Haftungsfrage ist immer eine Einzelfallentscheidung 

Wer haftet bei Hunderangeleien?

(25.10.2019) Beim Gassi gehen im Wald oder Park treffen Hundehalter zwangsläufig auch auf andere Hunde und deren Halter. Nicht kommt es bei solchen Begegnungen zu Rangeleien zwischen den Vierbeinern. Aber wer muss Schadensersatz leisten, wenn eine Person bei einem Gerangel verletzt wird? Wenn zwei Hunde raufen, sind zwei Halter dafür verantwortlich – denkt man. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe hat nach Hunderangeleien unterschiedliche Einzelfallentscheidungen getroffen.

 

Welcher Hund war schuld?

Diese Frage stellte sich auch das OLG Karlsruhe. Nach einer Rangelei zweier Hunde wurde einer der Halter durch Bisse am Kopf verletzt. Deshalb wollte er den Besitzer des anderen beteiligten Hundes auf Schmerzensgeld verklagen und zog vor das Landgericht (LG) Mannheim. Dieses wies die Klage allerdings ab: Es sei nicht feststellbar, welcher Hund zugebissen habe. Nachdem der Kläger Berufung gegen diese Entscheidung eingelegt hatte, landete der Fall vor dem OLG Karlsruhe. Welcher Hund tatsächlich zugebissen hat, spielte für den Urteilsspruch keine Rolle. Vielmehr waren die Umstände, die zur Rangelei geführt haben, von Interesse. Die Aggressivität ihres Hundes war der Beklagten bekannt. Wenige Wochen vor dem Vorfall griff der Terrier einen anderen Hund an und biss dessen Halterin in die Hand. Das OLG konnte kein Mitverschulden des Klägers feststellen, weshalb die Beklagte für den vollen Schaden haftet: Sie musste Verdienstausfall von 3.100 Euro und Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 Euro zahlen (Az. 7 U 86/18).

Schlaganfall nach Hundebiss

Weitaus schwerere Verletzungen durch eine Hunderangelei erlitt eine Halterin aus Mannheim. Ihr Retriever traf während eines Spaziergangs auf einen Schäferhund und dessen Halter. Beide Hunde waren nicht angeleint, weshalb es zu einer Rangelei kam. Die Hundehalterin wurde in die Hand gebissen und zog sich eine Mittelhandfraktur zu. Nach der Operation dieser Verletzung erlitt sie eine Lungenembolie und einen Schlaganfall. Sie verklagte den Halter des Schäferhundes auf Schmerzensgeld. Das LG Mannheim stellte die volle Haftung des Beklagten fest und verurteilte ihn zur Zahlung von 50.000 Euro Schmerzensgeld. Er wusste um die Aggressivität seines Hundes und hatte ihn nicht im Griff. 

Der Beklagte legte Berufung ein und zog vor das OLG Karlsruhe. Dieses entschied, dass der Hundebesitzer nur zur Hälfte für die Folgen des Hundebisses haftet – und somit auch nur die Hälfte des verhängten Schmerzensgeldes an die Klägerin zahlen muss. Welcher der Hunde tatsächlich für die Verletzung gesorgt hat, spielte bei der Urteilsfindung keine Rolle. Beide Parteien waren sich um die Tiergefahr ihrer Hunde im Klaren (Az. 7 U 24/19).

Gut zu wissen: Urteile zu Hundebissen und deren Folgen sind immer Einzelfallentscheidungen. Wer haftet muss anhand der gegebenen Umstände ermittelt werden. Es gibt also keine Garantie dafür, dass Sie als Hundehalter nach einer Rangelei nicht zur Verantwortung gezogen werden – auch, wenn Ihr Hund nicht selbst zugebissen hat. 

Sichern Sie sich ab, denn Hunde verpflichten: Laut Gesetz stellt schon die Haltung eines Tieres eine Gefahr dar, die sogenannte Gefährdungshaftung. 

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