Szene: Intro-Musik. Die Kamera fokussiert ein Foto, das Angela Merkel und die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer zeigt. Darunter: ein handgeschriebener Text der ehemaligen Bundeskanzlerin, der die Überlebende würdigt. Parallel dazu erscheint die Einblendung: „Gemeinsam stark für das, was uns verbindet. Power of Unity“. Szenenwechsel zum Wohnzimmer von Margot Friedländer. Parallel dazu erscheint die Einblendung: „Die Allianz im Gespräch mit Margot Friedländer“ Interviewerin der Allianz: Frau Friedländer, ganz herzlichen Dank, dass wir heute hier bei Ihnen sein dürfen. Und das darf ich auch stellvertretend sagen für alle Allianz Mitarbeiter, die sich unglaublich darüber gefreut haben, dass wir Sie heute hier besuchen dürfen. Und wir haben wirklich ein überwältigendes Feedback bekommen, und da haben ganz viele Fragen eingereicht, und eine dieser Fragen ist: Sie setzen die Botschaft „Seid Menschen“, und eine Kollegin hat gefragt, was ist Ihre ganz persönliche Definition, wenn Sie sagen: „Seid Menschen“? Margot Friedländer: Mensch sein heißt, tut nicht etwas, was euch wehtun würde, zum Beispiel. Das ist einfach das Einfachste, nichts Schlechtes zu tun, was jetzt schon seit vielen Jahren in den Schulen passiert. Das Mobbing zum Beispiel. Margot Friedländer: Das tut doch weh. Margot Friedländer: Also, wenn ihr das macht. Warum macht ihr das? Interviewerin der Allianz: Was treibt Sie an, sich zu engagieren? Margot Friedländer: Es ist für euch! Was war, können wir nicht mehr ändern, es darf nicht wieder geschehen. Wir können nichts machen, aber es ist in eurer Hand, für eure Zukunft, für die Nachkommen, für die Demokratie des Landes und der Welt. Interviewerin der Allianz: Sie hegen aber dabei gar keine Wut, gar keinen Groll über das, was vergangen ist. Wie schaffen Sie denn das, gerade in Zeiten wie heute? Szene: Einblendung zu einer Schwarz-weiß-Aufnahme von zerstörten Städten während des Zweiten Weltkrieges sowie Familienporträts von Frau Friedländer aus dieser Zeit. Interviewerin der Allianz: Wo es so viele leider nicht schaffen, zu vergeben? Margot Friedländer: Ich kann euch nicht beschuldigen, was war, war. Es leben noch viele, die da etwas getan haben, aber ihr solltet euch darüber klar sein, dass das dann keine Menschen waren. Dass sie etwas getan haben, das nicht menschlich ist. Für mich – ihr, ihr müsst es wissen. In eurem Herzen muss etwas drin sein von dem, was wir erlebt haben, dass es nicht passieren darf. Was war, war doch so schrecklich! Szene: Es werden Schwarz-weiß-Szenen aus dem Krieg von damals gezeigt. Man sieht viele Soldaten und Panzer. Margot erscheint im Bild und sitzt in ihrem Arbeitszimmer und bedient ihren PC. Margot Friedländer: Das sitzt bei mir und denen, die wir es erlebt haben, es sitzt bei uns drin. Dass ich aber nicht euch beschuldigen will, ist doch ganz klar. Ihr habt nichts damit zu tun gehabt. Interviewerin der Allianz: Sie gehen ja in die Schulen, das finde ich besonders beeindruckend. Und stellen sich vor die Klassen, lesen etwas aus Ihrem Buch vor. Warum ist dieser unmittelbare Dialog mit den Schülern für Sie so wichtig? Margot Friedländer: Das sind diejenigen, die dafür zu sorgen haben, dass es ihre Zukunft, die Zukunft für die Länder, für die jungen Menschen – und so muss es anfangen. Ja, die Eltern müssen sehen, Kinder zu erziehen, Mensch zu sein. Menschen zu akzeptieren, ganz egal, welche Hautfarbe, welche Religion. Gucken Sie, es gibt doch kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Wir haben doch alle dasselbe Blut. Wir kommen doch alle auf dieselbe Art und Weise auf die Welt. So seid euch doch klar darüber, dass es nicht richtig ist, wenn ihr Menschen nicht anerkennt als Menschen, oder? Interviewerin der Allianz: Im Moment haben wir eine Situation, wo wir in der Gesellschaft respektlosen Umgang miteinander erleben. Ich frage mich, was kann man tun, damit die Menschen wieder respektvoller miteinander umgehen? Margot Friedländer: Dass es Menschen gibt, die nicht dasselbe haben wie du, aber Menschen sind. Respektieren. Bringt es weiter, gebt es, gebt es weiter. Behaltet es nicht für euch, seid laut! Sprecht eure Meinung, und die anderen auch. Nicht nur an sich denken, an alle denken, und was gewesen ist, besonders! Denn das ist etwas, was unmenschlich war, darf nicht für euch, für die Zukunft, passieren. Interviewerin der Allianz: Am fünften November werden Sie 103 Jahre. Was wünschen Sie sich zum Geburtstag? Margot Friedländer: Gesundheit. Margot Friedländer: Dass ich noch ein bisschen Zeit habe, etwas zu sagen. Wir brauchen euch alle! Ihr müsst das machen, ich kann es nicht mehr tun. Es ist ja für euch, guckt mal, für eure Kinder, für deren Nachkommen. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die man machen kann. Interviewerin der Allianz: Was sind solche Kleinigkeiten? Margot Friedländer: Anhören, was ein anderer sagt. Margot Friedländer: Hört zu. Margot Friedländer: Denn mit Menschen, die nicht zuhören, kann man nicht richtig sprechen. Die wollen nicht anders, Versucht, Menschen zu akklimatisieren, Mensch zu sein. Das ist mein Motto. Interviewerin der Allianz: Ich habe heute mit ganz vielen verschiedenen Menschen gesprochen, auf meinem Weg zu Ihnen, und immer, wenn ich Ihren Namen gesagt habe, sind wirklich Herzen aus den Augen geflogen, und die Augen haben geleuchtet. Und dann habe ich mich gefragt: Was lässt Ihre Augen leuchten? Margot Friedländer: Dass ich scheinbar etwas geschafft habe. Wo ich doch nur sage: Mensch zu sein, das ist nicht das … Menschen das anerkennen, was immer es ist. Bei den Versuchen zu erklären, menschlich zu sein, mit den Fehlern und dem Guten, was wir haben, Margot Friedländer: es anzuerkennen. Margot Friedländer: Wir können nicht alle Engel sein, aber menschlich sein. Szene: Allianz-Logo wird eingeblendet