei­beträge 

Was Sie zu Erbe und Erb­schafts­steuer wissen müssen

Kurz erklärt in 30 Sekunden
  • Erben werden entweder in einem Testament oder durch die gesetzliche Erbfolge bestimmt. Enge Verwandte haben das Recht auf einen Pflichtteil von 50 Prozent des gesetzlichen Erbteils. Wer nicht erben möchte, kann das Erbe ausschlagen.
  • Grundsätzlich ist jeder, der in Deutschland erbt, verpflichtet, Erbschaftssteuer zu bezahlen.
  • Ob und wie viel Erbschaftssteuer anfällt, hängt von drei Faktoren ab:
    Dem Steuerfreibetrag, dem Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser und der vererbten Summe. Je näher der Verwandtschaftsgrad zwischen Erbe und Erblasser ist, desto höher ist der Freibetrag und desto geringer ist der Steuersatz.
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Paar in der Küche am Esstisch mit Dokumenten und Laptop
 

In einem Testament kann der Erblasser schon zu Lebzeiten regeln, wer seine Erben werden sollen. Nach dem Tod wird das Testament dann eröffnet; vor dem Tod als potenzieller Erbe einen Einblick in das Testament zu bekommen, ist nur mit dem Einverständnis des Erblassers möglich. Der Nachlass kann dann, wie in der testamentarischen Verfügung festgelegt, auf die Erben verteilt werden. Ist einer der Erbberechtigten bereits verstorben, kann der Erblasser zu Lebzeiten einen anderen Erben benennen. Hat er oder sie das nicht getan, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Handelt es sich bei dem verstorbenen Erben um einen Nachkommen des Erblassers, wird das Erbe in der Regel an dessen Nachkommen weitergegeben.
  • Handelt es sich bei dem verstorbenen Erben nicht um einen Nachfahren des Erblassers, greift in der Regel die gesetzliche Erbfolge.

Gibt es kein Testament, greift die gesetzliche Erbfolge. Diese richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad mit dem Erblasser. An erster Stelle stehen dabei Ehepartner und Kinder, danach kommen Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen. Als Drittes folgen Großeltern, Onkel und Tanten sowie Cousins und Cousinen. 

Hat der Erblasser einen seiner nächsten Angehörigen enterbt, steht ihm oder ihr in den meisten Fällen trotzdem ein Pflichtteil zu. Dieser beträgt 50 Prozent des gesetzlichen Erbteils. Diese Regelung greift aber nur für die engste Familie:

  • Kinder und Adoptivkinder
  • Ehepartner und Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft
  • Eltern, wenn der Erblasser keine Kinder hat

Enkel und Urenkel können nur dann einen Pflichtteil bekommen, wenn ihre Eltern bereits verstorben sind. Keinen Anspruch auf einen Pflichtteil haben Geschwister und Großeltern.

Entscheidend für die Berechnung des Pflichtteils ist die Höhe des gesetzlichen Erbteils. Dabei müssen alle Verwandten berücksichtigt werden, auch wenn sie erbunfähig sind, von der Erbfolge ausgeschlossen wurden oder das Erbe ausgeschlagen haben. Die einzige Ausnahme ist, wenn einer der gesetzlichen Erben schon zu Lebzeiten des Erblassers auf sein Erbe verzichtet hat.

Wenn Sie Ihr Erbe nicht annehmen möchten, zum Beispiel weil der Nachlass überschuldet ist oder aus persönlichen Gründen, können Sie die Erbschaft ausschlagen. Dies müssen Sie innerhalb einer Frist von sechs Wochen ab Kenntnisnahme der Erbschaft beim zuständigen Nachlassgericht tun, eine einfache Mitteilung an die anderen Erben genügt nicht. Mit der Ausschlagungserklärung teilen Sie ausdrücklich mit, dass Sie das Erbe und alle damit verbundenen Rechte und Pflichten nicht annehmen. Sie haben also auch keinen Anspruch mehr auf den Pflichtteil. Wenn Sie bereits Gegenstände aus dem Nachlass entnommen haben, müssen Sie diese zurückzugeben.
Wenn Sie das Erbe ausschlagen, kommen Kosten auf Sie zu: Einen überschuldeten Nachlass auszuschlagen kostet 30 Euro, ansonsten richtet sich der Preis nach dem Wert des Nachlasses. Zusätzlich kommen gegebenenfalls noch Notarkosten hinzu.
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Gut zu wissen

Sie brauchen nicht unbedingt einen Erbschein, um als Erbe zu gelten. Auch eine noch bestehende Vollmacht des Erblassers, ein eröffnetes notarielles Testament oder ein Testamentsvollstreckerzeugnis können Sie als Erbberechtigten ausweisen. Bei der Regelung des Nachlasses kann ein Erbschein allerdings oft nützlich sein, zum Beispiel im Umgang mit Banken. Der Erbschein beweist, dass Sie offiziell Erbe sind.

Doch Achtung: Ist der Erbschein einmal beantragt, gilt das Erbe als angenommen. Es nachträglich auszuschlagen ist dann nur noch schwer möglich.

