Szene: Dr. Christian Schulze entfernt Zecke mit Pinzette aus dem Arm Dr. Christian Schulze: Diese Zecke ist erfolgreich entfernt. Wir zeigen Ihnen heute alles zum Thema Zeckenentfernung, welche Krankheiten als Risiken dort mit verbunden sind und worauf Sie im weiteren Verlauf achten sollen. Viel Spaß. Grafikeinblendung: Gelbes Fahrradlogo mit Schriftzug "Ihr Sportarzt" wird eingeblendet und Intro Musik ist zu hören. Szene: Dr. Christian Schulze sitzt in der Hocke im hohen Gras Dr. Christian Schulze: Mein Name ist Dr. Christian Schulze und wir sind heute hier in der freien Natur unterwegs. Es geht um das Thema Zecke und die Zecke hält sich in der Regel in der Höhe von 0 bis 25 cm über dem Boden auf. Dementsprechend können Sie dann dort, wenn Sie mit kurzen Hosen unterwegs sind, als Freizeitsportler oder die Kinder insbesondere, wenn Sie mal draußen rumlaufen oder auch Menschen, die in der Freizeit draußen arbeiten, wie beispielsweise Forstwirte oder Landwirte, sich diese Zecken dann dort holen. Szene: Dr. Christian Schulze zeigt auf sein Bein und deutet den Weg der Zecke Richtung Leiste. Dr. Christian Schulze: Wenn die Zecke dann mal auf Ihrem Bein ist, dann bewegt sie sich hier relativ schnell nach oben. Ich zeige Ihnen mal die Geschwindigkeit, in der das passiert. Die ist dann doch schon so schnell. Das heißt, sie ist innerhalb von wenigen Sekunden dann in der Hose verschwunden beispielsweise und Sie kriegen die gar nicht mit. Das ist ja auch der Grund, weshalb Sie insgesamt nur 40% Ihrer Zeckenstiche mitbekommen. Die setzt sich nämlich dann hier oben irgendwo ab, wo es schön warm und dunkel ist und saugt sich voll. Und wenn sie vollgesaugt ist, dann wird sie entsprechend wieder abfallen. Jetzt ist ja noch die Frage, ob die Zecke beißt oder sticht. Es ist so, dass die Zecke zunächst beißt. Das heißt, sie ritzt die Haut auf mit ihren Beißwerkzeugen. Aber danach sticht sie tatsächlich ihr entsprechendes Röhrchen in sie rein, um das Blut zu saugen. Das heißt, es ist eine Kombination aus beidem. Fazit daraus ist dann natürlich für Sie, dass Sie, wenn Sie im Gebüsch unterwegs sind, sich anschließend gut absuchen. Auch die Kinder gut absuchen nach Zecken. Komplett ausziehen halt. Gucken, sitzen sie irgendwo im Bereich Unterhose oder so, weil sie da hochgelaufen sind. Im Bereich zwischen den Beinen und im Leistenbereich ganz häufig anzutreffen. Oder auch in der Kniekehle, wo man nicht so gut hingucken kann. Szene: Dr. Christian Schulze setzt mit Zeckenzange am Arm an Dr. Christian Schulze: Und wenn wir jetzt eine Zecke entdecken, wie beispielsweise hier, dann können wir zum einen diese Zeckenzange hier nehmen, wo wir dann so da drauf gehen, die Zecke schön einfangen und dann entsprechend rausziehen. Szene: Dr. Christian Schulze setzt mit Pinzette am Arm an Dr. Christian Schulze: Oder wir gehen mit so einer scharfen Pinzette so neben der Zecke dran. Jetzt ziehen Sie die Zecke langsam, aber kontinuierlich raus, senkrecht nach oben. Ganz wichtig ist, dass Sie die Zecke möglichst weit unten fassen, an der Nähe der Haut, damit die Zecke nicht erbricht. Es ist nicht schlimm, dass da noch ein bisschen Werkzeug drin bleibt in der Haut. Das fällt dann irgendwann raus, das heilt der Körper aus. Aber insgesamt ist es ganz wichtig, dass Sie die Zecke nicht zerbrechen und zerquetschen hinten, weil ansonsten erbricht sie den Inhalt eventuell mit dem Krankheitserreger in Sie hinein. Szene: Dr. Christian Schulze steht aufrecht vor Gebüsch Dr. Christian Schulze: Stichwort Krankheitserreger, was gibt es dort? Es gibt zum einen die FSME, die ist vor allen Dingen in Baden-Württemberg und Bayern vorhanden, nicht jedoch auf der linksrheinischen Seite in Deutschland. Und zum anderen gibt es noch die Borreliose, die ist sehr viel häufiger vorhanden und die tritt auch sehr viel häufiger auf. Wie hoch sind die Wahrscheinlichkeiten für beide Erkrankungen? Im