Paar steht auf der Dachterasse eines Bürogebäudes
Darf der Chef ein Verbot aussprechen?

Liebe am Arbeitsplatz

(07.11.2019) Der Fast-Food-Konzern McDonald's trennte sich vor Kurzem von seinem Vorsitzenden Steve Eastbrook. Grund für die Kündigung war das Bekanntwerden einer Liebesbeziehung zwischen dem CEO und einer Angestellten des Konzerns. Da dies gegen die Ethikrichtlinie des US-Unternehmens – den sogenannten „code of conduct“ – verstößt, musste Eastbrook seinen Posten aufgeben. Auch in Deutschland ist Liebe am Arbeitsplatz keine Seltenheit: Doch darf der Arbeitgeber auch hierzulande Beziehungen pauschal verbieten und welche Konsequenzen drohen?

Liebesverbot verstößt gegen Persönlichkeitsrechte

Laut einer Umfrage des Karriereportals StepStone hatten ganze 23 Prozent der Deutschen bereits eine Beziehung am Arbeitsplatz. Konsequenzen wie in den USA müssen dabei aber nicht befürchtet werden, wie das wegweisende Walmart-Urteil zeigt.

Im Jahr 2005 sorgte der US-Konzern Walmart für Aufsehen. Anhand einer Ethikrichtlinie verbot die Supermarktkette seinen rund 12.500 in Deutschland beschäftigten Angestellten Beziehungen am Arbeitsplatz. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf erklärte das Verbot schließlich für unwirksam. Es sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, da es die Persönlichkeitsrechte der Angestellten zu sehr einschränke. Der Arbeitgeber dürfe sich nicht in die persönlichen Belange der Beschäftigten einmischen.

Wenn die Liebe die Arbeitsleistung beeinträchtigt

Zwar kann Liebe am Arbeitsplatz hierzulande nicht direkt mit einer Kündigung geahndet werden, doch sollten verliebte Arbeitnehmer Privates und Berufliches dennoch strikt voneinander trennen. Wer zu sehr auf Wolke Sieben schwebt oder sich gar auf ein Tête-à-Tête im Kopierraum trifft und dabei die Arbeit vernachlässigt, muss mit einer Abmahnung rechnen. Es handelt sich dann um eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten. Kommt es erneut zu einem Fehlverhalten, kann der Arbeitgeber unter Umständen eine ordentliche Kündigung aussprechen. Ob diese wirksam ist, muss das zuständige Arbeitsgericht jeweils im Einzelfall entscheiden.

Zwangsversetzung möglich?

Bevor direkt zu Abmahnung und Kündigung gegriffen wird, versuchen einige Arbeitgeber der Liebelei am Arbeitsplatz durch eine Versetzung Herr zu werden. Diese muss allerdings „nach billigem Ermessen“ erfolgen. Ihr Chef darf Sie beispielsweise nicht von Abteilung A in Abteilung B versetzen, obwohl Sie gemäß Arbeitsvertrag ganz klar für Erstere eingestellt wurden. Auch dürfen Ihre Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden. Hatten Sie zuvor einen ruhigen Platz in einem kleinen Büro, darf Ihr Chef Sie aufgrund Ihrer Beziehung nicht in ein lautes Großraumbüro weit entfernt von Ihren direkten Kollegen versetzen.

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