Mann in Anzug mit Headset
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Erbmasse in Deutschland
Balkendiagramm zur Erbmasse in Deutschland 2015-2024
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Definition und recht­liche Grund­lage
Wie der Name bereits vermuten lässt, muss die Erbschaftssteuer für Vermögenswerte, die nach dem Tod des Erblassers weitervererbt wurden, bezahlt werden. Sie muss aber nur für den Teil des Erbes entrichtet werden, der über dem Steuerfreibetrag liegt. Die Höhe der Steuer richtet sich nach der vererbten Summe und dem Verwandtschaftsgrad zwischen Erbe und Erblasser.

Gesetzliche Grundlage ist das Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG). Darin ist nicht nur die Besteuerung eines Erbes festgehalten, sondern auch die für Schenkungen, Stiftungen und sogenannte Zweckzuwendungen. Aber auch im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sind grundlegende Dinge zu Erbschaften festgehalten. 

Wer muss Erb­schafts­steuer bezahlen?

Grundsätzlich ist jeder, der in Deutschland erbt, verpflichtet, Erbschaftssteuer zu bezahlen. Wer also durch eine testamentarische Verfügung erbt oder wer ohne letztem Willen zum Erben durch die gesetzliche Erbfolge wird, ist prinzipiell steuerpflichtig.
Dies gilt auch, wenn Sie lediglich den Pflichtteil des Erbes erhalten.

Die Erbschaftssteuer ist aber erst dann fällig, wenn Sie das Erbe angenommen haben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie beim Nachlassgericht einen Erbschein beantragen oder schlichtweg innerhalb der sechswöchigen Frist das Erbe nicht ausschlagen.

Muss das gesamte geerbte Vermögen versteuert werden?

Entscheidend ist, ob Erbe und Erblasser sogenannte "Inländer" sind oder vor dem Tod waren. Als Inländer gilt, wer einen Wohnsitz beziehungsweise seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland hat oder weniger als fünf Jahre durchgängig im Ausland gelebt hat.

Sind Erbe oder Erblasser Inländer, muss das gesamte Erbe versteuert werden. Es reicht, wenn ein Beteiligter Steuerinländer ist, es müssen nicht beide sein. Man spricht hier von einer unbeschränkten Steuerpflicht. Die beschränkte Steuerpflicht greift dann, wenn keiner der Beteiligten Inländer ist, aber sogenanntes Inlandsvermögen Teil des Erbes ist, zum Beispiel ein Grundstück in Deutschland. 

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Wie viel bleibt vom Erbe?
Je nachdem, wie eng Sie mit dem Erblasser verwandt waren, steht Ihnen ein Steuerfreibetrag zu – je näher der Verwandtschaftsgrad, desto höher der Freibetrag.
Beispiele für Freibeträge im Fall einer Erbschaft können Sie folgender Tabelle entnehmen:

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Verwandtschaftsgrad

Steuerfreibetrag
Ehepartner und Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft 500.000 €
Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder, Enkelkinder, wenn deren Eltern verstorben sind 400.000 €
Enkelkinder 200.000 €
Eltern, Großeltern, Urenkelkinder 100.000 €

Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehepartner und Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft

Gilt auch für Eltern und Großeltern, wenn es sich um eine Schenkung und keine Erbschaft handelt.

20.000 €
Sonstige Personen 20.000 €
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Wie viel ist tatsächlich fällig?
Für alles geerbte Vermögen, das über dem Steuerfreibetrag liegt, muss Erbschaftssteuer bezahlt werden. Wie hoch die Steuer ist, hängt von der Steuerklasse und der vererbten Summe ab.

Die drei Steuerklassen ergeben sich aus dem Verwandtschaftsgrad mit dem Erblasser:

  • Steuerklasse 1: u. a. Ehepartner und eingetragene Lebenspartner, Kinder, Stief- und Adoptivkinder, Eltern und Großeltern
  • Steuerklasse 2: u. a. Geschwister, Nichten und Neffen, Schwiegerkinder und Stiefeltern
  • Steuerklasse 3: alle übrigen Erben

Anhand dieser Steuerklasse ergibt sich ein Steuersatz, der sich nach der vererbten Summe richtet:

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Erbschaft bis Steuerklasse 1 Steuerklasse 2 Steuerklasse 3
75.000 7 % 15 % 30 %
300.000 11 % 20 % 30 %
600.000 15 % 25 % 30 %
6.000.000 19 % 30 % 30 %
13.000.000 23 % 35 % 50 %
26.000.000 27 % 40 % 50 %
Mehr 30 % 43 % 50 %
 

Ein Beispiel: Angenommen Sie haben von Ihrem Vater ein Aktiendepot in Höhe von 600.000 Euro geerbt.
Als Kind des Erblassers haben Sie einen Steuerfreibetrag von 400.000 Euro. Sie liegen also 200.000 Euro über dem Freibetrag. Für diesen Betrag müssen Sie Erbschaftssteuer zahlen.

Da der Erblasser Ihr Vater ist, fallen Sie in Steuerklasse 1. Aus der zu versteuernden Summe ergibt sich ein Steuersatz von 11 Prozent.
200.000 x 11 % = 22.000
Für das geerbte Aktiendepot müssen Sie also 22.000 Euro Erbschaftssteuer bezahlen.

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Gut zu wissen
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