FSME-Gebiet für die FSME-Übertragung durch den Zeckenstich liegt die Wahrscheinlichkeit so bei 1 zu 10.000. Während sie bei uns hier im Bereich, zum Beispiel bei der Borreliose, sehr viel höher liegt. Da ist es schon so, dass jede hundertste Zecke quasi zu einer Übertragung der Borreliose führt. Wovon hängt das jetzt ab, dass die Borreliose übertragen wird? Das hängt vor allen Dingen davon ab, dass die Zecke infiziert ist und von der Zeit, die die Zecke im Körper verbleibt. Je länger die Zecke im Körper drin ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit. Deswegen auch nochmal mein Tipp, durchsuchen Sie sich zeitnah, nachdem Sie draußen waren. Entfernen Sie die Zecke ebenfalls zeitnah, damit Sie dieses Risiko allein schon dadurch stark minimieren. Als Fazit bleibt zu sagen, der Zeckenbiss ist ein Risiko für Erkrankungsübertragung. Es ist aber kalkulierbar und ist vor allen Dingen auch minimierbar durch die Themen, die wir Ihnen gesagt haben. Schnelles Absuchen, gründliches Absuchen, möglichst zeitnahes und vollständiges Entfernen der Zecke, ohne dass die Zecke erbricht. Da auch nochmal der Hinweis, hören Sie auf, mit Öl oder Klebstoff oder sonstigen Agenzien an der Zecke zu hantieren, so dass die Zecke dadurch eventuell, weil es ihr schlecht wird, tatsächlich dann erbricht. Dann haben Sie nämlich genau das Gegenteil von dem, was ich Ihnen versuche zu empfehlen, erreicht. Lassen Sie das am besten weg. Und ansonsten, wenn Sie irgendwo Probleme haben, Sie kommen nicht ganz mit der Zecke klar, um sie zu entfernen, dann gehen Sie auch gerne zum Notdienst und lassen Sie sich dann die Zecke vom Arzt vollständig entfernen. Was dann im weiteren Verlauf noch wichtig ist bei der Borreliose, ist die sogenannte Wanderröte, die auftreten kann. Das tritt nach ungefähr 7 bis 14 Tagen auf. Das ist eine flächige Rötung mit einem meistens etwas dunkelrot abgesetzten Rand in einer variablen Größe, auch mit einem variablen Ort, deswegen auch Wanderröte genannt. Das muss nicht unbedingt im Bereich des Einstichs sein. Das heißt, Sie sollten nach 7 bis 14 Tagen sich auch danach nochmal untersuchen, wie diese Wanderröte aussieht. Können Sie auch relativ schön googlen, kann ich nur empfehlen. Und wenn diese Wanderröte da ist, dann sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen und das direkt ihm zeigen. Denn diese Wanderröte ist eine Rötung, die nicht juckt, die nicht weh tut, einfach nur da ist. Die ist auf jeden Fall ein klinisches Zeichen für eine Borreliose. Dann ist ganz dringend erforderlich, dass Sie eine Antibiotikatherapie direkt bekommen, über drei Wochen. In der Regel mit einem Wirkstoff-Doxycyclin, 200 Milligramm einmal am Tag. In der Zeit sollten Sie dann auch nicht so viel in die Sonne gehen, weil dieses Doxycyclin zu einer leichten Fototoxizität führen kann. Aber dann ist es halt so weit, dann haben Sie die Borreliose, die dann behandelt werden sollte. Das ist meist auch recht effektiv. Ich untersuche dann bei den Patienten gerne noch nach 6 bis 8 Wochen den Behandlungserfolg, indem ich dann das Blut abnehme. Die Blutwerte sind bei der Wanderröte beim Auftreten noch gar nicht erhöht. Aber danach kann ich Ihnen dann genau sagen, wenn es der erste Infekt war, ob die Behandlung effektiv war und die Borreliose geheilt ist oder nicht. Und das ist halt ganz wichtig. Worauf Sie auch noch achten sollten ist bei diesen ganzen Insektenstichen natürlich, dass Sie gegen Tetanus geimpft sind, alle 10 Jahre. Das ist ganz entscheidend. Und zusammenfassend kann ich nur sagen, danke für Ihre Aufmerksamkeit. Wenn Sie noch Fragen haben zum Thema Zeckenbiss, hinterlassen Sie die gerne hier unten in der Kommentarfunktion. Wenn Ihnen der Chat gefallen hat, geben Sie uns gerne einen Daumen nach oben oder abonnieren den Kanal. Ich sage so lange, danke und auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal. Dr. Christian Schulze: Ciao.