Szene: Wir sehen eine telefonierende Geschäftsfrau – erst in einem Taxi, dann auf einem Platz. Sie organisiert etwas Wichtiges. Anschließend kommt ein Kreuzfahrtschiff ins Bild. Danach steht die Frau an einem Schalter am Flughafen und geht später in ein Hotel. Tina Kirfel: Wenn ich jetzt zum Beispiel in Spanien bin, dann funktioniert etwas völlig anderes als in Frankreich – oder in Russland oder im Mittleren Osten. Und da lernst du schon sehr, dich an der einen oder anderen Stelle zurückzunehmen und zuzuhören. Denn die Kulturen, die da aufeinandertreffen, müssen funktionieren; sonst funktioniert das ganze „Konzept Schiff“ nicht. Szene: Die Kamera schwenkt zu einem Taxi. Frau Kirfel erklärt weiter. Tina Kirfel: Man lebt da, man arbeitet da. Und da kann nicht jeder abends nach Hause gehen, um die Tür zuzumachen und sich in sein Privatleben zurückzuziehen. Szene: Frau Kirfel ist nun im Hotel und spricht mit dem Concierge. Tina Kirfel: Es muss einfach rund um die Uhr funktionieren. Und ich glaube: Weil niemand für möglich gehalten hat, dass so etwas passieren könnte, wirkt es bis heute immer noch unfassbar. Szene: Frau Kirfel telefoniert weiter im Auto. Tina Kirfel: Unvorstellbar finde ich, wie so etwas in der heutigen Zeit überhaupt passieren kann. Gleichzeitig sehen wir: Ein Schiff ist ein Verkehrsmittel – und ein Verkehrsmittel kann auch einen Unfall haben. Das hat zu einer totalen Veränderung geführt. Szene: Die Frau befindet sich wieder an einem Flughafen. Sie spricht mit einer Frau am Check-in-Counter. Tina Kirfel: Das hat ein ganz drastisches Umdenken in der Marketingstrategie der Reedereien erfordert. Jahrelang haben wir vor allem „Blech auf Wasser“ in den Vordergrund gerückt. Niemand wollte das Risiko auf sich nehmen, einfach mal ein bisschen etwas auszuprobieren. Szene: Frau Kirfel telefoniert nun in ihrem Hotelzimmer. Draußen ist es dunkel. Tina Kirfel: Durch dieses tragische Unglück war man quasi dazu gezwungen, Dinge umzusetzen, ohne sie vorher wirklich getestet zu haben. Das Risiko war enorm, weil man gar nicht so richtig wusste, wie das beim Markt und bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Risiko gibt es immer, wenn du neue Dinge entwickelst, die noch niemand zuvor gemacht hat. Szene: Frau Kirfel sitzt wieder im Auto. Anschließend sieht man sie telefonierend in einem Hotelzimmer. Tina Kirfel: Dann sagen so viele Leute: „Ach, das funktioniert sowieso nicht – daran glauben wir einfach nicht.“ Ein Risiko ist, dass man sich davon von seinem Weg abbringen lässt. Szene: Frau Kirfel ist erneut unterwegs zu sehen. Tina Kirfel: Wenn man einen Job hat, bei dem erwartet wird, dass man Neues anstößt und umsetzt, muss man auch wissen: Wenn ich den Job annehme, gehe ich das Risiko ein, dass ich verletzt werde. Das ist so. Szene: Die Kamera zeigt Frau Kirfel erneut in einem Taxi, während sie telefoniert. Tina Kirfel: Dagegen kann man sich auf keinen Fall schützen. Aber man kann lernen, es auszuhalten und reflektierter zu betrachten. Man kann auch mal sagen: „Okay, vielleicht war es nötig, dass ich diesen Schmerz aushalten musste“, um es hinterher besser zu machen oder mich weiterzuentwickeln – als Mensch, als Führungskraft, als Person. Und insofern glaube ich, dass es ganz wichtig ist, solche Emotionen auch zu erleben. Ja, das kann einen aus der Bahn werfen. Szene: Die Kamera wechselt wiederholt zwischen Szenen am Flughafen und im Taxi; die Frau ist dabei immer am Telefon. Tina Kirfel: Ich glaube, manchmal muss es das sogar – weil man auch nur besser wird durch Dinge, die wehtun, die einen verletzen. Wenn ich von etwas total überzeugt bin – dass meine Strategie und die Idee, die ich jetzt habe, funktionieren –, dann geht man noch einmal einen Schritt weiter, um es zum Erfolg zu bringen. Nicht bei 80 Prozent aufzuhören, sondern erst, wenn man weit über 100 Prozent geht. Das ist ein ganz tiefer, innerer Antrieb. Ich glaube, dafür braucht es immer ganz viel eigenen Mut und die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen. Große Dinge sind in der Welt entstanden, weil Visionäre und Menschen von etwas zutiefst überzeugt waren, woran vorher niemand geglaubt hat – das sich aber hinterher als richtig und machbar herausgestellt hat. Es geht nicht darum, Dinge zu tun, die wahnsinnig sind. Aber wir versuchen, uns durch so viele Regeln nach rechts und links abzusichern, dass man am Ende des Tages keinen Schritt mehr nach vorn kommt. Musik: Outromusik setzt ein. Eingeblendeter Text: Tina Kirfel – Managerin. Regie: Romeo Grünfelder. Kamera: Frank Schlotterbeck. Ton: Jens Hein. Musik: Tobi Hang. Producer: Anna-Lena Tisson. Produktionsassistenz: Carolin Eickmeyer. Aufnahmeleitung: Kristin Köster. Maske: Lena Teegen. Redaktion: Christian Weishuber. Making-of: Ivan Ernst. Eine Produktion von Mhoch4, die Fernsehagentur. Powered by Allianz. 12-reflections-on-risk.de