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Arzttermin während der Arbeit: Was muss ich beachten?

Rechtsfrage des Tages: Muss ich meinem Chef sagen, wieso ich zum Arzt gehe? 

Allianz - Ich habe einen dringenden Arzttermin während der Arbeit. Mein Boss will wissen, wieso. Hat er ein Recht darauf? Ein Fachanwalt gibt Antworten.

Ich habe einen dringenden Arzttermin. Mein Boss will wissen, wieso. Hat er ein Recht darauf? Und kann er mir verbieten, während der Arbeit zum Arzt zu gehen? Rechtsanwalt Oliver Kieferle von der Münchner Kanzlei Wolff Schultze Kieferle – Fachanwälte für Arbeitsrecht, gibt Antworten:



Herr Kieferle, muss ich meinem Chef die Wahrheit sagen, wenn er mich nach dem Grund für einen Arzttermin fragt?

OLIVER KIEFERLE: Wenn Sie nach dem „Müssen“ fragen, ist die Antwort eindeutig: nein. Hier geht es um Gesundheitsdaten, und die gelten als besonders sensibel, weil sie das individuelle Persönlichkeitsrecht betreffen. Das ergibt sich auch aus dem Bundesdatenschutzgesetz. Weder hat der Arbeitgeber ein allgemeines Recht, solche Daten abzufragen, noch darf er Gesundheitsdaten ohne ausdrückliche Einwilligung des Arbeitnehmers speichern oder anderweitig verwenden. Daher steht zum Beispiel auf dem gelben Schein, den der Arzt als Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt, auch ganz bewusst nicht seine Diagnose.

Mir geht’s während der Arbeitszeit plötzlich schlecht – muss ich meinem Chef sagen, wieso ich heim gehe?

In der Praxis ist es wohl meist so, dass man aus Gründen der Kollegialität zumindest ungefähr Bescheid sagt, was einem fehlt. Aber streng genommen haben Sie dazu keine Verpflichtung. Sie müssen sich abmelden und mitteilen, dass es Ihnen schlecht geht, aber nicht sagen, was der konkrete Grund ist.

Nächster Fall. Ich sage meinem Chef: „Du, ich habe nächsten Montag einen Arzttermin, daher komm ich erst um 12.“ Da könnte er den Verdacht hegen, ich wolle mein Wochenende verlängern, weil das dann wohl kaum an einer akuten Erkrankung liegt...

Das stimmt, und daher wäre hier auch seine Frage berechtigt, ob der Termin nicht außerhalb der Arbeitszeit stattfinden könnte. Und zwar aus eigenem finanziellen Interesse: Denn nach dem Gesetz kann der Arbeitnehmer seinen Vergütungsanspruch auch für die Zeit eines Arztbesuchs behalten, obwohl keine Arbeitsunfähigkeit bestand. Ihr Chef muss die Vergütung also zahlen, auch wenn Sie in der Zeit nichts für die Firma tun. Aber es wird auch erwartet, dass man sich als Mitarbeiter bemüht, solche Termine außerhalb der Arbeitszeit zu legen. Hat der Arbeitgeber an dem Bemühen Zweifel, müssen Sie nachweisen können, dass es anders nicht ging oder der Arztbesuch unumgänglich ist. Das kann Ihnen übrigens Ihr Arzt bescheinigen – auch ohne den konkreten Grund zu benennen.

Sie betonten anfangs das „Müssen“ – was meinen Sie damit?

Dass es Konstellationen geben kann, in denen Sie aus eigenem Interesse erklären sollten, wieso Sie krank waren oder sind. Angenommen, jemand fällt immer wieder oder sehr lange aus, ohne Gründe zu nennen, und der Arbeitgeber spricht daraufhin eine krankheitsbedingte Kündigung aus. Er würde – da er die genauen Ursachen ja nicht kennt – aus den Fehlzeiten eine „negative Prognose“ ableiten, dass der Arbeitnehmer auch künftig für seine Tätigkeit nicht mehr geeignet oder zumindest unverhältnismäßig eingeschränkt ist. Um diese Prognose zu widerlegen und damit die Wirksamkeit der Kündigung in Frage zu stellen, kann der Arbeitnehmer die Ursachen offenlegen. Das täte er dann allerdings im eigenen Interesse.

Gibt es Ausnahmen bei bestimmten Krankheiten?

Ich würde eher von bestimmten „Konstellationen“ sprechen. Angenommen, ein Koch bekommt einen hochansteckenden Ausschlag. Das muss er als Angestellter in der Nahrungsmittelbranche laut Infektionsschutzgesetz unverzüglich seinem Arbeitgeber melden. Es ist eben immer eine Interessenabwägung. Das Interesse des Arbeitnehmers, seine Gesundheitsdaten geheim zu halten, hat per se zwar einen sehr hohen Stellenwert. Aber es kann eben sein, dass das allgemeine Interesse der Bevölkerung größer ist und daher im Einzelfall vorgeht.

Herr Kieferle, wie ist es mit meiner Krankenakte beim Hausarzt – darf mein Chef sie einsehen, wenn er vermutet, dass ich etwas habe, was meine Leistungsfähigkeit im Job mindert?

Nein, ich kann mir keinen Fall vorstellen, in dem ein solches Recht besteht. Es kann nur sein, dass der Arbeitnehmer die Daten aus eigenem Interesse offenlegt – wie gerade bei der Kündigung beschrieben. Ein ähnliches eigenes Interesse gilt mit Blick auf ein „Betriebliches Eingliederungs-Management“.

Was ist das?

Wenn jemand in den vergangenen zwölf Monaten mehr als sechs Wochen krank war, hat er das Recht, dass ihm sein Arbeitgeber ein solches Eingliederungs-Management anbietet. Das Ziel dabei ist, gemeinsam herauszufinden, was das Unternehmen tun sollte, damit der Arbeitnehmer wieder beschwerdefrei arbeiten kann. Etwa, wenn sich herausstellt, dass er aufgrund ungeeigneter Büromöbel immer Rückenschmerzen hatte. Um das herauszufinden, muss der Arbeitgeber natürlich wissen, um welche Beschwerden es geht.

Ist dieses Eingliederungs-Management verpflichtend?

Es besteht – bei den genannten Krankheitszeiten – die Verpflichtung des Arbeitgebers, es anzubieten. Ob der Arbeitnehmer es annimmt, steht ihm hingegen frei. Hier geht es wieder um sein Eigeninteresse: dem Schutz der eigenen Gesundheitsdaten oder eventuell besserer Arbeitsbedingungen.

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