Vorstellungsgesprächsituation: Mann und Frau mit Tablet in der Hand unterhalten an einem Tisch
Vorbestraft oder schwanger?

In Vorstellungsgesprächen ist nicht jede Frage erlaubt

(04.06.2020) Arbeitgeber prüfen Bewerber in Vorstellungsgesprächen häufig auf Herz und Nieren. Während Fragen zum beruflichen oder schulischen Werdegang kein Problem sind, begeben sich viele Arbeitgeber mit privateren Fragen auf dünnes Eis. Wird Ihnen eine unzulässige Frage gestellt, müssen Sie diese nicht beantworten. Teils dürfen Sie in einer solchen Situation sogar zu Lügen greifen.

Pauschale Frage nach Vorstrafen unzulässig

In einem aktuellen Fall stellte sich das Arbeitsgericht Bonn auf die Seite des Angestellten. Der Auszubildende wurde im Bewerbungsgespräch zu Vorstrafen und laufenden Ermittlungsverfahren befragt und verneinte die Frage, obwohl zu diesem Zeitpunkt ein Strafprozess wegen Raubes anhängig war. Ein Jahr später sollte der Auszubildende seine Haftstrafe antreten, wobei die damalige Lüge aufflog. Der Arbeitgeber wollte den Arbeitsvertrag anfechten, scheiterte jedoch vor Gericht (Az. 5 Ca 83/20).

Das Gericht erklärte, die Frage sei zu pauschal gestellt worden. Als Fachkraft für Lagerlogistik habe der Auszubildende zwar mit kostspieligen Vermögensgütern zu tun, doch nicht jede Straftat stehe dieser Tätigkeit im Weg. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Auszubildenden habe hier Vorrang. Deshalb habe er die unzulässige Frage im Bewerbungsgespräch nicht wahrheitsgemäß beantworten müssen.

Welche Fragen sind unzulässig?

Vereinfacht gesagt gilt: Der Arbeitgeber darf Ihnen im Bewerbungsgespräch nur Fragen stellen, die für die ausgeschriebene Stelle relevant sind. Private Fragen – darunter Fragen nach Krankheiten, der politischen Gesinnung oder Ihrer religiösen Ausrichtung – fallen nur in den seltensten Fällen darunter. Und selbst dann muss der Arbeitgeber sehr präzise in seiner Formulierung sein. Bewerben Sie sich beispielsweise auf eine Stelle in einem Chemielabor, darf Ihr Gegenüber Sie nach bestehenden Allergien fragen. Die pauschale Frage nach Krankheiten ist jedoch unzulässig.

In jedem Fall unzulässig sind Fragen nach einer bestehenden Schwangerschaft oder Ihrer Familienplanung. Wird Ihnen diese Frage dennoch gestellt, dürfen Sie offiziell lügen. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass es gegen Sie ausgelegt werden könnte, wenn Sie die Antwort schlicht verweigern.

Doch Vorsicht: Beantworten Sie eine zulässige Frage nicht wahrheitsgemäß, kann der Arbeitgeber Ihren Arbeitsvertrag Jahre später noch anfechten. Die Verjährungsfrist beginnt erst dann zu laufen, wenn Ihr Arbeitgeber von Ihrer Lüge erfährt. Ab Kenntnisnahme der arglistigen Täuschung hat Ihr Chef ein Jahr lang Zeit, Ihnen eine Anfechtungserklärung zukommen zu lassen. Diese beendet das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung. Den bereits gezahlten Lohn müssen Sie in diesem Fall jedoch nicht zurückerstatten.

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