Szene: Am Anfang sind Zettel mit Listen von Kräutern eingeblendet. Sie hängen an der Wand in einem Geschäft. Dort wird Obst und Gemüse abgewogen und der Preis mit einem Taschenrechner ermittelt. Dann sehen wir Sybille Schönberger in einer Show-Küche. Sybille Schönberger: Wenn ich sage: Du hast 200 Gramm Mehl, gibst zwei Eier hinein, einen Spritzer Öl und ein bisschen Salz, dann weiß ich immer noch nicht, wie sich der Teig anfühlen muss. Denn das Ei kann groß oder klein sein; der Eigelbanteil ist dann etwas höher, der Eiweißanteil etwas niedriger – und schon funktioniert das mit der Konsistenz einfach nicht. Szene: Szenenwechsel zu einem Dönerspieß: Eine Knoblauchzehe wird zerdrückt. Zurück in der Küche bei Sybille Schönberger stehen Soßen auf dem Herd. Sybille Schönberger: Man entwickelt sich ja ständig weiter und kombiniert verschiedene Aromen und Geschmacksrichtungen. Man darf sich dabei nicht einfach einen Vollmilchschokoladengeschmack vorstellen; mir ist vielmehr wichtig, dass man das fühlt, spürt und riecht. Szene: Ein Regal mit Salatkräutern wird eingeblendet. Danach sieht man, wie in einem Topf eine Soße mit einem Schneebesen umgerührt wird. Anschließend holt Sybille Schönberger eine Orange aus einem Regal im Laden. Sybille Schönberger: Man soll Kochen wirklich mit allen Sinnen erleben können, denn nur dann kann ich es auch begreifen. Szene: Nun sieht man Sybille wieder in der Küche. Sie spricht direkt in die Kamera. Sybille Schönberger: Und die Kunst ist nicht, Trüffel oder Gänsestopfleber zu braten, sondern die Forelle von Bauer Schmidt nebenan so perfekt auf den Teller zu bringen, dass sie nicht trocken ist und nicht nach Modderschlamm schmeckt. Szene: Sybille Schönberger ist wieder im Gemüseladen und erklärt: Sybille Schönberger: Dass das Gemüse, das dazukommt, von der Konsistenz her einwandfrei ist. Szene: Dann kommt wieder ein Dönerspieß ins Bild. Sybille Schönberger: Und wenn alle Sinne positiv beeinflusst werden, dann ist es das perfekte Kunstwerk. Szene: Sybille Schönberger ist zurück in der Küche. Sybille Schönberger: Wenn ich aber sage, ich schmecke ganz genau: Da fehlt dieses oder jenes Gewürz, oder die Gewürzkruste ist verbrannt – deshalb schmeckt es nicht, weil sie verbrannt ist. Wenn Gewürze verbrennen, schmeckt alles nur noch nach verbranntem Gras; dann ist es vorbei. Und wenn ich fundiert begründen kann, warum ich diese Entscheidung jetzt treffe, vermittle ich dem Zuschauer natürlich auch, dass ich Wissen habe, dass ich zu Recht ausgezeichnet bin oder vielleicht auch zu Recht als Jurorin dasitze und Essen kritisiere. Szene: Es wird ein Ausschnitt aus einem früheren Video einer Fernsehsendung eingeblendet, in dem Sybille Schönberger Gerichte bewertet. Sybille Schönberger: Schmeckt sehr lecker. Von der Konsistenz her ist es ein kleines bisschen schleimig. Manchmal liegt es auch einfach an der Kartoffelsorte. Off-Sprecher: Das lag an der Sorte. Sybille Schönberger: Das mit dem Fernsehen muss man als Koch irgendwann für sich vereinbaren. Im Fernsehen musst du nicht gut kochen können. Szene: Das Video ist zu Ende, und wir sehen Sybille Schönberger wieder in der Küche. Sybille Schönberger: Ich habe auch lange gebraucht, mich mit dem Titel „Fernsehköchin“ auseinanderzusetzen, weil er immer einen leicht faden Beigeschmack hat. Szene: Nun sehen wir Sybille wieder im Gemüseladen, vor den Bananen. Sybille Schönberger: Also, wenn ich jetzt mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet bin – oder jemand anderes eben auch –, birgt das die Gefahr, dass man nicht glaubwürdig wirkt. Szene: Die Szene geht in einem Imbiss an einem Stehtisch weiter. Sybille Schönberger: Ich versuche natürlich immer, in meinen Statements – zum Beispiel bei der Küchenschlacht, wenn ich ein Gericht probiere –, mit fundiertem Wissen zu argumentieren und keinen Unsinn zu erzählen. Manchmal – man kann nicht alles wissen – sagt man vielleicht auch etwas, das nicht ganz hundertprozentig stimmt. Aber nur so kann ich vermitteln, dass ich all meine Auszeichnungen, die ich gesammelt habe, auch zu Recht bekommen habe. Viele fragen mich: „Wie schaffst du das alles?“, wenn ich all meine Tätigkeiten aufzähle. Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich nicht so viel darüber nachdenke, ob ich es überhaupt schaffe. Szene: Sybille Schönberger isst im Imbiss. Auf der Scheibe hinter ihr liest man das Wort „Pizza“. Ein Mitarbeiter des Imbisses schneidet Fleisch von einem Dönerspieß. Sybille Schönberger: Wenn ich morgens aufstehe und sage: „Der Tag ist gut“, dann schafft man das, glaube ich. Man darf nicht verlernen, auf seinen Körper zu achten. Szene: Die Kamera zeigt die Köchin nun wieder beim Imbiss. Sybille Schönberger: Das muss man sich einfach auch nehmen. Man kann nicht von Termin zu Termin hetzen oder versuchen, immer alles perfekt zu machen – denn diese perfekte Welt gibt es nicht. Die gibt es einfach nicht. Eingeblendeter Text: Sybille Schönberger, Gourmetköchin. Regie: Romeo Grünfelder. Kamera: Jürgen Alswede. Ton: Bobby Dehzad. Musik: Tobi Hang. Producer: Anna-Lena Tisson. Aufnahmeleitung: Martin Trotz. Maske: Steff Winkeloh. Redaktion: Christian Weishuber. Making-of: Martin Gericke. Eine Produktion von Mhoch4, die Fernsehagentur, powered by Allianz. Firmenlogo. 12-reflections-on-risk.de